Uhrenbestimmung Taschenuhr aus Opas Nachlass

Diskutiere Taschenuhr aus Opas Nachlass im Taschenuhren Forum im Bereich Uhrentypen; Hallo zusammen, meine Oma hat mir vor Kurzem aus dem Nachlass meines Opas eine ganz besondere Uhr geschenkt. Besonders, weil ich schon immer...
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Flott

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Hallo zusammen,

meine Oma hat mir vor Kurzem aus dem Nachlass meines Opas eine ganz besondere Uhr geschenkt. Besonders, weil ich schon immer wusste, wie viel diese Uhr meinem Opa wert war, laut meiner Oma ist diese bereits seit 4 Generationen im Familienbesitz (kann natürlich nicht nachgewiesen werden, wurde mündlich so „überliefert“). Ich habe schon ein paar „Flohmarkt“-Taschenuhren aus diesem Nachlass erhalten, doch diese Uhr interessiert mich nun ganz besonders. Sehr gern möchte ich mehr über das Alter und die Geschichte bzw. den Hersteller der Uhr herausfinden. Mein Opa war ein absoluter Uhrennarr mit eigenem Uhrenzimmer, ich dagegen habe 0 Ahnung davon. Habe mich lediglich in letzter Zeit etwas im Internet schlau gemacht. Der Wert ist für mich wenig bis garnicht wichtig, da mich zu viel mit dieser Uhr verbindet. Natürlich fände ich ganz interessant, ob es eher ein Flohmarktartikel oder eine Uhr fürs Museum ist. Allerdings wäre für mich die Nachricht „Flohmarktartikel“ auch nicht schlimm, da das den emotionalen Wert nicht mindern würde.

Zusammengefasst schonmal meine Erkenntnisse zu Stempeln etc:
Ziffernblatt:
Hier kann ich keinen Stempel bzw. keine Marke erkennen. Die roten Ziffern sind in römischen Zahlen. Es gibt einen Stunden- und Minutenzeiger.
Rückseite Deckel: Auf der Rückseite ist eine Eisenbahn abgebildet. Spricht das für eine „Eisenbahneruhr“ oder ist das einfach so Mode gewesen?
Innenseite Deckel: 0,800 EP/Auerhahn und dt. Reichssilberstempel für den Silbergehalt. Steht das „EP“ für eine Legierung? Außerdem sehe ich eine Nummer „5162“ und einen SteMöbel unterhalb des „0,800-Stempels“ den ich nicht entziffern kann.
Außerdem kann ich viel selbst eingeritztes erkennen: P.h.,3,31 sola husto/ 414/ *98.3.901/Pelagotti -> Werden vermutlich alles Notizen von Uhrenmachern sein oder?
Staubdeckel:
Fidelitas: Könnte das ein Hersteller oder ein Modell sein? Habe nichts dazu gefunden. Oder ist es nur ein Spruch? (Lat. Treue)
Ancre Ligne Droite: Hemmungsrad, Anker und Unruh auf gerader Linie
Remontoir: Begriff für „Aufzug“, verfügte über einen damals neuen Kronenaufzug
15 Rubis: 15 Steine im Werk verbaut.
Innenseite Staubdeckel: Auch hier sind wieder die 3 Silberstempel (Auerhahn, Reichskrone, 0,800) zu erkennen, dieses Mal auch in besserer Qualität, auch die Nummer „5162“ ist wieder dabei. 2 kleinere Stempel kann ich garnicht entziffern.
Werk:Auf dem Werk kann ich weder einen Stempel noch einen Markennamen erkennen

Mein Fazit: ich vermute das Herstellungsjahr der Uhr so auf 1890-1910 und glaube, dass es eine ganz gewöhnliche Taschenuhr ist, vielleicht von einem Eisenbahner.

Nun meine Fragen an euch Profis :):
Kann mir jemand was zum Hersteller und eventuell dem Alter sagen? So könnte ich mehr zur Geschichte der Uhr herausfinden.
Eher Flohmarkt Uhr oder seltene Uhr? Geht mir weniger um den Verkaufs-Wert, sondern wie umfangreich die Restauration gestaltet wird. Bin da am Überlegen ob ich sie nur etwas polieren soll oder tatsächlich zu einem Uhrenmacher bringen soll.

Solltet ihr noch andere Bilder benötigen, gebt mir Bescheid. Auch bei Fragen sehr gern melden.

Vielen vielen Dank schonmal vorab für euer Fachwissen und eure Hilfe.

Grüße aus BaWue!
Flo
 

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monozelle

monozelle

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Hi! Ich kann nicht allzu viel beitragen, aber ich denke, mit deinen Einschätzungen liegst du ziemlich richtig. Die Uhr würde ich aufgrund der Bauweise (flache Gehäusedeckel) in dem geschätzten Zeitraum eher im Bereich 1890 sehen als 1910, vielleicht auch etwas früher. Der Reichssilberstempel wurde 1884 eingeführt. Allerdings spräche die Machart der Krone für ein späteres Datum. Interessant.

Zum Hersteller kann ich nicht viel sagen. Die Marke "Fidelitas" ist laut Mikrolisk auf den Hersteller Blum & Ostersetzer eingetragen.
So ein Werk mit abgerundeten Kloben hab ich schon öfter gesehen, kann es aber gerade nicht einordnen. So wie die Uhr daherkommt, wurde sie gut behandelt, aber viel benutzt und oft repariert. Dafür ist das Zifferblatt noch echt gut in Schuss. Diese Uhr hatte ein bewegtes Leben.

Dass dich der Wert eher nicht interessiert, ist aus mehreren Gründen gut. 😉 Erstens ist es hier untersagt, Wertediskussionen zu führen und zweitens ist der monetäre Wert solcher Uhren in 99,9% der Fälle eine Enttäuschung. Die Kosten einer Reinigung/Revision wird den Wert um ein mehrfaches übersteigen und sich zumindest in dieser Hinsicht eher nicht lohnen.

Eine "besondere" Uhr ist sie aber, weil sie deine Familiengeschichte widerspiegelt und Erinnerungen wachruft, zum Beispiel an deinen Opa. Ich finde, das ist unbezahlbar. Auf den Börsen und Flohmärkten dieser Welt wimmelt es von schönen, aber gewöhnlichen, anonymen Taschenuhren unterschiedlichster Qualität, deren Besitzer längst in die ewigen Jagdgründe abgeritten und deren große und kleine Geschichten und Anekdoten vergessen sind.

Halte sie in Ehren. Ich glaube, ich würde sie herrichten lassen, auch wenn es sich nicht lohnt. 🙂
Das wäre so das, was ich beitragen würde...

Wie groß ist die Uhr? (Durchmesser ohne Krone)
 
D

Dille

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Eigentlich hast du schon selbst alle Frage beantwortet, zu Fidelitas: Die Firma Ostersetzer benutzte den Namen, sie wurde 1908 registriert. Allerdings war sie eine Nachfolgefirma und ich weiß nicht, ob der Name schon vom Vorgänger verwendet wurde. Aber mit den 4 Generation kommt es auf jeden Fall hin vom Alter (nach 1888)
 
S

Seiko1980

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Hallo,
läuft die Uhr?
Das Sperrrad scheint einen abgebrochenen Zahn zu haben. Aber dieser Typ von Sperrrad habe ich schon oft gesehen...eventuell bekommt ein Uhrmacher mit gutem Lagerbestand an alten TU Ersatz dafür. Die Form des Gangradklobens und Unruhklobens (an der einen Seite so spitz zulaufend...fast berührend) finde ich ganz interessant. Man sieht ganz deutlich, dass an der TU einiges geschraubt wurde...z.B. an dem tiefen Kratzer Schraube Unruhkloben... da ist wohl jemand mit dem Schaubendreher abgerutscht. Aber die Uhr sieht erstmal für ihr Alter recht sauber aus (hab da schon viel schlimmeres gesehen). Wenn die Unruh noch brauchbar ist...solltest du da einen Uhrmacher suchen, der sie wieder ordentlich zum laufen bringt...hat ja immer hin 15 Rubis und ein schönes Zifferblatt...also sicherlich nicht unterste Kategorie.

Grüße Philip
 
F

Flott

Themenstarter
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Vielen Dank euch drei schonmal für den Beitrag und die Hinweise zum Hersteller.
Wie groß ist die Uhr? (Durchmesser ohne Krone)
Die Uhr hat einen Durchmesser (ohne Krone) von 6,5cm.
Tatsächlich läuft die Uhr bisher noch ohne Probleme, sie tickt mir fast schon zu laut :) Ich traue auch meinem Opa viele „Tüftler-Selbstversuche„ zu daher wird sicherlich auch der Kratzer von ihm sein, aber schon eine Erinnerung mehr :).


Mir sind jetzt noch zwei Fragen gekommen, eventuell könnt ihr mir da helfen?
  • Ich habe bei vielen Herstellern von einem Käuferarchiv gehört, habe allerdings im Internet ganz wenig Infos über Blum&Ostersetzer gefunden, gibt es so Archive auch bei gewöhnlichen Uhren oder nur bei den höherklassigen Herstellern?
  • Was denkt ihr kostet eine Revision/Reinigung bei dieser Uhr. Ich rechne auf jeden Fall mit 200-300 EUR. Ist das realistisch? Sicherlich habt ihr da mehr Erfahrung.
Danke und Grüße!
Flo
 
Unruhgeist

Unruhgeist

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Mit der Klasse eines Herstellers hat die Registratur relativ wenig zu tun.

Es setzt nur 2 Dinge voraus:
1. Es muss damals von der Firma in den Büchern festgehalten worden sein
2. Die Firma muss heute noch existieren. Wer sollte sonst die Daten haben?

Und bei Punkt 2 fangen die Probleme schon an...


Wenn es sich auf die Revision beschränkt und sonst keine Schäden zu reparieren sind, sind 300 eigentlich schon zu viel. Aber dreistellig wird es auf jeden Fall.

Grüße,
Unruhgeist
 
S

Seiko1980

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Hallo,

ja das Uhrwerk zu zerlegen, die Einzelteile zu reinigen und wieder zu montieren und zu schmieren ist nicht so das Thema. Ich denke 2h...3h Arbeitsstunden... muss auch nicht unbedingt ein Uhrmachermeister machen. Aber bei diesen alten Uhren findet man beim Zerlegen oft noch ein paar Überraschungen und dann kann es arbeitsintensiv werden... aber wenn du sagt die Uhr tickt schon gut daher... dann ist das schon mal ein gutes Zeichen, dass die Unruh / Triebfeder / Räderwerk noch okay ist.
 
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Matthias MUC

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Ankerhemmung ist aber eine gute Voraussetzung, daß es bei einer Revision in dem Rahmen bleibt. Die sind wartungs- und reparaturfreundlicher als z.B. Zylinderhemmungen (verbreitungsmäßig gesehen der Vorgänger der Ankerhemmung, bei Verschleiß und Ersatzteilbedarf mittlerweile herausfordernd). Mit dem fehlenden Zahn am Sperrad könnte man sich vermutlich arrangieren, wenn die Uhr nicht als Alltagsuhr und Immerdabei dienen soll und beim Aufziehen vorsichtig (ggf. mit Sichtkontrolle aufs Werk) gelkurbelt wird.
 
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