Uhrenbestimmung Taschenuhr ca. 19.-20.Jh. Deutsche Bahn

Diskutiere Taschenuhr ca. 19.-20.Jh. Deutsche Bahn im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Hallo liebe Mitinfizierte, nochmal kurz für alle, die meinen Vorstellthread nicht gelesen haben: Ich bin Friedrich, derzeit Student, komme aus...
Pano92

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Hallo liebe Mitinfizierte,

nochmal kurz für alle, die meinen Vorstellthread nicht gelesen haben: Ich bin Friedrich, derzeit Student, komme aus Sachsen-Anhalt und interessiere mich hauptsächlich für mechanische Armbanduhren.

Vor einigen Jahren - ich war schon damals Uhrenverliebt- zeigte mir meine Oma, als ich bei ihr war mal eine Taschenuhr und bat mich diese zu einem Uhrmacher zu bringen, den ich bis dahin noch schätzte. Es handle sich dabei wohl um die Dienstuhr (?) eines Ururonkels, der noch zu Kaiserzeiten bei der Deutschen Bahn gearbeitet hat.

Als ich mir die Uhr ansah, erfasste mich das Grauen :schock: … Sekundenzeiger-> abgebrochen; Zifferblatt -> beschädigt; Glas -> gesprungen. Den Deckel geöffnet -> ein noch schlimmeres Bild: Unruhspirale -> gerissen und auch die Unruhwelle (?) ist irgendwie aus ihrer Lagerung gelöst, dazu noch einige Zahnräder mit Zahnverlust :face:

Also bin ich schleunigst zum Uhrmacher, der warf ein kurzen Blick darauf und sagte, dass die Uhr nur noch Schrott sei.
Aufgrund des Schadenausmaßes, konnte ich mir schon denken, dass eine Reparatur teuer werden würde, aber solche harten Worte… daraufhin fragte ich, was denn in etwa eine Reparatur kosten würde. Seine Antwort in etwa: die repariere ich nicht, würde sich auch gar nicht lohnen… ist ein Totalschaden

Nunja. Vor ein paar Wochen fiel mir diese Uhr mal wieder in die Hand und da ich meine Oma leider nicht mehr zu ihr befragen kann, hätte ich nun gerne eure Fachmeinung: Um was für eine Uhr (Fabrikat) könnte es sich bei ihr handeln, in etwa wie alt ist sie?

Ich bin für jeden hilfreichen Beitrag dankbar und freue mich auf eure Kommentare.
Bis hierhin schonmal vielen Dank! :super:

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Ruebennase

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Da Du ja für jeden Beitrag dankbar bist, mache ich mal mutig den Anfang. Den einzigen "Fakt" den ich liefern kann ist, dass die Uhr nach 1900 gebaut wurde und alle Merkmale eines 15 Steinigen schweizer Ankerwerkes hat, wie es auch auf dem Staubdeckel steht. Es ist keine "echte" Railroaduhr im Sinne der qualitaiven Anforderungen und Ganggenauigkeit die die Amerikaner an Railroaduhren stellten. Dort gibt es eine Norm. In dem Fall ist es sehr sehr grob mit einem für die Chronometerprüfung geeignetem Werk in Europa gleich zu setzen. Das bedeutet nicht im Umkehrschluß, dass das Werk schlechte Gangwerte hatte !
Das Blatt mit den großen Ziffern entspricht dem "Railroadstil". Die großen Ziffern waren praktisch bei schlechteren Lichtverhältnissen, als auch in den Städten, die noch nicht durchweg gut beleuchtet waren. Dieser Stil wurde daher bei Dienstuhren durchaus bevorzugt, war aber auch eine Mode. Daher ist es schwer zu entscheiden, warum der Uronkel sich diese Uhr aus gesucht hat. Die großen Bahngesellschaften hatten sich durchaus auch in Europa Uhrenserien bauen lassen. Diese waren in der Regel aber auch gekennzeichnet, so dass es sich vermutlich um einen Privatkauf handelt.
Das Baujahr würde ich irgendwo zwischen 1920 und 1940 annehmen.

Auch wenn es dir überhaut nicht gefällt, so kann ich den jetzt ungeliebten Uhrmacher verstehen. Wenn auch noch Zähnchen an den Rädern und wie es ausschaut auch die Sekundenradwelle gebrochen ist, so hatte er vermutlich Angst mit den weiteren Schäden an Unruhe und Spirale vollends in Ungnade zu fallen, wenn er eine dem Aufwand entsprechende Rechnung präsentiert. So viele passende Ersatzteile für ein Werk auf zu treiben ist schon seit Jahren nicht mal eben mit einer Bestellung bei Flume getan. Das Glas ist sicherlich kein Problem und das Zifferblatt sollte noch halbwegs restaurabel sein.

Ich würde dir empfehlen das Uhrwerk aus zu bauen und die Zifferblattseite des Werkes den Kaliberspezialisten ( Hallo Badener :-) ) zu zeigen und das Werk genau zu vermessen. Wenn alle Daten vorliegen dannn mit Geduld und Spucke die Bucht wieder kehrend durchforsten. Vielleicht findet sich ein Werk der Familie ohne Gehäuse oder mit vollkommen gerocktem Drumrum. Dann könntest Du für schmales Geld die Uhr selber wieder her stellen. Die Uhr deines Ururonkel wäre dann zwar komplett im Inneren ersetzt, aber bei den wenigen Teilen die noch gangbar sind wohl die realistischte Lösung. Es wäre immer noch die Uhr von Ururonkel XY, die Opa liebte, mit der Macke an der 8 und Du wärst ihr neuzeitlicher Held :-). Dann drücke ich mal die Daumen, das das Kaliber eher häufig ist.

Liebe Grüße
 
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Pano92

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Hallo Ruebennase,

das sind ja schonmal echt viele Infos und ich bin wieder um einiges schlauer. Dafür möchte ich dir schonmal ganz herzlich danken :super:
Das zeugt einmal mehr von der Qualität dieses Forums.

Da mir immer gesagt wurde, dass es eine Dienstuhr gewesen sei, hatte ich das mit der fehlenden Signatur gar nicht richtig kombiniert. Leuchtet natürlich ein, dass ein Unternehmen nicht eine Hommage sondern das Original kauft ;-)

Konnte mir sowieso schon fast denken, dass sie aus keinem größeren Hause stammt, wenn keine Signatur vorhanden ist.

Der Uhrmacher fiel bei mir nicht (nur) wegen dieser Sache in Ungnade… ich wurde auch schonmal von ihm mit den Worten: nehmen sie erstmal ihre Wanduhr von meinem Tresen! Die Glasscheibe da drinne hat 4000€ gekostet! empfangen :|
Ab diesem Punkt hatte es sich dann eigentlich erst erledigt… bei soviel Liebe zum Kunden und dessen Eigentum

Die Option mit der Herztransplantation werde ich mal überdenken. Auf jeden Fall vielen Dank für diesen Tipp.
Aber derzeit investiere ich einfach lieber in Armbanduhren und habe sowieso schon zwei Taschenuhren (deren Herkunft ich bereits selbst bestimmen konnte 8-) ).

Außerdem zeigt das gute Stück derzeit ja auch immerhin zwei Mal am Tag die richtige Uhrzeit an :lol:

Also nochmals Danke

Liebe Grüße zurück und noch eine schöne Vorweihnachtszeit!


Friedrich (Pano92)
 
Ruebennase

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Hallo Friedrich
Upsala...ich habe mich wohl ungenau ausgedrückt. Ich meinte das Großbestellungen der Eisenbahn meißt auch mit dem Logo oder ähnliches der Bahngesellschaft gekennzeichnet sind. Also Dienstuhren, die ausgegeben wurden. Natürlich gibt es auch Dienstuhren, die z.B. für 25 Jahre Betriebszugehörigkeit offiziel ausgegeben wurden oder sicherlich auch Kleinserien die keinen Hinweis auf den Käufer haben. Ich bin kein alter Bahner in fünfter Generation :-) und weiß es nicht sooo genau.
Eine fehlende Signatur besagt bei den alten Taschenuhren noch lange nicht, dass das Werk oder auch die gesamte Uhr nicht aus größerem Hause stammt. Das kommt sicherlich bei modernen Armbanduhren nicht vor, aber bei Taschenuhren auch noch um 1930 sehr häufig. Das mit dem Markennamen automatisch eine Wertsteigerung stattfand war nicht so wie heute :-).
Ich empfehle dir wirklich die 5 Minuten zu investieren und mal unter das Blatt zu schauen. Eventuell findest Du dort sogar Herstellerpunze und Werksnummer. Das Werk ist kein Schlechtes auch wenn es nicht alle Tu Fans vom Hocker rutschen läßt.

Liebe Grüße
 
Pano92

Pano92

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Hallo Ruebennase,

hm... Da habe ich wohl was falsch verstanden :oops:
Aber im du hast ja Gott sei Dank Licht ins dunkel gebracht.

Also seitdem ich die Uhr bei mir habe juckt es mich schon die ganze Zeit in den Finger. -was eh schon kaputt ist, kann nicht "kaputter" werden :face:

Allerdings habe ich eher bescheidenes Werkzeug und weiß auch nicht genau, wo ich beim Zerlegen anfangen soll.
Könntest du mir da vielleicht bitte etwas auf die Sprünge helfen?

Schon mal vielen Dank und noch frohe Weihnachten
 
Thema:

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