Poljot-Beobachtungsuhr im Mahagonikasten

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Durruti

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Geschätzte Taschenuhrliebhaber

Heute möchte ich Euch meine Zweitjüngste vorstellen, es ist eine Beobachtungsuhr der 1. Moskauer Uhrenfabrik Kirowa, später Poljot.

Beobachtungsuhren, auch B-Uhren oder Deckuhren genannt (für viele von Euch wahrscheinlich eine Wiederholung, aber vielleich für einen Newcomer interessant) sind tragbare Uhren im Taschenformat, die für navigatorische Zwecke bestimmt waren. Vor dem Antreten der Schiffsreise musste das Seechronometer zunächst im Hafen (dessen Längengrad bekannt war) mit der dortigen Zeit synchronisiert werden. Dazu musste vom nächsten Observatorium diese Zeit zum Schiff gebracht werden. Für den Zeittransport zwischen dem Observatorium und dem Schiff brauchte man ganggenaue Uhren kleineren Formats, eben B-Uhren. Der Bau dieses Uhrentyps musste folgende Kriterien erfüllen: Qualitativ anspruchsvolles Werk, hochwertige Hemmung, Kompensation des Gangreglers ung grosses Zifferblatt mit klarer Anzeige. (Text "geklaut" von Wikipedia, aber ich habe auch keinen Copyrighthinweis bemerkt...)

Viel Text ohne Bilder, deshalb jetzt die Poljot B-Uhr mit 63 mm Durchmesser und 20 mm Höhe:

004.jpg

005.jpg

Anhang anzeigen 1104051

008.jpg

015.jpg



Verbaut wurde das Kaliber Poljot 2-84 mit 22 Steinen und einem Durchmesser von 22 Linien. Es besitzt eine grosse Schraubenunruhe, indirekte Zentralsekunde, Schwanenhals-Feinregulierung und einen Genfer Streifenschliff. Das Werk entspricht dem Kaliber 4 von Ulysse Nardin; wann die Produktionsstrasse von der Schweiz in die Sowjetunion geliefert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht kann einer von Euch mit dieser Information aufwarten.

012.jpg

Das Alter der Uhr konnte ich nicht herausfinden. Bestimmt stammt sie nicht aus der letzten Serie in den 90er-Jahren, denn dann hätte sie einen serienmässigen Glasboden. Ich schätze sie so ungefähr auf 1960 ein.

Einziger Nachteil der Poljot ist, dass ich weder ein Zertifikat noch einen Gangschein besitze, schade.

Ich hoffe, der seemännische Exkurs hat Euch gefallen und wünsche Euch einen lockeren Wochenstart.

Peter
 
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nobrett

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Schöne Uhr. So eine fehlt mir auch noch!

Aber ein dringender Hinweis: So wie der Rückerzeiger im Minus steht, scheint die Uhr dringend wartungsbedürftig zu sein. Vermutlich ist die Amplitude zu klein und sie wurde dadurch zu schnell und jemand hat sie daraufhin "reguliert". Es tut weder den Lagern des Uhrwerks, noch dem Schwanenhals gut, wenn das nicht gemacht wird.

Gruß
Norbert
 
Bullius

Bullius

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Hallo, sehr schöne Uhr jedenfalls das Uhrwerk ist ja mal ein hingucker.
Glückwunsch dazu, nur hast Du noch ein Bild von der Vorderseite damit man sich ein Gesamtbild machen kann.
Das Gesicht gehört ja nun auch zu der Uhr und so ganz ohne Gesicht geht doch gar nicht.
Auch der Zustand der Uhr scheint ja wie neu zu sein.

Grüße Ralf
 
10-nach-10

10-nach-10

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Schönes Stück Uhrmacherkunst. Das Kaliber heißt Poljot 53303 (steht neben der Marke), wobei 53 für den Werksdurchmesser in mm steht (also rund 23,5 Linien). Soweit mir bekannt, werden Herstellungsdaten meist auf den Platinen vermerkt, und zwar nach dem Schema: Quartal-Jahr. Demnach stammt das Werk aus dem 2. Quartal des Jahres 1994 (schräg links unter der Marke). Daß es sich um ein jüngeres Werk handelt, ist auch an dem Markenzeichen zu erkennen.

Gönnst Du uns evtl. noch ein Foto vom Gesicht?
 
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Durruti

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Hi Norbert

Danke für den Hinweis. Da aber momentan ein bisschen Flaute in der Taschenuhrkasse herrscht und ich die Uhr sowieso nicht regelmässig trage, muss die Revision und Neureglage noch etwas warten.

@ 10-nach-10

Gesichtsfoto sollte jetzt drin sein, sorry hätte nicht passieren dürfen. Und ich sollte nicht alles glauben, was im Netz steht, die "Kaliber-Angabe" 2-84 habe ich aus der Beschreibung der Uhr bei der Pfeiffer-Belli-Auktion bei auctionata.:oops:

Peter
 
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10-nach-10

10-nach-10

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Danke für das Foto " von vorn". Und nebenbei ergibt sich auch, daß der aufs Werk gravierte Herstellungszeitraum (2. Quartal 1994) zum Zifferblatt paßt. Dort steht bei "6": Сделано в России (Sdjelano w Rossii) i.e. Hergestellt in Rußland, also in der Nach-Sowjetära.
 
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kater7

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Sehr schön erhaltene und interessante Uhr, danke für die Vorstellung hier. Der Rückerzeiger steht deutlich im Minus, aber durchaus noch im "normalen" Bereich und keinesfalls außerhalb der "Skala" also ich sehe da für die Schwanenhalsreglage und den "Rest" des Werkes noch keine akute Gefahr. @10-nach-10 hat vollkommen Recht mit der zeitlichen Einschätzung, in den 60ern hätte statt Rossia wohl SSSR (CCCP) gestanden.
 
Unruhgeist

Unruhgeist

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...und last but not least, hier dann noch das Original, von dem sich die Russen haben inspirieren lassen

Gruß,
Unruhgeist
 
Ruebennase

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Moin Peter,
schönes Teil. Ich wurde bei deiner Vorstellung etwas stutzig, dass die "Produktionsstraßen nach Moskau geliefert wurden". Das war meines Wissens nach nicht so. Johannes Altmeppen schreibt dazu, dass die ersten B-Uhren wohl aus von Ulysse Nardin gelieferten Rohwerken entstanden sind. Sie werden vermutlich zusammen mit den Chronometerwerken bereits vor dem Krieg geliefert worden sein. Ein genaues Datum konnte er nicht emitteln. Nach dem Krieg begann der Nachbau Anfang der 50'er und bis 1953 ohne Zierschliff. Bis Anfang der 60'er mit 24 Steinchen wobei dann zwei weg fielen, durch eine Modifizierung am Räderwerk. 1975 wurde Das Zeigestellsystem über die Aufzugskrone verlegt, so dass der Knopf älterer Modelle bei 11.20 weg fiel, wie es hier der Fall ist. Altmeppen bestätigt 10-nach-10, dass das Produktionsdaum Quartal/Jahr auf der Federhausbrücke gestanzt ist. Das nenne ich mal praktisch für den Sammler :-).

Liebe Grüße
 
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10-nach-10

10-nach-10

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Wobei das Aufbewahrungskästchen aus den von Ruebennasebeschriebenen Gründen ganz sicher älter ist: Neben der Aussparung für die Krone findet sich eine weitere: Für das Stellschiffchen, das lt. watchwiki 1977 abgeschafft wurde.

@Ruebennase: Hast Du einen Tip, wo man das von Altmeppen nachlesen kann? Zu sowjetischen/russischen Uhren ist die Quellenlage denkbar dünn, da bin ich wirklich für jeden Hinweis dankbar.
 
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Ruebennase

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Hallo 10-nach-10, erst einmal Danke für den Watch-Wiki link, das Kapitel ist sehr gut und ich habe mich erst einmal fest gelesen. Das Wenige was ich weiß stammt aus einem "Katalog zur Uhrenausstellung Russland International" und gibt es hier :
J. ALTMEPPEN URI Katalog Uhrenausstellung Russland International russian watches | eBay bei Ebay von Juri Levenberg zu kaufen. Eine ISBN Nummer hat es nicht und daher denke ich es ist ein Privatdruck. Es ist mehr ein Heftchen mit zur Hälfte Bildern und einem knappen, aber wie ich finde sehr informativen Texteil, der gut verständlch und klar strukturiert ist.

Liebe Grüße

P.S. Du bist ja Flohmarkt tauglich , die Aussparrung hatte ich überhaupt nicht wahr genommen :-).
 
10-nach-10

10-nach-10

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Ich danke Dir! Dann werd' ich mich mal auf die Suche machen. Als informative, aber leider nicht immer richtige Quellen kenne ich eigentlich nur Levenberg und Ceyp. Hin und wieder gibt es gute Abschnitte im Watchwiki und Uhren-wiki. Speziell für Armbanduhrwerke natürlich Ranfft, na und halt das I-Net (russianwatchguide.com, netgrafik.ch). Ansonsten hilft nur: Selber gucken. Deswegen bin ich auch so dankbar, wenn im UF ab und zu mal was vorgestellt wird, wie hier.

Guten Start in den Tag!

PS: Gekauft :-D - freu!
 
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Durruti

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@ allen, die sich meiner Poljot beschäftigt haben , möchte ich herzlich danken. Ich merke schon, dass mir noch viele Unterlagen fehlen, aus denen Ihr zitieren könnt, meine Literatur beschränkt sich (noch) auf den Meis und einige Bücher über Armbanduhren. Einschränkend muss ich allerdings sagen, dass ich mich kaum weiter mit russischen Uhren beschäftigen werde, das ist weit von meinen ursprünglichen Sammelthemen entfernt, die Poljot habe ich nicht als "Russenuhr" gekauft, sondern als (billige) Alternative zu den B-Uhren von Ulysse Nardin (Danke fürs Vorstellen des Originals), Hamilton usw.

Danke und schönen Abend

Peter
 
Unruhgeist

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PS: Gekauft :-D - freu!
Da wirst du viel Spaß haben mit dem Buchkatalog. Steht eniges wissenswertes drin zu russischen Uhren. Vor allem werden auch die Borduhren ausführlich behandelt. Glaubt man ja gar nicht, was es da für Unterschiede gibt.

Gruß,
Unruhgeist
 
10-nach-10

10-nach-10

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Ein Tip noch: Ein bißchen Kyrillisch lesen, besser noch ein wenig Russisch können, empfinde ich als Muß, wenn man sich mit Uhren sowjetischer/russischer Provenienz beschäftigt. Ich habe gestern mal bei auctionata gestöbert: Das ist ja hanebüchen, was dort in Beschreibungen steht. Z.B. Marke "Kupoba": Das ist eine völlig falsche Transkription des Wortes "Кироба", Kirowa. Oder Marke "Kirova": Die gab/gibt es nicht. Die Fabrik hieß "1. Moskauer Uhrenfabrik 'Kirow'". Kirow war ein russischer Revoluzzer, nach dem die Fabrik benannt wurde. Die Russen schreiben das so: "1-й Московский Часовой Завод имени Кирова" (etwa: Pjerwuj Moskowski Tschasowoi Sawod imeni Kirowa), was wörtlich heißt: Erste Moskauer Uhrenfabrik des Namens Kirow. Kirowa ist also nichts weiter als der Genitiv des Namens Kirow, keine Marke.
 
Unruhgeist

Unruhgeist

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Nun ja, ich kann zwar kein Wort Russisch, bzw. gar Kyrillisch lesen, aber dem Mangel lässt sich abhelfen mit dem Google-Übersetzer. Für die Inschrift einer Taschenuhr habe ich dann zwar mal eine halbe Stunde gebraucht, bis ich da einen sinnvollen Satz "erlesen" konnte, aber letztlich hieß es dann "Uhren für Russland". Und zum Glück stehen im Allgemeinen ja keine Biographien auf den Staubdeckeln.
Es handelte sich übrigens um eine Georges Favre Jacot Taschenuhr, der seinerseits enge geschäftliche Beziehungen zu den Russen pflegte und ganze Produktionsserien dorthin verkaufte.

Gruß,
Unruhgeist
 
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