Revision Revision einer Jahresuhr / Drehpendeluhr von KUNDO aus 1965

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Der Stromer

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Jahresuhr / Drehpendeluhr von KUNDO aus 1965.

Hier wieder eine Jahresuhr, welche nach 48 Jahren die Zeit nicht mehr zählen wollte.

Einige Menschen haben sich an dieser Uhr versucht, ohne Erfolg.
Das fing damit an, dass die Uhr irgendwann nicht mehr wollte und einfach stehen blieb. Nun, eine Uhr ist eben auch ein Wesen mit manchmal menschlichen Zügen.:shock:

Dann fing aber ihr Martyrium an: An allen Schrauben wurde mal gedreht: Pendelaufhängung, Ankerpaletten und so weiter.:???:

Dabei ging dann natürlich die empfindliche Pendelfeder zu Bruch und wurde einfach, wohl weil man es nicht besser wusste, durch eine (irgendwelche) ersetzt, die aber auch nicht zum Erfolg führte. Die Uhr weigerte sich standhaft, die Zeit zu zählen.:oops:

Dann folgte eine Kur. Beim Menschen hilft so was ja manchmal, aber eine Maschinenölkur bei einer Uhr? Wohl eher nicht. Und dieses Öl war so heftig, dass die arme Uhr jetzt auch noch grün vor Ärger wurde. Zu Recht, wie ich meine!

2331-Klebt-auch-an-den-Fing.JPG

Dazu kam dann noch, dass die Zugfeder (Sperrhackenfeder war verbogen und ohne Funktion) nicht vorhanden schien. Der Anker drehte sich ohne Widerstand durch.

Nun, irgendwann ist man dann auf meine HP gestoßen und als letzte Rettung es nochmal versucht.:super:

Nach Bestandaufnahme ging es ans Werk im wahrsten Sinn des Wortes. Alles Zerlegt und ab ins Ultraschall-Bad. Ergebnis fast 0 aber eine trübe Brühe jetzt im Bad. Also das Ganze nochmal. Schon besser, aber noch nicht optimal, und das, obwohl diese Prozedur bislang noch JEDEN Belag von den Zähnen der Räder gebeizt hat!

2332-Fett-und-Gruenspan.JPG
2339-Der-Stuhl-mit-Bodenpla.JPG

Nach dem dritten Bad sah die Sache schon besser aus, aber der Grünspan war natürlich nicht überall verschwunden und auch sahen die Teile nicht wirklich gut aus. In der Zwischenzeit auch den Stuhl vom Öle befreit und die Zugfeder (raus aus dem Haus, gereinigt, gerichtet, gefettet und wieder eingesetzt) ebenfalls einer genauen Untersuchung unterzogen.

Also war jetzt die Politur angesagt. Sehr mühsam. Denn die Stellen des Grünspans waren recht tief im Messing. Aber der Erfolg kann sich sehen lassen.

2351-Raeder-und-Triebe-gese.JPG
2352-Draufsicht.JPG
2353-Glaenzende-Sache.JPG
2354-Wieder-montiert.JPG

Nach diesen Arbeiten wurden noch die Lager geputzt und die Zapfen poliert, aber das ist ja schon Routine. Nur habe ich hier 5 Putzhölzer verschlissen, da in den Lagern auch richtig fester Belag vorhanden war. Zum Glück waren aber alle Lager noch in Ordnung und auch die Zapfen waren nicht beschädigt.

Da die Teile nicht lackiert waren, wurden sie auch jetzt wieder nur mit Wax behandelt und das Werk zusammen gebaut. Lager nochmal Reinigen, besser ist besser.

2362-und-sie-bewegt-sich-do.JPG

Die Bodenplatte wurde vorsichtig ebenfalls Poliert und gewaxst, sonst habe ich nichts gemacht – ich wollte die Vergoldung nicht in Mitleidenschaft ziehen. Ja, diese KUNDO hat einen Bronzefuß und Säulen mit Vergoldung. Sehr schön und aufwendig und 1965 bestimmt auch sehr, sehr teuer für die Zeit.

Nach der Montage und der Anpassung der neuen Pendelfeder der Test – anscheinend hat der Uhr die Prozedur gefallen: Sie zählt wieder die Zeit und nach einigen, wenigen abschließenden Justagen (Übung macht halt den Meister) war sie in 7 Tagen auf 1 Minute im Plus.

2360-oben-neu.jpg

Jetzt ist sie wieder bei ihrem Besitzer und ich hoffe, dass sie (die Uhr) dort auch lange ohne Störungen bleibt. Vorausgesetzt, Niemand kommt auf die Idee, Maschinenöl wäre gut für Uhren.

2363-Fertig.JPG
 
clavicembalist

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Hi Stromer,
wieder einmal ein schöner Beitrag von Dir.
Unsere Jahresuhren werden aber auch IMMER in Mitleidenschaft gezogen.
Man sollte auf jede Jahresuhr einen hinweisetikett anbringen "Finger weg "
Vielleicht hilft das :D

Es grüßt
der
Christian
 
batery_99

batery_99

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Hallo Stromer,
Die ist ja wieder richtig lecker geworden:super:
Jetzt kann sie wieder ihren "Dienst" auf einem Kaminsims oder Sideboard für die nächsten Jahre verrichten.
Ist bei der Uhr auch eine Staubglocke vorgesehen?
Die Vertiefung im Sockel spricht ja dafür. Dann sollte die von Dir vorgenommene Revi auch einige Zeit länger halten, als ohne;-)
Schönes Stück, auf das die Besitzer mit Recht stolz sein können und das Dank Deiner Fürsorge nun auch wieder seine Funktion erfüllen kann.
RESPEKT:klatsch:
Grüße
Marco
 
Der Stromer

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@ Marco: Klar hat die Uhr einen Echtglas-Dom. Nur die lasse ich immer wegen der Bruchgefahr beim Versand beim Besitzer. Für die paar Tage geht es auch ohne und "zu Hause" haben sie ja dann wieder ihre "Haube" unter der sie sind.:super:

@Christian: Da habe ich auch schon dran gedacht:klatsch:. Aber wie mache ich das bei einer Uhr, die so alt ist? Und: Uhrmacher halten sich sowieso nicht daran. :shock:
 
clavicembalist

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Gibt es nicht sogenannte TSA -Schlösser?
könnte man doch auch bei empfindlichen Jahresuhren anbringen und nur ein Profi hat den Generalschlüssel :D
"Zum jährlichen aufziehen kontaktieren Sie bitte Ihren Uhrmacher " *Lach *

--- Nachträglich hinzugefügt ---

P.s. mal abgesehen davon richtet ein richtiger Uhrmachermeister, der auch die Jahresuhren beherrscht, keinen Schaden an.

Lg
Christian
 
uri3047

uri3047

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Gibt es nicht sogenannte TSA -Schlösser?
könnte man doch auch bei empfindlichen Jahresuhren anbringen und nur ein Profi hat den Generalschlüssel :D
"Zum jährlichen aufziehen kontaktieren Sie bitte Ihren Uhrmacher " *Lach *

--- Nachträglich hinzugefügt ---

P.s. mal abgesehen davon richtet ein richtiger Uhrmachermeister, der auch die Jahresuhren beherrscht, keinen Schaden an.

Lg
Christian
Dem kann ich nur beipflichten,es gibt auch Uhrmacher die können solche Jahresuhren reparieren.....
nicht nur Hobbymacher:|

gruß uri
 
Alberich

Alberich

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Hallo Rolf-Dieter,

Gratulation, die Uhr ist wieder wirklich schön geworden! :super:

Welches Poliermittel und welches Wax verwendest Du für die Werkteile?



Viele Grüße!

Matthias
 
Thallius

Thallius

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Hi Rolf,

was für Mittel verwendest Du im US zum reinigen?

Gruß

Claus
 
Der Stromer

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@ uri: Du schreibst es ja selber.

Zitat uri - Dem kann ich nur beipflichten,es gibt auch Uhrmacher die können solche Jahresuhren reparieren.....
nicht nur Hobbymacher

Zitat Ende:D

Habe ich behauptet, ich wäre der Einzige:shock::shock:. Aber ich kann es und Andere sicher auch.

Von meinen Jahresuhren, die ich auf dem "Hobbymacher-Tisch" hatte, sind nachweislich 23 Stück VORHER bei einem Uhrmacherfachbetrieb, teilweise bis zu 1 Jahr, gewesen. Ohne Erfolg. Leider.

Und ich habe auch volles Verständnis für einen Uhrmacher, der die Reparatur von Jahresuhren ablehnt. denn in fast allen Fällen lohnt sich für einen Uhrmacher, der von seiner Arbeit leben muss, so eine Reparatur nicht.

Ich bin da die Ausnahme: Ich habe soviel Zeit, wie ich Zeit habe:D.

So. Und jetzt Kriegsbeil wieder vergraben und Friedenspfeife anzünden!

--- Nachträglich hinzugefügt ---

@ Matthias & Claus.

Beide Fragen auf einmal: Reinigen von Messing geht bei mir am besten mit Wasser, 50 - 70°C, und auf 500 ml ca. 15 Spritzer Cillit Bang Kraftreiniger Kalk & Schmutz. Hat allerdings einen Nachteil: Stahlteile werden Dunkelgrau, was sich aber leicht wieder wegpolieren läßt. ELMA-Reiniger geht natürlich besser, aber das ist mir ganz ehrlich für 1 - 3 Jahresuhren im Monat zu teuer, da ich die Brühe nicht immer wieder in den Kanister zurück füllen möchte.

Für die Politur ist Mellerud Polierpaste Messing, Kupfer sehr gut und zur Konservierung dann das "Renaissance Micro-Crystalline WAX Polish". Das habe ich in USA gekauft, gibt es aber hier im Handel auch. Bislang hat es seinen Dienst hervorragend getan:super: Und es ist sparsam!
 
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