Revision Mauthe 612

Diskutiere Revision Mauthe 612 im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo, Mauthe hatte mir vorher nichts gesagt, aber als ich die Uhr auf dem Flohmarkt in traurigem Zustand sah, hat sie mir gleich irgendwie...
nobrett

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Hallo,

Mauthe hatte mir vorher nichts gesagt, aber als ich die Uhr auf dem Flohmarkt in traurigem Zustand sah, hat sie mir gleich irgendwie gefallen und das durchaus hochwertig anmutende Werk war mir zuvor auch noch nicht begegnet. Nach kurzer Preisverhandlung war sie für einen kleinen einstelligen Eurobetrag mit einer Drei am Anfang mir. :-)

IMG_4358.jpg

Mittlerweile weiß ich, dass das ein Schwarzwälder Uhrenhersteller war, der 1975 für immer die Tore geschlossen hat und es sich bis zum Ende nicht nehmen ließ, eigene Uhrwerke zu bauen. Heute nennt man sowas ein Manufakturkaliber.

IMG_4361.jpg

Sie war voll aufgezogen, lief aber nicht. Die Unruh schwang nur noch in eine Richtung. Meine anfängliche Hoffnung, das die Uhr nach richtigen Einsetzen der ausgeschwungenen Unruh wieder laufen würde, wurde leider enttäuscht. Also habe ich mich heute ans Werk gemacht und die Uhr zerlegt, gereinigt, durchgesehen und wieder zusammengesetzt. Jetzt läuft sie wieder und weil es hier noch keine Bilder von der Zerlegung dieses Werks gab, zeige ich hier ein paar.

Das hier hat man schon zu sehen bekommen:

IMG_4363.jpg

IMG_4364.jpg

Ab hier gehts ans Eingemachte:

IMG_4366.jpg

IMG_4368.jpg

Weiter auf der anderen Seite:

IMG_4370.jpg

Sehr erfreulich. Nur eine potentiell flugfähige Feder. Ist halt auch nur ein Dreizeigerwerk mit Handaufzug und ohne Kalender. Man beachte auch die vielen Decksteine dieses Kalibers, die ich für die Reinigung noch entfernt habe.

IMG_4371.jpg

Auch nicht häufig anzutreffen und daher bemerkenswert wie ich finde. Der Zapfen sitzt nicht auf der Platine sondern auf dem Wechselrad:

IMG_4369.jpg

Hier sieht man den Grund warum die Uhr nicht lief. Fetter schwarzer Abrieb, der alles verkleistert hat. Ein Wunder, dass das keine nennenswerten Schäden an den Zapfen hervorgerufen hat und ich alle Teile wiederverwenden konnte.

IMG_4372.jpg

Ich mache grundsätzlich immer ein Foto wie rum die Zugfeder eingewunden werden muss, nachdem ich es einmal geschafft hatte, die Feder verkehrt rum einzuwinden. :oops:

IMG_4373.jpg

Der Feder selbst scheint es aber gut zu gehen. Ich habe sie wiederverwendet.

IMG_4374.jpg

Ich habe diesmal keine Bilder von den nach der Reinigung blitzenden und blinkenden Teilen gemacht und die Zusammensetzung ging auch problemlos.

Nun noch ein paar Werkstattwinke des weitestgehend autodidaktischen Uhrmacherhobbylehrlings ;-):
Mittlerweile bin ich zu der Erkenntnis gelangt, das gute Kornzangen (Laiendeutsch aka Pinzetten) einem die Arbeit dramatisch erleichtern, weil man auch kleinste Teile sicher fassen und positionieren kann ohne dass sie einem wegzuhüpfen drohen. Ich habe mittlerweile einen Satz Bergeon Schraubenzieher aber die mischen sich bunt mit den Chinaschraubenziehern mit denen ich angefangen habe. Die muss man halt gelegentlich nachschleifen - die von Bergeon aber auch. Gute Schraubenzieher werden daher imo überbewertet. Seit ich aber richtig gute Kornzangen habe, habe ich die billigeren die ich davor hatte nicht mehr angefasst.

Und der zweite Schlüssel zum Erfolg ist die Arbeitsunterlage. Früher habe ich dafür ein Blatt Papier auf den Tisch gelegt. Das sah schön sauber aus aber was runtergefallen ist hatte die Neigung wegzuhüpfen und ewige Suchaktionen auszulösen. Seit ich die Profiunterlage aus der Schweiz verwende bleibt darauf liegen was runterfällt.

Hier noch ein Bild der wieder zusammengebauten und mit einem neuen Glas versehenen Uhr von da wo sie hingehört:

IMG_4379.jpg

Mir gefällt sie in ihrer schnörkellosen Schlichtheit sehr gut und ich freue mich mal wieder über eine gelungene Wiederbelebung.

Gruß
Norbert
 
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Andre2

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Hallo Norbert,

sehr schön geworden, die kleine... :klatsch:


Und für den gezahlten Preis :shock: ein absolutes Sahnestück. Halte sie in Ehren.... :super:
 
alte Uhr

alte Uhr

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Hallo Norbert,

die Kleine hast Du aber wieder schön hinbekommem.
Und meinen Glückwunsch zu dem günstigen Schnapp. 8-)

Regulierte Grüße
Helmuth
 
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Badener

Badener

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Hallo Norbert,

ein sehr schöner Dresser mit einem schönen Manufakturwerk. Dieses hat als Besonderheit auch noch die Mauthe-eigene Super-Contrachoc-Stoßsicherung.
Dass mit den guten Pinzetten würde ich auch unterschreiben, die Aussage zu den Schraubendrehern aber eher nicht. Bei den billigen Varianten sind die Klinken meist entweder so weich, dass sie sich sofort verbiegen, oder so hart und spröde, dass sie sehr leicht brechen. Der wesentliche Punkt ist, dass bei hochwertigen Schraubendrehern die austauschbaren Klinken von gleichbleibender Qualität sind.

Gruß
Badener
 
nobrett

nobrett

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Naja, der Preis. Ich kann halt nicht so viel Geld für Uhren ausgeben, mein Budget wird von Werkstattanschaffungen im Moment stark strapaziert. Größere Drehbankzusammenstellung, besseres Ultraschallgerät, Sortiment Steine, A- und U-Wellen, Gläserschrank,... Aber was man braucht braucht man halt. ;-)

Klar: Wenn bei mir eine Chinaschraubenzieherklinge ganz aufgibt, kommt eine Bergeon Ersatzklinge rein. Passt.

Und: Ich habe mir fest vorgenommen, nicht mit dem Uhrensammeln anzufangen. :| Mein Hobby ist es Uhren zu reparieren, nicht zu sammeln. Ich habe mir fest vorgenommen das so durchzuhalten. Uhren die ich nicht trage werden verkauft (mit wenigen, benannten Ausnahmen samt zugehöriger Geschichte). Die Mauthe trage ich jetzt aber erst mal, denn sie gefällt mir wirklich gut.

Gruß
Norbert
 
Zuletzt bearbeitet:
Baumwolle

Baumwolle

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Ein wirklich schöner Bericht, danke fürs teilen! Vor allem die Fotos finde ich interessant!

Ich tendiere im Moment auch dazu, Uhren eher reparieren als sammeln zu wollen. ;-)

Viele Grüße,

Baumwolle
 
fuchsgiro

fuchsgiro

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Schöne schlichte Uhr, die durch die Typographie der Zahlen und die elegante Form der Zeiger besticht.
Glückwunsch, Norbert.
 
uri3047

uri3047

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Hallo,

Mauthe hatte mir vorher nichts gesagt, aber als ich die Uhr auf dem Flohmarkt in traurigem Zustand sah, hat sie mir gleich irgendwie gefallen und das durchaus hochwertig anmutende Werk war mir zuvor auch noch nicht begegnet. Nach kurzer Preisverhandlung war sie für einen kleinen einstelligen Eurobetrag mit einer Drei am Anfang mir. :-)

Anhang anzeigen 587737

Mittlerweile weiß ich, dass das ein Schwarzwälder Uhrenhersteller war, der 1975 für immer die Tore geschlossen hat und es sich bis zum Ende nicht nehmen ließ, eigene Uhrwerke zu bauen. Heute nennt man sowas ein Manufakturkaliber.

Anhang anzeigen 587738

Sie war voll aufgezogen, lief aber nicht. Die Unruh schwang nur noch in eine Richtung. Meine anfängliche Hoffnung, das die Uhr nach richtigen Einsetzen der ausgeschwungenen Unruh wieder laufen würde, wurde leider enttäuscht. Also habe ich mich heute ans Werk gemacht und die Uhr zerlegt, gereinigt, durchgesehen und wieder zusammengesetzt. Jetzt läuft sie wieder und weil es hier noch keine Bilder von der Zerlegung dieses Werks gab, zeige ich hier ein paar.

Das hier hat man schon zu sehen bekommen:

Anhang anzeigen 587739

Anhang anzeigen 587740

Ab hier gehts ans Eingemachte:

Anhang anzeigen 587741

Anhang anzeigen 587743

Weiter auf der anderen Seite:

Anhang anzeigen 587744

Sehr erfreulich. Nur eine potentiell flugfähige Feder. Ist halt auch nur ein Dreizeigerwerk mit Handaufzug und ohne Kalender. Man beachte auch die vielen Decksteine dieses Kalibers, die ich für die Reinigung noch entfernt habe.

Anhang anzeigen 587745

Auch nicht häufig anzutreffen und daher bemerkenswert wie ich finde. Der Zapfen sitzt nicht auf der Platine sondern auf dem Wechselrad:

Anhang anzeigen 587746

Hier sieht man den Grund warum die Uhr nicht lief. Fetter schwarzer Abrieb, der alles verkleistert hat. Ein Wunder, dass das keine nennenswerten Schäden an den Zapfen hervorgerufen hat und ich alle Teile wiederverwenden konnte.

Anhang anzeigen 587751

Ich mache grundsätzlich immer ein Foto wie rum die Zugfeder eingewunden werden muss, nachdem ich es einmal geschafft hatte, die Feder verkehrt rum einzuwinden. :oops:

Anhang anzeigen 587752

Der Feder selbst scheint es aber gut zu gehen. Ich habe sie wiederverwendet.

Anhang anzeigen 587753

Ich habe diesmal keine Bilder von den nach der Reinigung blitzenden und blinkenden Teilen gemacht und die Zusammensetzung ging auch problemlos.

Nun noch ein paar Werkstattwinke des weitestgehend autodidaktischen Uhrmacherhobbylehrlings ;-):
Mittlerweile bin ich zu der Erkenntnis gelangt, das gute Kornzangen (Laiendeutsch aka Pinzetten) einem die Arbeit dramatisch erleichtern, weil man auch kleinste Teile sicher fassen und positionieren kann ohne dass sie einem wegzuhüpfen drohen. Ich habe mittlerweile einen Satz Bergeon Schraubenzieher aber die mischen sich bunt mit den Chinaschraubenziehern mit denen ich angefangen habe. Die muss man halt gelegentlich nachschleifen - die von Bergeon aber auch. Gute Schraubenzieher werden daher imo überbewertet. Seit ich aber richtig gute Kornzangen habe, habe ich die billigeren die ich davor hatte nicht mehr angefasst.

Und der zweite Schlüssel zum Erfolg ist die Arbeitsunterlage. Früher habe ich dafür ein Blatt Papier auf den Tisch gelegt. Das sah schön sauber aus aber was runtergefallen ist hatte die Neigung wegzuhüpfen und ewige Suchaktionen auszulösen. Seit ich die Profiunterlage aus der Schweiz verwende bleibt darauf liegen was runterfällt.

Hier noch ein Bild der wieder zusammengebauten und mit einem neuen Glas versehenen Uhr von da wo sie hingehört:

Anhang anzeigen 587762

Mir gefällt sie in ihrer schnörkellosen Schlichtheit sehr gut und ich freue mich mal wieder über eine gelungene Wiederbelebung.

Gruß
Norbert
Hallo ! ich will ja nicht meckern,aber der Uhr hätteste wenigsten ein neues Band gönnen
können,das sieht ja mit verlaub häßlich aus !

gruß uri
 
F

FritzP

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@uri
Ich will ja auch nicht meckern, aber wozu Du den ganzen Beitrag als Zitat eingefügt hast, erschließt sich wohl auch nur Deinen grauen Zellen.

Gruß Fritz
 
A

Andre2

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Hallo ! ich will ja nicht meckern,aber der Uhr hätteste wenigsten ein neues Band gönnen
können,das sieht ja mit verlaub häßlich aus !

gruß uri
Eine sehr höfliche Ausdrucksweise... :shock:

Da es sich um eine Vintage Uhr handelt, ist das montierte Band sehr passend. Ich denke, andere User teilen hier meine Meinung.
 
Badener

Badener

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Hallo,

das sehe ich nicht so. Ein stimmiges Bild ensteht dann, wenn die Uhr so getragen wird, wie sie vermutlich auch zu ihrer Entstehungszeit getragen wurde. Auch damals waren vergammelte Lederbänder bestimmt nicht angesagt...

Gruß
Badener
 
fuchsgiro

fuchsgiro

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....
Da es sich um eine Vintage Uhr handelt, ist das montierte Band sehr passend. Ich denke, andere User teilen hier meine Meinung.
Hallo,
das sehe ich nicht so. Ein stimmiges Bild ensteht dann, wenn die Uhr so getragen wird, wie sie vermutlich auch zu ihrer Entstehungszeit getragen wurde. ...
Ich richte mich da nach dem Aussehen der Uhr.
Sieht man der Uhr die langen Jahre als treuer Begleiter ihres Besitzers an, stimme ich Andre zu und montiere ein gebrauchtes Vintageband.
Sieht die Uhr so perfekt aus wie die von Norbert, würde ich es wie Badener machen und ein neues Band im Stil der Entstehungszeit der Uhr verwenden.
 
Der Stromer

Der Stromer

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Ich bleibe mal bei der Revision des Werkes:
Sehr saubere und vorbildliche Arbeit. Danke fürs Teilhaben lassen.
 
Thema:

Revision Mauthe 612

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