Stiftankerwerke auf der Zeitwaage...

Diskutiere Stiftankerwerke auf der Zeitwaage... im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Liebe Gemeinde! Ich hab da mal eine Grundsatzfrage und freue mich auf die Antworten... Ist es "grundsätzlich" so, dass alte Stiftankerwerke auf...
carondeb

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Liebe Gemeinde!

Ich hab da mal eine Grundsatzfrage und freue mich auf die Antworten...

Ist es "grundsätzlich" so, dass alte Stiftankerwerke auf der Zeitwaage oft sehr schlechte Bilder liefern? Ich habe ja (wie viele von euch auch, allerdings in Potenzen zahlreicher) schon einige solcher Werke wie UMF24, Baumgartner, Kienzles etc zerlegt und gereinigt. Natürlich sind das alles Blechommeln ohne Steine und oft mit Körnerunruh, aber ich bring da oft nur mehr Schnee oder ziemliche Berg- und Talfahrten auf der Zeitwaage zusammen. Ist das der Konstruktion, dem Verschleiß oder meiner Arbeit geschuldet? Die Spirale schlägt nirgends an, ist nicht verklebt und streift auch nirgends - der Gang über den Tag ist ja nicht so schlecht... allerdings ist das Regulieren bei diesen Zeitwaage-Bildern ein Geduldsspiel...

Danke für eure Einschätzungen!
 
omega511

omega511

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PjK>MUC>W>OL>?
Ist das der Konstruktion, dem Verschleiß oder meiner Arbeit geschuldet?
Über Dein Arbeit kann ich gewiss nicht richten, den Verschleiss mehrer Werk (so scheint es) kenne ich auch nicht, aber genau bei der Konstruktion sehe ich Herausforderungen, denn es gibt eine Menge Quellen für Geräusche und die sind wahrscheinlich nicht so genau zu messen wie bsp. bei einer klassischen Schweizer Ankerhemmung oder eine Coaxial-Hemmung.

Deshalb sieht Deine Zeitwaage schon bei kleinsten Messwertänderungen "schlecht" aus...

...damit. möchte ich in keinster Weise sagen, dass alle Stiftankerwerke klingelnder Kernschrott sind (schön in diesem Artikel hier im Nachbarforum dargestellt), sondern die Dinger sind halt einfach "etwas ungenauer" bei der einzelnen Messung Deiner Zeitwaage...

...in der Summe über den Tag (siehe Artikel) können sie verdammt genau sein in Chronometernorm.
 
carondeb

carondeb

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Über Dein Arbeit kann ich gewiss nicht richten,
Schon klar :) vielleicht gibts aber auch hier Tricks... Jedenfalls bringe ich alte und lange nicht gepflegte Steinanker-Werke (wenn nicht schiefe Zahnräder oder ähnliche Großprobleme vorhanden sind) in der Regel auf zufriedenstellende Werte -> gerade Linie, Amplitude >270°, geringer Abfallfehler.

Danke auch für den Artikel, war sehr informativ!
 
EvilEvo

EvilEvo

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Fachlich bin ich sicher nicht die beste Quelle, berichte dir aber gern meine Beobachtungen. Ich reguliere mit der App Tickoprint, was für meine Arbeiten an einfachen Uhren ausreicht.
Ich habe z. B. einen Ruhla Chronograf, der bei Tickoprint ein gutes Gangbild mit 20s/d Abweichung zeigt, das entspricht auch der Realität. Bei 2 anderen M24 meiner Sammlung sieht es ähnlich aus, eine 4. Uhr zeigt trotz guter Ganggenauigkeit katastrophale Werte bei Tickoprint, daher musste sie frei Schnauze reguliert werden.
Eine anderes Stiftankerwerk, ein Kienzle 058b11, läuft mit -10s/d und haut in der App wirre Werte um die +400s/d raus, ist also nicht messbar damit.

Ich würde zumindest deine These unterstützen, dass Stiftankerwerke schwerer zu messen sind, denn bei allen Steinankerwerken, die ich bis jetzt revidiert habe, hat die App plausible Werte ausgespuckt.
 
mausiele

mausiele

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Zu Stiftankerwerken und Zeitwaage habe ich auch eine Frage:

Welchen Hebewinkel stellt ihr für ein UMF 24 auf der Zeitwaage ein?
 
hermannH

hermannH

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Hallo

Das Hauptproblem bei Stiftanker Werken ist die recht hohe Abnutzung der Hemmungsteile, wie z.B. Der Ankerstifte.
Hut ab vor Jenen die sich da darüber trauen. Ich würde aber die Zeitwaage außen vor lassen, und per Hand regulieren. Werte unter einer Minute pro Tag sind meiner Ansicht nach bei Stiftanker Werken schon sehr akzeptabel.

Gruß hermann
 
Schraubendreher

Schraubendreher

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Hallo mausiele,

bringe die Amplitude der Unruh durch vorsichtiges Aufziehen auf 180º. Das kann man sehr schön an der Ellipse oder an den Unruhschenkeln sehen. Dann stellst Du den Hebewinkel so ein, dasss die Zeitwaage 180º anzeigt. Fertig.

Ich würde an dieser Stelle aber keine Zeit verschwenden. Wenn eine Stiftankeruhr nach Augenmaß gut schwingt und einen einigermaßen vernünftigen Gang bringt, ist die angezeigte Amplitude auf der Zeitwaage doch vollkommen uninteressant. Für die Reglage brauchst Du sie nicht. Das gleiche gilt für den Abfallfehler. Wenn der Anker im abgespannten Zustand mittig zwischen den Begrenzungsstiften spielt, ist der Abfall hinreichend genau eingestellt. Was mir die Zeitwaage dann anzeigt, ist mir in der Praxis vollkommen Wurscht.

Es gibt ein paar überraschend genau laufende Werke mit Stiftankerhemmung, bis hin zu den berühmt/berüchtigten Stiftankerchronometern. Aber die meisten Stiftankeruhren waren schon von wirklich einfacher Qualität als sie neu waren. Und die Jahre haben sie nicht besser gemacht. Gangabweichungen von einer Minute pro Tag sind absolut akzeptabel. Eventuell liefen sie seinerzeit auch nicht besser.

Bis dann:
der Schraubendreher
 
carondeb

carondeb

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Danke euch für die vielen Antworten!

Eventuell liefen sie seinerzeit auch nicht besser.
Ja, das hätte ich auch gerne mal gesehen: ein fabrikneues Werk auf der Zeitwaage! Vielleicht würden sich dann manche Bedenken zerstreuen.

Das Hauptproblem bei Stiftanker Werken ist die recht hohe Abnutzung der Hemmungsteile, wie z.B. Der Ankerstifte.
Dieses Problem hab ich oft auch bei Weckern gesehehn. Die meisten der 40er bis 60-erJahre Wecker, die ich von innen zu sehen bekommen, sind komplett Ölunfälle. Da triefts an jeder Ecke - und die Ankerstifte sind trotzdem (oder deswegen) zum Teil schon halb durchgeschliffen und im Querschnitt bestenfalls ein Halbkreis. Hin und wieder ersetze ich so einen Stift, aber meistens wird das Beste (= kleinste Übel) aus den vorhandenen Teilen gemacht.

... dass Stiftankerwerke schwerer zu messen sind, denn bei allen Steinankerwerken, die ich bis jetzt revidiert habe, hat die App plausible Werte ausgespuckt.
Das deckt sich mit meinen Erfahrungen - leider bringt es mein Brotberuf als auch die Beschäftigung mit den Uhren mit sich, dass ich hier einen Hang zur Genauigkeit habe. Nicht in der Präzisionsperfektion wie gelernte Uhrmacher, aber so ein Stiftankerzeitwaagenbild einer gereinigten Uhr macht mich halt wuschi!

PS Gestern hatte ich eine Timex (!) auf der Waage, die hat auch viel mitgemacht, aber die lief nach dem Zerlegen und Reinigen (und das ist bei Timex echt eine Herausforderung) so schön, dass ichs kaum glauben konnte. Also es gibt eben wohl auch Ausnahmen...
 
Thema:

Stiftankerwerke auf der Zeitwaage...

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