Patientenverfügung

Diskutiere Patientenverfügung im Small Talk Forum im Bereich Community; Nabend @ all. Sorry, wenn ich es Euch mit diesem Thema belästige, aber ich hätte gerne mal die ein oder andere Meinung von Aussenstehenden zu...

Redskins

Themenstarter
Dabei seit
13.02.2008
Beiträge
334
Ort
jetzt in Bayern
Nabend @ all.

Sorry, wenn ich es Euch mit diesem Thema belästige, aber ich hätte gerne mal die ein oder andere Meinung von Aussenstehenden zu diesem Thema.

Folgendes:
2011 haben meine Eltern ihre Patientenverfügungen verfasst, die mit mir abgesprochen wurden und im Original vorliegen.
Diese wurden auch bei Gericht hinterlegt.
2014 sind wir nach Bayern gezogen und meine Anschrift wurde auf der Patientenverfügung nicht korrigiert.

Jetzt habe ich, am vergangenen Mittwoch, Post vom AG Berlin erhalten, daß mein Vater (ich kürze hier mal den Krankenverlauf ab)
nun künstlich beatmet (Luftröhrenschnitt) und künstlich ernährt wird.
Das Gericht hat vom 7.2.2018 - 26.3.2018 gebraucht, um meine neue Anschrift zu ermitteln. Zwischenzeitlich wurde von Amts wegen einen
Vorsorgebetreuer eingesetzt.
Ich bin also Donnerstag früh gleich nach Berlin und habe meinen Vater (82 Jahre) besucht. Der Anblick war doch recht schockierend,
er war nicht wiederzuerkennen. Einzelheiten erspare ich Euch lieber. Soweit erstmal der Sachverhalt.

So, nun zu dem "Problem":
In der Verfügung steht ausdrücklich, daß er keine Lebenserhaltenden Maßnahmen wünscht und sollten bereits welche vorgenommen
worden sein, dann wünscht er, das er abgeschaltet wird.
Zitat:
Der Bevollmächtigte ist weiter befugt, für mich in allen Angelegenheiten der Gesundheitsvorsorge zu entscheiden, insbesondere

- zu sämtlichen Maßnahmen der Untersuchung des Gesundheitszustandes, zur Einwilligung in Heilbehandlungen und zu ärztlichen Eingriffen
oder zur Ablehnung von Heilbehandlungen oder ärztlichen Eingriffen und auch zum Widerruf von Einwilligungen (also einschliesslich der Erklärung über den Abbruch von Behandlungen durch
medizinisch-technische Hilfsmittel wie etwa Beatmungsmaschinen, künstliche Ernährung und Ähnliches oder die Einstellung der medikamentösen Behandlung wie etwa
durch Zytostatika und Ähnliches).
Die vorstehende Bemächtigung gilt auch, wenn ich aufgrund der Durchführung, desUnterbleibens oder des Abbruchs einer solchen Mßnahme sterben oder einen schweren
und länger dauernden gesundheitlichen Schaden erleiden könnte.
Ich wünsche bei einer unheilbaren Erkrankung keine Maßnahmen zur Verlängerung meines Lebens, sondern lediglich eine beruhigende und schmerzstillende Behandlung.

Ich bin jetzt also in der Situation zwischen abschalten oder nicht. Er wünscht es, keine Frage, aber quasi über Leben und Tod zu entscheiden, ist nicht so einfach.
Dieser Entscheidung fällt mir sehr schwer und die letzten Tage habe ich eigentlich an nichts anderes mehr gedacht.
Über Ostern konnte ich natürlich auch nicht mit dem Richter oder Vorsorgebetreuer reden.

Hattet Ihr bereits ähnliches erfahren oder wie würdet Ihr darauf reagieren?

Danke für Eure Zeit.
 

thomaspan

Dabei seit
01.12.2017
Beiträge
157
Ich bin jetzt also in der Situation zwischen abschalten oder nicht. Er wünscht es, keine Frage, aber quasi über Leben und Tod zu entscheiden, ist nicht so einfach.
Dieser Entscheidung fällt mir sehr schwer und die letzten Tage habe ich eigentlich an nichts anderes mehr gedacht.
Über Ostern konnte ich natürlich auch nicht mit dem Richter oder Vorsorgebetreuer reden.

Wenn es dir hilft: Du triffst keine Entscheidung, denn die hat dein Vater aus guten Gründen bereits 2011 getroffen. Es ist seine Entscheidung, und er hat dich seinerzeit beauftragt, sie später "nur noch" - so schwer und schmerzhaft dies auch sein mag - umzusetzen. Du bist also eine Art Bote mit vorgegebener Marschrichtung.

Das gilt allerdings natürlich nur, wenn keine Verbesserung des Zustands zu erwarten ist.
 
G

Gast004

Gast
Ich meine, dass man anhand der von Dir gegebenen Informationen keinen Rat geben kann, mE verbietet sich ein solcher sogar.
 

grmpf

Dabei seit
28.12.2016
Beiträge
2.362
Ort
Ludwigsburg
Hallo Rainer,

ich sehe es wie Thomas. Du bist in dieser schrecklichen Situation nicht derjeniger der die Entscheidung trifft sondern nur der Bote bzw derjenige der die Durchsetzung der Entscheidung ermöglicht. Die eigentliche Entscheidung wurde von Deinem Vater getroffen.
Da kannst Du Dich glücklich schätzen, schlimmer wäre es, wenn Du die Entscheidung tatsächlich treffen müsstest.
 

Redskins

Themenstarter
Dabei seit
13.02.2008
Beiträge
334
Ort
jetzt in Bayern
Ich meine, dass man anhand der von Dir gegebenen Informationen keinen Rat geben kann, mE verbietet sich ein solcher sogar.

Nach einen Rat habe ich nicht gefragt, meine Entscheidung steht eigentlich fest.
Ich wollte lediglich wissen:
Ich zitiere mich mal selbst:
"Hattet Ihr bereits ähnliches erfahren oder wie würdet Ihr darauf reagieren?"

@thomaspan
Danke.
So etwas habe ich gemeint, sinngemäß entspricht das in etwa auch dem, was in mir vorgeht.
 
G

Gast004

Gast
„Wie würdet Ihr darauf reagieren“ ist ein Rat.

Wenn Deine Entscheidung feststeht, wieso fragst Du dann?
 

Oberlix

Dabei seit
09.10.2007
Beiträge
1.963
Ort
Sande
Da gebe ich Wald recht . Das können und sollten wir nicht beantworten. Rede mit dem Oberarzt ganz in Ruhe, der wird dir helfen oder jemanden nennen mit dem du Deine Zwickmühle bereden kannst. Denn auch wenn dein Vater es wollte triffst du trotzdem eine Entscheidung die du vor dir selber verantworten musst.

Ich wünsche dir in dieser Zeit viel Kraft.
 

mini

Dabei seit
11.08.2009
Beiträge
7.580
Du hast den Krankheitsverlauf abgekürzt und uns Einzelheiten zum Zustand Deines Vaters erspart.
Das ist verständlich und vorbehaltlos richtig.
Genau auf diese käme es aber an, um Dir einen seriösen Rat zu geben.

Ich wünsche Dir gute Ratgeber für die Entscheidung.
Im Sinne Deines Vaters und in Deinem Sinne.

Gruss
Mathias
 

Redskins

Themenstarter
Dabei seit
13.02.2008
Beiträge
334
Ort
jetzt in Bayern
„Wie würdet Ihr darauf reagieren“ ist ein Rat.

Wenn Deine Entscheidung feststeht, wieso fragst Du dann?

Ein Rat ist für mich, wenn ich nicht weiß was ich tun soll und jemanden brauche, der mir sagt was ich tun soll.

Vielleicht nuschel ich auch, aber mich würde lediglich interessieren, wie andere in dieser Situation entscheiden würden,
also weitere Meinung zu diesem Thema.

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Du hast den Krankheitsverlauf abgekürzt und uns Einzelheiten zum Zustand Deines Vaters erspart.
Das ist verständlich und vorbehaltlos richtig.
Genau auf diese käme es aber an, um Dir einen seriösen Rat zu geben.

Ich wünsche Dir gute Ratgeber für die Entscheidung.
Im Sinne Deines Vaters und in Deinem Sinne.

Gruss
Mathias

Hallo Matthias.
Dann müsste ich 4 DIN A 4 Seiten abtippen, ist auch etwas umständlich.
Fakt ist aber, daß er ohne Beatmung und Ernährung nicht mehr leben würde, er steht auch unter Morphin um sein Leiden zu minimieren.
Danke für deine Meinung
 

wolke

Dabei seit
02.03.2008
Beiträge
7.073
Ort
Nahe Berlin
Erstmal möchte ich Dir mein Mitgefühl für diese traurige Situation aussprechen.

Ich war vor einiger Zeit bezüglich meiner Mutter in einer ähnlichen Lage. Meine Mutter hatte auch eine Patientenverfügung mit dem üblichen Inhalt hinterlegt. Ich habe mich dann aber doch für die Anlage einer Magensonde zur Ernährung entschieden, sonst wäre sie wohl verhungert. Ich konnte das einfach nicht, obwohl der Tod damals schon auch erlösend gewesen wäre.

Heute bin ich froh über meine damalige Entscheidung, da meine Mutter sich überraschenderweise doch einigermaßen erholt hat und unser Verhältnis, das immer recht schwierig war, sich seither deutlich verändert / verbessert hat.

Mein Rat wäre: Entscheide so, wie Du es richtig findest. Dein Vater kann nicht entscheiden und seine Verfügung ist nur ein Anhaltspunkt für seine mögliche Entscheidung in der jetzigen Situation. Die Verantwortung liegt bei Dir und ist nicht durch ein sieben Jahre altes Schriftstück zu ersetzen.

Wenn allerdings wirklich garkeine Aussicht auf Erholung besteht (z.B. weil es sich um den Endpunkt einer langen chronischen Erkrankung handelt) ist die Entscheidung in so einem Fall imho nicht so schwer, dann geht es um ein friedliches Einschlafen lassen. Wenn es aber eine akute Verschlechterung, evtl. nach einem Unfall oder einem Schlaganfall ist, finde ich es sehr schwierig und dann ist es eben auch wichtig, dass Du in der Zukunft gut mit der Entscheidung leben kannst.

Ich wünsche Dir viel Kraft in den nächsten Tagen und hoffe, es gibt liebe Menschen in Deinem Leben, die Dich unterstützen.

Alexander
 
Zuletzt bearbeitet:

Redskins

Themenstarter
Dabei seit
13.02.2008
Beiträge
334
Ort
jetzt in Bayern
Erstmal möchte ich Dir mein Mitgefühl für diese traurige Situation aussprechen.

Ich wünsche Dir viel Kraft in den nächsten Tagen und hoffe, es gibt liebe Menschen in Deinem Leben, die Dich unterstützen.

Alexander

Vielen Dank Alexander.

Bevor ich eine Entscheidung treffe, werde ich sowieso erstmal mit dem ein oder anderen Arzt sprechen und versuchen rauszubekommen, wie
die Langzeit Aussichten auf Genesung ist.
Da ich ähnliches schon einmal mit meinem Onkel durchmachte, weiß ich aber auch, daß die (behandelnden Ärzte) einfach keinen Klartext reden,
sondern immer nur drum herum.
Ich werde also versuchen, den aktuellen Krankheitsbericht, einen anderen, neutralen Arzt zu zeigen und hoffe mal, daß er mir reinen Wein einschenken
wird.
 

wolke

Dabei seit
02.03.2008
Beiträge
7.073
Ort
Nahe Berlin
Da ich ähnliches schon einmal mit meinem Onkel durchmachte, weiß ich aber auch, daß die (behandelnden Ärzte) einfach keinen Klartext reden,
sondern immer nur drum herum.

Naja, als behandelnder Arzt muss man seine Worte in so einer Situation schon genau abwägen, jedes kleinen Missverständnis oder jede Fehleinschätzung kann ja existenzielle Folgen haben... Viele Angehörige erwarten auch eine Klarheit, die es aber einfach garnicht gibt. Und: Ärzte sind keine Hellseher.
 

Oelfinger

Dabei seit
03.11.2007
Beiträge
6.973
Meine Eltern hatten eine fast gleichlautende Verfügung. Keine lebensverlängernde Maßnahmen welcher Art auch immer. Sowohl das Krankenhaus als auch das Altenheim waren bei unserem Vater darüber schriftlich informiert und haben sich daran gehalten. Bei unserer Mutter ist bei einem Sturz aus dem Bett eine Herzkammerwand gerissen. Mit fast sofortiger Todesfolge.
 

loginvergesse

Dabei seit
06.11.2017
Beiträge
2.090
Ort
Muc
entscheidend ist nicht dein Wille als Sohn, sondern der mutmaßliche Wille des Patienten.
Und da sehe ich (so wie du den Fall beschrieben hast) schon ein paar Probleme. Zum Beispiel, dass die Patientenverfügung 7 Jahre alt ist.
Zum anderen ist es schwer abzusehen, welche Erkrankung "unheilbar" ist.

So sind Patientenverfügungen häufig so verfasst, dass sich kein Krankenhaus dran halten wird, ohne juristische Konsequenzen zu befürchten.
 

Dille

Dabei seit
11.10.2014
Beiträge
5.828
So eine Frage kann man doch nicht in der Small Talk-Rubrik eines kommerziellen Uhrenforums stellen und diskutieren. :shock:
 

loginvergesse

Dabei seit
06.11.2017
Beiträge
2.090
Ort
Muc
kann man schon. Ist halt die Frage, wie ernst man die Antworten nimmt :)
 

VinC

Dabei seit
29.11.2011
Beiträge
2.546
Dille & loginvergesse, warum soll "Redskins" das nicht hier ausbreiten und sich Stimmen einholen dürfen?

Manchmal hilft es einfach mit "Fremden" über ein Thema zu reden, weil allen anderen der nüchterne Abstand zur Thematik fehlt.

Ich war für einen guten Freund genau in der Situation, er wollte keine lebenserhaltenden Maßnahmen und daran habe ich mich gehalten.

Die Fragen die sich stellen sind eigentlich nur 2:

"was wird in 7 Tagen sein?"
"bekommt er vielleicht sein Leid noch mit und wartet nur darauf endlich gehen zu dürfen?"

Die erste Frage beantworten Mediziner meist mit "es sieht nicht gut aus, aber wir versuchen unser Bestes" und die zweite Frage kann niemand beantworten, am Ende sagt man das die Leute derartig stark sediert sind das sie nichts mitbekommen können, doch wissen tut das niemand.

Jeder sollte genau dieses Thema mit sich selbst ausmachen und sich über die Tragweite von "ja/nein" Entscheidungen bewusst sein, ich möchte nicht das irgendwer jemals für mich solch eine Entscheidung treffen muss.
 

Baumaxe

Dabei seit
16.03.2011
Beiträge
4.828
Ort
Wo ich mich gut fühle
Meine Gedanken, auch wenn sie vielleicht nicht helfen:

1) Mein Wille / Wunsch kann in einer Situtation, die abstrakt ist, stark von einer konkreten Situation abweichen. Das ist bei mir vor bzw. während jedem Zahnarztbesuch so. Es könnte also sein, dass Dein Vater jetzt anders entscheiden würde, wenn er könnte, als zum Zeitpunkt der Verfügung. Spielt das für Dich eine Rolle?

2) Wie würdest Du in vollkommener Unkenntnis des Willens Deines Vaters entscheiden? Würdet Ihr die Situation diskutieren, oder stände das Ergebnis von vorneherein fest?

3) Egal welche Entscheidung Du triffst, kannst Du sie vor Dir vertreten, ohne zur Hilfenahme von 7 Jahre alten Schriftstücken?

Ich glaube, wenn Du diese Fragen beantworten kannst, brauchst Du keine weitere Meinung.
 
G

Gast001

Gast
(...) ich möchte nicht das irgendwer jemals für mich solch eine Entscheidung treffen muss.

Genau dafür ist doch eine Patientenverfügung da, dachte ich?

@ redskin: das wäre auch meine Antwort an dich. Dein Vater hat diese Verfügung geschrieben, damit eben niemand sonst die Verantwortung für seinen würdigen Tod übernehmen muss.

Ich wünsche dir auf jeden Fall Kraft, und dass du die richtige Entscheidung triffst.
 

mopro

Dabei seit
13.05.2011
Beiträge
195
War bei uns ende letzten Jahres auch ähnlich, habe alles so entschieden wie Vaddern es wollte. Das war nicht einfach, ist immer noch nicht einfach.
 
Thema:

Patientenverfügung

Patientenverfügung - Ähnliche Themen

Kennt sich wer mit dem Thema "Patientenverfügung" aus?: Hallo zusammen, Ja, es ist teils schon merkwürdig mit welchen Themen wir hier landen. Allerdings sind wir ja breit gefächert aufgestellt, und...
Oben