Reinigung oder Revision?

Diskutiere Reinigung oder Revision? im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Ich habe eine etwa 20 Jahre alte Junghans mit Handaufzug gekauft. Leider läuft sie nur ca. 12 Stunden. Sie ist auch mit wenigen Drehungen bereits...
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Scherox

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Ich habe eine etwa 20 Jahre alte Junghans mit Handaufzug gekauft. Leider läuft sie nur ca. 12 Stunden. Sie ist auch mit wenigen Drehungen bereits zum Anschlag aufgezogen. Vermutlich ist die Ursache verharztes Öl. Ich habe gesehen, dass einige Werkstätten eine Reinigung anbieten. Kann man annehmen, dass dies für den Fall, dass es sich "nur" um eine neue Schmierung handelt, genügt?
 
meike

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Hallo,
auf deine stelle werde ich Komplette Revision machen da hast du paar Jahre ruhe!
Grüß
 
S

Scherox

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Die Uhr wurde selten getragen. Das sehe ich am Gehäuse und Lederband. Ich will natürlich die Kosten gering halten.
 
10-nach-10

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Was soll das sein: Reinigung? Eine fachgerechte Reinigung setzt Demontage voraus und zieht Montage, Schmierung, Regulierung nach sich, also praktisch eine komplette Revision. Wer demontiert und reinigt, danach den Ersatz verschlissener oder Reparatur beschädigter Teile wegläßt, pfuscht. Für mich ist das Angebot "Reinigung" Dummenfang, nix anderes. Eine 20 Jahre alte Uhr ist für eine Revision reif, egal ob sie viel gelaufen ist oder nicht. Allein von den nötigen Schmierstoffen wird nach so langer Zeit nicht mehr viel übrig sein. Heute zu sparen, heißt morgen richtig bluten zu müssen.
 
Schraubendreher

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Hallo Scherox,

Reinigung und Reision bedeuten in Deinem Fall das gleiche: komplettes zerlegen und reinigen des Uhrwerks, Ersatz von verschlissenen Teilen, zusammenbauen und neu schmieren, einstellen und Kontrolle, einschalen in das gereinigte Gehäuse, Endkontrolle.
Wenn Reinigung und Revision getrennte Angebote sind und die Reinigung sehr günstig ist, ist es meist nur eine Reinigung von Band und Gehäuse. Die Werksrevision ist der zeit- und kostenaufwändige Teil und macht den Preis aus.

Bring die Uhr zum Uhrmacher, besprich was gemacht werden soll und muss und dann bitte um einen KVA. Kosten gering halten ist relativ. Was verstehst Du darunter?

Bis dann:
der Schraubendreher
 
watchhans

watchhans

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Für eine 20 Jahre alte Uhr wird auf jeden Fall eine Revision fällig. So verfährt jeder seriöser Uhrmacher.
Wer hier lediglich eine "Reinigung" anbietet, wie das auch immer aussehen mag (ich kann mir als ambitioniert fortgeschrittener Amateur da nur Pfusch vorstellen) sorgt dafür, dass Du keine lange Freude an der Uhr haben wirst.
Da kannst Du dir sie gleich nur zum Anschauen in eine Vitrine legen.
Und "Billigfleisch" gibt's nur beim Discounter.
Ein gute Überholung mit mindestens neuer Zugfeder kostet ca. ab 100 Euro.
Die Entscheidung liegt bei Dir.
 
10-nach-10

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@Schraubendreher
Ich habe die Frage so verstanden, ob man einer nicht mehr richtig funktionierenden Uhr mittels Revision oder evtl. nur Reinigung beikommen kann und daraus den Schluß gezogen, daß es sich um das Uhreninnere handeln müsse. Das auch deswegen, weil ich Leute kenne, die von sich meinen, Uhren reparieren zu können, weil sie mit Druckluft oder Spiritus verkrustete Lager oder ganze (Groß-)Uhrwerke im Geschirrspüler "gereinigt" und danach mit WD40 oder Fahrradkettenöl behandelt haben, worauf die Werke wieder liefen. Und da heutzutage alles möglich ist, halte ich es wirklich nicht mehr für ausgeschlossen, daß manche derartige Künste tatsächlich anbieten.

@watchhans
Vielleicht zeigt sich nach ordentlicher Reinigung der Zugfeder sogar, daß sie nur von 20 Jahren altem Öl verklebt war und gar nicht ersetzt werden muß.
 
omega511

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PjK>MUC>W>OL>?
Also wenn bei Deinem Auto eine Inspejtion fällig ist und Du nur einen Ölwechsel machen lässt, obwohl Bremsen und Fahrwerk sowie alle Filter dringend Zuneigung und Ersatzteile brauchen, ist das nicht schlau, sonden gefährlich......
 
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Scherox

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@10 - 10
Ja, ich hatte vermutet, dass "Reinigung" ein gängiger Begriff ist für bestimmte Arbeiten. Dass man vielleicht ein Werk reinigen und neu schmieren kann, ohne es vollständig zu zerlegen.

Über Google habe ich dies hier gefunden. Da wird auch von Reinigung und neuer Schmierung gesprochen:
Uhren Reinigung Schmierung in der Uhr reinigen schmieren MOEBIUS

@tschasovschik
Ich habe hier in der Liste eine Werkstatt gefunden, die einen sehr guten Eindruck macht und möchte auf keinem Fall öffentlich über diese diskutieren.
 
carondeb

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Dass man vielleicht ein Werk reinigen und neu schmieren kann, ohne es vollständig zu zerlegen.
Auch wenn im Artikel von moebius das Wort "zerlegen" nicht vorkommt, es war wohl so gemeint und ein unzerlegtes Reinigen ist in aller Regel nicht möglich. Als Pfusch-Notlösung kann man Opas Wecker am Stück in eine Reinigungsflüssigkeit werfen und er machts dann wieder eine Weile abr richtig sauber macht es ihn nicht. Es gibt auch Reinigungsmaschinen für unzerlegte Armbanduhren, dazu hier mehr...
 
Schraubendreher

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Viele Uhrmacher verwenden die Begriffe Revision und Reinigung synonym. Unter anderem, weil sie beim Kundengespräch Fremdwörter vermeiden möchten. Mache ich auch, je nach Uhr und Kunden.

Es gibt keine Norm oder eindeutige Vorschrift in diesem Zusammenhang. Es bleibt nur, den genauen Umfang der Reparatur bei der Abgabe zu besprechen.

Bis dann:
der Schraubendreher
 
L

LBeck

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Ein Reinigung ohne Zerlegung des Werks dürfte wohl nicht wirklich gut sein.Der Tausch von Bauteilen,die nicht mehr optimal sind,sollte dann nicht wirklich den Preis stark in die Höhe treiben.Das Zerlegen,Reinigen und Zusammenbauen kostet Zeit und diese fällt dabei sich preislich stärker ins Gewicht. Auf Gehäuseaufarbeitung kann man verzichten,aber warum bei einigen Verschleissteilen sparen wollen,dann kommt die nächste Revision sicher schneller.
 
10-nach-10

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Viele Uhrmacher verwenden die Begriffe Revision und Reinigung synonym. ... Es bleibt nur, den genauen Umfang der Reparatur bei der Abgabe zu besprechen.
Zu 1.: Das mag sein. Hier war aber die Rede von 2 Alternativen (darunter eine, bei der sich mir der Magen umdreht). Dein Link führt zu einer interessanten Diskussion im Uhrenwerkstattforum, vielen Dank dafür. Und wenn ich das richtig interpretiere, geht es den meisten dort so wie mir.
Zu 2.: So soll es sein. Klarheit dient im Übrigen beiden Vertragsparnern.
 
hermannH

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Hallo

Deswegen verwende ich den Begriff der Restaurierung. Den nichts Anderes ist es. Der Uhrmacher versucht so gut wie nur möglich, das Werk wieder in den Zustand ab Werk zu bringen.

Gruß hermann
 
30 kHz

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Hallo

Deswegen verwende ich den Begriff der Restaurierung. Den nichts Anderes ist es. Der Uhrmacher versucht so gut wie nur möglich, das Werk wieder in den Zustand ab Werk zu bringen.

Gruß hermann
Moin Hermann,

und schon kommt er, der Klugscheißermodus, diesmal im Gewande der lateinischen Sprache :-)

- videre: sehen, wahrnehmen, erkennen (damit auch verwandt unser heutiges Wort Video)
- revidere: wieder hinsehen (von re+videre, also zurück+sehen...)

dagegen

- restaurare: wiederherstellen, erneuern

Es ist also vollkommen korrekt, wenn Du von "Restaurierung" sprichst. Dummerweise hat es sich eingebürgert, von Revision zu reden, wenn Restaurierung gemeint ist. Genauso dumm, von Atom zu sprechen, wenn Kern gemeint ist.

KS-Modus wieder OFF.

Gruß Dirk
 
watchhans

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@watchhans
Vielleicht zeigt sich nach ordentlicher Reinigung der Zugfeder sogar, daß sie nur von 20 Jahren altem Öl verklebt war und gar nicht ersetzt werden muß.
Könnte sein. Aber nach 20 Jahren käme bei mir eine neue Feder ins wahrscheinlich noch intakte Federhaus.
 
S

Scherox

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Vielen Dank, ich habe einiges dazu gelernt, was sich mit googeln nicht finden lässt. ; )
 
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Matthias MUC

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Ich würde schon noch Revision im Sinne von "supergründlicher Inspektion nach Wartungsplan" separat neben Restaurierung im Sinne von "Instandsetzung bei unbekanntem und/oder teils sehr schlechtem Zustand, auch defekt, auch aufgrund von Wartungsmängeln" verwenden.

Latein hin oder her, aber wenn ich mit meinem Auto zur Inspektion fahre und da nach Wartungsplan Öl gewechselt wird, nach 100.000 km der Zahnriemen ersetzt, neue Scheibenwischer, Filter etc. außer der Reihe mal irgendwann die Kupplung erneuert werden muß und was so defekt oder verschlissen ist, auch mit ausgetauscht wird, so ist das doch von einer Restaurierung noch weit weg. Würde ich eher als Revision bezeichnen. Bei Flugzeugen sind die großen Inspektionen auch eine ziemliche Totalzerlegung, was der gründlichen Revision einer Uhr sehr gut entspricht, aber das würde bei der LH-Werft in HH Finkenwerder niemand "Restaurierung" nennen, wenn sie einen Airbus routinemäßig bis auf die letzte Schraube zerlegen.
Restaurieren würde ich nur da hernehmen, wo der Status Quo vor der Maßnahme erheblich schlechter als nur altersgemäß bei regelmäßiger Wartung ist. Also bei Dachbodenfunden, wirklich beschädigten Uhren, welchen, die schon drei, vier vernünftige Revisionsintervalle "zu spät" dran sind, welche, bei denen man mit vielen (teuren) Überraschungen rechnen muß usw.... Oder wenn sie in Finkenwerder eine alte DC3 o.ä. wieder flugfähig machen, die 40 Jahre irgendwo abgestellt rumgestanden ist...

lG Matthias
 
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Moin Matthias,

keine Frage, Sprache ist seit jeher im steten Wandel. Dennoch bin ich ein Freund davon, Wortfeldbedeutungen entsprechend ihres Ursprungs zu belassen. So frage ich nicht nur nach den Ursprüngen von Uhren und ihrer Erfinder sondern auch nach denen unserer Wörter. Es macht ja wenig Sinn, Wortfelder zu verschieben. Und das "Argument", daß das alle "so machen", ist keines. Immer eingedenk, daß es lange Zeit breiter Konsens war, die Erde als Scheibe zu betrachten ....

Und wenn Hermann von "restaurieren" spricht, hat er meines Erachtens vollkommen recht.

Bei Airbus/LH spricht man nach meiner Erinnerung im Rahmen der gestaffelten Wartung/Überholung auch nicht von Inspektion. Wäre auch nach meinem Verständnis vollkommen untertrieben, wo jedes Teil, jede Schraube, jede Unterlegscheibe zertifiziert ist und der Ersatz minutiös dokumentiert wird. Übrigens auch bei anderern Reparaturbetrieben von flugfähigen Gebilden, die sich z. B. mit der Überholung von Propellern etc. beschäftigen.

Da eine weitere Betrachtung sprachwissenschaftlicher Erkenntnisse zwar hochinteressant, aber off-topic ist, ende ich meinen Ausflug hier und beschäftige mich jetzt mit dem Richten einer Unruhespirale. Dabei habe ich dann die Muße, weiter über die römische Sittengeschichte von Sallust (nicht ganz jugendfrei!) zu sinnieren.


Gruß Dirk
 
Thema:

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