Regulierung Regent-Taschenuhr

Diskutiere Regulierung Regent-Taschenuhr im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo zusammen, ich habe eine einfache Regent-Taschenuhr, die pro Tag rund 1 Minute vorging und die deshalb vom Uhrmacher schon 'mal "gebremst"...
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Matthiam

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Hallo zusammen,

ich habe eine einfache Regent-Taschenuhr, die pro Tag rund 1 Minute vorging und die deshalb vom Uhrmacher schon 'mal "gebremst" wurde. Jetzt läuft sie zu langsam und ich würde das gerne selbst versuchen einzustellen.

Ich hatte gehofft, einen einfachen Rückerzeiger vorzufinden, aber ganz so simpel ist das nicht, siehe Foto - kann mir jemand sagen, wie ich diese Regelage justieren kann? Dienen die beiden Hebelchen zum Einstellen oder ist der Ring in der Mitte der Hebelchen eine Schraube, die einfach mit einem Schraubenzieher gedreht werden kann...?
 

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BernhardJ

BernhardJ

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Der Spiralschlüssel-Ring ist der ganz unten, also der, zu dem der Spiralschlüssel (das "Hebelchen" rechts im Bild) gehört.
Der Spiralschlüssel-Ring müßte eigentlich irgendwo zwischen den +/- Marken unterbrochen sein, also eine Lücke haben. Diese Lücke dient als Markierung und als Ansatzpunkt für ein Werkzeug um den Ring zu bewegen. In vielen Werken ist die Lücke so klein, dass man dort nur noch eine Nadelspitze ansetzen kann.

Alternativ dazu könnt der Spiralschlüssel selbst bewegt werden, es erfordert aber eine hohe Konzentration und ruhige Hand. Kommt man dort zufällig an die Spiralfeder, könnte es fatale Folgen haben.

Bei der Regulierung solcher Werke geht es oft um Hundertstel Millimeter, ist also ziemlich knifflig.

Grüße - Bernhard
 
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ChocoElvis

ChocoElvis

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HI,

lt. Markierung bewegen... gegen den Uhrzeigersinn - aber nur gaaaaanz wenig! Zehntel-Millimeter! Danach die Abweichung beobachten und ggf. nachregeln - oder halt mit ner Zeitwaage kontrollieren. Geht schnller.
Genaugenommen nurmal sachte dranstubsen mit einem nicht zu spitzen Gegenstand, damit du nicht abrutschst und in die Unruhspirale reinhaust. Dann ist sie hinüber!
Ich mach das meistens mit einem Federsteg-Besteck, wenn ich grad nix anderes zur Hand hab und trage dabei eine Lupenbrille, damit ich genau seh, was ich da mach ;-)

IMG_3624.jpg
 
BernhardJ

BernhardJ

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Ich meine, hier wäre der von mir gemeinte Schlitz im Spiralschlüssel-Ring:

IMG_3624_.jpg

Ist schon ziemlich weit im Plus.

Grüße - Bernhard
 
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ChocoElvis

ChocoElvis

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ja, aber da ist noch ein kleinbissl Luft ;-)
Wenns nicht grad um 50 Sek/Tag geht, sollte das noch drin sein...
Ansonsten müsste man sie mal revidieren...
 
10-nach-10

10-nach-10

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Vielleicht sollte man noch erwähnen, daß es äußerst ungünstig wäre, wenn der Spiralklötzchenträger (der untere Hebel am Ende der Feder) beim Regulierversuch verstellt werden würde. Das kann schnell passieren, und zwar nicht nur dann, wenn man versehentlich am Rücker abrutscht. Eine zu geringe Reibung (Friktion) der "Ringe" reicht da schon gür eine Verschiebung um Hundertstel. Dann hat die Uhr einen Abfallfehler und macht nicht mehr "tick-tack", sondern "tiiiiiiiick-tack" oder "tick-taaaaaaack".
 
nobrett

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Hier wird leider teilweise ziemlicher Unfug verbreitet. Dass man mir einem Werkzeug, gar mit einer Nadel, am Ring am Ring ansetzt höre ich zum allerersten Mal. Da sind Abrutschen und Kratzer ja schon vorprogrammiert!

Die Uhr steht auch nicht "ziemlich weit im Plus". Der mögliche Verstellbereich wird von der Spirale bestimmt und nicht von einer nicht vorhandenen Kerbe und da ist noch reichlich Luft.

Mach es so wie Choxo Elvis das in Beitrag #3 beschreibt. Ein hölzerner Zahnstocher als Werkzeug ist auch ok, der macht keine Kratzer. Eine gewisse Feinmotorik sollte man natürlich schon mitbringen und am besten macht man das mit der Lupe im Auge, damit man sieht was man tut.

Ein Uhrmacher - z.B. der der schon an der Uhr war - macht das aber auch für sehr kleines Geld oder eine Spende in die Kaffeekasse und sagt Dir ggf. auch ob das sinnlos ist, weil die Uhr ein anderes Problem hat und einfach mal eine Wartung fällig ist. Danach hört es sich nämlich an wenn sich die Uhr nicht mehr regulieren lässt und davor ins Plus gelaufen ist.

Gruß
Norbert
 
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Badener

Badener

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In diesem Fall könnte es auch einfach am Werk liegen. Hier ist ein sog. Chinese Standard Movement verbaut. Deren Qualität ist, um es vorsichtig auszudrücken, eher am unteren Rand der Skala angesiedelt. Manchmal laufen sie halbwegs gut, meist aber eher schlecht...

Gruß

Badener
 
BBouvier

BBouvier

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Hier ist ein sog. Chinese Standard Movement verbaut.
Deren Qualität ist, um es vorsichtig auszudrücken, eher am unteren Rand der Skala angesiedelt.
Du sagst es, Badener!

Ich habe eine völlig gleiche "Regent", und das Bild des Werks, das sich beim Öffnen
des Deckels zeigt, erschüttert selbst den Schrottgewohnten. *gg*

Meine Regent hatte im Liegen - und sie liegt immer - einen regelmäßigen Vorgang von um die 20 Sekunden täglich.
Ein ganz winziger (!) Stubs in Richtung Minus - und seitdem sind das nur noch so um die drei:
Schwein gehabt!

An Matthiam:
Den Rat von Elvis beherzigen!
=>
"aber nur gaaaaanz wenig! Zehntel-Millimeter!"
Ohne Uhrmacherlupe ist das kaum zu machen ...

Grüße,
BB
 
BernhardJ

BernhardJ

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Hier wird leider teilweise ziemlicher Unfug verbreitet. Dass man mir einem Werkzeug, gar mit einer Nadel, am Ring am Ring ansetzt höre ich zum allerersten Mal. Da sind Abrutschen und Kratzer ja schon vorprogrammiert!... und nicht von einer nicht vorhandenen Kerbe ...
Du kannst mir schon glauben, dass dieses Werk tatsächlich die Kerbe besitzt. 8-)

Es ist hier ein Anfänger am Werk, deswegen mein Rat am Ring (bzw. der Kerbe) anzusetzen. Was ist denn schlimmer wenn man abrutscht? Ein kleiner Kratzer am Kloben oder eine verbogene Feder oder verrutschter Klötzchenträger?

Eine starke Lupe am Auge, geeignetes Werkzeug (Federsteg-Besteck ist hier etwas ungeeignet da zu groß) und eine ruhige Hand ist dabei natürlich selbstverständlich und obligatorisch.

Bei diesen China-Werken geht es zudem um Hundertstel, nicht um Zehntel Millimeter.

Grüße - Bernhard
 
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Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

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Also ICH kenne keinen Fachmann, der an der Kerbe reguliert. Ich tue das auch nicht. Der Hebel ist außerdem viel zu kurz, um geregelt den Spiralschlüssel zu bewegen. Und die Gefahr, die Spirale zu verbiegen, ist die gleiche. Wenn nicht sogar größer. Wenn Du das so machst oder machen willst, steht Dir das natürlich frei.
 
BernhardJ

BernhardJ

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Ja, Du hast Recht, hier in diesem Fall ist die Gefahr deswegen höher, weil die Kerbe schon sehr am Rand des Klobens ist.

Der Vorteil der Regulierung an der Kerbe ist, dass man hier viel genauer die Position des Ringes an der Kerbe erkennen kann. Schubst man dagegen direkt am Schlüssel, so ist die Veränderung nur schwer erkennbar, außer man hat sich die Position der Kerbe sehr genau eingeprägt oder markiert.

So zu verfahren geht gut, ich habe so schon etliche China-Werke ganz gut hinbekommen. Beide Wege gehen, jeder kann so verfahren wie er möchte.

Grüße - Bernhard
 
BBouvier

BBouvier

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Schubst man dagegen direkt am Schlüssel, so ist die Veränderung nur schwer erkennbar ...
Hallo, Bernhard!

In solchen Fällen (kein Rückerhebel) ritze ich mit der Spitze einer besonders feinen Nadel
einen schier mikroskopischen "Kratzer" direkt unterhalb des Schlüssels als Referenzpunkt in die Platine
und beleuchte den dann schräg mit einer LED = es "blitzt" ... ohne Uhrmacherlupe
und festgelegtem Gehäuse wird das alles jedoch kaum etwas werden, fürchte ich.

Beste Grüße!
BB
 
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BernhardJ

BernhardJ

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Das mit dem "Kratzer" unter dem Schlüssel ist m.M.n. wenig praktikabel. Wegen der Gefahr dabei etwas zu berühren aber vor allem Wegen der Parallaxe, denn der Schlüssel hat meistens einen nicht zu unterschätzenden Abstand zur Platine. Bei Hundertsteln Millimeter ist es völlig unmöglich so eine Verschiebung quantitativ zu erkennen. Dann lieber eine kleine Markierung direkt an der oben beschriebenen Kerbe setzen.

Grüße - Bernhard
 
nobrett

nobrett

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Man könnte den Kratzer ja an der Seite des Schlüssels machen um keine Parallaxenprobleme zu haben. Wenn man darauf steht Uhrwerke mutwillig zu zerkratzen. Meins wäre das nicht, auch nicht bei einem Chinawerk.

Niemand verschiebt den Schlüssel um hundertstel mm. Das ist mit menschlicher Grobmotorik nicht vereinbar. Ausnahmen gibt es nur hier im Forum. ;-)

Der Trick besteht darin, ihn nicht innen, in der Nähe seiner Drehachse, sondern möglichst weit außen zu packen. Dadurch wird der Weg den man ihn für die gleiche Drehung bewegen kann größer. Aus dem gleichen Grund gibt und gab es bei manchen Werken extra lange Rückerzeiger.

Algorithmus:

start: Schlüssel minimal verschieben - dabei darf man nötigenfalls auch die Verstellrichtung wechseln
Uhr beobachten
if Gangabweichung ok then exit else goto start

Das macht man dann halt so lange bis es hinhaut. Es kann ohne Zeitwaage beim ersten Mal klappen, aber auch erst nach dem hundertsten Mal. Oder nie, wenn die Uhr wegen einem Fehler, wie z.B. zu geringer Amplitude, nicht mehr regulierbar ist. Mit Zeitwaage geht es sekundenschnell das herauszufinden und man spart sich möglicherweise sinnloses probieren. Darum der Rat, den Uhrmacher kurz zu besuchen.

Ich habe gelesen dass alte Uhrmacher in Taschenuhrzeiten wenn sie das geübt hatten, sich eine genau gehende Uhr ans eine Ohr und die zu regulierende Uhr ans andere Ohr gehalten haben. Dann konnten sie die Abweichung hören und sogar durch mitzählen bestimmen (Stichworte Koinzidenz, Noniusprinzip) und so die Uhren schnell und sicher synchronisieren. Das kann heute vermutlich kaum noch jemand...

Gruß
Norbert
 
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andi2

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Warum wird diese Pipifax-Arbeit immer als schwierig hingestellt. Man muss nur wissen, was man tut. Es ist doch wirklich extrem einfach, direkt am Regulierschlüssel zu rücken. Jeder kann das. Mit einem Zahnstocher am besten, oder, wenn schwergängig, mit der Gabel des Federstegwerkzeugs. Natürlich mit Lupe oder unter dem Mikroskop. Dagegen dürfte es sehr schwierig sein, das an der Kerbe im Ring zu machen. Der Regulierschlüssel ist lang und überragt seitlich weit die Spirale, die ausserdem weit darunter liegt. Man müsste schon sehr grobmotorisch veranlagt sein, wenn man da in die Spirale kommt. Wenn man den Schlüssel weiter weg vom Spiralklötzchenträger dreht, wird die Spirale kürzer und die Uhr schneller, wenn man den Schlüssel auf den Klötzchenträger zu bewegt, wird die Spirale länger und die Uhr langsamer - das ist alles, was man da wissen muss. Die grösste Gefahr dürfte ein unabsichtliches Verstellen des Spiralklötzchenträgers sein. Das kann man bei diesem 10-Cent-Werk mal riskieren...
Gruss Andi
 
BBouvier

BBouvier

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Das mit dem "Kratzer" unter dem Schlüssel ist m.M.n. wenig praktikabel.
... aber vor allem Wegen der Parallaxe, denn der Schlüssel hat meistens einen
nicht zu unterschätzenden Abstand zur Platine.
Hallo, Bernhard!

Die Parallaxe stört da nicht, weil ich auf die sich ändernde Differenz "Seite Schlüssel=>Kratzer darunter"
während des Rückens abhebe. Dennoch, da ohne Zeitwaage - braucht man ein wenig Erfahrung und vor allem viel Geduld ...

Grüße!
BB
 
BernhardJ

BernhardJ

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Niemand verschiebt den Schlüssel um hundertstel mm.
Vielleicht, nicht vielleicht aber doch. Ich habe chinesische Werke gehabt (manche sind da verdammt klein und haben natürlich keinen Rückerzeiger), bei denen eine Verschiebung um 5/100 mm (also halbes Zehntel) Zeitänderungen um 10...15 s/Tag bewirkt haben.

Es geht, man braucht eine gescheite Lupe und etwas Fingerspitzengefühl. Und zarte Markierungen werden das Werk nicht umbringen. Früher war es sogar üblich, dass Uhrmacher ihre Revisionsdaten in alle möglichen Stellen der Uhr geritzt haben. 8-)

Grüße - Bernhard
 
ChocoElvis

ChocoElvis

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dieses Ding heisst nicht umsonst umgangssprachlich auchmal "Rückerhebel".
Man wäre ja bekloppt, wenn man ein Hebelchen hat, mit dem man genauer arbeiten kann, aber dieses nicht nutzen würde... ;-)
Ich hab auf die Art schon einige (auch alle meinigen) Werke einreguliert und alle laufen sehr gut bis passabel... wobei letzteres aber nicht an meiner "Rückerei" liegt, sondern am ausgelutschten Uhrwerk :D
Lediglich ein EB 8501 ist mir dabei mal gestorben, aber wenn man sich dieses komische Spielzeug-Werk mal anguckt, muss einen das nicht wundern ;-)
 
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