Taschenuhr mit Leuchtzifferblatt (ca. 1920),19-liniges FHF-Werk, Umschalten ohne Winkelhebelfeder (Brevet ✚ 51482)

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andi2

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Diese Taschenuhr benutze ich seit einigen Monaten als gelegentliche Trageuhr, nachdem ich sie mir hergerichtet habe. Eigentlich ist sie nicht so speziell, dass sie hier erwähnt werden müsste, aber ich habe das Werk in keinem Verzeichnis finden können, weshalb es evtl. zeigenswert ist, denn es kann durch Punzierung mit einem durch die FHF eingereichten Schweizer Patent als FHF-Kaliber identifiziert werden.

Die Uhr hat einen Durchmesser von 49,5 mm und eine Dicke von 15,5 mm. Vorne gibt es einen Press-Glasrand, hinten zwei Klappdeckel mit Scharnier. Das Gehäuse besteht aus einem silberfarbenen Metall, das silberfarben beschichtet ist. Innen im Rückendeckel ist eingraviert 'Guaranteed to wear 10 Years M. D.' Bei der leicht polierbaren Beschichtung tippe ich auf Nickel, interessanterweise sieht an einer Stelle, wo die Beschichtung durchgerieben war, das Basismetall nach dem Polieren genauso aus wie die Beschichtung (also nicht etwa farblich verschieden wie rötlicher Nickel und bläuliches Chrom) und die Grenze zwischen beiden kann quasi fast nicht mehr erkannt werden. Das gesamte Gehäuse ist glatt, auch der Rückendeckel, weshalb ich auf ein Foto davon verzichtet habe.

Bild6 43.5mm.png


Bild7 43.5mm.png


Das Zifferblatt aus weisser Emaille trägt grosse arabische Leuchtzahlen und es gibt skelettierte Leuchtzeiger. Als ich die Uhr bekam, war überhaupt keine Leuchtmasse mehr vorhanden. Ich habe deshalb Zeiger und Blatt neu mit Leuchtmasse belegt. In einem anderen Thread bekam ich von @Rainer Nienaber den Tipp, es einmal mit 'Lumentics' zu versuchen:
lumentics Leuchtpulver Nachleuchtpulver Leuchtpigment für Harz, Lack und Farbe | eBay
Ich habe mittlerweile mehrere Zeiger und Blätter damit belegt und finde das preiswerte Produkt sehr gut, wichtig war mir v.a. eine gleichmässige und feine Körnung, was hier auch gegeben ist. Zur Herstellung der Leuchtmasse mische ich das Pulver mit wasserlöslichem Kleber 'UHU Flinke Flasche', man kann dann auch noch die Masse mit Aquarell- bzw. Schulmalfarbe anfärben (z.B. um vergilbte oder verbräunte alte Radiumleuchtfarbe zu imitieren). In diesem fall habe ich aber die Leuchtmasse nicht angefärbt.

Das vergoldete Uhrwerk hat einen Durchmesser von 43 mm bzw. 19 Linien. Man kann es als FHF-Werk identifizieren, da es auf der Zifferblattseite eine Punze hat, die auf ein Schweizer Patent bzw. Brevet hinweist: '✚ 51482'.
Solche Patente können als Digitalisat eingesehen und als PDF heruntergeladen werden auf
https://depatisnet.dpma.de/DepatisN...ace=main&content=einsteiger&action=einsteiger

Bild2 43.5mm.png


Bild4 43.5mm.png

Bild1 43.5mm.png

Es handelt sich um das Schweizer Patent 51482 vom 03.05.1910, eingereicht durch die Fabrique d’ Horlogerie de Fontainemelon (FHF). Darin wird ein Kupplungs-Umschaltmechanismus durch Ziehen der Krone beschrieben, bei dem es keine Winkelhebelfeder gibt (dieses Bauteil, ein Fortsatz an der Aufzugdecke neigt ja zum Abbrechen).

Der Umschaltmechanismus meiner Uhr entspricht genau der Abbildung in der Patentschrift. Auf dem Bild, das ich gleich nach dem Abheben des Zifferblattes gemacht habe, sind die Aufzugteile teilweise verdeckt durch die Aufzugdecke, leider habe ich kein Bild ohne Aufzugdecke gemacht (habe erst später recherchiert worauf sich die Patentnummer bezieht). Es gibt auch einige andere FHF-Kaliber, wo dieses Patent verwirklicht ist (und auf der ZB-Seite des Werks gepunzt), aber die Varianten sehen zum Teil recht verschieden aus.

Bild3 43.5mm.png
A) Bereich des Aufzugs- und Umschaltmechanismus. B) Abbildung im Patent CH 51482. C) Punze 51482 auf der Zifferblattseite

Das Werk in meiner Uhr habe ich nicht im Ranfft-Uhrwerksarchiv oder in einem der anderen Verzeichnisse gefunden, die mir zugänglich sind.
Hier noch einmal kurz die Daten des Werkes:

FHF 19''' / 43 mm, 15 Jewels, Ancre à ligne droite, bimetallische, aufgeschnittene Kompensations-Schraubenunruh, gebläute Breguet-Spirale mit aufgebogener Endkurve, Kupplungs-Umschaltmechanismus ohne Winkelhebelfeder (Brevet ✚ 51482 vom 03.05.1910).

Ich hänge hier das gesamte Patent einmal an, inclusive der Abbildung:

Brevet 51482 Text1.JPG

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Brevet 51482 Text2.JPG

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Brevet 51482 Zeichnung.JPG


Gruss Andi
 
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Ruebennase

Ruebennase

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Hallo Andy, die ist wirklich schön geworden mit der Leuchtmasse und dem nun blitzeblanken Werk. Das diese noch eine Überraschung parat hat in Form eines FHF Werkes ohne Winkelhebefeder ist überraschend. Die Geschichte solltest Du mit Roland Ranfft mal diskutieren 😎. Ich dachte sein 'Aufregerbauteil' wurde deshalb immer verwendet, weil die Großen und somit insbesondere FHF, grundsätzlich mit der Feder konstruiert haben ....irgendwie stimmt das zumindest so nicht.

Grüße Rübe
 
andi2

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Hallo Rübe,
ich weiss, wie Roland Ranfft über die Überflüssigkeit von Winkelhebelfedern denkt, ich habe da von ihm auch schon pointierte Texte gelesen. Er weist ja immer gern darauf hin, wenn er einen Umschaltmechanismus vorstellt, der das wirklich ziemlich zerbrechliche Bauteil nicht braucht. Neben dem Brevet 51482 von FHF gibt es ja noch andere winkelhebelfederlose Konstruktionen. Ich habe da z.B. gerade ein 13-liniges Werk von Marc Favre in einer sehr alten Armbanduhr ca. von 1916, das ebenfalls auf die Winkelhebelfeder verzichtet. Diese Uhr muss ich mal in den nächsten Tagen im Vintage-Bereich zeigen, die Fotos habe ich schon.
Gruss Andi
 
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Taschenuhr mit Leuchtzifferblatt (ca. 1920),19-liniges FHF-Werk, Umschalten ohne Winkelhebelfeder (Brevet ✚ 51482)

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