Poljot 2612 eine Armbanduhr mit Wecker

Diskutiere Poljot 2612 eine Armbanduhr mit Wecker im Anleitungen & Revisionen Forum im Bereich Uhrenwerkstatt; Ich habe letztens die Überreste eines Armbanduhrweckers in der Bucht erstanden. Das hat mich dazu veranlasst, mich mal wieder mit dem Poljot 2612...
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Ich habe letztens die Überreste eines Armbanduhrweckers in der Bucht erstanden. Das hat mich dazu veranlasst, mich mal wieder mit dem Poljot 2612 zu beschäftigen.
01-Ausgangslage.png

Die Uhr hatte kein Glas mehr und der Sekundenzeiger fehlte. Auch der Zapfen des Sekundenrads war abgebrochen. Aber mit einem vorhandenen Spenderwerk kann eigentlich nicht viel schiefgehen.
02-Das-Werk.png

Das Werk hat drei Brücken. Unter der links oben liegt das Federhaus für die Uhr. Rechts ist die Brücke für Federhaus, das Betätigungsrad sowie den Hammer des Weckers. Unter der mittleren liegt das Kleinboden-, das Sekunden- und das Ankerrad.
03-Zifferblattschraube.png

Ich entferne zunächst das Zifferblatt. Dazu muss man die beiden seitlichen Halteschrauben lösen.
04-ZB-Seite.png

Auf der Zifferblattseite liegt oberhalb der Zeiger-Wellen eine Feder, die unter das Stundenrad greift. Das Stundenrad hat drei Zapfen, die in einer Position in die drei Aussparungen des Rads für die Weck-Zeit greifen. Ist das der Fall kann die Feder das Rad etwas nach oben drücken und das rechte Ende der Feder gibt den Hammer des Weckers frei.
Die Kronen-Mechanik für das Gangwerk hat einen Schiebetrieb, wie heute bei fast allen Uhren üblich. Die Mechanik des Weckers ist über eine Wippe realisiert. Bei gezogener Krone kann die Weckzeit gegen den Uhrzeigersinn gestellt werden. Außerdem ist der Weck-Mechanismus durch einen Hebel blockiert. Bei gedrückter Krone kann der Wecker aufgezogen werden.
05-Unruh.png

Unter der Unruh liegt, wie bei Poljot üblich eine Distanzscheibe. Das macht die hier ohnehin schon nicht ganz einfache Montage der Unruh noch etwas umständlicher. Vielleicht ist das der Grund, warum der Platinen-Seitige Zapfen der Unruh abgebrochen ist. Zum Glück habe ich vor einer Weile eine NOS Unruh (ohne Kloben) gekauft.
06-Sperrad.png

Ich entferne das Sperrrad und die Sperrklinke.
07-Räder.png

Danach entferne ich die Brücke über den Rädern. Davor hätte ich den Anker ausbauen sollen, denn das Ankerrad bekommt man so nicht wirklich raus.
08-Anker raus.png

Also erst Anker raus (hier ist die Schraube des Klobens schon gelöst) und dann das Ankerrad entnehmen. Im Bild unten habe ich auch schon das Kronrad entfernt. Die Schraube dazu hat ein Linksgewinde, was bei den Poljot Uhren eigentlich immer an der Besonderen Form des Schraubenkopfs zu erkennen ist.
09-Kronrad raus.png

Ich entferne noch die Brücke und das Federhaus. Dann mache ich erst mal auf der anderen Seite weiter.
10-Wecker Rad.png

Ich entferne die Abdeckung über Dem Rad für den Weckzeiger. Unter dem Rad liegt das Stundenrad.
11-Das Stundenrad.png

Auf dem Stundenrad sind die drei Zapfen zu erkennen, die in das Wecker-Rad greifen können. Unten kann man das abgekantete Ende der Feder erkennen und darunter den Zapfen des Hammers erahnen, den die Feder blockiert, wenn Stundenrad und Weckrad nicht im Eingriff sind. Links daneben ist der Hebel zum Abstellen des Weckers bei gezogener Krone.
Ich entferne das Minutenrohr.
12-Minutenrohr.png

Dann entferne ich die Winkelhebelfeder für das Gangwerk.
13-WH-Feder raus.png

Als nächstes kommt der Hebel zum Abstellen des Weckers über die Krone raus (die Ansicht unter der Abdeckung werde ich bei der Montage nachliefern).
14-Abstellhebel.png

Unten ist die Wippe für die Wecker-Krone gut zu erkennen. Das Rad rechts unten greift zum Aufziehen in ein Rad unter dem Federhaus für den Wecker. Über das Rad links kann die Weckzeit gestellt werden. Versucht man die Weckzeit vorwärts zu stellen, gleitet das Rad in die Feder und aus dem Eingriff in das mittlere Rad der Wippe. Jetzt entferne ich die Winkelhebelfeder.
15-WH-Feder-2.png

Dann entnehme ich die Wippe.
16-Wippe raus.png

17-Die Wippe.png

Die Feder für den Wecker ist für Poljot ziemlich untypisch, weil sie einen normalen Endhaken hat.
18-Wecker-Feder.png

Damit sie am Federhausrand eingreifen kann, gibt es einen Halter.
19-Federhaus-Wecker.png

Das mag jetzt umständlich aussehen, aber eine Poljot-Feder mit den Zapfen nach oben und unten richtig ein zu winden ist auch kein Spaß.Da ist es hier schon einfacher das Endstück in Position zu bringen und dann die Feder irgendwie ein zu winden. Beim ersten Aufziehen gleitet dann der Endhaken zum Endstück.
Nach dem Auswinden der Zugfeder mache ich üblicherweise noch ein Foto, um später zu wissen, wie die Feder wieder ein gewunden werden muss.
20-Zugfeder.png

So jetzt habe ich die Uhr zerlegt und 20 Bilder voll. Später geht es dann weiter mit dem Zusammenbau.
 
  • Poljot 2612 eine Armbanduhr mit Wecker Beitrag #2
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Ich beginne den Zusammenbau mit dem Minutenrad.
21-Minutenrad rein.png
Danach setze ich die Räder ein.
22-Räder.png
Dadurch das die Arme der Brücke recht schmal sind lässt sie sich recht einfach aufsetzen, weil alle darunter liegenden Räder leicht zugänglich sind. Auf dem folgenden Bild habe ich auch den Anker schon wieder eingesetzt.
23-Brücke und Anker.png
Dann kommt das Federhaus wieder rein.
24-Federhaus.png
Ich baue die Brücke über dem Federhaus und Kronrad und Sperrrad wieder ein. Auch die alte Unruh habe ich wieder eingebaut. Aber aufgrund des gebrochenen Zapfens läuft sie wirklich nicht mehr richtig (aber man kann's ja mal versuchen).
25-Unruh.png
Also Unruh getauscht und Wecker Federhaus und Brücke eingebaut.
26-Wecker-Brücke.png
So das ging jetzt etwas schnell, also habe ich beim nächsten Werk ein Foto vor dem Einbau der Brücke gemacht. Deshalb ist hier die Unruh wieder messingfarben.
27-Wecker-Mechanik.png
Sobald der Hammer freigegeben wird, treibt die Zugfeder das Zahnrad, das dann den Hammer hin und her bewegt. dieser schlägt gegen einen Zapfen am Gehäusedeckel, der zwischen Hammer und der Brücke liegt (also im Bild über dem Hammer).
Jetzt mache ich auf der anderen Seite weiter. Beim nächsten Wecker habe ich zuerst alles auf der Zifferblatt-Seite montiert und dann die Räder und Brücken auf der anderen Seite eingesetzt. Das hat den Vorteil, dass man das Werk besser einspannen kann, währen man die ZB seitigen Teile montiert. Wenn erst Brücken und Unruh dran sind, ist das nicht mehr so einfach. Aber es hat auch so funktioniert.
Ich baue jetzt die Wippen-Mechanik ein.
28-Wippen-Mechanik.png
Dann die Mechanik für die Krone des Gangwerks.
29-Aufzug-Mechanik.png
Man sollte unbedingt darauf achten das kleine Rad zwischen Schiebetrieb und Wechselrad einzulegen bevor man die Winkelhebelfeder montiert.
Nun lege ich das Stundenrad ein.
30-Stundenrad.png
Darüber kommt das Rad für den Wecker-Zeiger.
31-Weckerrad.png
So nun kommt das schon im ersten Beitrag angekündigte Bild vom Abstellhebel.
32-Abstellhebel.png
Nur noch die Abdeckung drüber und schon ist das Werk fertig.
33-Uhrwerk fertig.png
Nun gut, dem Zifferblatt sieht man immer noch an, dass das Glas längere Zeit gefehlt hat.
34-Die Uhr.png
Das erstaunliche aber ist, dass so ein Wecker relativ genau sein kann. Ich habe in den 90ern einen Wecker von einem Osteuropäischen Händler auf dem Flohmarkt gekauft, der schon im Neuzustand durchaus ein paar Minuten am Tag daneben lag. Erstaunlicherweise hat dieses Werk jetzt eine Abweichung von weniger als 30 Sekunden/Tag über sechs Lagen. Das ist nicht unbedingt auf dem Niveau, das man von einer guten Uhr erwartet, aber man kann damit im alltäglichen Betrieb eine Abweichung von wenigen Sekunden/Tag erreichen,weil man die Uhr ja nicht ständig in einer extremen Lage betreibt.

Ich wünsche Euch noch ein schönes Wochenende,
Christian
 
  • Poljot 2612 eine Armbanduhr mit Wecker Beitrag #3
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Ich weiß nicht wie es Euch geht aber bei Uhren, die ich mal neu gekauft habe, habe ich immer Hemmungen, sie auseinander zu nehmen. Deshalb habe ich an den zwei oben gezeigten Werken geübt, bevor ich mich an die Sturmanskie gemacht habe, die ich vor fast 30 Jahren für stolze 35 DM im Neuzustand auf einem Flohmarkt gekauft habe.
1636991993209.png
Nach dem Reinigen und Ölen lief sie mit etwa +90 Sekunden/Tag. Es kann also sein, dass sie im Neuzustand eine hohe Abweichung hatte, weil sie einfach nicht gut einreguliert war. Ich habe sie vor dem Zerlegen noch mal aufgezogen. Da lief sie mit +1,5 Stunden/Tag. Vermutlich weil das Öl ziemlich verharzt war. Beim herausnehmen des Sekundenrads hatte man das Gefühl, es aus einer engen Gummidichtung zu ziehen.
Außerdem möchte ich noch zwei Bilder nachliefern, die ich in den vorherigen Beiträgen hätte zeigen sollen. Das ist zum einen Der Boden mit dem Zapfen, an den der Hammer schlägt. er wird eingelegt und dann mit einer Art Überwurfmutter verschraubt.
1636996138586.png
Außerdem habe ich das Rad unter dem Wecker Federhaus (auf der ZB Seite) nicht gezeigt. In dieses Rad greift die Wippe zum Aufziehen des Weckers.
1636996268687.png
Hier kann man sehen, wie das Ende der Feder in den Deckel des Federhauses greift. Auf der anderen Seite sieht das ähnlich aus. Das ist schwieriger ein zu winden als eine Feder mit klassischem Endhaken. Da ich keinen Federwinder habe muss ich das per Hand tun. Ich winde dazu etwa zwei bis drei Windungen irgendwie ein und ziehe dann mit der Feder die beiden Windungen im Kreis, während ich auf das Endstück drücke, bis es auf der Unterseite einrastet. Das hört sich schon kompliziert an, ist aber in der Realität noch etwas komplizierter, weil die nur knapp ein gewundene Feder natürlich gern wieder aus dem Federhaus flüchten möchte.

Ich wünsche Euch noch einen schönen Tag,
Christian
 
  • Poljot 2612 eine Armbanduhr mit Wecker Beitrag #4
Cox

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Hallo Christian!
Ich habe heute genau dieses Werk auf den Tisch bekommen und wusste nicht nicht so genau, was ich da vor mir habe. Die Uhr läuft nicht und die Krone für den Wecker fehlt. Eigentlich hatte ich keine große Hoffnung irgendetwas über das Werk zu finden. Und nun.... Tatatataaaa – eine Reparaturanleitung 😁 Das ist der Hammer. Vielen Dank für Deinen sehr ausführlichen Bericht MIT super Bildern. Bessere Voraussetzungen kann ich nicht haben. Mal sehen, was im Werk zum Vorschein kommt.

Gruß
Rainer
 

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