Uhrenbestimmung Regulator Gustav Becker

Diskutiere Regulator Gustav Becker im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo geschätzte Uhrenfachgemeinde, Ich habe beim durchstöbern eines Kellers diese Wanduhr entdeckt. Ich weiß nicht ob sie...
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hputzi

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Hallo geschätzte Uhrenfachgemeinde,

Ich habe beim durchstöbern eines Kellers diese Wanduhr entdeckt.

CIMG4975.JPGCIMG4981.JPGCIMG4979.JPG

Ich weiß nicht ob sie funktionstüchtig ist - es ist kein Schlüssel dabei.
Da ich kein Experte bin ich aber finde daß sie sehr nett aussieht wäre ich für Einschätzungen und Tips dankbar.
- Ist das ein Stück bei dem es sich auszahlt es gegebenenfalls reparieren zu lassen?
- Wenn Ja bis zu welchen Kosten? - Also in welchem Bereich liegt den der Wert so einer Uhr?

Danke im Voraus für jeden Hinweis,
beste Grüße,
Helmut P.
 
Alberich

Alberich

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Hallo Helmut,

zuerst herzlich willkommen im Uhrenforum!

Bei Deinem Regulator scheint das Gehäuse noch in einem guten Zustand zu sein: Alle Verglasungen in Ordnung, und die Bekrönung auch dabei. Das Werk sieht schlechter aus: schwarzer Abrieb am linken Federhaus, "Ölseen" an den Lagern. Da ist eine Revision dringen zu empfehlen. Wenn Du diese bei einem Uhrmacher durchführen läßt, hast Du eine schöne, präzise Wanduhr! Dann kannst Du gleich einen Schlüssel dazubekommen. Eine Abschätzung über die Kosten ist schwierig, weil man von außen den Zustand der Zapfen und Lager schlecht einschätzen kann. Sicher ist eine Reinigung erforderlich, häufig müssen Zugfedern und Lager ersetzt werden, und die Radzapfen müssen poliert werden. Also am besten das Werk ausbauen (vorher Pendel aushängen) und beim Uhrmacher anfragen.
Zur Wertbestimmung solltest Du vergleichbare online-Auktionen beobachten. Dann kannst Du entscheiden, ob es Dir die Uhr wert ist, zur Reparatur zu geben.

Viele Grüße!

Matthias
 
Der Stromer

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Hallo Helmut,
Herzlich willkommen hier im Forum der Uhrenverrückten:super:

Zu Deinem "Kellerfund" kann man Dich nur beglückwünschen:-D. Endlich mal wieder eine "Echte" Gustav Becker und dazu noch komplett! Glückwunsch.

Zuerst mal das Alter dieser Uhr: Die Seriennummer sagt aus, Herstellungsjahr zwischen 1885 und 1890, also noch lange vor dem Zusammenschluss zur VFU. Auch der Gong ist Original (Patent Gustav Becker in Österreich - K.K. Monarchie).

Jetzt das negative, Matthias hat es schon angesprochen: Das Werk muss DRINGEND Revisioniert werden. Bitte nicht einfach so mal Laufen lassen, sondern ERST zum Uhrmacher.

Du kannst ja auch mal hier im Forum fragen, wer so was macht und per PN (Persönliche Nachricht) einen KV anfordern.

Aber meine Meinung: Egal, es lohnt sich für diese schöne Uhr!
 
Algol

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Eine schöne und vom Gehäuse her sehr gut erhaltene Uhr. Das werk zu revisionieren lohnt sich auf jeden Fall. Diese Werke sind eigentlich unverwüstlich. Wie ein Lanz unter den Traktoren;-)

Beim Alter wäre ich mir nicht so sicher,der Gehäusestil deutet eher auf die Zeit nach WKI hin,20er bis 30er Jahre. Die Marken auf den Platinen wurden sicher auch nicht von einem Tag auf den anderen geändert..
Dazu kommt, das es sich hier um eine Böhmische GB handelt.(Stempel Links).
Also aus Braunau Böhmen.Das Werk in Böhmen wurde zwar schon 1890 gegründet,doch da es seit 1918/19 zur neugegründeten Tschechoslowakei gehörte,wird in den GB Serienummerverzeichniss darauf hingewiesen,das diese nicht für das Böhmische Werk gelten.

Ob so ein Verzeichniss des Braunauer Werkes ab 1918 existiert, ist mir nicht bekannt.

Vieleicht findet sich hier noch jemand,der sich da genau auskennt.

mfg
 
Der Stromer

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Eine schöne und vom Gehäuse her sehr gut erhaltene Uhr. Das werk zu revisionieren lohnt sich auf jeden Fall. Diese Werke sind eigentlich unverwüstlich. Wie ein Lanz unter den Traktoren;-)

Beim Alter wäre ich mir nicht so sicher,der Gehäusestil deutet eher auf die Zeit nach WKI hin,20er bis 30er Jahre. Die Marken auf den Platinen wurden sicher auch nicht von einem Tag auf den anderen geändert..
Dazu kommt, das es sich hier um eine Böhmische GB handelt.(Stempel Links).
Also aus Braunau Böhmen.Das Werk in Böhmen wurde zwar schon 1890 gegründet,doch da es seit 1918/19 zur neugegründeten Tschechoslowakei gehörte,wird in den GB Serienummerverzeichniss darauf hingewiesen,das diese nicht für das Böhmische Werk gelten.

Ob so ein Verzeichniss des Braunauer Werkes ab 1918 existiert, ist mir nicht bekannt.

Vieleicht findet sich hier noch jemand,der sich da genau auskennt.

mfg
:shock: Einspruch, Euer Ehren!

Zu GB (nach zu lesen bei H. Schmidt, Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie): Die Werke Warschau und Braunau (1888) wurden gegründet, um den Zollkrieg mit dem Zarenreich und der k&k Monarchie zu umgehen. Es wurden nur Werke aus Teilen des Freiburger Werkes montiert, die MIT der Seriennummer geliefert wurden. Daher sind zumindest bis zum Ende der Gustav Becker in Braunau die Seriennummern schon dem Herstellungsjahr zu zu ordnen. Die Leitung des Werkes in Braunau hatte der Sohn Paul Albert Becker, der 1892 die Gesamtleitung übernahm. Mit der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie ging auch das Werk Braunau in andere Hände über und produzierte mit Sicherheit nicht mehr unter dem Namen Gustav Becker.

Zum Gehäuse: Auch das ist nach meiner Meinung authentisch aus der Zeit 1890 - 1895. Den in der K&K Monarchie kannte man die "Stilrichtung" Neo Historismus des Kaiserreiches in Deutschland nicht. Bereits zum Ende des 1900 Jahrhunderts kamen erste Anzeichen des Jugendstil in der Donaumonarchie auf, die dann mit der "Wiener Secession" ihren Höhepunkt fanden (Siehe Werk und Leben des Gustav Klimt). In Deutschland kam das erst einige Jahre später und ist fast nicht mit dem "Wiener Jugendstil" zu vergleichen.

Woher kommen nun die "neuen" GB-Uhren? Wie allgemein bekannt, hat ja in den 1927er die Firma Junghans die "VFU inkl. vorm. Gustav Becker" (und Andere) komplett übernommen. Da aber Junghans wegen seiner sehr schlechten Sozialpolitik einen schlechten Ruf hatte, wurde (wohl zu Recht) befürchtet, dass sich dieser negative Ruf auf den Verkauf auswirken würde. Und daher verwendete Junghans einfach die mit der Übernahme erworbenen Marken- Namen und Zeichen weiter.
 
Algol

Algol

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Kein Problem,wenn es so in der Fachliteratur beschrieben wird wird es schon stimmen.
Leider ist die ganze GB geschichte doch etwas verwirrend wenn man sich verschiedene Quellen anschaut.:???:
Das Platinen mit Serienummern direkt nach Braunau geliefert wurden wusste ich zb nicht.
Es wird nur drauf hingewiesen zb bei Uhrenhanse,das Serials aus Braunau nicht verfügbar seien.
Danke für die Info

In Braunau wurde aber auch mit dem Gustav Becker Logo und der Aufschrift "Made in Tschechoslovakia "produziert. Ebenso wie bei Kienzle in Komotau.Wie das nun rechtlich geregelt war,würde mich auch mal interessieren.
Bild bei Watch Wiki:Datei:Gustav Becker Braunau.jpg

Ich finde das sowieso etwas mehr zu lesen über diese Firmen gäbe,die nach WKI nun mal Ausland waren,Weiterentwicklung etc.Viele infos gibt es da leider nicht.

mfg
 
uri3047

uri3047

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Hallo,wenn man das so liest über die Geschichte der Junghans Regulateure,da prallen ja Welten auf einander das hätte ich nicht erwartet.Ich reparieren diese Uhren schon seit Jahren und habe mich aber nie so sehr mit der ihrer Geschichte geschäftigt,sehr interessant....:klatsch:

gruß uri
 
Der Stromer

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Hi,
Also das mit Braunau ist wieder für mich sehr interessant. Beweist es mal wieder, dass man nie auslernt:)! Aber Fakt ist, dass GB Braunau nach entstehen der Republik Tschecheslowakei einen anderen Besitzer bekommen hat und wie lange der noch Uhren produzierte? Ich weiß es nicht. Auch ist interessant, dass im Werk Braunau Uhren HERGESTELLT wurden. Dann dazu sind andere Maschinen und Einrichtung von Nöten, als nur zur Montage.

Na ja, vieles wird uns Uhrenfans wohl für immer im Dunkeln der Vergangenheit bleiben. Leider.
 
Algol

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Hallo Stromer..

Das gerade finde ich ja so interessant an der Gustav Becker Historie.Was ist mit dieser Firma nach 1918 nun wrklich geschehen..beide Werke nach WK I Ausland.
Bei Kienzle das Zweigwerk(Komotau Böhmen), bei GB/VFU Freiburg und Braunau. (Schlesien und Böhmen)
Später Junghans hat ja ebenso wie Kienzle seinen Stammsitz in Deutschland. Ergo..abgeschrieben..

Nach der Gründung der Tschechoslovakei und der zweiten Polnischen Republik 1918/19 gab es wohl keine direkte Enteignung der Deutschen Eigentümer, das lief ja wohl eher so wie heute auch üblich als Zweigwerk im Ausland.
Interessant wäre in diesem Zusammenhang auch mal zu erfahren, seit wann der Begriff "Assembled in... verwendet wird.

Vieleicht gab es eine größere Beteiligung oder gar Mehrheit an den betreffenden Werken, mit dem Recht Made in... draufzustempeln.
Das wäre wohl ein Thema für User, die sich mit der Geschichte des Markenrechts auskennen.

In der Zeit der Deutschen Besetzung ist ja wenig zu erfahren, da wird wohl nur für den Kriegseinsatz produziert worden sein.Ob die Werke da nun wirklich ihren ursprünglichen Besitzer zugeordnet waren?

Das direkte Ende kam erst mit ende des WK II , mit der kompletten Enteigung und Verstaatlichung der Werke von Kienzle und Becker in Böhmen ,
Diese Werke wurden in den Staatsbetrieb Chronotechna überführt,ein Zweigbetrieb davon ist auch die Uhrenmarke "Prim"

Die Geschichte der Werke in Polen ist schwerer nachvollziehbar, hier im Forum gab es schon mal eine Vorstellung einer Tisch/Buffetuhr der Marke Predom Metron.Aus deren Geschichte ging hervor,das dazu die ehemaligen GB Werke in Freiburg gehören.
Vieleicht finde ich den Link wieder.

Leider scheinen wir hier keinen Tschechischen oder Polnischen User zu haben,der mal in seiner Sprache auf Cz oder Pl zu dieser Geschichte nachforschen könnte.
Dies würde sicherlich mehr Licht in die WKI Nachkriegsgeschichte dieser Werke bringen. Dies bringt sicher oft erstaunliche Resultate;-)da es nun mal in ihrem Land liegt..

Ich finde dies nun mal interessant,Geschichte gehört nun mal dazu.:super:

PS: Uri..für Junghans oder Kienzle war es eben nur ein Zweigwerk.
 
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meuseline

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Eine Becker Uhr mit Geschichte.

Meine Frau stammt aus Kiew. Bei meinem ersten Besuch fiel mein Blick sofort auf einen Becker Regulator.
Nanu wie kommt diese alte deutsche Uhr aus Schlesien vergangener Zeit nach der Ukraine?
Während des zweiten Weltkriegs wohnte ein deutscher Offizier bei den Großeltern meiner Frau in Kiew, damals natürlich noch Sowjetunion.
Fakt nach dem Abzug der deutschen Wehrmacht blieb besser ging diese Uhr in den Besitz der Großeltern über. Seitdem erfreute diese Becker zuerst die Großeltern. danach die Eltern meiner Frau.
Von Ihnen erbte meine Frau schließlich die Becker. Ein Stück Geschichte dieser Uhr kann man auch auf der Rückseite nachlesen. Da haben sich Uhrmacher in kyrillischer Schrift Verewigt.
Mir war sofort klar, diese Uhr muss wieder nach Deutschland zurück. Problem inzwischen zählte sie in der Ukraine zu Antiquariat und darf laut Zoll nicht ausgeführt werden. Damit war ein Transport
nach Deutschland auf dem Luftweg unmöglich. Doch mit dem Bus könnte es gehen. Genauso kam die Becker zurück nach Deutschland. Nun hängt sie seit einigen Jahren bei uns.
Ich denke ,wenn sie könnte hätte diese Uhr viel zu erzählen.
Becker Regulator.jpg
 
Der Stromer

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Schöne, originale Uhr aus der Gründerzeit. Dem Gehäuse nach so um 1890 - 1900 herum. Genaues kann da aber nur das Werk und da wiederum die hintere Platine verraten.

Ps.: Gustav Becker war in Freiburg / Schlesien beheimatet. Und dieses Schlesien hat mit den heutigen Deutschland nichts mehr zu Tun. Also, wenn zurück, dann nach Świebodzice:super:

Am 31. Dezember 1899 hörte die Firma Gustav Becker auf zu existieren. Sie ging sang- und Klanglos in der Konkursmasse von 9 weiteren Uhrenherstellern aus dem Raum Freiburg in der VFU AG (Vereinigte Freiburger Uhrenfabriken inklusive ehemals Gustav Becker Aktien Gesellschaft) auf. Eine Gehäuseschreinerei kam 1 Jahr später noch dazu. Hauptaktionär war die Berliner Bank, welche die Leitung der Firma an zwei Brüder Becker (Kaufmännische und technische Leitung) übergab. Diese beiden Herren konnten die Verluste nicht verringern, so dass die BB die Leitung an die HAU (Hamburg Amerikanische Uhrenfabrik) übergab. Junghans hat die HAU gefressen (Feindliche Übernahme mit Freitod des Inhabers der HAU) und hat dann natürlich auch die Leitung und das Sagen bei der VFU AG gehabt. In 1936 "raubte" Junghans die VFU AG über Nacht aus und schaffte alles Wertvolle Material und Werkzeuge per Zug nach Schramberg. Der Hintergrund war wohl, dass die Polnische Regierung die existierenden Verträge annullieren wollte. In Freiburg verblieb damit nur noch ein sehr kleiner Teil der Produktion.
Nach dem WKII wurde die Firma Metron, die vorher Gas- und Wasserzähler hergestellt hat, vom Regime beauftragt, auch Uhren her zu stellen. Unter Anderem wurden dann von dieser Firma in den alten (soweit sie noch standen) Fabrikgebäuden Uhren mit dem Prägezeichen GB und Medaille de Or mit gutem Erfolg bis in die 1980er Jahre hergestellt. Vor allem waren das Jahresuhren, die in den Export nach England und die USA gingen. Von da kommen diese Uhren als "Original Gustav Becker" wieder für viel Geld zurück:D:D.

Jahresuhren wurden vor 1900 weder von GB noch von anderen Firmen aus Freiburg hergestellt. Ausnahme: Die Firma Willmann hat eine Serie von ca. 350 Jahresuhren (Werke) auf Kosten des Gutsbesitzers Anton Harder nach einem Amerikanischen Patent her gestellt. Diese Uhr befriedigten wegen der Unzuverlässigkeit nicht, es kam keine Produktion zu Stande. Die Firmenleitung Gustav Becker, bei der A. Harder wegen der Herstellung seiner Jahresuhr auch nach gefragt hat, beschied ihm "Wir werden uns doch mit so einem Spielzeug nicht unseren guten Namen verderben".
Soweit zur Geschichte - in aller kürzester Form - der Uhrenfabriken in und um Freiburg in Schlesien herum.

Zu Deiner Uhr noch folgendes. Ich weiß nicht, warum und wieso jede Uhr mit Pendel, die an einer Wand hängen kann, heute als "Regulator" bezeichnet wird.
Eine Regulator-Uhr ist eine hoch präzise Uhr die zum Abgleich "normaler" Uhren bei der Herstellung oder in Uhrmacherwerkstätten diente. Regulatoren hatten IMMER Gewichtsantrieb über Seile und in den meisten Fällen auch noch ein sehr hochwertiges Kompensationspendel und mindestens eine Graham-Hemmung, meist sogar eine Chronometer-Hemmung (Deine Uhr hat sicher eine Blechanker-Hemmung - Du kannst es am recht lauten Ticken hören). Alles Andere an Uhrenantriebe war zu ungenau, auch konnte sich kaum Jemand - auch wenn Derjenige sehr gut betucht war - einen Regulator leisten.

Also, sei zufrieden mit einer schönen, alten Wanduhr, die sicher eine bewegte Geschichte und viele Jahre auf den Federn hat und es verdient, auch weiterhin in Würde die Zeit zählen zu können. Beim Finanzamt brauchst Du aber wegen dieser Uhr keine Erbschaftssteuer angeben:-P

Vielleicht noch eine Anmerkung, da es in diesem Faden angesprochen wurde: Schlesien war bis zum WKI Deutsches Reichsgebiet. Danach Königreich Polen (Eigentum war durch Verträge geregelt, auch bei den Uhrenfabriken in Freiburg - sie waren Deutsches Eigentum). In den 1930er Jahren wollte Polen dieses Industriegebiet übernehmen, was aber durch die Braunen Verbrecher verhindert wurde (Annexion des Sudetenlandes und anderer Landstriche).

Die Werke in Böhmen gehörten in die k&k - Monarchie (bis 1918) und wurden aus Zoll-technischen Gründen ins Leben gerufen (Fertigprodukte waren mit einem sehr hohen Einfuhrzoll belegt, für Einzelteile wurde jedoch kaum nennenswert Zoll erhoben, wurden doch durch die Montage im Land Arbeitsplätze geschaffen:super: Das betraf nicht nur GB oder Kienzle. Fast jeder Namhafte Hersteller hatte irgendwo eine kleine Fabrik im Grenzgebiet, in der Uhren montiert wurden. In Warschau wurden z.B. auch Uhren dieser Hersteller für das Zarenreich - aus ähnlichen Zoll-technischen Gründen heraus, montiert.

Es lohnt sich wirklich - bei Interesse an alten Uhren - sich etwas mit der (Wirtschafts-) Politik um die 1900 herum zu beschäftigen. Und: Nicht immer stimmt das, was in Firmenmuseen in Hochglanzflyern steht. Vieles wurde Beschönigt, manches Verfremdet und einiges einfach Vergessen. Nicht nur bei den Junghänsen:shock:.
Auch hat des Internet NICHT immer recht:).
 
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outoftime

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Eine schönes Stück Zeitgeschichte, danke fürs Zeigen. Ich habe auch noch eine Gustav Becker Wanduhr irgendwo verpackt rumstehen. Leider ist bei mir das Gehäuse nicht so schön komplett. Der obere Aufsatz fehlt. Meine habe ich einmal bei einer Auktion aufgegabelt.
 
meuseline

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Hallo Stromer,
Danke für die geschichtliche Aufklärung. Natürlich ist mir bekannt das Schlesien nicht mehr deutsch ist. Gustav Becker wird als deutscher Uhrmacher bezeichnet.
 
apollo-star

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Bielefeld - die Stadt, die es nicht gibt.
Bei aller Wertschätzung, lieber Stromer, aber es wundert mich doch sehr, dass Du es immer wieder schaffst, auch wenn es gar keinen Zusammenhang gibt, ein Junghans-Bashing zu betreiben. Hier ging es um eine Becker-Uhr. Und wenn man schon so etwas schreibt, dann sollte man auch Belege bringen. Wo hat Junghans in seinen Prospekten, in seinen Chroniken, in seinen Ausstellungen und Museen verfremdet, gelogen, etwas nicht erwähnt, die Wahrheit verdreht? Ich bin Junghans-Fan, kann aber mit der Wahrheit gut leben. Die Firma ist alt genug, um Fehler gemacht zu haben. Die sollte man auch benennen, aber auch belegen. Sonst ist es nur Bashing.
Schönen Abend noch. Günther
 
Der Stromer

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;-) Lesen, lieber Günther, lesen. Und auch Du Junghansfreak wirst feststellen, dass es wirklich in diesem 4 Jahre alten Faden einige Bezüge zu den von mir beschriebenen Fakten gibt. Egal, ob Junghans oder VFU AG, HAU oder gar Gustav Becker.
Übrigens hat Junghans in Freiburg mal eine sehr kleine Serie von Jahresuhren herstellen lassen. Diese sind heute sehr gesucht und entsprechend teuer. (Jetzt wieder der "Junghansnichtmöger") Diese Uhren waren mit der Marke Junghansstern versehen und wurden daher - Junghans hatte in Schlesien einen sehr schlechten Ruf als Arbeitgeber - nicht gekauft. Warum diese Produktion in Schramberg nie fortgesetzt wurde? Keine Ahnung. Aber vielleicht weiß Günther was darüber???

Zu Freiburg in Schlesien: Bitte das ":super:" nicht missverstehen. Selbstverständlich war Freiburg in Schlesien bis zum Ende des WKII, zum großen Teil zu Unrecht, Deutsches Staatsgebiet, Aber wenn geschrieben wird ".... zurück nach Deutschland...." kann eben nicht Freiburg in Schlesien gemeint sein, oder?
 
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desmodiavolo

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Hallo,
ich hoffe es ist legitim sich hier an ein Thema anzuhängen.

Ich habe eine Wanduhr geerbt und wüßte gern um welchen Jahrgang es sich handelt und ob sich eine Revision lohnt.

IMG_2623.jpg
DSCI1149 (1).jpg
IMG_2629.jpg
IMG_2624.jpg
IMG_2626.jpg

Danke im Voraus !
 
Der Stromer

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Hallo, desmodiavolo.

Erst einmal ein herzliches Willkommen hier im Forum der Uhren-Narren:D.

Sicher ist es legitim, sich an einen, wenn auch alten, Faden an zu hängen. Besser (wegen der Übersicht) wäre es jedoch, einen neuen auf zu machen.

Zur Uhr: Da steht zwar schön und für jeden sichtbar "Gustav Becker" auf dem Zifferblatt, aber das wurde von GB so nie gemarkt. GB hatte nur auf dem Werk die Firmenmarke und ab 1875 auch die Medaille de or und immer eine Serien-Nummer. Das alles ist bei Deiner Uhr leider nicht zu sehen.

Diese Uhr wurde von Junghans hergestellt und zwar kenntlich an dem "Amerikaner-Werk", der Werksbezeichnung W277. Diese Werke wurden in allen Uhren, die zum Junghans-Clan gehörten, verbaut. Z.B. auch in Uhren, die mit HAU gemarkt waren. Ob die Uhr nun in Freiburg / Schlesien produziert wurde, wage ich auch zu bezweifeln.

Ein wenig zur Geschichte:
Die Firma Gustav Becker wurde im Jahr 1847 in Freiburg / Schlesien gegründet. Es wurden alle Arten von Uhren hergestellt, von guter Qualität. Die Gehäuse der Uhren wurden in einer anderen Fabrik dazu gekauft. um 1899 herum kam auch GB - wie viele andere Uhrenhersteller auch - in finanzielle Schwierigkeiten, die dazu führten, dass der Hauptaktionär, die Berliner Bank, 10 Uhrenfabriken im Freiburger Raum zwangsvereinigte zur VFU AG (Vereinigte Freiburger Uhrenfabriken inklusive ehemals Gustav Becker Aktien Gesellschaft). Ab ca. 1912 übernahm die Leitung der Geschäfte die HAU (Hamburg-Amerikanische-Uhrenfabrik), die wiederum um 1929 von der Firma JUNGHANS geschluckt wurde. 1936 wurde die Produktion bis auf ganz kleine Teile nach Schramberg verlegt.

Eben aus dieser Zeit scheint Deine Uhr auch zu stammen.

Zur Erhaltung:
Das Werk hat eine Revision dringend nötig. Auch das Gehäuse braucht eine neue Politur, dann wird Dir diese Uhr noch lange Freude bereiten. Nur, dass wird sicher nicht billig, wenn es überhaupt noch einen Uhrmacher gibt, der so eine Uhr, die keinen historischen Wert hat, aufarbeiten kann und will.
Beim Finanzamt brauchst Du diesen Ticker sicher nicht an zu geben und eine Gustav Becker ist es auch nicht.

Leider!
 
Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

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Ich gebe auch mal meinen Senf dazu:

das Werk ist einwandfrei ein Junghanswerk, ist aber mit "GB" gepunzt. Hat es da eine Zusammenarbeit gegeben in der Form, dass Junghanswerke bei Gustav Becker gefertigt wurden?

Die Beschriftung auf dem Zifferblatt kommt mir auch irgendwie spanisch vor.
 
Der Stromer

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Rainer, guckst Du oben!?

Junghans hatte nach der HAU bei der VFU AG das sagen und die Produktion in einer Nacht- und Nebelaktion von Freiburg nach Schramberg verlegt. Das war so um 1936 herum. Und ab da wurden Junghans-Werke verbaut, die auch mit "Gustav Becker" gekennzeichnet waren, obwohl es GB seit über 30 Jahren nicht mehr gab. Wird ja heute auch noch so gemacht. Jemand kauft einen Namen und schreibt den dann aufs Zifferblatt:shock:. Nur Junghans hat den Namen nie erstanden, sondern einfach so versucht, den guten Namen von GB zu vermarkten.

Geschichte: Junghans hat mal nach der Übernahme der Hau in Freiburg versucht, Uhren mit dem Namen JUNGHANS zu vermarkten. Das ging gründlich in die Hose! Die Schlesier hatten keine gute Meinung über die Junghänse und boykottierten deren Produkte, der Verkauf von Junghans-Uhren ging drastisch zurück. Und so hat Junghans dann den Namen und die Marke GB wieder ausgegraben und auf seine Werke geprägt.
 
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desmodiavolo

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@Stromer,
vielen Dank.
Hatte mich schon etwas belesen und das auch so vermutet.

Bis vor einigen Jahren ist die Uhr noch gelaufen und da ich den Klang des Uhrwerkes und des Gong´s mag wäre ich durchaus bereit für eine Revision.

Ist eine Revision für 120-150€ realistisch (nur das Werk, das Gehäuse würde ich nur reinigen)?

Wie finde ich einen Uhrmacher der hier Hand anlegt ?
Wenn möglich im Odenwaldkreis.

Leider habe ich schon schlechte Erfahrungen mit Uhrmachern und Revisonen gemacht.
Die Etherna KonTiki meiner Frau wurde 2x von einem "renomierten" Uhrmacher (Ffm, beste Lage) revisioniert und mußte am Ende ins Werk (die es dann "richtig" gemacht haben).
hat mich über 3 Jahre 650€ gekostet ...

Danke & Grüße
Andreas
 
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Regulator Gustav Becker

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