Uhrenbestimmung suche Informationen zu 2 kaminuhren

Diskutiere suche Informationen zu 2 kaminuhren im Sonstige Uhren Forum im Bereich Sonstige Uhren; Hallo zusammen, ich habe die beiden abgebildeten Uhren bekommen, kann jedoch keinerlei Anhaltspunkte finden aus welcher Zeit sie stammen oder wer...
#1
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Nico77

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Hallo zusammen,
ich habe die beiden abgebildeten Uhren bekommen, kann jedoch keinerlei Anhaltspunkte finden aus welcher Zeit sie stammen oder wer sie hergestellt hat. Die größere Uhr wurde wohl einmal von Doering Leipzig revidiert. hier bekomme ich auch nicht das Pendel an die Uhr gehangen. Als ob es nicht dazu gehört.
Bei der zweiten Uhr habe ich leider keinerlei Anhaltspunkte außer der Schriftzug auf der Unterseite. Diese Uhr bekomme ich auch nicht zum laufen obwohl sie aufgezogen ist. Ist da irgendwo eine Sperre drin?
Vielen Dank für eure Hilfe und Informationen.
 

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#2
U

uhrenkel

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Hallo Nico,

willkommen im Forum!

Beides sind Uhren des Deutschen Historismus und entstammen ungefähr dem Zeitraum 1890-1910.

Die erste Uhr hat ein qualitativ gutes Werk mit massiven Platinen. Sie wurde von der Leipziger Uhrenhandlung Berger & Würker verkauft. (siehe B W-Stempel auf der Platine) Wer der wirkliche Hersteller des Uhrwerkes war, wissen wir nicht.

Die Angabe P 18 zeigt, dass das Uhrwerk ein Pendel mit einer Länge von 18cm benötigt.

Wie Du selbst schon festgestellt hast, wurde Dir zu dieser Uhr ein unpassendes Pendel verkauft. Aber wenigstens weißt Du nun die richtige Pendellänge.

Die zweite Uhr hat ein ganz normales Weckerwerk mit Unruhe. Wer der Hersteller des Werkes wr, kann ich Dir spontan nicht sagen, ich werde aber nachsehen. Ich vermute aber, dass sie von der Hamburg-Amerikanischen Uhrenfabrik in Schramberg hergestellt wurde.

Über Berger & Würker und auch über die Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik wirst Du genaue Angaben im "Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850-1980" (3. Auflage 2017) finden.

Viel Spaß mit Deinen Uhren!

Uhrenkel
 
#3
Der Stromer

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Hi, Nico77.

Ob das Pendel falsch ist, kann ich nicht sagen. Aber deutlich zu sehen ist auf Bild Nr. 4, dass die Pendelfeder fehlt! Der obere Teil steckt noch in der Halterung, aber der untere Teil, in den das Pendel eingehangen wird, fehlt.
Hier kannst Du 3 Beispiele sehen, wie so eine Pendelaufhängung realisiert wird. Pendelfeder allerdings kann ich so aus den Bildern natürlich nicht sagen, welche Abmessungen die benötigte Pendelfeder haben muss.
Am besten, zum Uhrmacher Deines Vertrauens mit dem Werk und dem Pendel gehen. Der hat sicher so eine Feder in seinem Fundus!

Über den wecker bekommst Du ganz sicher mehr Informationen vom Uhrenkel.
 
#4
N

Nico77

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Vielen Dank für die bisherigen Antworten. Ja, das mit der Feder kann tatsächlich sein, da oben nichts zum einhängen exisitiert.
Ich freue mich auf weitre Informationen.
Ich habe zusammen 100 EUR bezahlt. Meint ihr, das war zu teuer?
 
#5
Der Stromer

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Na ja, das ist immer Ansichtssache. Bei solchen Käufen, wenn man nicht selbst Hand anlegen kann (entsprechende Kenntnis und Werkstattausrüstung) muss man immer den preis einer kompletten Revision zum Kaufpreis dazu rechen. Und bei solch alten Uhr (die Erste) sind da schnell mal 150,- bis 250,- Euronen fällig.
Aber für beide sollte das schon okay sein. Zumal für die Erste. Ist nicht so oft an zu treffen:-).

Ob sich allerdings der Aufwand bei der Zweiten rechnen wird, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Das war Massenware und eigentlich nicht für eine Reparatur vorgesehen. Ex und Hopp vor 100 - 80 Jahren gab es auch schon:ok:.
 
#6
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uhrenkel

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Hallo Nico,

ich habe nachgesehen: Die zweite Uhr (Weckerwerk mit Unruhe) wurde von Kienzle hergestellt.

Diese Uhr müssen wir zwischen 1900 und 1914 einordnen. Sie gehört für Ihre Zeit ebenfalls zu den hochwertigen und damit auch teuren Tischuhren, auch wenn Sie nur ein normales Weckerwerk hat. Bei ihr liegt der Wert besonders im Gehäuse, das recht aufwändig gestaltet ist.

Also auch eine hochwertige Uhr, deren Erhaltung ich Dir gerne raten würde!

Gratulation! Ich finde Du hast mit beiden Uhren einen sehr guten Fang gemacht. Und ein passendes Pendel wird sich finden lassen. Such Dir einen begabten Bastler, der sich mit sowas auskennt!

Uhrenkel
 
#7
N

Nico77

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vielen Dank für die Antworten
 
#8
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uhrenkel

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Ob sich allerdings der Aufwand bei der Zweiten rechnen wird, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Das war Massenware und eigentlich nicht für eine Reparatur vorgesehen. Ex und Hopp vor 100 - 80 Jahren gab es auch schon:ok:.
Stromer, mit dieser Einschätzung liegst Du vollkommen daneben!

Es gab um 1900 und auch noch bis lange nach dem 2. Weltkrieg bei Uhren noch nicht die Situation, dass sich eine Reparatur von vorneherein nicht gelohnt hätte. Du behauptest solche Sachen zwar immer wieder, aber es stimmt einfach nicht.

Der billigste deutsche Wecker mit Amerikanerwerk im Metallgehäuse kostete um 1900 etwa 2,10 Reichsmark. (Bei Nikos Weckerwerk im aufwändigen Holzgehäuse darfst Du getrost etwa vom doppelten Preis ausgehen!)

Und nun recherchiere bitte selbst, was ein Arbeiter in Deutschland um 1900 in der Woche in etwa verdient hat. Dann wirst Du hoffentlich Deine Meinung ändern und in Zukunft Dich mit solch unzutreffenden Behauptungen etwas zurückhalten.

Uhrenkel
 
#9
Der Stromer

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Lieber Uhrenkel,

Jetzt bist Du aber nicht nur etwas neben der Spur. Nicht, dass Du mich vollkommen ohne jeden Wissenshintergrund angehst, stellst Du ein Massenprodukt (gestanzte Platinen, Räder und Hohltriebe) für 2,10 RM als hochwertiges Produkt hin. 2,10 RM 1914 können heute 2018 mit ca. 8,40 EUR angenommen werden. Dann lege nochmal 10,- EUR für das "Hochwertige" Holzgehäuse von der Stange (es war zu 100% keine Einzelanfertigung) drauf und Du liegst für diese Uhr bei sage und Schreibe 18,40 EUR. Was ist daran "Hochwertig"? Und dann die Stückzahlen, die nach Deinen Recherchen bei Kienzle aus der Presse kamen. Das dürften sicherlich so um die 500.000 Stück im Jahr gewesen sein, wenn das mal langt.
Einzig richtig an Deinem Pamphlet ist der Hinweis auf den Monatslohn eines Arbeiters. Der lag 1914 bei 76,40 RM. Und bei dem Verdienst war diese Uhr nicht von einem Maurer oder Industriearbeiter erworben worden. Aber deswegen Hochwertig und erhaltungswürdig?

Hier mal ein entsprechendes Zitat aus WIKIPEDIA zu diesem Thema:
Der wesentliche Grund für den rasanten Aufstieg der württembergischen Uhrenindustrie gegenüber dem traditionellen Herstellungsgebiet im badischen Teil des Schwarzwaldes ist in der innovativen Produktionsweise neuer Uhrenformen zu sehen. Der Wecker im Metallgehäuse entwickelte sich um 1900 zum Paradepferd der Schwarzwälder Uhrenindustrie. Hatten die ersten Uhrenfirmen im badischen Schwarzwald noch ganz darauf gesetzt, die handwerkliche Solidität traditioneller Uhrwerke durch Serienproduktion erschwinglich zu machen, so waren die Konstruktion der Wecker ganz auf die industrielle Massenproduktion nach amerikanischem Vorbild abgestellt. Diese neuartigen „Amerikaneruhren“ entstanden materialsparend auf Spezialmaschinen. Die Einzelteile waren für eine möglichst schnelle Montage optimiert. Das robuste Weckerwerk W10 von Junghans, Anfang der 1880er Jahre entwickelt, setzte dabei Maßstäbe. Es ermöglichte den Aufstieg von Junghans zur „größten Uhrenfabrik der Welt“, wie sich der Schramberger Hersteller nach 1900 selbst bezeichnete. Das Weckerwerk W10 wurde bis in die 1930er Jahre in riesigen Mengen produziert und von zahlreichen anderen Firmen im Schwarzwald nur geringfügig verändert nachgebaut. Der Wecker aus dem Schwarzwald wurde zur preisgünstigsten Uhr auf dem Markt – wie die Holzuhr des 19. Jahrhunderts. Dank der Wecker deckte der Schwarzwald bereits vor dem Ersten Weltkrieg 60 % des Weltexports an Großuhren.
Zitat Ende!
Dem ist wohl nichts "Hochwertiges" hinzuzufügen.

Ps.: Wenn der Wecker im Holzgehäuse so "Hochwertig" ist, kannst Du dem Besitzer ja ein entsprechendes Kaufangebot unterbreiten und den dann mit richtigem Gewinn an deine Klientel verkaufen. Nur so als Vorschlag...
 
#10
Der Stromer

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Hallo Nico,

willkommen im Forum!

Beides sind Uhren des Deutschen Historismus und entstammen ungefähr dem Zeitraum 1890-1910.

Die erste Uhr hat ein qualitativ gutes Werk mit massiven Platinen. Sie wurde von der Leipziger Uhrenhandlung Berger & Würker verkauft. (siehe B W-Stempel auf der Platine) Wer der wirkliche Hersteller des Uhrwerkes war, wissen wir nicht.

Die Angabe P 18 zeigt, dass das Uhrwerk ein Pendel mit einer Länge von 18cm benötigt.

Wie Du selbst schon festgestellt hast, wurde Dir zu dieser Uhr ein unpassendes Pendel verkauft. Aber wenigstens weißt Du nun die richtige Pendellänge.

Die zweite Uhr hat ein ganz normales Weckerwerk mit Unruhe. Wer der Hersteller des Werkes wr, kann ich Dir spontan nicht sagen, ich werde aber nachsehen. Ich vermute aber, dass sie von der Hamburg-Amerikanischen Uhrenfabrik in Schramberg hergestellt wurde.

Über Berger & Würker und auch über die Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik wirst Du genaue Angaben im "Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850-1980" (3. Auflage 2017) finden.

Viel Spaß mit Deinen Uhren!

Uhrenkel
Die von Uhrenkel genannte Uhrenhandlung kann auch das "Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980, 3. Auflage" nicht bestätigen. Die dort angegebenen Marken für die Firma Berger & Würker stimmen nicht überein. Aber die Marke über dem B W ist aussagefähig: L. Döring in Leipzig hat diese Uhr repassirt (reguliert).
 
#11
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uhrenkel

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Stromer, ich erkenne in dem von Dir zitierten Text keinen einzigen Hinweis oder Beleg der "Nicht Reparierbarkeit sondern eines Ex- und Hopp-Gebrauches" deutscher Wecker schon vor dem Ersten Weltkrieg. So wird das bisher nichts. Bitte zeige uns doch hierzu entsprechende Unterlagen. Ich würde mich aber wundern, wenn Du auch nur ein einziges Dokument findest.

Stattdessen würde ich Dir dringend enpfehlen, einen Blick in die Uhrmacherzeitungen dieser Zeit zu werfen, damit Du diese Zeit besser verstehst. Und kapierst, dass Deine Aussagen nicht haltbar sind.

Der von Dir zitierte Text belegt nur die geradezu rasante Entwicklung der deutschen Uhrenindustrie und deren Export-Erfolge schon vor dem Ersten Weltkrieg. Die besonders die Firma Junghans für mehrere Jahre zur größten Uhrenfabrik der Welt machten.

Noch ein Hinweis zu der von mir gelieferten Preisangabe:

- Diese stammt aus der Erhebung "Die Uhrenindustrie des Württembergischen Schwarzwaldes" erschienen 1906 in Tübingen.
- Es handelt sich dabei aber um die Abgabepreise der Hersteller, nicht der Endverkaufspreise. Diese sind noch mit einem Faktor zu multiplizieren.

Und nun viel Spaß bei der Lektüre deutscher Uhrmacherzeitungen! Und besonders der zahlreichen Diskussionen über die Preise zur Reparatur von Weckern und sonstiger Uhren in den Uhrmachergeschäften!!



Uhrenkel
 
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#12
Der Stromer

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Lieber Uhrenkel.

Auch die Lektüre der "Deutschen Uhrmacherzeitung" (Ausgabe 1880 - 1890) bringt mich nicht zu der Überzeugung, dass Du Recht haben könntest, trotz Deines Brüllens mit der Fettschrift.

Fakt ist, dass die ersten Amerikanerwerke, auch solche von Junghans etc. von den Deutschen Uhrmachern nicht repariert wurden, viele Uhrmacher lehnten das rund weg ab (siehe auch Lexikon der deutschen Uhrenindustrie von HHS) und hier ein Artikel über "Wecker aus dem Schwarzwald" in dem eben auch das angedeutet wird. Junghans war aber "Erfinderisch" genug um zu verstehen, dass eine Ablehnung der Uhrmacher seinen Produkten keinen großen Erfolg bescheren würde und daher - nach nochmaligem Besuch der Amerikanischen Uhrenfabriken, um im heutigen Sinn Industriespionage zu betreiben - entstand der W10, der auch repariert werden konnte. Die Importierten "Amerikanerwerke", egal ob Wecker oder Wand- und Tischuhren waren bereits damals Ex- und Hop-Erzeugnisse. Zu der Ablehnung durch die Uhrmacher solltest Du auch die Abhandlung von HHS im Lexikon komplett durchlesen. Hans-Heinrich hat das sehr gut beschrieben.
Und dieses W10 - der U(h)rvater aller Weckerwerke war nun mal billig nicht nur in der Herstellung, sondern auch von der Machart her. Stückzahlen allein bei Junghans: 9000 Stück pro Woche!

Der W10 wurde mit abgewandelten Formen von fast allen Uhrenfabriken in Deutschland hergestellt. Was daran nun also "Hochwertig" und besonders gut sein soll, begreife ich nicht. Liegt aber wahrscheinlich an meinem - gegenüber Deinem, wie Du ja meinst immer wieder glaubst, hervorheben zu müssen - geringeren Intellekt:ok:.
Aber Du kannst gerne auf meinen Standpunkt kommen! Ich habe da, im Gegensatz zu Dir und Deinem - noch sehr viel Platz für andere Meinungen und Argumenten:lol:.

Ach, bevor ich es dann doch vergesse, hier das Gesetzesbuch "Uhrenkel":
§1 Uhrenkel hat immer Recht.
§2 Hat Uhrenkel doch mal NICHT Recht, tritt automatisch §1 in Kraft!
 
#13
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uhrenkel

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Stromer, nun mach mal wieder halblang! Du verwechselst bzw. missverstehst hier einiges.

Es ist richtig, dass die industrielle Fertigung der Wecker den Preis eines Weckers in sehr kurzer Zeit geradezu halbierte. Das lässt sich in der von mir schon zitierten Erhebung nachlesen. Das ändert aber nichts daran, dass ein Wecker in Deutschland um das Jahr 1900 in vielen Haushalten die erste und für lange Zeit auch die einzige Uhr wurde.

Ein zuverlässiger Wecker war aber unabdingbar, sobald ein Mitglied der Familie Arbeit in einer Fabrik fand, denn Zuspätkommen wurde gnadenlos bestraft.

Ergo: Die zunehmende Fertigungskapazität der deutschen Uhrenindustrie ermöglichte nun sogar Export-Erfolge, von Weckern.

Aber Dein Rückschluss, dass die Wecker dadurch zu den ersten "Ex- und Hopp-Uhren der Weltgeschichte" wurden, ist vollkommener Unsinn.

Und wenn Du Dich sogar selbst an die 1950er Jahre und auch noch später erinnern willst: Damals bestanden die Haupteinnahmen eines Uhrmachers in der Hauptsache aus 2 Dingen:

1) Die Reparatur von Uhren aller Art
2) Der Verkauf von Neu- Uhren.

Ich selbst hatte die Ehre bei der Auflösung einiger Uhrmachergeschäfte für billiges Geld einige reparierte, aber nicht-abgeholte Wecker bis zurück zu den 1950er Jahren zu kaufen.

Und wenn Du Dir die Prüfungsordnung der alten Uhrmacher ansehen willst: Es gab lange die Vorschrift, dass im Rahmen der Prüfung auch ein Wecker mit definierten Fehlern repariert und anschließend kontrolliert wurde, ob alle Fehler gefunden worden sind.

Und nun weiterhin viel Spaß bei Deiner Lektüre der deutschen Uhrmacherzeitungen um das Jahr 1900! Irgendwie will mir nicht einleuchten, warum Du bisher die zahlreichen Diskussionen zu diesem Thema in den Uhrmacherzeitungen noch nicht gefunden hast. Also versuch es ruhig nochmal!


Uhrenkel
 
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#14
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Bernzen

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Zum Wegwerfen vor dem Krieg!

Alle meine Verwandten, die vor dem Krieg gelebt haben, waren beinahe schon krankhafte Bewahrer. Die haben eher kaputte Sachen auf den Dachboden geräumt oder durchaus unsachgemäß selber repariert bevor sie sie weg geworfen hätten. Es gab auch noch genügend Uhrmacher und auch andere Handwerker, die Dinge repariert haben. Ich erinnere nur an die Repassierwerkstätten für Laufmaschen.
 
#15
kater7

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Erinnere mich nur nicht an die alten Leutchen die den Krieg und die Notzeiten noch mitgemacht haben, Dosenweise krumme Nägel aufbewahrt .... kann man ja wieder gerade klopfen :shock: ja klar: kann man machen, aber wenn man das nicht macht kann man die auch wegwerfen!
 
#16
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Bernzen

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Genau so waren die drauf!
Daher glaube ich auch nicht, dass es ein bewusstes "auf Wegwerfen" Produzieren schon gab. Wenn dann höchstens in Ansätzen.
 
#17
kater7

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In Ansätzen gab es solche "Wegwerfprodukte" ich hab eine US-TU von Ingersoll aus dem Jahr 1909, eine sogenannte Dollarwatch, da ist noch der Garantiezettel inliegend, diese Garantieregeln legen schon nahe im Fall der Fälle gleich eine neue Uhr für die Zuzahlung von 25 Cent zu nehmen ....

IMG_5545.jpg

Das war schon so eine Art "Wegwerfuhr" und genau das wurde mit diesen Uhren auch sehr häufig gemacht: sie wurden einfach weggeworfen. Genau aus dem Grund sind heute überlebende Exemplare extrem selten und recht teuer .....
 
#18
Der Stromer

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Diese Waren waren so entwickelt, dass die Herstellung (und damit frisches Geld für den Hersteller und nicht den Reparateur - Uhrmacher) am Laufen gehalten wurde. Junghans hat diese Idee aufgegriffen und mit einigem Erfolg und gegen Widerstände im Deutschen Reich etabliert. Das die Käufer solcher Waren diese, wenn sie ihren "Geist" aufgaben, aufgehoben haben, ist doch nur verständlich. Machen wir heute doch auch noch. Der Dachboden war und ist - Scheunen gehören neben Keller auch noch dazu, ein Ort, die solche Gegenstände für lange Zeit, ohne das Jemand darüber stolperte, verstecken konnte.

Und auch, wenn man es heute nicht gerne hört: Viele Gegenstände, die für teures Geld überall verkauft werden, haben zu 90% eine festgelegte Lebensdauer vom Hersteller bereits implementiert. Angefangen vom Auto bis zum Flachfernseher mit 2 Meter Diagonale. Nur dadurch kann das Wirtschaftswachstum erhalten werden und damit unser Wohlstand. Wer es nicht glauben kann oder will, sollte sich mal die Abhandlungen von W. Buffet und Friedrich August von Hayek zu Gemüte führen. Die Grundsätze sind nicht neu und beflügelten auch im 19. Jahrhundert bereits die Wirtschaft.

In einem hat Kater7 aber Recht: Genau aus dem Grund sind heute überlebende Exemplare extrem selten und recht teuer .....

Ps.: Ich habe sie noch mitgemacht, die "Gute alte Zeit" vor 70 Jahren. Und meine Eltern haben, wenn meine Gwschwister und ich etwas wollte, was uns unbedingt erstrebenswert schien, oft genug gesagt "...um billig zu kaufen sind wir zu arm!"
 
#19
Der Stromer

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Genau so waren die drauf!
Daher glaube ich auch nicht, dass es ein bewusstes "auf Wegwerfen" Produzieren schon gab. Wenn dann höchstens in Ansätzen.
Jede Art von Produktion braucht seine Zeit, bis sich die "Methode" durchgesetzt hat. Zum Beispiel die "Unkaputbare" Cola-Flasche als Wegwerfprodukt. Oder die Einwegverpackungen. Uhren, bei denen die Energieversorgung nicht mehr gewechselt werden kann, da das Gehäuse bei der Produktion so hergestellt wurde, dass es nicht mehr geöffnet werden konnte und so weiter. Und auch im 19. Jahrhundert gab es solche Produkte schon.
London, im August 1887.
Das Merchandise Marks Act, das Handelsmarkengesetz, wird verabschiedet. Damit wird es zur Pflicht: auf allen nach England importierten Waren muss von nun an das Herkunftsland angegeben sein: „Hergestellt in...“, also „Made in...“


Der einzige Grund für dieses Gesetz war es, die Einfuhr und den Verkauf von billigen und schlechten Waren kontrollieren zu wollen. Das besonders die Englische Wirtschaft damals binnen weniger Jahre genau das Gegenteil mit ihren, dann billigeren und schlechteren Produkten, erreichte, ist ein Treppenwitz der Wirtschaftsgeschichte!

Ich persönlich habe mich mal über einen Staudruck-Geschwindigkeits-Messer für Wasserfahrzeuge geärgert. Kostenpunkt mit Transport und Zoll etc. aus USA: um die 180,- DM. Günstig für ein Teil für Bootssport. Die Besseren von VDO kosteten das 3-fache! Genau 3 Monate nach Garantieablauf (die zweite Bootssaison) funktionierte das US-Teil nicht mehr. Im nicht zu öffnendem Inneren waren Teile aus Weicheisen ohne Korrosionsschutz verbaut! Eine Deutsche Firma übernahm später dann die Produktion und VDO stellte sein hochwertiges Messgerät ein. Der Lauf der Wirtschaft. Heute gibt es die Dinger für horrendes Geld von Baxxxxx. Und drin werkelt Chinesische Elektronik! Und auch diese Teile werden komplett getauscht. In der Garantie muss nur der Transport hin- und zurück gezahlt werden, sonst ein Preis von ca. 60% vom neuen Gerät. Ein Schelm, der jetzt meint, der Verkäufer würde am Garantiefall kein Geld verdienen und ist dmit gezwungen, hochwertige Produkte zu produzieren!

Merke: Wenn etwas ewig hält, geht der Hersteller kaputt, wenn aber alles ewig hält, ist die (Volks)Wirtschaft kaputt :ok:
 
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