Schmuck-Goldemail-Taschenuhr aus dem frühen Frankreich

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husky

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R.i.P
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Guten Tag, liebe Taschenuhr-Freunde,
mit ein wenig Geduld zu lesen, kann es für den Liebhaber alter Uhren wieder ein wenig Unterhaltung bedeuten in diesen trüben Zeiten.

Schmuck-Goldemail-Taschenuhr aus dem frühen Frankreich


Die Geschichte der Emaildekoration umfasst mehrere Jahrtausende. Die Technik begann ursprünglich mit dem Prozess der Ablagerung verschiedener farbiger Oxide in vorbestimmten Vertiefungen. Es wurde jeweils eine Farbe aufgetragen und gebrannt, beginnend mit denen, die bei den höchsten Temperaturen schmelzen, und endend mit denen, die bei niedrigeren Temperaturen schmelzen, wobei darauf zu achten ist, dass sie sich nicht vermischen, was zu Fehlern beim Brennen des Stücks geführt hätte. Dies war die Methode, die für Cloisonné-Emails, Champlevé-Emails und durchscheinende oder undurchsichtige Ronde-Bosse-Emails verwendet wurde. In der Schule für Emailmalerei in Limoges wurden die Figuren in überlagerten Emails verschiedener Farben ausgeführt, in der Regel nicht mehr als zwei. Die gefärbten Oxide wurden fein pulverisiert und mit destilliertem Wasser gemischt. Sie wurden dann auf einer Plakette abgelagert, die zuvor hergestellt worden war, im Allgemeinen mit einer Farbe. Im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts entwickelte sich eine neue Form der Emaildekoration. Bekannt als "Malerei auf Emaille", war diese neuartige Technik eng mit der Geschichte der Uhrmacherkunst verbunden. Die dekorativen Möglichkeiten, die das Malen auf Emaille bietet, beeinflussten nicht nur die dekorativen Aspekte der Pendeluhr, sondern auch ihre Formen und Dimensionen und verwandelten sie damit in ein Kunstobjekt. Es wird angenommen, dass ein Goldschmied namens Jean Toutin die Technik des Malens auf Emaille entwickelt hat, um die Emaille-Arbeit näher an die Techniken der Ölmalerei heranzuführen, bei denen Farben neben einander gestellt, überlagert oder „pointillistisch“ verwendet werden.

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Die Technik des Malens auf Emaille ist äußerst komplex, da das Objekt viele Male einmal für jede weitere Farbe gebrannt werden muss. Dies führt zu einer perfekt glatten Oberfläche im Gegensatz zu Objekten, die mit der Limoges-Technik ausgeführt wurden und eine unregelmäßige, wellige Oberfläche aufweisen. Der Effekt kann je nach Platzierung und Auswahl der Farben entweder brillant oder empfindlich sein. Die Szenen wurden mittels einer natürlichen Perspektive dreidimensional gerendert, da hellere Farben fortschreiten und dunklere Farben zurücktreten. "Malen auf Emaille" ist somit eindeutig in keiner Weise schlechter als Ölgemälde auf Dose, mit dem zusätzlichen "Bonus", dass Emaille dauerhaft ist. Es ist nicht verwunderlich, dass die Technik aus Blois stammt. Die Stadt war die bevorzugte Residenz der Könige von Frankreich im 16. Jahrhundert. Dort hielten sie ihre états genéraux, und in Blois befahl Henri HI während des Conseil von I588 die Ermordung des Herzogs von Guise. Die Tatsache, dass sich französische Könige über ein Jahrhundert lang Ihre Aktivitäten in der Region Blois und Paris zentriert hatten führten zu einer bemerkenswerten Konzentration spezialisierter Handwerker in der Stadt und ihren umliegenden Regionen. Diese Menschen trugen wesentlich zum reichen kulturellen und künstlerischen Leben der Stadt bei. Jean Toutin wurde 1578 in Chateaudun geboren und zog nach Blois, wo er als Goldschmied arbeitete. Später kehrte er nach Chateaudun zurück. Toutin war sowohl als Goldschmied als auch als Kupferstecher bekannt. Mehrere Plaketten mit der Stempelmarke „Chateaudin 1619“ wurden im Kabinett aufbewahrt und werden ihm zugeschrieben. Toutin hielt enge Kontakte zu Blois. I622 zog er für einige Zeit nach Paris und widmete sich der Dekoration von Uhrengehäusen. In "La Montre, des origines au XIX siecle" zitiert Catherine Cardinal ein I623-Dokument "über die Beschlagnahme von montres et horloges "von Jehan Toutin, Goldschmiedemeister. Die beschlagnahmten Waren wurden zu gleichen Teilen zwischen dem König und dem Garde-Visiteur des Uhrmacherunternehmens aufgeteilt. Dies beweist, dass Toutin einige Jahre bevor er die Technik des Malens auf Email entdeckte, sich mit der Uhrmacherkunst befasste. Durch Jean Toutin und seinen Sohn Jean II, der ebenfalls in Paris arbeitete, verbreitete die Technik sich in dieser Stadt. Man kann wirklich von Emaille von Blois und Paris sprechen. Toutin hatte mehrere "Schüler", darunter Christophe Morliere, Pierre Chartier, Dubie und Isaac Gribelin. Das "Journal des Savants" vom 14. September 1676 kündigte an: „Einem Franzosen namens Toutin, Goldschmied in Chdteaudun, ist es gelungen, sowohl mit gewöhnlichen als auch mit transparenten Emails zu malen, und er entdeckte 1632 die Mittel, um Porträts mit transparenten und undurchsichtigen Emails zu malen, die ebenso gut ausgeführt sind wie solche in Öl. Und auch historische Szenen, die den Vorteil haben, eine auffallende Brillanz zu besitzen und deren Farben niemals verblassen. "Dies macht die Wirkung der Technik deutlich. Toutin zog es vor, auf einer 21- oder 22-Karat-Goldoberfläche zu arbeiten. Eine vorläufige gleichmäßige Emailschicht, fast immer weiß und immer undurchsichtig, wurde daraufgelegt. Diese Schicht diente als Hintergrund Die Farben, die dann überlagert wurden, hoben sich vor diesem Hintergrund mit großer Brillanz ab. Dies führte zu äußerst präzisen Linien sowie zu feiner Ausführung und Gleichmäßigkeit ohne Klumpen oder Vertiefungen. Diese glatte Oberfläche verlieh Szenen und bewundernswert Porträts. Die „Bassine“ -Form von Uhrengehäusen wurde geschaffen, um die spektakuläre Wirkung der Szenen zu verstärken. Der Blois „montre d 'art“ und der Schmuck und andere mit Emailmalerei verzierte Gegenstände schufen eine neue Mode in der Aristokratie von Der Kontinent und förderte das Wachstum des Gemäldes in Emaille-Technik. Im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts nahm die Popularität der Pendeluhr in "Bassine" -Form ab, sie wurde in kleineren Mengen hergestellt und dann nur für sehr hochwertige Stücke. Ein neuer Uhrentyp kam zu Gunsten. Es war runder und hatte ein größeres und besser lesbares Zifferblatt. Diese Uhr wurde nicht mehr als Anhänger verwendet und in der Taille getragen oder in der Tasche getragen. Die große Ära der Blois-Emails endete mit dieser neuen und diskreteren Mode der Taschenuhren, die Blois als Emaille-Zentrum ablöste. Zwei Generationen später signalisierte das als Chatelaine-Uhr bekannte, gut sichtbare, dekorative Modeaccessoire die Rückkehr der Emaildekoration in ihrer ganzen Pracht.

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"Schule von Blois" - Emailleuhren aus der Zeit um 1650 mit Werken aus dieser Zeit sind museale Objekte. Viele dieser Gehäuse, die bereits damals als Kunstwerke geschätzt wurden, haben Werke aus dem 18. Jahrhundert. Bei der hier vorliegenden Uhr handelt es sich um ein Original um 1640/50, ein museales Sammlerobjekt. Eine nahezu identische Uhr gleicher Größe und mit exakt gleichem Gewicht sowie nahezu gleicher Gehäusegestaltung war im Forum hier präsentiert worden.

So kann hier wohl von zwei „Stiefschwestern“ gesprochen werden, denn die Gehäuse sind zu 99 % aus der gleichen Werkstatt, vermutlich sind dann von den Uhrmachern Laurier und Bergier die Werke eingepasst worden.



Nun zur Uhr:

Francois Bergier, Paris um 1645

Gehäuse:

Goldemail-Gehäuseschale mit kunstvoller polychromer Malerei, die Schalen-Innenseite zeigt eine idealisierte Landschaft mit einem Bauernhaus und einem Angler im Fluss, die Deckelinnenseite eine Flusslandschaft mit Bäumen und einem Dorf im Vorgebirge. Die Rückseite der Schale zeigt „Ceres, Bacchus und Venus bei der Weinlese vom Luchs beobachtet“ und auf dem Deckel ist die „Ceres, Bacchus und Venus feiern heftig“ zu sehen. Der Gehäuserand zeigt vier Kartuschen mit Landschaftsbildern. Die Vorlagen sind Stiche von Michel Dorigny, die Bilder dazu stammen wohl von Simon Vouet (1590-1649). Der schwarze Rand ist nur von drei Gehäusen aus Blois bekannt. (Die zweite Uhr ist die von Laurier aus Blois)

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Zifferblatt:

Weißes Emaille-Zifferblatt mit Stundenskala mit römischen Zahlen, der Stundenzeiger aus Eisen ist in Schwertform ausgearbeitet und besitzt einen kleinen „Schwanz“, damit die Zeit ohne Beschädigung des Zeigers eingestellt werden kann.

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Werk:

Feuervergoldetes Vollplatinenwerk aus Messing, im Gehäuse mit Scharnier bei der Zwölf befestigt, mit Blatt- und Rankenwerk verzierter Spindelkloben, balusterförmige Pfeiler, zweischenkelige Eisenunrast ohne Spirale, Federvorspannung über offenliegendem Gesperr mittels Wurmschraube, diese in Stahl-Schmuckelementen gelagert. Der Antrieb erfolgt über Federhaus, Kette und Schnecke.
Signatur: Francois Berger a Paris

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Maße:

Ca. Ø 33mm, Dicke 19 mm, ca. 34g, Gold, vermutlich 21 Karat

Diese und weitere Emailuhren findet man auch HIER



Bacchus-Dionysos


Abbildungen zeigen oft Dionysos mit Weinstock und Thyrsosstab, einem Stock, der mit einem Pinienzapfen gekrönt und mit Weinreben und Efeu umwunden ist. Oft trägt er lange orientalische Kleider, manchmal reitet er auf einem Panter, oder ein Panter zieht seinen Wagen. Zu seinem Gefolge gehörten die Satyrn, männliche Dämonen mit Hufen, Pferdeohren und -schwanz, die lüstern den Nymphen nachstellten. Später wurde der Themenkreis erweitert durch Bilder, die

Dionysos als Theatergott darstellen.

Dionysos, der Gott für Sex, Gewalt und Drogen, gehört zu den faszinierendsten Gestalten des Mythos; seinem Kult verdanken wir die größten Werke der antiken Literatur.

Die Truppe des Dionysos hat in der Gigantomachie gekämpft und mit dem Geschrei ihrer Esel die Giganten in Furcht und Schrecken versetzt haben.


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Rubens schuf mit diesem Werk, durch den Verzicht auf jegliche Andeutung von Ausschweifung oder Trunksucht, jedoch ein Sinnbild für den mäßigen Umgang mit Alkohol, was sich exemplarisch bei Bacchus zeigt, der jeglichen Anschein von Trunkenheit vermeidet und dem Amorknaben korrekterweise Weintrauben reicht. Die klassisch-ausgewogene Komposition, in deren Zentrum sich der Weinpokal in der Hand des Bacchus befindet, der kühle Farbton sowie die statuarische Ruhe der Figuren, unterstützen den Ausdruck der Mäßigung.

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Mit freundlichen Sammlergrüssen
Michael
 
Zuletzt bearbeitet:
Uhr-Enkel

Uhr-Enkel

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Ganz toll und lehrreich, wie eigentlich immer. Allerdings muss ich bei deinen Ausfühungen öfters nachschlagen, hier zum Beispiel das Wort "polychrom".
 
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