Quarzwerk unadjusted ?

Diskutiere Quarzwerk unadjusted ? im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Auf vielen (den meisten? allen?) Quarzwerken steht "unadjusted". Kann mir bitte jemand erklären, was und warum da "unadjusted" ist? Gibt es auch...
el_relojero

el_relojero

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Auf vielen (den meisten? allen?) Quarzwerken steht "unadjusted".
Kann mir bitte jemand erklären, was und warum da "unadjusted" ist?
Gibt es auch Werke, die "adjusted" sind? Sind die besser / teuerer?
Bin dankbar für Aufklärung.

Meint man damit die Thermo-Kompensation? Dafür scheint mir "unadjusted" nicht sehr treffend.
Die Suchfunktion habe ich bemüht, aber ohne Erfolg.
 
Oelfinger

Oelfinger

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Das hängt mit dem Export in die USA zusammen. Irgendwelche Zollbestimmungen. Gibt es auch bei mechanischen Uhrwerken, die nach USA gehen.

Grüsse,

Günter
 
el_relojero

el_relojero

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@ZaphodB und Oelfinger:

Danke, ihr habt mir die Augen geöffnet. Es handelt sich um bürokratischen Schwachsinn.

Besonders gut gefällt mir folgendes Zitat aus dem Link von Thomas (ZaphodB):
"In der EU gibt es Erbsenhirne, die Vorschriften über die Krümmung von Bananen und Gurken ersinnen. Solche genetischen Fehlbildungen sind natürlich nicht auf Europa begrenzt - es gibt sie auch in den USA ..."

In diesem Sinne: Ein "cheers" auf den Zoll und seine Zöllner :prost:
 
S

santiago

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Hallo!
Diese Geschichte mit den Schutzzöllen kannte ich noch nicht. Soweit ich es verstehe versuchte man so in den 30/40er Jahren die marode amerikanische Uhrenindustrie zu unterstützen.

Heute hat dies IMHO keine Bedeutung mehr und es wird nur aus Kostengründen auf eine Regulierung verzichtet. Ich habe jedenfalls noch nie eine "Cased in USA" G-Shock oder Seiko gesehen 8-)

Gruß
santiago
 
el_relojero

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@santiago:

Ich hatte die Story so verstanden, dass die Werke sehr wohl "adjusted" sind, aber als "unadjusted" beschriftet werden. Dann werden sie nach USA exportiert, um dort in ein Gehäuse eingebaut zu werden, damit die Uhr als "made in USA" deklariert werden kann. Mit einem "adjusted movement" wäre das "made in USA" nicht möglich (eben wegen des "Bananen-Krümmungs-Gesetzes").
 
S

santiago

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Hallo!
Gäbe es heute noch nennenswerte Schutzzölle für Uhren bzw. Werke hätten die japanischen Hersteller ähnlich wie bei den Autos/Motorrädern doch sicherlich längst eigene Fabriken in den USA:hmm:

Mir scheint daher das Argument der Kosteneinsparung plausibler und gerade bei Quarzuhren legen IMHO nur wenige Kunden auf die technisch machbare Genauigkeit Wert. Hochwertige Quarzwerke wurden durch die Funktechnologie quasi überflüssig und sind nur mehr für wenige Konsumenten interessant.

Gruß
santiago
 
falko

falko

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Witzigerweise gibt es heute bei Quarzuhren nichts mehr zu regulieren. Die Quarze fallen recht genau kalibriert aus der Maschine und Trimmkondensatoren sind praktisch schon jahrzehntelang abgeschafft.
 
el_relojero

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@santiago:

Kannst Du mir dann erklären, was "adjusted" und "unadjusted" bedeutet?
Der Quarz schwingt doch mit genau 32.768 Hz. Diese Frequenz wird mit 15 Flip-Flops 15mal halbiert. Das gibt genau 1 Hz (32.768 = 2^15), also einen Impuls pro Sekunde. Damit wird über einen kleinen Elektromotor der Sekundenzeiger angetrieben.
Wozu braucht es da noch ein "adjusted", um Geld zu sparen?

Edit:
Ich sehe gerade, falko war etwas schneller und hat bereits in diesem Sinne geantwortet.
 
Zuletzt bearbeitet:
S

santiago

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Hallo!
...Kannst Du mir dann erklären, was "adjusted" und "unadjusted" bedeutet?...Wozu braucht es da noch ein "adjusted", um Geld zu sparen?
Das kommt auf Deine Ansprüche an. Wenn Du mit einer Werksangabe von +-15sec/Monat zufrieden bist ist eine Feineinstellung für Dich eh überflüssig.

Wenn man Quarzwerke möglichst billig aufbaut kommt es zwangsweise zu größeren Toleranzen innerhalb einer Serie. Meine Kinetic läuft derzeit mit +2sec/Monat aber es könnten auch -10 oder +15sec/Monat sein. Seiko hat auch Werke welche +-20sec/Jahr ohne Thermokompensation schaffen aber es gibt halt wenige Kunden die darauf Wert legen.

Thermokompensierte ETA-Werke sind mit +-10 bis 15sec/Jahr spezifiert und bieten zusätzlich noch die Möglichkeit mit 2 Schaltkontakten die Uhr in extrem kleinen Schritten zu justieren. Mit etwas Feinarbeit sollten hier +5sec/Jahr machbar sein aber sowas interessiert dann nur Freaks im HEQ-WUS-Forum :D

Langer Rede kurzer Sinn - Nur eine (möglichst) genaue Quarzuhr ist eine gute Quarzuhr 8-)

Gruß
santiago
 
el_relojero

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Hallo santiago

Irgendwie reden wird aneinander vorbei, habe ich zumindestens den Eindruck.

Natürlich soll eine Quarzuhr eine hohe Ganggenauigkeit haben, je genauer, deste besser.
Die Frage ist: Wie kann man ein fertiges Werk noch justieren? Oder, anders formuliert: Wo ist die "Schraube" zum Justieren?
Wie falco schon sagte: <"Die Quarze fallen recht genau kalibriert aus der Maschine ">, also mit 32.768 Hz.
Sicher werden sie in der Frequenz ein wenig streuen, der eine mag 32.768,3 Hz machen; der andere 32.767,7 Hz. Aber daran lässt sich nachträglich (ohne grossen Aufwand) nichts mehr ändern.
Nach dem Schwingquarz kommen die 15 seriell geschalteten Frequenzteiler (Flip-Flops) - auch an denen lässt sich nichts justieren.
Letztes Glied in der Kette ist der Schrittmotor, und der kriegt halt einen Impuls pro Sekunde, mit einer Genauigkeit von ungefähr 1:100.000. Auch daran lässt sich nichts justieren.
Letztlich geht dann die Quarzuhr so genau, wie der Quarz "aus der Maschine gefallen" ist. Wenn die Genauigkeit 1:100.000 ist, dann geht die Uhr in 100.000 Sek um maximal 1 Sek falsch, also weniger als 1 Sek in 24 h.
An einem derart aufgebauten Werk lässt sich nichts "adjusten"; es ist so, wie es ist.

Natürlich gibt es kompliziertere Werke, z.B. mit Thermokompensation, aber um die geht es hier nicht.

Deswegen kommt mir die anfängliche Erklärung von Oelfinger und ZaphodB. sehr plausibel vor: Umgehung einer Zollvorschrift.
 
BBouvier

BBouvier

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<"Deswegen kommt mir die anfängliche Erklärung von Oelfinger und ZaphodB. sehr plausibel vor:
Umgehung einer Zollvorschrift.
">

Jau.
So ist es:
Einmal eingeführt, bleibt so eine Regelung festgewuchert im Gestrüpp
der Paragrahpen und Gesetze hängen.

Es wird ja auch immer noch per Sondersteuer (Sekt) der Aufbau
der Deutschen Kaiserlichen Marine finanziert.
Und nach 20 Jahren Anschluss der DDR an die BRD die Kosten ("Solidarbeitrag") seinerzeit....

In den USA gibt es noch weitere originelle Gesetze:
- In Alabama ist es Männern verboten, einen falschen Schnurrbart zu tragen,
wenn dieser Kirchenbesucher zum Lachen verleiten könnte
- In Tombstone/Arizona ist es Männern wie Frauen über 18 Jahren gesetzlich untersagt,
ihren Mund zu einem Lächeln zu öffnen, wenn dabei mehr als ein fehlender Zahn sichtbar wird
- In Oxford, Ohio ist es Frauen untersagt,
sich vor einem Gemälde oder Photo eines Mannes zu entkleiden
- In St. Louis ist es der Feuerwehr verboten, eine Frau zu retten,
wenn diese nur mit einem Morgenmantel bekleidet ist
- Die Frauen aus dem amerikanischen Bundesstaat Vermont
dürfen ohne schriftliche Erlaubnis ihrer Ehegatten kein künstliches Gebiss tragen

Und England:
- In London/GB ist es illegal, Ehefrauen nach 21 Uhr zu schlagen : - )

Gruss,
BB
 
el_relojero

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Danke, BB, inzwischen bin ich mir über die Bedeutung von "unadjusted" ziemlich sicher.
Was die kuriosen Gesetze in verschiedenen Ländern -speziell USA- betrifft, könntest Du mal eine lange Liste in "small talk" setzen ... ;-)

Soweit ich es verstehe versuchte man so in den 30/40er Jahren die marode amerikanische Uhrenindustrie zu unterstützen.
Diese Vermutung überzeugt mich auch aus folgendem Grund nicht so richtig:
"unadjusted" steht fast immer auf Quarzwerken, selten auf einem mechanischem Kaliber. Und Quarzwerke dieser Art gibt es erst seit ca. 1980 ...
 
S

santiago

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Hallo!
Letztlich geht dann die Quarzuhr so genau, wie der Quarz "aus der Maschine gefallen" ist...An einem derart aufgebauten Werk lässt sich nichts "adjusten"; es ist so, wie es ist...
Diese Meinung teile ich nicht.
Hättest Du recht wären ja alle Hersteller welcher Trimmerschrauben bzw. Trimmerkontakte in ihren Werken einbauen Vollidioten :D

Was die Importgesetze betrifft habe ich wenig Lust lange zu googeln aber wenn es Dich interessiert findest Du in diesem Thread einiges über den Ursprung dieser Schutzzölle.

Gruß
santiago
 
el_relojero

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... wären ja alle Hersteller welcher Trimmerschrauben bzw. Trimmerkontakte in ihren Werken einbauen Vollidioten
Danke für den Link betreff Importgesetze. Werde ich studieren.

Zu den "Trimmerschrauben":
Das war genau der Anlass zu meiner Frage. Meines Wissens hatten die frühen Quarzwerke solche Vorrichtungen; neuere Quarzwerke nicht mehr bzw. nur sehr selten. Liege ich da richtig?
Und die Prägung "unadjusted" finde ich eben genau (auch) auf solchen Werken, die gar keine Möglichkeit zum Justieren haben.


Edit:
Habe jetzt den Link gelesen. Aber der geht doch auch in Richtung "Umgehung von Zoll- bzw. Einfuhrgesetzen".
Dort heisst es wörtlich:
Watch movements that were imported to the US after WWII were commonly marked "unadjusted" to get around tariff laws.
Dass dieser Trick auch in Krisenzeiten genutzt wurde, ist doch ok.
 
Zuletzt bearbeitet:
S

santiago

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Hallo!
Ältere Quarzwerke hatten IMHO häufiger Trimmerschrauben da früher die Werke aufwendiger gebaut wurden und Genauigkeit einen höheren Stellenwert hatte. Heute versucht man nur mehr so kostengünstig wie möglich zu produzieren und dann kostet das Werk halt nur mehr 2,36.- Euro...

Bei meinem Motorrad hatten die ersten beiden Baujahre auch noch einen Kickstarter und eine Verstellmöglichkeit der Druckstufe am hinteren Federbein. Beides wurde später wegrationalisiert um die Fertigungskosten zu drücken.

Interessant wäre zu wissen ob diese Schutzzölle auch heute noch angewendet werden. Vielleicht kommen ja auch noch von anderen Usern Informationen zu diesem Thema.

Gruß
santiago
 
el_relojero

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Hallo santiago

Jetzt senden wir auf der selben Wellenlänge, scheint mir.
Ich würde lediglich noch hinzu fügen, dass die Fertigungstoleranzen bei Schwingquarz und Elektronik heute so minimal sind, das moderne Quarzer gar keine Justier- oder Kalibriervorrichtung brauchen. Sie gehen extrem genau, auch wenn sie nur 2,36 EUR kosten :-P
Wenn eine moderne Quarzuhr in der Ganggenauigkeit nachlässt, liegt es mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht an der Elektronik, sondern an dem bisschen Mechanik, die da drin steckt.

Ach ja: Andere User haben sich doch schon zum Thema geäussert ...
 
falko

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Es ist keineswegs so, dass das "unadjusted) nur auf Quarzwerken zu finden ist. Bei mechanischen Werken ist dieser Aufdruck ebenso oft zu finden (siehe Importgesetze).
Frühe Quarzuhren hatte Trimmer, weil die Schwingquarze nicht so präzise zu fertigen waren und noch von Hand geschnitten wurden. Zuerst verwendete man Stabquarze. Ein solcher Quarz war mindestens um den Faktor 1000 teurer als ein heutiger Stimmgabelquarz und hat auch viel Raum Beansprucht, weswegen die ersten Quarzuhren nicht nur sehr teuer, sondern auch recht voluminös waren.
 
el_relojero

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@falko:

Womit jetzt wohl alles klar ist.
Speziell meine Frage "Warum steht 'unadjusted' drauf, wenn gar nichts zum Justieren drin ist?" wurde ausführlich beantwortet.
Danke.
 
S

santiago

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Hallo!
Warum "eiern" preisgünstige Quarzuhren dann immer noch mit den typischen +-15 sek/Monat herum wenn man heute die Schwingquarze eh so supergenau fertigen kann? Diese Werte wurden doch schon vor 20 Jahren erreicht :confused:

Ob man ein mit +-15sek/Monat spezifiziertes Quarzwerk als extrem genau bezeichnen kann kommt halt auf den eigenen Standpunkt an. Bezogen auf mechanische Uhren ja, bezogen auf die Ansprüche von 99% der Kunden auch ja, bezogen auf das technisch Machbare - IMHO nein.

Bei einer 3000.- Euro Superquartz Breitling oder einer Citizen Chronomaster erwarte ich einfach ein entsprechend hochwertig verarbeitetes Werk mit einer überdurchschnittlich hohen Genauigkeit. Wie bei mechanischen Uhren können natürlich auch billige Quarzwerke sehr genau laufen. Dies ist aber nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit und hat mit der Qualität an sich wenig zu tun.

Gruß
santiago
 
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