Reglage ETA 2824-2

Diskutiere Reglage ETA 2824-2 im Uhrencafé Forum im Bereich Uhren-Forum; Ich habe eine Frage zur Regulierung eines ETA 2824-2... Bei mehreren Uhren aus meiner Sammlung hab ich die Reglage bereits mit Erfolg vorgenommen...
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Phase-de-Lune

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Ich habe eine Frage zur Regulierung eines ETA 2824-2... Bei mehreren Uhren aus meiner Sammlung hab ich die Reglage bereits mit Erfolg vorgenommen, auch an Seiko und Citizen-Kalibern... Bei den ETA-Kalibern ist mir allerdings aufgefallen, dass die Exzenter-Schraube am ETACHRON-System in allen drei Fällen (Robert Poseidon, zweimal Candino) exakt in der Mittelstellung war und alle drei Uhren eine Abweichung von ca. +20 sec hatten. Erst durch deutliches Regulieren in den Minus-Bereich des Exzenters konnten gute Gangwerte erreicht werden. Ist diese Konstellation normal? Ich hätte erwartet, dass die Mittelstellung, die wohl als Grundeinstellung vorgesehen ist, bessere Gangwerte als die beschriebenen mit sich bringen würde....

Gruß, Michael :)
 
Tictras

Tictras

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Bei meiner Candino mit ETA 2824-2 musste ich auch ein wenig in den Minusbereich gehen, um einen Gangwert von 3 sec Vorlauf per day zu erreichen. Es ist anscheinend so, dass die exakte Nullstellung einen leichten Vorlauf bewirkt.
 
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Phase-de-Lune

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Ah ja, dann scheint das ja ein normales Phänomen zu sein....Es wunderte mich aber schon ein bisschen, dass Uhren, die offensichtlich nicht feinreguliert waren, mit einem renommierten ETA-Werk einen solch deutlichen Vorgang hatten (bis zu + 24 sec).... Ich frage mich, wozu sich die Exzenterschraube überhaupt in den Plus-Bereich regeln lässt.... Aber vielleicht hatte ich ja auch nur dreimal Ausreißer in den Fingern, kann natürlich auch sein.... :lol2:

Gruß, Michael :)
 
Junnghannz

Junnghannz

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Phase-de-Lune schrieb:
Es wunderte mich aber schon ein bisschen, dass Uhren, die offensichtlich nicht feinreguliert waren, mit einem renommierten ETA-Werk einen solch deutlichen Vorgang hatten (bis zu + 24 sec)
Wieso wunderte Dich das? Gerade deshalb haben sie ja den Vorgang, WEIL sie eben nicht richtig feinreguliert wurden!


Phase-de-Lune schrieb:
Ich frage mich, wozu sich die Exzenterschraube überhaupt in den Plus-Bereich regeln lässt....
Ganz einfach - damit ein eventuell vorhandener Nachgang ausgeglichen werden kann! :wink:

Plus oder Minus geben lediglich die Richtung an, in die reguliert wird. Die Nullinie gibt dient nur als Orientierungshilfe. Wäre es so, daß eine "auf Null" eingestellte Uhr exakt liefe, könnte man die ganze Feinregulierung auch gleich weglassen.

Mit Sicherheit wirst Du auch Uhrwerke finden, die Du deutlich in den Plus-Bereich drehen mußt, damit sie nicht mehr nachgehen, genauso wie es Werke gibt, die man in den Minus-Bereich drehen muß, damit sie nicht mehr (zu stark) vorlaufen.

Generell sollte man Uhrwerke auf einen leichten Vorgang einjustieren, um die Gefahr einzudämmen, daß sie in absehbarer Zeit nachgehen werden.
Mit Veränderungen im Gangverhalten, die entweder recht plötzlich auftreten oder sich über einen längeren Zeitraum entwickeln, muß man bei mechanischen Uhrwerken sowieso immer rechnen. Es gibt so viele Dinge, die das Gangverhalten eines mechanischen Werks beeinflussen können (Gleichmäßigkeit der Federkraft der Antriebsfeder, Fertigungstoleranzen der Bauteile, Verteilung der Schmierstoffe im Uhrwerk bzw. deren Alter, Tragegewohnheiten des Uhrenbesitzers, Temperaturschwankungen, Magnetfelder etc.), daß man sich eigentlich schon wundern muß, daß sich mit einem solchen Uhrwerk überhaupt so gute Gangwerte erzielen lassen, wie wir sie gewohnt sind.

Jedes Uhrwerk ist hinsichtlich des Gangverhaltens ein Unikat. Es gibt keine zwei Uhrwerke desselben Typs, die ein identisches Gangverhalten aufweisen, auch bei sorgfältigster Regulierung nicht. Gerade diese Umstände machen für mich auch einen Großteil der Faszination aus, die mechanische Uhren haben!

Tendenzen lassen sich aber durchaus erkennen: So reguliere ich meine Citizen 82XX-Kaliber nach Möglichkeit auf 3-5 Sekunden Vorgang pro Tag bei Vollaufzug in der Lage "Zifferblatt" oben ein, da sie so bei regelmäßigem Tragen tagsüber und Ablegen über Nacht oft auf einen hervorragenden durchschnittlichen täglichen Gang kommen. Letztendlich hilft aber nur Ausprobieren!


Viele Grüße

Wolfgang
 
Tictras

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Sehr schön erklärt, Wolfgang!
 
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Phase-de-Lune

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Daanke, junnghannz, für die ausführlichen Erläuterungen! Eine Anmerkung noch: Es war klar, dass das nicht feinregulierte Werk keine guten Gangwerte haben kann, ich war nur etwas erstaunt, dass dieser Wert bei einem ETA-Werk so hoch war, hätte da mit weniger gerechnet....

Gruß, Michael :)
 
Junnghannz

Junnghannz

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Phase-de-Lune schrieb:
Eine Anmerkung noch: Es war klar, dass das nicht feinregulierte Werk keine guten Gangwerte haben kann, ich war nur etwas erstaunt, dass dieser Wert bei einem ETA-Werk so hoch war, hätte da mit weniger gerechnet....
Der Witz ist: Nicht feinregulierte Werke können durchaus auch mal sehr gute Gangwerte haben (sofern die Grundqualität des Werkes stimmt), nur ist dieser Umstand dann ausschließlich dem Zufall zu verdanken. Ob es sich dabei z. B. um ein ETA 2824-2, ein Seiko 7S26A, ein Citizen 8203 oder ein Rolex 3135 handelt, ist weniger wichtig, entscheidend ist vielmehr, wie sorgfältig der Regulierer gearbeitet hat!


Viele Grüße

Wolfgang
 
Tourbi

Tourbi

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Junnghannz schrieb:
Phase-de-Lune schrieb:
Eine Anmerkung noch: Es war klar, dass das nicht feinregulierte Werk keine guten Gangwerte haben kann, ich war nur etwas erstaunt, dass dieser Wert bei einem ETA-Werk so hoch war, hätte da mit weniger gerechnet....
Der Witz ist: Nicht feinregulierte Werke können durchaus auch mal sehr gute Gangwerte haben (sofern die Grundqualität des Werkes stimmt), nur ist dieser Umstand dann ausschließlich dem Zufall zu verdanken. Ob es sich dabei z. B. um ein ETA 2824-2, ein Seiko 7S26A, ein Citizen 8203 oder ein Rolex 3135 handelt, ist weniger wichtig, entscheidend ist vielmehr, wie sorgfältig der Regulierer gearbeitet hat!


Viele Grüße

Wolfgang
Diese Werke werden bei der ETA nicht einreguliert! Bei der Montage wird ein durch Tests ermittelter Winkel zwischen Spiralklötzchenhebel und Rückerhebel eingehalten. Die Exzenter-Schraube soll dann genau mittig stehen, um eine spätere Feinreglage in beide Richtungen zu ermöglichen. Mit dieser Grundeinstellung laufen diese Werke bis zu 30sek im Plus. Die Feinregulierung liegt dann beim Uhrenbauer, oder bei der ETA. Was natürlich in beiden Fällen die Uhren verteuert.
Noch was zu den Ausnahme-Fällen. Ich hab von einem Uhrmacher fünf 2824-2 bekommen. Neu und unverbaut. Vier davon liefen mit +16 bis +25.
Eins aber mit -3. Dieses Werk hab ich zerlegt, gereinigt,wieder montiert und auf der Zeitwaage reguliert. Es läuft jetzt mit einem mittleren Gang von +0,2sek in einem ehemaligen China-Ticker.

Gruß
Tourbi
 
N

Newsman

Gast
Schließe mich dem Beifall an. Erklären kann der junghannz :-D , das ist schon mal sicher. Und auskennen tut er sich auch.

Ich kann hier bestensfalls Erfahrungswerte beisteuern. Mit den Gangwerten ist das so eine Sache. Ich habe mir vor einem guten halben Jahr einen Russen zugelegt. Moskau Classic mit Poljot-Werk. Hat rund 300 Euro gekostet.

Ausgepackt... in die stabile Seiten-, Kopf-, Bauch- und Rückenlage gebracht. Dann an den Arm damit... und Gangwerte, die bei 1,5 Sekunden, maximal 2 Sekunden pro Tag liegen. Und da war nix feinreguliert. Man muss auch mal Glück haben, kann allerdings auch Pech haben mit teuren Werken. Bin gespannt, wie lange das bei dem Russen so bleibt.

Gruß vom news 8)
 
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