Uhrenbestimmung Taschenuhr aus der Familie - ohne Bezeichnung außen

Diskutiere Taschenuhr aus der Familie - ohne Bezeichnung außen im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Vor einer Stunde (wieder)gefunden :shock: Durchmesser ~45 mm, Höhe ~14 mm, Gehäuse aus Silber, wie es scheint Kenne bisher noch nicht die...
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Gast76644

Gast
Vor einer Stunde (wieder)gefunden :shock:

Durchmesser ~45 mm, Höhe ~14 mm, Gehäuse aus Silber, wie es scheint
Kenne bisher noch nicht die Geschichte, kann aber evtl. noch etwas in Erfahrung bringen. Sie ist jedenfalls aus der Familie und wird in Ehren gehalten.

Alles in allen sieht sie wie 1920er aus - was meint ihr? Kennt jemand das Werk oder kann etwas zu den anderen Daten in den Deckeln sagen?

Uhrzeit lässt sich verstellen, indem ich den kleinen Drücker rechts von der Krone betätige. Sie läuft erst seit einer Stunde, nach ewigem Tiefschlaf; ist bisher in der Zeit geblieben. Zustand sehr gut - bis auf das Uhrglas, dass ist vollflächig so fein zerkratzt, dass es fast wie schwaches Milchglas wirkt.

Danke & Gruß
Lars

Taschenuhr Familie -1 20180527_141046.jpg

Taschenuhr Familie  -2 20180527_141630.jpg

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Taschenuhr Familie  -6 20180527_141541.jpg

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Habe gestern Abend noch etwas recherchiert und reime es mir dann mal selbst zusammen:

Remontoir Cylindre 6 rubis = Kronenaufzug, Zylinderhemmung, 6 Steine.
Reichssilberstempel, keine weiteren - daher in Deutschland geboren.
Innere Staubdeckel aus anderem Metall gefertigt als Silbergehäuse- daher der Stempel "Metall".

Die Ziffertypographie ließ mich an die 1920er denken. Aber die Zeigerform Louis XV, Gehäusegestaltung, expliziter Hinweis auf Kronenaufzug und die Zeigerstellung mittels Drückerschiffchen deuten darauf hin, dass sie älter ist - etwa ~1900..1910, womöglich auch kurz vor 1900.

Die Uhr läuft beachtlich genau: Seit gestern nachmittag nur 10 Sekunden im Minus. Alle Achtung für eine Hundertjährige. Ich werde sie auslaufen lassen und so bewahren, wie sie ist. Mir ist klar, dass dies keine "besondere" Taschenuhr ist**, aber ich finde sie hübsch, und natürlich ist und bleibt sie Teil meiner Familienhistorie.

__
** Was mir mir bei der Suche in mehreren alten Forenbeiträgen auffiel, war die Meinung, solche Uhren seien damals ein Massenprodukt gewesen und daher kaum was Wert. Das mag aus heutiger Wegwerfsicht so ein, aber wenn ich mir die Erzählungen meiner Großeltern über "alte Zeiten" in Erinnerung rufe, dann war zu Kaisers Zeiten überhaupt eine Uhr zu haben (und viele andere uns heute selbstverständliche Dinge) noch etwas wirklich besonderes und wertvolles. Daher wurden die ja wahrscheinlich auch überhaupt nur aufgehoben, denn nach den 1920ern trug wahrscheinlich kaum noch jemand eine TU. Mich würden mal die damaligen Preise in Relation zu Durchschnittslöhnen interessieren.
 
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Gast76644

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Eine alte Frage von mir nochmal ausgegraben...
Haben die TU-Spezialisten noch Ergänzungen?
 
Ruebennase

Ruebennase

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Du hast ja fast alles heraus gefunden ..:-). Ich würde die Uhr auf Grund des Zifferblattes mit den eingelassen Indexen in Gold und Silber in einer fetten Lasur um 1905 datieren und die Technik sowie das Gesamterscheiningsbild paßt dazu. Das Werk ode Rohwerk wurde vermutlich aus der Schweiz oder Frankreich bezogen. Wir befinden uns zeitlich bereits in der industriellen Serienproduktion selbiger und die gab es meines wissens in Deutschland nicht für den freien Markt.
Das wer, wann und wie versuche ich auch immer ab zu schätzen. Gehe mal dvaon aus, dass es noch in den 1950'ern galt "eine Uhr für das Leben" beim bürgerlichen "Otto-Normalverbraucher". Taschenuhren, in diesem Fall allerdings teilweise bereits als Zweituhren für das abendliche hibbe Outfit des "Großstadt Dandys" bzw. als bereits so bezeichnete "Frackuhr" für entsprechende Anlässe des gut situierten Herren bzw. aus Tradition, dann doch vom älteren Herren zum Dreiteiler gab es noch viel in den 1930'ern. Auf der anderen Seite wurden noch bis tief in die 1940'er selbige insbesondere von Bauarbeitern und anderen Handwerkern getragen, da die damaligen Arbeitsumstände eine Armbanduhr nicht zu ließen. Du hast allerdings recht bei den Damenuhren. Bis auf die Schwesternuhren verschwanden sie komplett in den 1920'ern da der Wandel in der Mode gar nichts anderes zu lies.
1905 eine tragbare Uhr war durchaus etwas Besonderes. Diese hier gehört zu den "Kleinwagen" der Zeit und ein bildlichen Vergleich zu schaffen. Preise sind immer schwierig auch wenn es Umrechner gibt, was ein Franke im Verhältnis 1900 wert war . Der komplette Warenkorb und Lebensstil war anders. Ich habe hier aus einem Direktkatalog ein Handelspreis für eine hochwertigere Zenith um 1910 Lepine - Ankerhemmung - Silber 40 SFR mit dem Hinweis das auf Einzelstücke ein Aufpreis von 50% fällig ist und die Peise netto ohne Rabatt sind. Für den Endkunden kommt da dann deutlich mehr heraus. 1915 einen Flyer wo für eine qualitativ eher vergleichbare Diogene in Silber 70 SFR ausgerufen werden. Hier fehlt leider der Hinweis auf die Hemmung und "Art/Zielgruppe" des Preises. Es sind Nummern vor dem "Extrait du Tarif" so das wohl ein Katalog dazu gehörte. Ich stelle mir ähnliche Fragen wie Du, aber harte Fakten zu sammeln ist fast unmöglich nach all den Jahren. Du kannst Dir sicher sein, das deine Uhr der Schatz deines Ururgroßvaters war. Häufig waren es zu der Zeit Geschenke Aller der Familie zur Hochzeit oder zum Erlangen des Stand des Gesellen u.ä. Mal eben eine Uhr kaufen konnte sich ein junger Bursche nicht nur weil er Arbeit hatte.


Grüße Rübe
 
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Gast76644

Gast
Rübe, hab´ vielen Dank für die umfassende Antwort!
Ich finde diese geschichtliche Einordnung wichtig, auch unter Berücksichtigung der damaligen Lebensumstände.

Die Einstufung per Analogie zum Auto ist sehr bildlich. Finde ja, man sieht es den Uhren auch oft an, was sie mal für einen wertmäßigen Stellenwert hatten - so wie die gerade besprochene fein zurückhaltene - vermeintlich hanseatische - Lepine.

Noch zwei Nachfragen:
  • War diese Größe ~ 45 mm damals generell eine Herrenuhr? Ich glaube mich zu erinnern, andere Taschenuhren - etwas jüngere aus den 1920er/30ern - waren etwas größer?
  • Gesetzt den Fall, ich würde sie revidieren lassen, wäre so eine Uhr noch als alltägliche Taschenuhr tauglich oder ist sie zu empfindlich wegen fehlender Stoßsicherung etc.?
 
10-nach-10

10-nach-10

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Kommt drauf an, wie Dein Alltag aussieht. Schreibtisch, Auto, vielleicht ein bißchen zu Fuß unterwegs oder auf einem normalen Fahrrad? Dann ist die Technik (fehlende Stoßsicherung und im Vergleich zur Ankerhemmung die empfindlichere Zylinderhemmung) kein Problem. Das war es ja damals auch nicht. Joggen, Mountainbiking und ähnliches würde ich lassen.
 
Ruebennase

Ruebennase

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Ich sehe da kein Problem diese Uhr regelmäßig zu nutzen nach einer Wartung. Die viel beschworenen "Bauarbeiteruhren" waren Stiftanker oder eben Zylinderhemmungen ohne Stoßsicherung. Ich trage zwar selten Zylinderuhren aber eine habe ich unter den Trgeuhren. Meine befinden sich in der vorderen Hosentasche mit dem "Gesicht" zum Körper. Das ist ein gut geschützter Ort :-). Kompliziertere Stoßsicherungen wurden in Taschenuhren bis ca. 1845 in einigen Fällen eingebaut und verschwanden dann wieder weil der Aufwand sich nicht lohnte. Mit den Armbanduhren am "offenen" ungeschützten Handgelenk wurden sie dann wieder wichtig.
Kritisch wird es wenn Du ein Sekundenfetichist bist. Die Alltagsuhr hat einiges auf dem Buckel und hat kein hochpräzises Uhrwerk. Alltagsuhr in dem Sinne, dass sie dem Träger die Uhrzeit alltagstauglich mitteilen sollte. Ich gestatte meinen einfacheren Trageuhren locker +- 1-2 Minuten am Tag über alle Lagen und Temperaturen etc. Ich komme mit dem Fenster das oft unterschritten wird, gut zur Bahn. Ich habe ein loses Präzisionswerk das jetzt 19 Sekunden am Tag gewinnt. Dort ist es ein Drama und ich muß etwas tun.

Grüße Rübe

ERgänzung: Das ist ohne Frage eine Herrenuhr.
 
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Gast76644

Gast
nochmal Danke!

Und der Vollständigkeit halber:
Ich war letzte Woche bei einem renommierten Uhrmachermeister im Osten Berlins wegen anderer Sachen. Habe ihm nebenbei diese Uhr hingehalten und freundlichst gefragt, was eine Revision & Glaswechsel so ganz grob kosten würde. Er hat die nicht einmal in die Hand genommen. Ziemlich barsche Antwort - machen sie nicht, evtl. Ersatzteilprobleme. Zylinderhemmung? - zu hoher Verschleiß. Und das bei einem, der Spezialist für historische Uhren sein soll. Es mag eine ehrliche Antwort gewesen sein, aber entweder war es das falsche Wetter oder schlecht geschlafen oder der Mond stand schief - jedenfalls habe ich eine so arrogante Art schon lange nicht mehr erlebt. Ich werde den Namen nicht nennen, der hier im Forum schon paar mal empfohlen wurde. Die Uhr, die ich dort eigentlich kaufen wollte, werde ich jedenfalls woanders ordern.
 
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Peter Dachser

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Wie funktioniert die Verstellung über den Drücker? Ein Druck eine Minute?
 
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Matthias MUC

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Nein, im Grunde wie bei modernen Uhren, nur eben Drücker anstatt gezogene Krone. Drücker mit dem Fingernagel bis zum Anschlag gedrückt halten und an der Krone drehen. .
 
Thema:

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