Revision Revision Wostok 2809 ("Nachbau" des Zenith 135)

Diskutiere Revision Wostok 2809 ("Nachbau" des Zenith 135) im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo zusammen, nachdem ich mich ein Weilchen mit dem Wostok 2809 beschäftigt habe, stelle ich euch heute dessen Revision vor. Das Werk...
Badener

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Hallo zusammen,

nachdem ich mich ein Weilchen mit dem Wostok 2809 beschäftigt habe, stelle ich euch heute dessen Revision vor.
Das Werk verrichtet in dieser Volna seinen Dienst:




Das Bild zeigt den bereits aufpolierten Zustand nach Revision des Werkes. Optisch ist sie nicht der Renner: die Krone passt nicht zum rotvergoldeten Gehäuse (habe keine passende im Fundus gefunden), das Gehäuse ist deutlich berieben und das Zifferblatt hat seine besten Zeit schon hinter sich. Aber hier soll es ja primär um das Werk gehen, nicht um die Uhr!

Bevor es an Werk geht ;-) noch ein paar Infos zur Geschichte des Werkes:
Die Konstruktion des Wostok 2809 ist an das Zenith 135 angelehnt. Darüber, ob und ggf. in welchem Umfang vielleicht sogar Originalmaschinen von Zenith dafür benutzt wurden, wurde in diesem und anderen Foren schon mehrfach diskutiert, allerdings ohne das Rätsel aufzulösen. Gehen wir also davon aus, dass sich das Wostok 2809 an des Zenith 135 "anlehnt".

Was ist also das Besondere am Zenith 135?
Die Idee bei der Konstruktion des Zenith 135 war, ein Werk zu schaffen, das konstruktionsbedingt und ohne besondere Feinstellung den Anforderungen an ein Chronometerwerk genügt. Dies wurde, neben der natürlich nötigen Präzision in der Fertigung, durch folgende Elemente erreicht:
  • Eine möglichst große Unruh mit Breguet-Spirale
  • Eine Kurvenscheiben-Feinregulierung
  • Niedrige Reibungswerte durch sehr dünne Zapfen der Räder
Gebaut wurde das Werk laut Ranfft zwischen 1948 und 1962. Und zwar nur etwa 11.000 Mal!
In "Die Uhr" Ausgabe 10/1954 gab es einen sehr interessanten Artikel zu den Hintergünden des Zenith 135.

Das Wostok 2809 sollte entsprechend das russische Chronometerwerk werden. Laut Ranfft mußten die Werke eine ähnliche Prüfung wie beim COSC bestehen.

So, jetzt geht es aber los mit der Revision und zwar mit dem ausgeschalten Werk:




Hier sieht man ganz deutlich die sehr große Unruh, die bis in die Werkmitte reicht. Wie sich das auf das Räderwerk auswirkt, werden wir später noch sehen.
Die Wostok-eigene Stoßsicherung ist auch von anderen Wostok-Werken bekannt. Die im Bild nicht sehr deutlich sichtbare Kurvenscheiben-Feinregulierung zeige ich später noch im Detail.

Bevor sie von alleine runterfallen, kommen auf der ZB-Seite zuerst Mal der Flitter, das Stundenrad und das Minutenrad runter:

Das lose aufgelegte Minutenrad (das kleiner der zwei Räder) ist also offensichtlich indirekt vom Wechselrad angetrieben. Wie sich das auf die Zeigerreibung auswirkt, sehen wir später ;-).

Das empfindlichste Teil des Werkes ist die Unruh, also wird sie gleich zusammen mit dem Unruhkloben ausgebaut und zur Seite gelegt:

Hier fehlen übrigens die bei russischen Werken häufig anzutreffenden Unterlegplättchen, die das Höhenspiel des Unruhklobens ausgleichen. Das läßt zumindest auf eine gewisse Fertigungsqualität hoffen.

Weiter geht es mit dem Ausbau des Ankerklobens und des Ankers:

Danach geht es auf der ZB-Seite weiter. Die Wechselradbrücke und das Wechselrad müssen weg.
Hier sieht man noch Mal das zentrale Minutenrad und darunter das Wechselrad sowie die kleine Wechselradbrücke (na ja, eigentlich ist es ein Wechselrad-Kloben...). Die rechts sichtbare Achse gehört übrigens zum Minutenrohr (später...)



Das Wechselrad wird von einer Feder im Lager gehalten (rote Markierung), da diese Konstruktion im Vergleich zum festen Lager den gleichzeitig stabilen Eingriff in zwei Räder (Minutenrohr und Minutenrad) erleichtert.
Die Feder habe ich auf der Platine belassen, da sie extrem fest sitzt und auch bei der Reinigung im Ultraschall nicht herausfällt.

Jetzt wird die Winkelhebelfeder entfernt:

Hier kommt eine weitere Besonderheit des Werkes ans Licht:
Das größere Zeigerstellrad hat in der Mitte eine Kerbe und wird von der Winkelhebelfeder gehalten. Durch die Kerbe ist das Rad zweigeteilt. Der untere Teil greift in das kleine Zeigerstellrad, der obere in das Minutenrohr.


In dem oben erwähnten Artikel über das Zenith 135 in Die Uhr 10/1954 steht, dass das eingekerbte Rad in Ruhestellung durch eine schmale, starke Blattfeder nach oben gedrückt wird. Damit dreht das Minutenrohr genau in der Kerbe, also leer. Wird die Aufzugswelle zur Zeigerstellung gezogen, drückt ein mit dem Winkelhebel in Verbindung stehender Hebel die Blattfeder nach unten und bringt so die Zahnkränze in Eingriff. D. h., in Normalstellung drehen die Zeigerstellräder nicht mit. Dies reduziert die Reibung und die Fehleranfälligkeit.
Beim Wostok 2809 existiert dieser Mechanismus allerdings nicht, d. h., die Zeigerstellräder drehen sich immer mit!

Jetzt kann der Aufzugs- und Stellmechanismus zerlegt werden:

Auf der rechten Seite sind von oben nach unten zu sehen:
  • Niederhaltefeder, die den Winkelhebel nach unten drückt
  • Winkelhebel
  • Kleines Zeigerstellrad
  • Großes Zeigerstellrad (das mit der Kerbe)
  • Kupplungstriebhebel
  • Kupplungshebelfeder
  • Winkelhebelfeder

Der Drücker für den Winkelhebel kann erst entnommen werden, wenn die Federhausbrücke ausgebaut ist.

Zum Schluss werden auf der ZB-Seite Aufzugstrieb, Kupplungstrieb und Aufzugswelle inkl. Krone entfernt:

So, das reicht fürs Erste. Es geht bald weiter...

Gruß
Badener
 
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falko

falko

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Toller Bericht! Ich bin davon so angetan, dass ich ihn schon zweimal durchgelesen habe. Ich glaube, in der Beschreibung des Zeigerstellmechnismus ist Dir ein Schreibfehler unterlaufen, es sollte heissen: "... existiert dieser Mechanismus allerdings nicht..."
Vielen Dank fürs Zeigen und Deine grosse Mühe!
 
hiltibrant

hiltibrant

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Wann geht's denn weiter? Ich bin schon ganz hibbelig.

@falko
Hat er -glaube ich- schon korrigiert, oder nicht?
 
Badener

Badener

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So, es geht weiter...

Und zwar mit der Werkseite:
Hier wurden jetzt das Kronrad (oben), eine Unterlegscheibe, das Sperrrad, die Klinke und die Klinkenfeder entnommen.


Die Schraube des Kronrades hat drei Schlitze, die das übliche Linksgewinde kennzeichnen. Wie sich später herausstellte, war die Unterlegscheibe nicht der Kronradkern. Dieser ist winzig klein und befindet sich im Bild noch im Kronrad.

Unter dem Kronrad und unter der Klinke kommt kommen jetzt auch einige Schmutzablagerungen zum Vorschein...

Noch ein Detailbild von der halbkreisförmigen Klinkenfeder:

Als Nächstes können die Federhausbrücke und die Räderwerkbrücke entfernt werden:


Als kleine Besonderheit liegt das Ankerrad nicht unter der Räderwerkbrücke sondern hat seinen eigenen Kloben (im Bild oben zu sehen).

Und als kleine Gemeinheit haben sowohl die Federhausbrücke als auch die Räderwerkbrücke unterschiedlich lange Schrauben. Jeweils eine der Schrauben ist länger als die anderen. Ich dachte zuerst, da hätte jemand die Schrauben der zwei Brücken verwechselt, aber sie passen tatsächlich nur so, wie sie waren.

Werfen wir noch einen Blick auf das Räderwerk und den Kraftfluss:
Federhaus -> Großbodenrad -> Doppel-Kleinbodenrad -> Zentrumsekundentrieb -> Doppel-Kleinbodenrad -> Sekundenrad -> Hemmungsrad -> Anker

Weitere Infos zu dieser Anordnung der Räder folgen gleich, aber holen wir sie zuerst Mal aus den Lagern:


Am rechten Bildrand sieht man auch den Winkelhebeldrücker, der erst jetzt entfernt werden kann, da die Federhausbrücke ihn nicht mehr verdeckt.

Und hier noch ein Blick ins geöffnete Federhaus:


Da die Feder noch gut aussah, habe ich sie im Federhaus belassen und nicht entommen. Das, was wie Dreck aussieht, sind nur Kratzer...

Im Großbodenrad und im Kleinbodenrad des Wostok 2809 sind noch ein paar Besonderheiten verborgen:
Das Großbodenrad hat auf der anderen Seite ein aufgedrücktes Minutenrohr, das das Wechselrad auf der ZB-Seite antreibt und auch bei der Zeigerstellung benutzt wird.
Hier findet also die berühmte Zeigerreibung statt.


Meist werden zur Zeigerstellung zwei Zeigerstellräder benutzt. Bei diesem Werk sind insgesamt drei Räder beteiligt, nämlich die zwei Zeigerstellräder und das Minutenrohr am Großbodenrad. Durch diese Übersetzung lassen sich die Zeiger sehr weich und präzise stellen. Dafür muss man ein wenig mehr kurbeln als gewohnt...

Das Kleinbodenrad hat zwei unabhängig voneinander bewegliche Räder.
Das untere Rad ist fest mit dem Trieb des Doppel-Kleinbodenrades verbunden und überträgt die Kraft vom Minutenrad über das Trieb des Kleinbodenrades auf das Zentrumsekundentrieb. Das obere Rad überträgt dann entsprechend die Kraft vom Zentrumsekundenrad auf das Sekundenradtrieb. Da damit sowohl das Zentrumse-kundentrieb als auch das Sekundenradtrieb im direkten Kraftfluss liegen, ruckelt der Sekundenzeiger nicht. An dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank an tschasovschik für die "Erhellung" in diesem Thread:
https://uhrforum.de/doppel-kleinbodenrad-wie-funktioniert-es-im-detail-t63408


Das folgende Bild zeigt die Funktion der Räder nochmal von der Seite:


So, zerlegt wäre jetzt alles...

Zur Reinigung benutze ich ein kleines Ultraschallgerät und als Reinigungslösung elma Reinigungskonzentrat 1:9. Bis auf das Federhaus wandern alle Teile nach und nach in Siebbehältern für 3 Minuten ins Ultraschall und werden anschließend mit klarem Wasser gut gespült. Zum Glück ist bei uns das Wasser praktisch kalkfrei sodass der Einsatz von destilliertem Wasser nicht zwingend nötig ist.
Zuletzt wandern die Platine, die Räderwerkbrücke, die Federhausbrücke und die Unruh (inkl. Kloben) noch ca. 3 min in elma suprol spezial, um das Wasser zu verdrängen.
Der Rest wird an der Luft getrocknet.

Bevor es bald im letzten Teil ans Zusammenbauen und Ölen geht, noch eine kleine Pause ;-)

Gruß
Badener

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Nach dem Trocken und Prüfen, ob alle Teile, insbesondere die Zapfen und Lager, in Ordnung sind, kann das Werk wieder zusammengesetzt und geölt werden.

Ich versuche mir vor dem Zusammenbau immer eine "optimale" Reihenfolge zusammen zu stellen. In diesem Fall war das das Ergebnis:
  • Federhausbrücke
    Muss vor dem Aufzugs- und Stellmechanismus erfolgen, da der Winkelhebeldrücker vor dem Winkelhebel befestigt sein muss.
  • Räderwerkbrücke
  • Ankerrad + Ankerradkloben
    Kann hier nach der Räderwerkbrücke erfolgen, da das Ankerrad trotzdem eingesetzt werden kann. Danach unbedingt die leichte Gängigkeit des Räderwerkes testen!
  • Aufzug-/Stellmechanismus
  • Wechselrad + Wechselradbrücke
  • Kronrad + Sperrrad
  • Anker + Ankerkloben
  • Unruh + Unruhkloben
    So spät wie möglich einbauen, da empfindlich
  • Minutenrad, Stundenrad, Flitter
  • Zifferblatt + Zeiger
  • Glas polieren und einsetzen
  • Werk einschalen
Der Zusammenbau ist bei diesem Werk an sich völlig problemlos und ergibt sich aus den Bildern des Zerlegens.
Daher hier nur zwei Zwischenstände:




Optisch hat das Reinigen dem Werk offensichtlich gut getan ;-).

Zum Ölen benutze ich meist folgende Öle:
  • Moebius 9010 für die Lager der Unruh, des Ankerrades und des Sekundenrades
  • Moebius 9415 für die Palettensteine
  • Dr. Tillwich Präzisionsfett B52 für den Zapfen des Minutenrohrs, auf dem das Mitnehmer-Minutenrohr sitzt (bei diesem Werk gibt es das ja nicht...), und für die Aufzugswelle
  • Moebius Microgliss D-5 für den Rest
Für klassische russische "Traktorenwerke" tut es m. E. aber auch Dr. Tillwich Präzisionsfett B52 (Einsatz wie oben) und Dr. Tillwich Sorte 1 - 3 für alles andere (inkl. der Palettensteine!). Aber da hat jeder seine eigene Philosophie :D.

Beim Ölen sind dann natürlich noch folgende "Standards" zu berücksichtigen:
  • Weniger ist mehr...
  • Die Lager des Ankers und die Ellipse werden nicht geölt
  • Die Ankerradzähne werden über die Ankerpaletten geölt
  • Zum Ölen des Unruhlagers am Unruhkloben möglichst die Stoßsicherung öffnen. Durch die Spirale zu ölen birgt immer die Gefahr, dass Öl an der Spirale kleben bleibt. Es sei denn, man hat einen automatischen Ölgeber (ich leider nicht...)

Bei diesem Werk ergaben sich beim Ölen folgende Besonderheiten:
  • Beim Federhaus habe ich nur den Boden etwas geölt, nicht die Feder
  • Bei der Räderwerkbrücke und beim Ankerradkloben müssen die Lager von der Rückseite geölt werden, da die Lagersteine oben geschlossen sind (genial...)

Zum Abschluss landet das "Chronometerwerk" dann auf der Zeitwaage. Zum Verstellen des Rückers dient die oben im ersten Teil erwähnte Kurvenscheiben-Feinregulierung:

Im Prinzip dient sie wie eine Schwanenhals-Feinreglierung dazu, den Rücker möglichst feinfühlig zu bewegen. Meiner persönlichen Einschätzung nach ist der Schwanenhals aber wesentlich präziser zu bewegen als diese Lösung.

So sieht das Ergebnis auf der Zeitwaage dann aus (am Beispiel ZB oben):
Gang [mm:ss.f] -00:02.5 / 24h
Abfallfehler 008.02 ms
Schlagzahl ist 17999 / h
Schlagzahl soll 18000 / h


Der Abfallfehler ist nicht gerade berühmt, leider ist der Spiralklötzchenträger dieses Werkes nicht beweglich. Um das zu verbessern müsste man also die Spiralrolle auf der Achse verdrehen.

Bedenklicher bei diesem Werk ist eher, dass sich die Kurvenscheibe schon am tiefsten Punkt befindet, das Werk also damit nicht noch schneller eingestellt werden kann!
Um hier weiter zu kommen, müsste entweder Masse von den Unruhschrauben entfernt oder die Spirallänge insgesamt verringert werden. Für beides fehlen mir die Fertigkeiten und die nötigen Werkzeuge...

Damit sind wir am Ende dieser Revision angekommen. Die Uhr läuft zufriedenstellend, hat ein interessantes Werk, wird aber aufgrund der Optik wohl eher selten an meinem Handgelenk landen.

Vielen Dank fürs Lesen!

Gruß
Badener
 
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H

holger 57

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Hallo Gerd,
schön gemacht und erklärt.
Kann ich 2 Werkansichten für's Watch-Wiki nutzen?
Gruß Holger
 
Rocketman

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Ein toller Bericht, Badener, danke dafür! :klatsch:

Ja, das 2809 hat schon seine Eigenheiten, welche berücksichtigt werden wollen.
Da ich erst vor ein paar Tagen ein 2809 unter hatte, kann ich deine Überlegungen beim Auseinander- und Zusammenbau des Werkes wunderbar nachvollziehen.
Es ist schon erstaunlich, wie ähnlich man sich bei der Arbeit an den Werken in die Werke reindenkt.

Dass fast alle 2809 sehr langsam laufen scheint übrigens konstruktions- bzw. altersbedingt zu sein und hat nichts mit der Qualität der von dir ausgeführten Revision zu tun.
(Vielleicht hat man es ja damals mit der Auslegung der Unruh auf maximale Größe doch etwas zu gut gemeint.)
Ich habe auf alle Fälle noch kein 2809 gesehen, bei dem die Feinregulierung nicht auf maximal + oder kurz davor gestanden hat.
 
Badener

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Hallo Holger,

ich heiße nicht Gerd :D.
Natürlich kannst du dir Werkansichten für das Watch-Wiki nutzen.

Gruß
Badener
 
falko

falko

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Ich hatte vor einiger Zeit auch ein 2809 auf dem Tisch, da musste ich den Rücker sogar ausserhalb der Kurvenscheibe stellen. Das Werk läuft aber spitzenmässig, weshalb ich die Sache nicht weiterverfolgt habe.
 
noosa

noosa

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Hallo Badener,

toller Bericht! Vielen Dank für die tollen Fotos und die Mühe, die eine solche Dokumentation macht. Ich beschäftige mich schon eine Weile mit dem Molnija 3602; vorzugsweise mit Streifenschliff und ebendieser Exzenter-Feinregulierung. Mir ist bis dato noch kein Werk untergekommen, das nicht auf maximal "+" einreguliert war. Ist das vielleicht ein Konstruktionsfehler oder nur Zufall?

Einen guten Rutsch und viele Grüße aus Berlin wünscht

Lutz
 
Badener

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Hallo Lutz,

gute Frage :confused:.
Dass es an der Feinregulierung selbst liegt, kann ich mir kaum vorstellen. Aber vielleicht eine Alterungserscheinung der Breguet-Spirale?
Es könnte natürlich auch sein, dass nur die "schlechten" Exemplare in Umlauf kommen...

Vielleicht weiß ja jemand mehr darüber?

Gruß
Badener
 
6694

6694

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Wenn sich jemand so viel Mühe macht um anderen hilfreiche Tips zu geben dann kann man sich nur herzlichst dafür bedanken. An Deinem Beitrag habe ich jetzt eine ganze Weile gelesen und das nicht nur einmal. Sag mal, wie sieht das eigentlich aus wenn Du die Paletten über die Ankerradzähne ölst. Ich kann mir nicht vorstellen dass man an jedem Zahn etwas aufträgt. Es gibt ja die Variante dass man auf Epilamisieren verzichtet und statt dessen insgesamt weniger ölt. Da habe ich noch deutliche Wissenslücken. Wie ist das im Detail?
Es grüßt Reinhard
 
Rostfrei

Rostfrei

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Hallo Badener,
ein äußerst lesenswerter und sehr gut verständlicher Bericht.

Wie Du schon geschrieben hast, korrigiert man den Abfallfehler durch das Verdrehen der Spiralrolle auf der Unruhwelle; da Du, wie mir scheint, keine Probleme bei der Revision des Werkes hattest, wäre es doch einen Versuch wert, den Abfallfehler zu verringern. Ein Wert von 8ms ist schon recht hoch - bei den meisten Kalibern kann man als Richtwert ca. 0,6ms nehmen.
Zum Verdrehen am besten am Unruhgalgen arbeiten, oder den Spiralreif flach auf einen Nietamboss legen (unterer Teil der Welle durch ein Loch) und dann mit z.B. einem Ölgeber in die Nut der Spiralrolle fahren und diese verdrehen.

Nach eine Anmerkung: Moebius 9415 für die Paletten ist eher für Schnellschwinger ab 28800 geeignet; für 18000 empfiehlt sich eher 9010, da die Amplitude meist bessere Werte erreicht.

Klasse, weiter so :super:
 
Uhrenfritz

Uhrenfritz

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Hallo Badener...

Vielen Dank für den tollen Bericht dieser Werksrevision. Ich habe ihn mit grossem Intresse mitverfolgt. Das Werk hat schon einige Besonderheiten auf Lager und das hast Du wunderbar erklärt und Bebildert. :super: Es ist für jeden Leser wie auch für mich ein
sehr Lehrreicher Bericht. Das find ich das tolle in diesem Forum dass das Wissen an andere weitergegeben wird und es ein Geben und Nehmen ist.

Gruess hampe...
 
pretium intus

pretium intus

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Hallole,
Mann, was für ein toller Bericht!
Etwas fiel mir auf:
Zuletzt wandern die Platine, die Räderwerkbrücke, die Federhausbrücke und die Unruh (inkl. Kloben) noch ca. 3 min in elma suprol spezial, um das Wasser zu verdrängen.

Schön und gut, allerdings hatte ich mit Suprol die schlechte Erfahrung, daß sich der Schellack der Ellipse auflöste.:shock:
So mußte ich den Uhrmacher meines Vertrauens bemühen.....:D
Oder ist es bei Armbanduhren anders?
Meine Erfahrung basiert nur auf Taschenuhren.

Kurpfälzische Grüßle
und einen guten Rutsch!
Hans
 
Badener

Badener

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Hallo zusammen,

euch allen vielen Dank für die motivierenden Worte!

@6649:
Es gibt einen sehr interessanten Artikeln, der auf sehr viele Facetten des Ölens im Detail eingeht. Das Ölen der Ankerpaletten ist sogar sehr schön im Bild dargestellt:
http://watchmaking.weebly.com/uploads/1/1/7/9/1179986/the_practical_lubrication_of_clocks_and_watches.pdf
Zum Epilamisieren kann ich dir leider nichts berichten, da ich keine Erfahrung damit habe. Ich weiß nur, dass das Zeug sündteuer ist und sich schneller in Luft auflöst (verdampft), als man zusehen kann. M. E. ist das nur für sehr hochwertige Uhren interessant.

@Rostfrei 1:
Den Abfallfehler habe ich schon mal bei anderen Werken korrigiert. Hier habe ich es gelassen, da es zum Einen sehr aufwändig ist (Unruh raus, drehen, Unruh rein, messen, Unruh raus,...). Zum Anderen habe ich großen Respekt vor Breguet-Spiralen. Die wollte ich nicht an den Unruhgalgen hängen, da sie extrem sensibel auf winzige Änderungen im Höhenspiel der letzten Windung reagieren. Alternativ müsste ich also immer das Klötzchen abschrauben. Dann dauert die Iteration noch länger...
Aber das liegt vielleicht an der mangenden Übung.
Wie macht ihr Profis das eigentlich?

@Rostfrei 2:
Bist du sicher, dass du das Moebius 9010 für die Langsamschwinger meinst? Das ist doch für einen Teil der Räder?
Ich kenne Unterlagen, in denen steht, dass das Mobius 941 dafür benutzt wird und das 9415 für die Schnellschwinger ab 28.800 A/h. In den aktuellen Unterlagen von ETA zum 6497-1 stehen aber beide als Empfehlung drin. Sehr groß kann also der Unterschied nicht sein.

@pretium intus:
Die Beobachtung, dass sich der Schellack der Ellipse in elma Suprol auflöst, habe ich bisher weder bei Taschenuhren noch bei Armbanduhren gemacht.
Weiß jemand mehr dazu?

Gruß
Badener
 
Jonny

Jonny

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Minga Oida!
Schöner Revisionsbericht, DANKE :klatsch:
Was mir auch positiv auffällt ist die Tatsache dass mal was anderes als ein Schweizer Werk gezeigt wird (okok, es scheint ein Nachbau zu sein ;-) ).
 
J

juergen1950

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Hallo Badener,
Hut ab, zu diesem Bericht, sehr gut !!! Ich besitze selbst zwei von diesen Uhren und beide laufen zum Glück einwandfrei.
Wünsch Dir einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Gruß
Jürgen
 
B

Bullitt

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Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung der Revision :super:
 
Rostfrei

Rostfrei

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Frohes Neues

@Badener
"Unruh raus, drehen, Unruh rein, messen, Unruh raus,...": ja, das ist mühselig, aber nun mal notwendig; wenn man das oft macht, dann hat man auch ein Gefühl, wie weit man drehen muss - dann ist das eine Sache von ein paar Minuten.

Ja, ich bin mir sicher. 9010 für die Langsamschwinger
Auf der Homepage von ETA ist für das Unitas 941 empfohlen, jedoch setzen die voraus, dass der Anker epilamisiert wurde.
Da Du das vermutlich nicht gemacht hast, ist 9010 die bessere Wahl.

Zum Thema Epilamisierung habe ich hier (https://uhrforum.de/revision-valjoux-7730-a-t55291) mal ein bisschen was geschrieben
 
Thema:

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