Uhrenbestimmung Pierce Chronograph

Diskutiere Pierce Chronograph im Vintage-Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo liebe Gemeinde, wer kennt die Marke Pirece und dieses Model der Uhr? Bild entfernt - bitte direkten Link zum Bild setzen und nicht Bild...
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andy2002

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Hallo liebe Gemeinde,

wer kennt die Marke Pirece und dieses Model der Uhr?

Bild entfernt - bitte direkten Link zum Bild setzen und nicht Bild via Forenserver hochladen! Danke, Käfer

Was könnte diese Uhr Wert sein und aus welchem Jahr stammt diese?
Habe sie vor vielen Jahren geschenkt bekommen reparieren lassen und meinem
Vater zum Vatertag geschenkt ohne zu wissen was das für eine Uhr ist.
P.S. es ist nicht das Originalbild der Uhr nur ein gefundenes Bild aus dem Netz.
Originales folgt wenn mein Dad mir es gesendet hat.

Grüße

Andy
 
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Oelfinger

Oelfinger

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Da wärest Du in der Vintage-Uhren-Abteilung besser mit vertreten. Und einem Copyrigthvermerk von welche Site das Foto stammt.

Grüsse,

Günter
 
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andy2002

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@Oelfinger
Danke für den Hinweis wegen des Copyrights, habe es gleich geändert.

Wäre ein Mod so nett und würde meinen Beitrag in die Vintage-Uhren-Abteilung verschieben.

Danke

Andy
 
Uhr-Enkel

Uhr-Enkel

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Pierce wurde 1883 in Biel gegründet und brachte es auf 1500 Mitarbeiter bis in den 20er Jahren die Rohwerkelieferanten abhanden kamen. Notgedrungen hatte Pierce dann eigene Werke entwickelt.

Bei der gezeigten Uhr handelt es sich um einen Ein-Drücker-Chronographen mit Tachy- und Telemeterskala, vermutlich aus den 40er Jahren. Das Werk müßte ein Pierce 134 mit 17 Steinen und Flachspirale sein.
 
falko

falko

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Besonderheit dieser Pierce Chronographen ist die vertikale Kupplung, damals eine aussergewöhnliche Neuerung. Diese Kupplung ist bei den Uhren oft defekt. Originale Ersatzteile gibt es nicht mehr, aber findige Uhrmacher haben funktionierenden Ersatz geschaffen. Leider werden Pierce Chronographen nicht sehr hoch gehandelt (meist im Bereich von 300-400 Euro).
 
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Tomcat1960

Gast
Hm, ein Bild wäre jetzt schon hilfreich. Einiges an Informationen ist ja schon hier gesammelt, deshalb füge ich nur noch ein paar Details hinzu.

Pierce begann ab Mitte der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts mit Entwicklung und Bau eigener Rohwerke, nachdem die Krise und nachfolgende Reorganisation der Schweizer Uhrenindustrie die Firma ihrer Rohwerkelieferanten beraubt hatte. Dabei konzentrierten sich die Ingenieure zunächst auf die Entwicklung eines Chronographenwerkes, das die bestehenden Patente (vor allem von Breitling) umging. So ersann man die Vertikalkupplung, bei der mit Betätigung des Drückers der Kraftfluss zum Chronographenteil des Werkes durch "herabsenken" des Antriebsrades in das Basiswerk hergestellt wird. Um diesen Akt, der sich materialmordend anhört und es wohl auch ist, sanfter ausführen zu können, entsannen sich die Ingenieure bei Pierce des Prinzips der Kupplung beim Auto. So presst das Einschalten des Chronographen die stehende Reibscheibe (N), die mit dem Chronographen verbunden ist, in die laufende Reibscheibe (M), die mit dem Basiswerk verbunden ist und lässt den Chronographen laufen - so wie beim Auto das Loslassen des Kupplungspedals die Kupplungsscheibe (mit dem Getriebe verbunden) auf die Schwungscheibe des drehenden Motors presst.

Pierce Chronograph Mechanism.jpg
(Zeichnung aus: Lang/Meis: "Chronograph Wristwatches - To Stop Time", Schiffer Publishing, Atglen, PA (USA) 1993)

Diese wahrhaft meisterliche Ingenieurslösung funktioniert sehr gut - mit einer Einschränkung: das Plastikmaterial, aus dem die Reibscheiben hergestellt sind, altert und zersetzt sich (insbesondere unter der Einwirkung von Chemikalien wie Waschbenzin, die zur Werksreinigung benutzt werden). Eine solcherart zerbröselte Scheibe kann sogar das Werk zum Stillstand bringen. Wie falko richtig schreibt, gibt es Uhrmacher, die die Scheibe im passenden Maß und aus beständigem Material herstellen und so auch die Chronographenfunktionen dieser wunderschönen Uhren wieder herstellen. (Die vertikale Kupplung löste Seiko ohne Reibscheiben bei seinen Werken der Familien 6139 und 6138, und Lemania griff Ende der Siebzigerjahre die Idee wieder auf. (Ich finde gerade nicht, für welches Werk - vielleicht trägt das noch jemand nach?)

Zu den Werken ist zu sagen, dass Pierce zwei eigene Chronographenkaliber vermarktet hat. Etwa um 1930 herum kam das Kaliber 130 auf den Markt. Bei ihm fällt auf, dass, anders als bei anderen Schaltradkalibern jener Zeit, keine Zahnräder des Chronographenmechanismus zu sehen sind. Die Erklärung ist einfach: die Stopsekunde wird direkt angetrieben und der 60-Minuten-Zähler steht mit dem Federhaus im Eingriff - mit Start des Chronographen läuft er also sofort mit und "springt" nicht, wie es bei Chronographen eigentlich üblich ist.

Pierce 130 movement.jpg
(Bild m. frdl. Genehmigung von Antonia Busack, Wedel/Holst.)

Weil dieses "Feature" von den Kunden nicht so recht akzeptiert wurde (und auch der Ganggenauigkeit im Chronographeneinsatz abträglich war), entwickelte man das Kaliber weiter zum "134", bei dem der Minutenzähler über ein Zahnrad angetrieben wird, welches seine Energie wiederum von der Welle des Stopsekundenzeigers bezieht. Ein Mitnehmer schaltet die Minuten dann jeweils weiter.

Mit einem Drücker sieht das Werk so aus:
Black Pierce Movement 134.jpg

...und mit zwei Drückern so:
Pierce37verg_-_07a.jpg
(Bilder mit frdl. Genehmigung von Antonia Busack, Wedel/Holst.)

Pierce baute bis Anfang der Fünfzigerjahre Chronographen mit diesem Werk - im Zweiten Weltkrieg war das Britische Militär größter Kunde der Firma, und viele von der RAF ausgemusterte Piloten kauften sich eine für ihr ziviles Fliegerleben. "Trans Carribbean Airways" machte Pierce-Uhren sogar zur Standardausstattung ihrer Piloten.

Pierce war übrigens der erste Chronographenhersteller, der seine Uhren regelmäßig chronometer-zertifizieren ließ, wie diese Anzeige aus den Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts veranschaulicht:

Pierce Anzeige.jpg
(Bild aus: Kahlert/Mühe/Brunner, "Armbanduhren - Hundert Jahre Entwicklungsgeschichte", 5. Aufl., Callwey-Verlag, München 1996)

Ich liebe diese Uhren wegen ihrer ausgesprochen hochwertigen Verarbeitung und der Schönheit ihrer Zifferblätter:

Pierce 130:
Pierce 130 2711.jpg

Pierce 134 mit einem Drücker und schwarzem "RAF"-Zifferblatt:
Pierce 0308.jpg

... und mit zwei Drückern und dem, wie ich finde, schönsten aller Pierce-Zifferblätter:
Pierce 2809.jpg

Dass sie wenig bekannt und deswegen drastisch unterbewertet sind - immerhin sind die Werke mit Schaltrad und Vertikalkupplung hi-tech vom Feinsten - hat falko schon geschrieben. Ein gut gewartetes Pierce 134 steht einem Valjoux 7x oder 9x in nichts nach.

Nun freue ich mich mit dem Rest der Vintage-Freunde auf Bilder Deiner Uhr ;-)

Viele Grüße
Tomcat
 
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Forget_ Time

Gast
OT: Ich find Pierce echt sammelwürdig. Ich selbst halte die Augen nach einer gut erhaltenen Duofon offen. Pierce ist cool!
 
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Tomcat1960

Gast
@ falko: danke. Als blutiger Laie habe ich eine Weile gebraucht, um den Mechanismus und seine Besonderheit zu verstehen ;-) Hätte man mir gleich gesagt "Stell Dir eine Kupplung wie beim Auto vor..." wäre es einfacher gewesen ... :D

@Forget_ Time: da drücke ich Dir ganz fest die Daumen. Pierce-Uhren (also die der ursprünglichen Firma) waren stets etwas Besonderes. Schade, dass sie die Chronokaliber nach 1945 nicht weiterentwickelt haben - ich denke, im Markt der hochwertigen Chronographen hätten sie sicher bestehen können...

Auch die Duofon (ein Wecker, der in zwei Lautstärken alarmieren konnte) zeugt von der hohen Kunst der Ingenieure bei Pierce, und wenn man auch über die Sinnhaftigkeit der "Correctomatic"-Idee streiten kann (Feinregulierung von außen, ohne die Uhr öffnen zu müssen), eine einzigartige Idee war es doch.

Wonach ich suche ist eine der frühen Pierce-Automatik-Uhren mit Rüttelkaliber. Aber die sind so gut wie ausgestorben, fürchte ich...

[/OFFTOPIC]

Grüße
Tomcat
 
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andy2002

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Hier das original Bild

DSC00225.jpg

Danke an alle die sich hier so viel Mühe gegeben haben, um mich über das schöne
Wunderwerk der Technik aufzuklären.
Wenn ich bei meim Vater bin mache ich bessere Bilder.

@Tomcat1960
Besonderen Dank für Dein ausfühliches Referat. Dafür hätte es in der Schule eine 1+ gegeben ;-)


Grüße

Andy
 
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Tomcat1960

Gast
Hallo Andy,

ja, das ist das Fliegeruhren-Zifferblatt ("RAF-Dial"), wenn auch nicht das echte. Das echte RAF-Dial trägt eine auf Meilen ausgelegte Telemeter-Skala, die auf Deinem Foto ist (wie meine) auf Kilometer geeicht. Interessant finde ich die Zeiger, die sich in ihrer Länge kaum unterscheiden.

Wie ich schon geschrieben habe, sind Pierce-Chronographen meine Lieblingsuhren ;-) - von daher fiel mir das "Referat" nicht schwer :D

Gehen die Chrono-Funktionen bei der Uhr Deines Vaters denn?

Viele Grüße
Tomcat
 
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andy2002

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Hallo nach langer Zeit,

ja die Pierce von meinem Vater läuft einwandfrei.
Sie hat eine kurze Geschichte:
Die Uhr gehörte einem Kraftwerksingenieur der sie nur nur kurz trug.
Er griff in eine Turbine mit der Uhr und magnetisierte diese und ab da lief sie nicht mehr.
Dann lag sie ewig und 3 Tage in irgenwelchen Kisten herum und landete zuletzt in der Spielzeugkiste
von einem Kollegen meines Vaters (Dessen Uhrgroßvater war der Kraftwerksingenieur).
Wir waren bei besagtem Kollegen zum essen eingeladen und ich habe die Uhr aus der Kiste gezogen.
Er schenkte sie mir. Das ist bestimmt 15 Jahre her.
Dann habe ich damit gespielt und habe sie meinem Uhrmacheropa gegeben,
der sie samt Chrono wieder flott machte.
Irgenwann habe ich sie dann meinem Vater zum Vatertag geschenkt.

Ich habe endlich mal ein gutes Bild machen können von der Uhr und habe mir selbst eine bei eBay gekauft.

Links ist meine und rechts die von meinem Vater.

Pierce chrono.jpg
Pierce chrono back.jpg

P.S. die Ziffernblätter von beiden sind 1a erhalten.
Nur das Glas von der meines Vaters ist stark verkratzt und ich habe es mit der Kamera nicht besser hinbekommen.
 
Micha

Micha

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Sehr schöne Uhren danke fürs zeigen !

Viel Freunde weiterhin mit dem Vater| Sohn Pärchen.

Gruß
 
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Pierce Chronograph

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