Ruhla Electric - DDR-Exportschlager?

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fuchsgiro

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Hallo zusammen,

ich möchte euch ein paar Ruhla Electric Exportmodelle aus meiner Sammlung vorstellen und werde gleichzeitig ein paar Details der Kaliber 25 und 26 erläutern.

Für den Uhrenbau in Ruhla und vielleicht auch ein bisschen für die ganze Uhrenindustrie der DDR war die Electric eine sehr wichtige Neuentwicklung. 1961 standen die Uhrenbauer in Glashütte, Ruhla und Weimar vor dem Aus. Der RGW ( Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) hatte, auch mit den Stimmen der DDR-Vertreter, empfohlen die Uhrenproduktion in der DDR einzustellen. Der Bedarf sollten durch den russischen "Großen Bruder" aus dessen 15 Uhren-Werken gedeckt werden.
In dieser Krise waren erste Erfolge bei der neu entwickelten "E-Uhr" sehr wichtig. Am 20.01.1962 wurde ein Muster der Uhr Walter Ulbricht übergeben. Die Serienproduktion startete noch Ende 1962 und auf der Leipziger Frühjahrsmesse im März 1963 wurde die Ruhla Electric auch von den ausländischen Kunden gut angenommen. Dies waren neben der Kombinatsgründung der drei DDR-Uhrenbauer, sicher alles Gründe, dass sich die Genossen des Zentralkomitees der SED die Sache am 11. November 1964 noch mal überlegten und die DDR-Uhrenindustrie erhalten blieb.


Ich werde euch die Uhren nach Baujahren sortiert vorstellen.
Diese defekte Woldtime mit abgebrochenen Bandanstoß kam durch das Forum zu mir.
Vielen Dank Roland (@spindel).
549 (8).jpg

Hier ist eines der ersten Kaliber UMF 25-82 (1962 bis 1966) verbaut.
Das Werk arbeitet nach dem Prinzip eines elektromechanischen Unruhmotors, schwingt mit 18.000 A/h. Es sind 17 Steine und eine Incabloc-Stoßsicherung verbaut.
549 (7).jpg

Mit Hilfe des großen Rasthebels im unteren Teil des Werkes wird die Uhr beim Ziehen der Krone angehalten.
Der Hebel greift in das Schaltrad ein, welches man Ende des Rasthebels sehen kann. Nach dem Drücken der Krone muss die Uhr angeschwungen werden.
549 (6).jpg

Ich habe den Bandanstoß an das große (36 mm) Gehäuse anlöten lassen (nicht besonders gut). Das Werk musste ich zu Holger schicken da meine Reparaturversuche scheiterten. Die Spule auf der Unruh war defekt und Holger hat seine letzte kpl. Unruhe dieser Art (es gibt drei verschiedene Unruhen) eingebaut. :-D
Und so strahlt diese schlichte, schöne Uhr jetzt wieder.
549 (1).jpg

In der nächsten Uhr schlägt das gleiche Herz. Der Hingucker hier, ist der Sekundenzeiger und nicht nur wegen der Farbe.
Bei dieser Ruhla Electric sieht man auf den ersten Blick nicht, dass es sich um eine Exportuhr handelt.
uhren 008.jpg

Erst die Innenseiten des Deckel verrät, das die Uhr für die amerikanische Firma R. Gsell Co. Inc. hergestellt worden ist.
uhren 004.JPG

Das man das Werk der Electric´s unter Zeitruck entwickelt hatte, merkten bald die Uhrmacher und wohl auf die Ingenieure in Ruhla. Es gab viele Probleme die Uhren zu justieren und die Werke zum Laufen zu bekommen. Es folgten viele kleine Änderungen um die Kinderkrankheiten zu beseitigen und zusätzlich wurde ein Selbstanlauf konstruiert. Dadurch entfiel das Anschwingen der Uhr.
Auf der Werk-Seite des Kalibers UMF 25-12 sieht man kaum Veränderungen (zu Ermi später mehr).
439 002.jpg

Wie man sieht gibt es eine neue "Aufzugs"-wippe mit Feder, der Rasthebel (schwarz gepunktet) wurde in seiner Form verändert und bewegt jetzt auch den Hebel für den Selbstanlauf (rot). Ein kleiner Stift greift zusätzlich in die Unruh und lässt sie beim Anhalten der Uhr nicht ausschwingen. Durch die Vorspannung der Spiralfeder kann die Unruh nach Drücken der Krone sofort wieder anschwingen und schließt den Kontakt zum Schaltrad. Ich hoffe ihr könnt meinen laienhaften Worten folgen. :oops:
Grün gekennzeichnet habe ich den neuen, verstellbaren Rastmagneten (jetzt zwei statt einer). Er sorgt für die Ausrichtung des Schaltrades.
548 029Farbe.jpg

Eingebaut ist das Kaliber UMF 25-12 (gebaut 1966 bis 1969) in eine schlichte Uhr namens Champion. Das Gehäuse (auch schon gelötet) ist nicht ganz so groß (35,5 mm) wie das der Worldtime, hat aber eine versenkte Krone.
eb 035.jpg

Bei der nächste Exportelectric kommt etwas "Farbe" ins Spiel.
leip 004.jpg

Hier arbeitet das Kaliber 26-02 (gebaut 1969 bis 1975). In dieser Version sind nur noch 7 Steine verbaut und die Uhr schwingt jetzt mit 28.800 A/h.
559 (1).jpg

So sieht sie nach der Auffrischung aus.
doppel 057.jpg

Das nächste aussergewöhnliche Stück durfte ich wieder von Roland erwerben.
Es handelt sich um eine Ausstellungs Uhr für den amerikanischen Markt.
Die Uhr besitzt ein vergoldetes Messinggehäuse, welches von beiden Seiten mit einem Plexiglas verschlossen ist. Alle Schrauben sind gebläut und einige Teile eingefärbt.
537 003.jpg

537 006 (3).jpg

Die nächste Elektric habe ich aus der amerikanischen Bucht gefischt.
Hier ist das Werk durch einen extra Deckel geschützt.
548 (4).jpg

Von hinten prangt groß "West Gemany"- vielleicht doch keine Ruhla Electric?
doppel 023.jpg

Eine Newport Ultra High Frequency electric.
doppel 030.jpg

Sie ist in einem fast tadellosen Zustand.
doppel 033.jpg

Da hier meine Bildergrenze erreicht ist, folgt die letzte Uhr extra.
 
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fuchsgiro

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Die Ruhla Electric mit Datum ist recht selten und wurde zwischen 1970 und 1975 gebaut.
Ich habe diese Exemplar auf dem Antikmarkt in Leipzig erworben.
leip 015.jpg

Mit dem ZB kann man auch gleich die Datumseinheit abnehmen.
563 (3).jpg

Das Modul stammt in großen Teilen vom Glashütter Kaliber 75 und zeigt, wie man durch die Kombinatsgründung Entwicklungsarbeit und damit Geld sparen konnte.
563 (4).jpg

Das ZB war leider so mitgenommen, das ich mir ein neues Blatt besorgen musste.
Dabei habe ich u.a. das jetzt verbaute gekauft und mich entschlossen, nicht mehr den Originalzustand herzustellen.
Was sagt ihr?
M2 010.jpg

Ich hoffe ich habe euch jetzt nicht mit meine Electric erschlagen, ist doch ganz schön lang geworden der Bericht.:oops:
Wäre schön wenn ihr noch ein paar Exportmodelle der thüringischen Elekrtischen zeigen würdet.
Vielen Dank.
 
purpur73

purpur73

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Schöne Vorstellung der Electricbande,Mario. Bin froh dass "meine" Champion, in guter Gesellschaft bei Dir ist:-)
 
fuchsgiro

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Ja ist sie, Jens.
Viele Dank noch mal.
Ist auch ein toller Nebeneffekt des Forums, dass man immer wieder Uhren angeboten bekommt, die bei anderen Usern nicht in die Sammelgebiete passen und ich weiss, wo ich z.B. meine russischen Ticker "entsorgen" kann. ;-)
 
N

Nawrotek

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Ist schon toll,wie du die Uhren wieder zum Erstrahlen gebracht hast,viel Freude an deinen Schätzrn und weiterhin gute Jagd.

Viele Grüsse von Andreas
 
fuchsgiro

fuchsgiro

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Vielen Dank, Andreas.
 
lennox

lennox

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Die Electrics können schon ein eigenes Sammelgebiet darstellen und interessant sind sie allemal .Danke für die Erleuterungen
Gruß
Andreas
 
fuchsgiro

fuchsgiro

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Gern, Andreas.
Da mir nun in letzter Zeit einige zugelaufen sind, habe ich mich da auch ein bisschen mehr mit befasst/befassen müssen.
Es wird einfach zu teuer die Uhren immer zu Holger zu schicken und er sagt dann: "Die habe ich nur eingestellt.", aber vor allem sind diese elekrtischen Uhren auch von der Technik höchst interessant.

Achso - von 10 Ruhla Electric in meiner Sammlung, steht nur auf zwei Uhren nichts von Ermi oder R. Gsell. Damit scheint die Frage in meiner Überschrift, zumindest was meine Uhren anbelangt, geklärt - es war ein Exportschlager.
 
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Alberich

Alberich

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Hallo Mario,

vielen Dank für die interessante Vorstellung dieser Uhren!
Mir war es bisher unbekannt, daß Ruhla-electrics in so großer technischer und optischer Vielfalt hergestellt wurden.

Der Deckel Deiner Uhr aus der amerikanischen Bucht könnte eine Abschirmung gegen Fremdmechanismus sein.

Viele Grüße!

Matthias
 
fuchsgiro

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Du meinst sicher Magnetismus.
Das ist gut möglich, aber warum die Abschirmung nur bei dieser Uhr?
 
O

Olli1954

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Ich ziehe den Hut vor Dir :klatsch::super: es fehlen die Worte . mach weiter so :super:aus Thüringen Olli
 
fuchsgiro

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Danke Olli, mach ich. :-D
Das ist mir aber auch nur möglich, weil Leute wie du oder Holger oder Roland mich unterstützen.
 
gubby

gubby

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...Ich ziehe den Hut...
Dem kann man eigentlich wirklich nichts hinzufügen. Klasse Vorstellung Mario.:super: Die Electrics sind schon eine Wissenschaft für sich und du hast uns hier einen schönen Einblick gewährt. Und mit den teilweise vorher-nachher Bildern wieder eindrucksvoll dein erworbenes Können unter Beweis gestellt. Danke fürs Teilhaben.
 
ketap

ketap

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Prima Vorstellung und Erläuterung der EE early electronic.
Gefällt mir und immer gut für eine Abwechselung zur Mechanik.
Wenn man aber viele Bat.uhren hat ist das Wechseln schon anstrengend ;)
 
Badener

Badener

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Hallo Mariao,

auch von mir ein herzliches Dankeschön für diese schöne Vorstellungen und die interessanten Einblicke in diese Werke. Ich mag diese elektromechanisch gesteuerten Unruhmotoren, auch wenn es "nur" eine Übergangstechnologie war. Oder gerade deswegen :).

Gruß
Badener
 
LupusSDT

LupusSDT

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Sehr schöne Zusammenstellung Mario, ich kann nur gratulieren zu den schönen Stücken.
Ich finde die Technik auch sehr faszinierend und freue mich an jedem Stück, das ich Deinem Zugriff entreißen kann :D
Leider ist mir das mit der Datumsvariante noch nicht gelungen. Aber wird schon noch.
 
iToddel

iToddel

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Sehr schöne Vorstellung toller Uhren mit sehr Interessanter Technik, vielen Dank :super:

Eine Ruhla Electric fehlt mir noch in meiner Sammlung elektromechanischer Uhren.
Da muss ich unbedingt mal Ausschau halten.

Viele Grüße,
Thorsten
 
Alberich

Alberich

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Du meinst sicher Magnetismus.
Das ist gut möglich, aber warum die Abschirmung nur bei dieser Uhr?
Ja, natürlich, Fremdmagnetismus war gemeint. ;-)

In "Elektrik am Handgelenk" ist das so beschrieben. Dort steht: "Durch einen abnehmbaren Schutzdeckel wird beim Girard Perregaux Kal. 350 eine eventuelle Beeinflussung des Ganges (durch Magnetismus) verhindert."

Viele grüße!

Matthias
 
aeronaut

aeronaut

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Vielen Dank, Mario!

Das war mal ne klasse Vorstellung der frühen Electric`s. Habe ja auch noch eine hier an der die Unruhspriale gerissen ist, keine Reparatur möglich. Die Uhr war bei Marlis und ist ansonsten aufgearbeitet. Wenn also jemand eine Unruh hätte oder die Uhr haben möchte..... :-(
 
fuchsgiro

fuchsgiro

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Das freut mich, dass euch der Bericht gefallen hat. :-D
Ist ja doch arg lang geraten. :oops:

Eine Erklärung zur Firma ERMI bin ich euch noch schuldig geblieben.
Die Pforzheimer scheinen Großabnehmer für Uhren mit diesem Werk gewesen zu sein.
Lt. der Ausage von Arthur Kamp (Die Geschichte der Technik der Ruhlaer Uhren und Maschinen) wurden alle Uhren für Ermi in Ruhla hergestellt und auch dort mit der Ermi-Gravur auf dem Werk versehen.
Auch die Uhren für die Firma R. Gsell & Co. Inc, New York wurden im Auftrag von Ermi in Ruhla hergestellt und hier mit dem Firmenlogo der Amerikaner verziert.
Ermi hat auch Uhren mit dem thüringer Antrieb unter eigenem Namen verkauft, wie diese Ebay-Auktion zeigt.
ermi.jpg

Leider ist es mir noch nicht gelungen so ein Modell an Land zu ziehen. :???:

Nach Ausage von Holger, meinem Uhrmacher, soll es einen Montagebetrieb für die Electric´s im Westteil Berlins gegebenhaben, bis jetzt haben wir aber noch keine Belege dafür finden können. Dafür sprechen könnte die von mir gezeigte Newton Ultra ..., da das Gehäuse mit Deckel und Zwischendeckel nicht aus DDR-Produktion zu stammt scheint bzw. ich so ein Gehäuse an einer Electric noch nicht gesehen habe.

Diese Übersicht: Werkfamilie UMF ELECTRIC haben Holger u.a. mit Hilfe der hier gezeigten Uhren erstellt.
 
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