Review: Piaget Emperador Coussin

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marfil

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Anbei das aktuellste Review zur Piaget Emperador Coussin in Weißgold...

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Zeiteisen Review: Piaget Emperador Coussin


Einleitung:

„Was ist das für eine Uhr?“ „Eine Piaget Emperador“. „Aha. Ich dachte, das ist so eine Modemarke mit Schmuck und so....dass die auch Uhren machen, wusste ich nicht. Bauen die auch Fremdwerke ein?“ „Nein. Piaget ist eine Manufaktur mit langer Geschichte....“

So, oder so ähnlich, laufen mehrere Begegnungen mit der Testuhr ab. Piaget ist in unseren Breiten ein absoluter Underdog, zumindest was die Uhren anbelangt. Wie kann das sein? Eine Manufaktur mit einer Geschichte, die bis 1874 zurückgeht- und die Uhrenwelt mit vielen superflachen Uhrwerken beglückte (einschließlich mehrerer Weltrekorde bis heute), wohingegen die Schmuckproduktion erst in den 1950er Jahren ein Thema wurde?

In Anbetracht der tickenden Pretiosen dieses Herstellers, die kaum einen Wunsch der Haute Horlogerie nicht erfüllen können, ist dieser Umstand sehr ungewöhnlich.

Die Uhrwerke werden nach wie vor in La Côte-aux-Fées hergestellt, wo schon der Gründer Georges Edouard Piaget seine erste Werkstatt hatte. Zwischenzeitlich wurde ein weiteres Atelier aber nach Plan-les-Ouates bei Genf verlegt. Hier werden nun unter Anderem die Gehäuse aus Edelmetall gefertigt.

Die Testuhr entstammt der „Black Tie“ Sammlung, in der die Komplikationsuhren zusammengefasst werden. Neben ultraflachen Uhrwerken finden sich in dieser Kategorie auch Modelle mit Tourbillon und Repetitionswerke, wie sie beispielsweise in der auf der diesjährigen SIHH in Genf präsentierten Piaget Emperador Coussin mit Minutenrepetition Verwendung finden.

Diese Spitzenlinie lässt also einiges an technischer Eleganz und Kompetenz erwarten.




Das Gehäuse:

Das kissenförmige, rund 42x9mm große Gehäuse ist aus feinstem Weißgold hergestellt. Mit einem Gewicht von 83g ist es dennoch nicht all zu schwer- und liegt so angenehm am Handgelenk.

Das sehr schlanke Gehäusemittelteil ist feinst gebürstet, das Glas umrahmt eine hochglanzpolierte Lünette. Auch der mit einem Saphirglasfenster ausgestattete Boden, der mit 4 Schrauben am Mittelteil befestigt ist, ist hochglanzpoliert.

Formal ist dieses wunderbar gearbeitete Gehäuse sehr schwer zu beschreiben- und kissenförmig trifft es auch nicht wirklich. Der Mittelteil ist an sich nahezu rund, wohingegen das Saphirglas tatsächlich eine Kissenform aufweist, wodurch sich ein formaler Kontrast zur aussen ebenfalls runden Lünette ergibt.

Man muss dieses Gehäuse fraglos als Kunstwerk betrachten, weniger als schnöde Aufnahme und Schutz für das edle Uhrwerk, das im Inneren seinen Dienst versieht.

Mit einer Druckfestigkeit von lediglich 3 ATM verbietet sich die Verwendung beim Wassersport, was auch kaum im Sinne der Erfinder wäre.

Rein äusserlich ist es ein stilsicher gezeichnetes Kunstobjekt von bestechender Eleganz. Und genau das wollten wohl auch die Entwickler erreichen. Die perfekte, unaufdringliche Uhr höchster Güte, deren Qualität sich nur dem Kenner auf den ersten Blick erschließt. Understatement pur.



Zifferblatt/Zeiger:

Wie nicht anders zu erwarten, wurde gänzlich auf Leuchtmasse verzichtet.

Das ebenfalls kissenförmige Zifferblatt mit seiner charakteristischen Aufteilung der Hilfszifferblätter ist, wie schon das Gehäuse, eine Augenweide.

Ganz dezente Zeiger, perfekt gesetzt, überstreichen in optimaler Länge die Stundenindizes.

Die untere Hälfte des Blattes beanspruchen die Hilfszifferblätter für sich, wobei das linke eine zweite Zeitzone samt Tag/Nachtanzeige, das rechte die kleine Sekunde anzeigt.

Bei der zwölf ist das groß ausgeschnittene und schön umrandete Datumsfenster für das Großdatum eingelassen.

Zumeist wird dieser Trend zu überdimensionale Fenstern dieser Art eher nicht so wohlwollend aufgenommen. Hier passt diese Gestaltung aber ausgezeichnet zum gesamten Ensemble. Ein kleines Datumsfenster würde einfach nur deplatziert wirken.

Unterhalb des Datumsfensters ist noch die Plakette mit dem Markennamen aufgesetzt, womit sich die Beschriftungen (mit Ausnahme des sehr dezenten, obligatorischen Schriftzugs „Swiss Made“) auch schon wieder erschöpfen.

Alle Skalen und Zahlen sind ausgesprochen hochwertig lackiert. Auch bei starker Vergrößerung findet sich kein Auslaufen, oder Fransen. Bei schräg einfallendem Licht möchte man meinen, die Zahlen richtig anfassen zu können, so plastisch ist deren Wirkung.

Die Ablesbarkeit ist -je nach Umgebungslicht- gut bis sehr gut.

Durch die dreidimensionale Ausformung aller Zeiger findet sich normalerweise immer irgend ein Lichtstrahl, der von den Zeigern reflektiert wird und so das Ablesen der Zeit (abgesehen von der fehlenden Minuterie) auch bei weniger Licht nicht zum Rätselraten ausarten lässt.



Das Uhrwerk:

Piaget Kaliber 850P

Dieses 229teilige Manufakturwerk erfüllt alle Ansprüche, die der Kunde an ein Produkt der Haute Horlogerie stellt. Mit einem Durchmesser von 26,8 und einer Bauhöhe von 4mm ist es für schlanke Gehäuse prädestiniert, ohne die ultraflachen Kaliber des Herstellers zu erreichen.

Dafür befinden sich im Inneren 2 Federhäuser, die eine Gangreserve von etwa 85 Stunden bereitstellen. Mit kleiner Sekunde, zweiter Zeitzone und Tag/Nacht-Indikator verfügt es zudem über sehr praxisbezogene Komplikationen, die speziell Vielreisenden einen hohen Nutzwert bieten.

Die zweite Zeitzone lässt sich unabhängig der Ortszeit einstellen.

Die wunderschöne Schraubenunruh ist mit 3Hz getaktet, leider aber nicht mit einer frei schwingenden Spirale ausgeführt. Die Regulierung erfolgt mit einem Feinregulator.

Wie nicht anders zu erwarten, ist die Bedienung eines solchen Uhrwerks trotz der relativ klein geratenen Krone ein Genuss. Das Aufziehen der beiden Federhäuser gestaltet sich sehr angenehm, die Rastungen der Krone sind perfekt.

Natürlich ist die Finissage bei solchen Uhrwerken eine rein manuelle Angelegenheit, die auch die nicht sichtbare Grundplatine umfasst (Perlagen unterschiedlicher Größe) und die typischen kreisförmigen Genfer Streifen auf den sichtbaren Brücken und am Rotor, den zusätzlich ein graviertes und mit Gold ausgelegtes Wappen schmückt. Abgerundet wird der sehr positive optische Eindruck von gebläuten Schrauben und anglierten Kanten.

Leider findet sich auch ein Wermutstropfen, nämlich in Form der Gangwerte des Uhrwerks.

Die Werte von minus 3 bis plus 7 Sekunden sind in dieser Preisklasse doch am äussersten Limit des Erwartbaren.



Das Band:

Das schwarze Alligatorlederband passt perfekt zu dieser Uhr. Die Verarbeitung entspricht dem selben Niveau, mit dem schon das Gehäuse glänzte, ebenso die Faltschließe.

Besonders erwähnenswert ist die Befestigung des Bandes an der Schließe: die erfolgt nämlich mittels einer sehr dezenten Schraube, wodurch zuverlässig verhindert wird, dass das Lederband von der Schließe abgleiten kann- und so ein nicht unbeträchtlicher finanzieller Verlust zu beklagen ist.

Der Tragekomfort ist hervorragend.


Fazit:

Ein Kunstwerk für das Handgelenk. Neben den tollen stilistischen Eigenschaften glänzt diese Uhr auch mit hervorragendem Tragekomfort und der für diese Uhrengattung eher seltenen zweiten Zeitzone.

Wer Understatement und höchste Verarbeitungsqualität zu schätzen weiß, ist hier bestens bedient.


Zeiteisen Wertung:

Preis/Leistung: +++++
Uhrwerk: +++++
Gangergebnisse: +++
Gehäuse: +++++++
Band: +++++

Summe: 25 (hervorragend)

Die Uhr erhält das Zeiteisen Gütesiegel.
 

uhr_10

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Obwohl ich an jedem Uhrenladen stehen bleibe, Uhren von Piaget habe ich auch da noch nicht gesehen, wo es deren Schmuck gibt. Verkaufen die tatsächlich welche?

Altiplano finde ich immer noch sehr schön, so wie das gezeigte Modell auch, aber die Nichtansehbarkeit im Nirgendwo ist doch seltsam. Nach Katalog - obwohl, gibt es den überhaupt? - würde ich doch nicht kaufen wollen.
Vielleicht hätte ich am Rodeo Drive damals doch aussteigen sollen, und nicht nur vorbeifahren... ;-)


Sehr schöne Bilder! Da schaue ich doch gerne wieder rein :-)
 

Troll

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Bis jetzt noch nie gesehen, aber auf Anhieb eine der wenigen Uhren der "Haute Horologie", die mir optisch zusagt. Die Form ist wirklich was besonderes und das Blatt schaut einfach Klasse aus. Selbst bei der Day/Night-Anzeige hat man sich nicht dem Kitsch zugewendet, sondern ein reines Funktionselement daraus gemacht. Wie wird die zweite Zeitzone und das Datum eingestellt, alles über die Krone? :shock:
Wo kann man die preislich grob einordnen?
 

marfil

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@uhr 10

Wie schon in der Einleitung gesvhrieben, geht es so vielen....wobei...allein in Wien gibt es 3 Konzis.

@Troll

Ja...wird alles ueber die Krone eingestellt.

Preislich reden wir hier von etwa 27k Euro.

Edit:

Und ja, es gibt sogar einen sehr tollen, stoffgebundenen Katalog mit tollen Bildern und umfangreicher Information, qualitativ dem Anspruch der Marke entsprechend...
 
Zuletzt bearbeitet:

Treets

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Moin Martin!

Vielen Dank für Deine Review!

Leider definitiv nicht mein Geschmack! Diese Uhr weckt bei mir überhaupt kein Will-Haben-Gefühl...

Viele Grüße
Malte
 

Thüringeruhr

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Danke Martin fürs zeigen. Also mir gefällt sie sehr sehr gut. Das Zifferblatt wirkt auf mich ausgewogen, trotz der 2. Zeitzone und des größeren Datums.
Grüße Uwe
 

uhr_10

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Und ja, es gibt sogar einen sehr tollen, stoffgebundenen Katalog mit tollen Bildern und umfangreicher Information, qualitativ dem Anspruch der Marke entsprechend...

Danke für die Info.
Sollte ich mal in Wien aufschlagen, dann verkleide ich mich als reicher Schnösel und versuche einen abzufassen :-D
 

roter.papagei

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Ich hab eine schöne Golduhr von Piaget aus den 60ern in meiner Sammlung. Läuft tadellos und kommt nächste Woche mal wieder an den Arm. Die aktuellen Modelle sind für mich finanziell nicht erreichbar.
 
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