Uhrenbestimmung Taschenuhr meines Ur-Goßvaters

Diskutiere Taschenuhr meines Ur-Goßvaters im Taschenuhren Forum im Bereich Uhrentypen; Hallo, kurz vor 1900 heiratete mein Ur-Großvater, nördlich von Öhringen kommend meine Urgroßmutter. Beide eröffneten ein Geschäft in Mainz. Er hat...
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #1
C

charlottevictori

Themenstarter
Dabei seit
19.08.2022
Beiträge
41
Hallo, kurz vor 1900 heiratete mein Ur-Großvater, nördlich von Öhringen kommend meine Urgroßmutter. Beide eröffneten ein Geschäft in Mainz. Er hat eine goldene Uhr hinterlassen, die auf einen französischsprachigen Ursprung hinweist. Ich hänge einige Fotos an und würde mich über die Interpretation der enthaltenen Schriftzeichen freuen.
 

Anhänge

  • 20220820_215212.jpg
    20220820_215212.jpg
    411,7 KB · Aufrufe: 40
  • 20220820_221902.jpg
    20220820_221902.jpg
    8,3 KB · Aufrufe: 45
  • 20220820_210949.jpg
    20220820_210949.jpg
    6,1 KB · Aufrufe: 48
  • 20220820_201101.jpg
    20220820_201101.jpg
    796,4 KB · Aufrufe: 50
  • 20220820_201053.jpg
    20220820_201053.jpg
    848,9 KB · Aufrufe: 39
  • 20220820_215019.jpg
    20220820_215019.jpg
    268,9 KB · Aufrufe: 40
  • 20220820_201433.jpg
    20220820_201433.jpg
    554,3 KB · Aufrufe: 41
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #2
monozelle

monozelle

Dabei seit
05.05.2019
Beiträge
949
Hallo Charlotte und willkommen hier.
Französischsprachig ist die französische Schweiz, und da saßen zu der Zeit, als vor allem Taschenuhren die Zeit angaben, sehr, sehr viele Uhrenfabrikanten, die in alle Welt lieferten. Die meisten Kleinuhren europäischer Herkunft sind französisch beschriftet.

"14K" bedeutet 14 Karat Gold, Goldanteil 58,5 %. Es ist keine Reichsgoldpunze (Krone) zu sehen, das würde normalerweise darauf hindeuten, dass die Uhr bzw. das Gehäuse aus der Zeit vor 1884 stammt - wirkt auf mich aber nicht so. Ich finde, die sieht von der Bauart her neuer aus, um 1900 würde meiner Ansicht nach hinhauen.

Anmerkung: Vollständige Ansichten von Werk und Deckeln sind meistens hilfreicher. Manchmal verbergen sich Hinweise auch am Rand.

"Cuivre" bedeutet "Kupfer". Der innere Staubdeckel ist häufig aus einem weniger edlen Metall gemacht. Die Nummer im Deckel ist eine Seriennummer für das Gehäuse, die hat keine besondere Bedeutung. Per Hand geritzte Nummern und Buchstaben sind meistens Uhrmachersignaturen und deuten auf zurückliegende Reparaturen oder Revisionen hin. "Avance / Retard" bedeutet "Vor / Nach" und ist die Bezeichnung der Gangregulierung. Für den internationalen Markt wurde oft ein "Fast/Slow" hinzugefügt. Zur Punze "L.F." oder "L.E." (?) im Oval schau doch mal bei Mikrolisk.de, ob du da fündig wirst.

Das Werk ist wahrscheinlich von FHF.
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #3
C

charlottevictori

Themenstarter
Dabei seit
19.08.2022
Beiträge
41
Vielen Dank! Das gibt mir weitere Suchoptionen.
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #4
C

charlottevictori

Themenstarter
Dabei seit
19.08.2022
Beiträge
41
Der ursprüngliche Wohnort was Nordbaden (nördlich von Öhringen), was dafür spricht, dass er die Uhr in der Schweiz oder Frankreich erworben haben könnte. Würde das das Fehlen der Reichsgoldpunze hinreichend erklären?
Ist die 14-Karat-Punze fest der Schweiz zuzuordnen oder stammt die schlichtweg vom Hersteller?
Bin leider unterwegs. Ich werde weitere Fotos und Maße nachreichen.
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #5
C

charlottevictori

Themenstarter
Dabei seit
19.08.2022
Beiträge
41
Die Uhr ist 14mm dick und 45mm breit. Über dem L.F gibt es noch eine flüchtig eingeschlagene Punze.
Irgendwie gibt es keine Materialstempel ?????
 

Anhänge

  • 20220823_195410.jpg
    20220823_195410.jpg
    349,1 KB · Aufrufe: 29
  • 20220823_195545.jpg
    20220823_195545.jpg
    235,2 KB · Aufrufe: 27
  • 20220823_195724.jpg
    20220823_195724.jpg
    221,7 KB · Aufrufe: 29
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #6
C

charlottevictori

Themenstarter
Dabei seit
19.08.2022
Beiträge
41
Der Ring stammt aus diesem Jahrtausend

Es gibt eine Uhrmachergravur
JA 14.4.95 :12
Das kann nur 1895 sein, da ich die Uhr bereits 50 Jahre besitze und erst 2004 durchsehen ließ.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #7
monozelle

monozelle

Dabei seit
05.05.2019
Beiträge
949
Die Uhrmachersignaturen können, aber müssen nicht notwendigerweise ein Datum enthalten. Das sind ganz oft auch einfach nur interne Nummern für die Buchhaltung oder Verwaltung der Aufträge.
Bei dem letzten Foto scheint mir auch das Werk nicht so richtig ins Gehäuse zu passen, sieht aus als wäre da arg viel Luft zwischen dem Werksaufbau und dem Gehäuserand - vielleicht eine Marriage?
Oder vielleicht ist der undeutliche Stempel eine französische Goldpunze? Also interessant ist das schon. Ich muss aber langsam passen, da endet mein Hobby-Uhrenlatein und ich gerate ins Spekulieren... weiß noch jemand anders hier Rat? 🙂
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #8
P

pet.sch

Dabei seit
05.05.2008
Beiträge
400
Hallo Charlotte,
Irgendwie gibt es keine Materialstempel ?????
der 14 K Stempel ist doch der Materialstempel.

Und die Uhr ist von der Form her durchaus von 1884, bzw. 1887 oder etwas davor. Das deutsche Stempelgesetz ist von 1884, es ist aber erst 1887 in Kraft getreten.
Davor (und auch in anderen Ländern) war die Stempelung 14 K durchaus üblich.

Das klassische emaillierte Zifferblatt mit römischen Zahlen und Birnenzeigern und das Gehäuse mit rundem Bügel und runder Krone ist älter als 1900, also kann die Uhr gut um ca. 1880 gebaut worden sein

Ich halte Werk und Zifferblatt nicht für eine marriage, da passt alles vom Stil her wunderbar zusammen und bei Golduhren mit schmalem Rand kann es durchaus mal vorkommen, dass der Spalt nicht ganz gleichmässig aussieht. Besonders, wenn man seitlich auf den Grund des Uhrwerks sehen kann. So ein schmaler dünner und weicher Goldrand kann sich schnell mal etwas verziehen und dann ist es normal, dass das Ganze etwas unförmig aussieht.

Gruß
Peter
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #9
C

charlottevictori

Themenstarter
Dabei seit
19.08.2022
Beiträge
41
Vielen Dank!

Weitere Erkenntnisse wären willkommen.

Mich irritiert die hohe Seriennummer in Verbindung mit dem nirgends gelisteten Kürzel L.F im Oval , wobei das F frères heißen könnte.

Unklar ist auch noch, woher die 14K Punze im Oval stammt. Bisher habe ich nur 14K im Rechteck gefunden.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #10
C

charlottevictori

Themenstarter
Dabei seit
19.08.2022
Beiträge
41
Ich möchte hinzufügen, dass die Uhr unglaublich genau geht. Gibt es dafür einen technischen Grund? Sie hält mit meiner Quarzuhr mit!
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #11
Matthias MUC

Matthias MUC

Dabei seit
09.07.2019
Beiträge
2.028
Gute Qualität bei der Herstellung, gute Erhaltung, wenig Verschleiß und/oder sie ist stets bei Leuten, die wissen, was sie tun, zur Revision gewesen, von allen Vorbesitzern schonend behandelt worden >> Glück gehabt!
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #12
ethan_esrah

ethan_esrah

Dabei seit
08.03.2015
Beiträge
479
Ort
nahe Heidelberg
Ich möchte hinzufügen, dass die Uhr unglaublich genau geht. Gibt es dafür einen technischen Grund? Sie hält mit meiner Quarzuhr mit!
Daß Deine Uhr mit relativ hoher Präzision die Zeit anzeigt, liegt sicher an der guten Qualität des Uhrwerks und einer gut ausgeführten Revision vor nicht allzu langer Zeit. Daß sie das allerdings genauso gut tut wie Deine Quartzuhr (also im Bereich +/-1sec/d) ist Zufall und nur eine Momentaufnahme. Ich gehe davon aus, daß Du die Uhr nicht trägst sondern daß sie durchgängig in einer bestimmten Lage (Zifferblatt oben oder Krone oben) aufbewahrt wird. Zudem lagerst Du die Uhr wahrscheinlich in einem Raum mit gleichbleibender Temperatur. Dadurch sind schon zwei wesentliche Faktoren, die zu Gangabweichungen führen können, ausgeklammert. Ich gehe davon aus, daß sich das Bild bei Beobachtung über mehrere Tage oder sogar beim täglichen Tragen der Uhr deutlich ändern wird.

Ich will Dir die Uhr auf keinen Fall schlechtreden. Ich möchte nur überzogene Erwartungen an die Ganggenauigkeit mechanischer Taschen- oder Armbanduhren, die gerade von Laien oft gepflegt werden, etwas dämpfen. Eine durchgängige Genauigkeit auf Quartzuhr-Niveau für getragene(!) mechanische Uhren aus dieser Zeit ist absolut utopisch und hätte wegen des notwendigen Aufwands auch keinen Sinn ergeben. Niemand mußte um 1900 irgendwo sekundengenau erscheinen.
(Ich lasse hier mal Marinechronometer außen vor, die zur Bestimmung des Längengrades sehr genau gehen mußten. Die hat man allerdings auch nicht getragen, sondern das waren kiloschwere Ungetüme in Holzkästen, meist kardanisch gelagert.)
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #13
C

charlottevictori

Themenstarter
Dabei seit
19.08.2022
Beiträge
41
danke, das hast Du richtig erkannt. Sie liegt da und wird aufgezogen .....
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #14
C

charlottevictori

Themenstarter
Dabei seit
19.08.2022
Beiträge
41
Noch eine Nachfrage:
Wie müsste denn eine stilechte Uhrenkette aussehen, die für die Zeit um 1880 typisch war?
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #15
C

charlottevictori

Themenstarter
Dabei seit
19.08.2022
Beiträge
41
Leider hat noch niemand geantwortet. Ich würde gern eine Uhrkette kaufen, wie sie 1880 üblich war. Wie sollte die aussehen?
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #16
Matthias MUC

Matthias MUC

Dabei seit
09.07.2019
Beiträge
2.028
Naja, erstes Kriterium ist, WIE Du die Uhr tragen möchtest: Westentasche oder Hosentasche (die kleine Tasche in der rechten Hosentasche normaler Jeanshosen war ursprünglich als Uhrentasche gedacht!)
Davon hängt dann die Länge der Kette und evtl. die Auswahl der Befestigung ab (Knebel, Ösenverschluß etc.). Zu der Uhr würde eine einfache vergoldete Kette mit nicht zu groben, "klobigen" Gliedern passen.
Zu Trageweisen: Mikrolisk - The horological trade mark index
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #17
Ruebennase

Ruebennase

Dabei seit
09.08.2013
Beiträge
3.174
Ort
Norddeutsche Tiefebene
Oha, wohl deshalb, weil es kaum noch orginalle Ketten gibt. Die vergoldeten sind oft leider sehr abgeschabbelt und die Vollgoldenen eingeschmolzen. So eine etwas dickere goldene Kette, die hier fraglos an die Uhr gehört, wiegt leider einige Gramm und hat damit einen nicht geringen Handelswert. Leider ist es auch sehr schwer einen identischen Goldton zu treffen. Ich habe einige Jahre gebraucht bis ich für meinen Neffen eine Kette gefunden habe mit der ich zufrieden und die bezahlbar war. Eine Option ist sicherlich eine alte vergoldete Kette nachvergolden zu lassen. Da gibt es heute einige Juvelliere ie so etwas machen. Da muß natürlich im Vorfeld erfragen was geht.
Du mußt einfach nach recht schlichten Ketten schauen. So etwas in der Art: alte Uhrenkette 333 Rot Gold 8K 33g 27cm lang | eBay
Achte darauf das der Federing und der Uhrenkarabiner noch intakt sind. Europäische Ketten aus Frankreich haben zeitgemäß auch eine verschraubbaren Uhrenkarabiner und oft einen einfachen Harken anstatt eines Federringes. Oft wurde ersteres auch später ersetzt. Die französischen Ketten sind in der Regel etwas zarter. Jedoch dünne feinere Ketten mit Zierelementen wie z.B. die Jacob Bengel Ketten gab es zum größten Teil erst deutlich später. Die besten Ketten sind sicherlich die englischen, was sich auch im Preis wieder spiegelt. Ich habe einfach mal in der aktuellen Bucht gestöbert für Beispiele ohne jetzt etwas empfehlen zu wollen.
Hier ein Beispiel im Stil der sehr typischen i.d.R.industriell gefertigten Ketten der Zeit oder sehr kurz später, die relativ häufig zu finden sind: Antike Taschenuhrkette Gold-Double um 1900 Uhrenkette für Taschenuhren | eBay
Eigentlich immer ist wie auch hier, die dünne Vergoldung der platten unterschiedlich geformten Glieder runter. Dieser Stil wäre mir auch oft zu grob für die Uhr. Es gab solche Ketten natürlich auch in Vollgold. Da könnte mal etwas bei sein wo sich eine Neuvergoldung lohnt.
Besser paßt schon so eine Echthaarkette deren Elemente oft auch aus SChaumgold sind was schon eher gut erhalten ist: #Uhrenkette Jugendstil Art Nouveau mit Schuber ECHTHHAAR geflochten Opal Rubin | eBay
In der heutigen Zeit finden einige Leute echtes Haar fremder Menschen sehr befremdlich und tragen lieber Plaste, aber das muß jeder für sich selber entscheiden. In diesem Bereich könntest Du eventuell auch fündig werden.

Grüße Rübe
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #18
C

charlottevictori

Themenstarter
Dabei seit
19.08.2022
Beiträge
41
Vielen Dank für Eure Antworten!
 
  • Taschenuhr meines Ur-Goßvaters Beitrag #19
C

charlottevictori

Themenstarter
Dabei seit
19.08.2022
Beiträge
41
Habe nun eine schone, passende, schlichte Kette erbeutet, womit sich dieses Kapitel schließt. Euch allen nochmals vielen Dank für eure Ratschläge!
 

Anhänge

  • 20221213_093601.jpg
    20221213_093601.jpg
    826,7 KB · Aufrufe: 9
Thema:

Taschenuhr meines Ur-Goßvaters

Taschenuhr meines Ur-Goßvaters - Ähnliche Themen

Uhrenbestimmung Bestimmung einer goldenen Taschenuhr (Familienerbstück): Hallo liebe Uhrforum-Community, kürzlich habe ich von einer Taschenuhr erfahren, die sich seit Generationen im Besitz meiner Familie befindet...
Uhrenbestimmung Ur-Ur-Großvaters Taschenuhr mit Rätseln: Hallo, ihr freundliche Experten, bin neu hier und habe mich in das interessante Froum eingelesen. Ur-Ur-Großvater hinterließ eine goldene...
Meine erste Uhrenvorstellung: die "BUNKYO TOKYO" von Hajime Asaoka: Meine Liebe zu Uhren ist möglicherweise genetisch bedingt, mein Großvater, den ich kaum kennengelernt habe, war Uhrmacher. Ob deshalb oder warum...
Der Osten ist rot (Teil 1). Eine sowjetische Komandirskie (ca. 1970) mit rotem Zifferblatt und dem ungewöhnlichen Wostok 2234: Ich möchte euch gern nacheinander zwei verschiedene sowjetische Wostok-Uhren mit zwei unterschiedlichen Kalibern des Herstellers zeigen. Dabei...
Chronometro Naval ‘Perfecto Vallès Ayerbe’ und das Roskopf-Prinzip: Heute möchte ich einmal eine Taschenuhr zeigen, die bei mir in der Sammlung stellvertretend für Uhren mit dem ‘Roskopf-Prinzip’, bzw. für die...
Oben