Uhrenbestimmung Opa's Nachlass (Taschenuhr mit Schlüsselaufzug)

Diskutiere Opa's Nachlass (Taschenuhr mit Schlüsselaufzug) im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Hallo Taschenuhr-Profis. Ich war ein paar Tage in der alten Heimat. Als ich mein neues Hobby "mechanische Uhren" erwähnt hatte und darum bat...
JackDaniels83

JackDaniels83

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Hallo Taschenuhr-Profis.
Ich war ein paar Tage in der alten Heimat. Als ich mein neues Hobby "mechanische Uhren" erwähnt hatte und darum bat sämtliche alte Uhren heraus zu kramen war ich sehr überrascht. Es sind 2 Taschenuhren und 3 Armbanduhren geworden. Eine Citizen Handaufzug, eine Kienzel Automatik und eine ZentRa Handaufzug zusammen mit einer Taschenuhr mit Krone (Stiftdrücker zum Zeigerstellen) und einer Taschenuhr mit Schlüsselaufzug lagen auf dem Küchentisch. Es liefen alle nach dem Aufziehen an, außer der besagten Taschenuhr mit Schlüsselaufzug, der Schlüssel fehlte. So sieht sie aus:

vorne.jpg

hinten.jpg

Stempel im Deckel:

stempel_deckel.jpg

Weitere Inschriften im Deckel. Reparaturvermerke?

reparaturmarken.jpg

Innere Abdeckung:

abdeckung_mit_gravur.jpg

Nachdem ich ein paar Schlüssel organisiert hatte war schon mal eines klar. Die Uhr läuft nicht, sie war voll aufgezogen und die Unruh schwingt nicht von selbst, man muss sie anstoßen. Also hab ich das Werk entspannt und entnommen. So sieht es jetzt aus:

Werk hinten:

werk_hinten.jpg

ZB und Zeiger im Detail:

zb_und_zeiger.jpg

Werk vorne mit ZB von hinten:

werk_vorne.jpg

Wäre schön, wenn mir jemand was zur Uhr sagen könnte. Außerdem interessiert mich, ob sie vollständig ist. Auf der Vorderseite vorm Federhaus sieht es so aus, als ob Teile fehlen würden.

Gruß Daniel
 
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Ruebennase

Ruebennase

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Moin JackDaniels,

dieser Schlüsselaufzug entsprcht in seiner Bauweise dem letzten Standartkaliber seiner Art, dem Lepine V. So wie ich es auf den Bildern erkennen kan, scheint nur die Unruhe steingelagert und bedeckt zu sein, während das Zylinderrad im Messinglager dreht. Somit hätten wir "4 Rubies". Das wie so oft fehende Teil, ist das sogenante Malteserkreuz inkl. Stellungsfinger, dass den nutzbaren Bereich der Feder auf den mittleren Bereich begrenzt. Es war zur Entstehungszeit der Uhr sinnvoll, da die alten Stahlfedern am Anfang und am Ende doch eine unterschiedlichen Zug aus übten. Insbesondere bei Zylinderhemmungen führt das dann zu einem ungleichmäßig schnellen Gang. Im Laufe der Jahre wurde das Federmaterial besser. Leider haben dann viele Uhrmacher beim Federersatz das Kreuz einfach weg gelassen. Der Kunde hat es ja nicht gemerkt. Er hat Zeit gespart und es war ja nicht mehr notwendig.
Das zweifarbige Blatt mit der handgeschriebene Minuterie ist wirklich sehr hübsch. Diese Blätter findet man recht häufig um 1880/90. Der Minutenzeiger wurde leider schon mal ersetzt, aber ich habe schon augenfälligere Fehlpaare gesehen.
Die Punzen des Gehäuses kann ich leider nicht zu ordnen. Der Staubdeckel ist in jedem Fall versilbert und wie es scheint das Gehäuse ebenfalls Zumindest sind keine Silberpunzen vorhanden, die in der Schweiz ab 1882 und in Deutschand 1886 bindend 1888 eingeführt worden sind. Eventuell ist der äußere Rand auch rotvergoldet, aber das ist auf den Fotos mit der komplett ungeputzten Uhr wahrlich nicht zu erkennen.

Liebe Grüße Rübennase
 
JackDaniels83

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Danke für eure Beiträge. Man lernt jeden Tag dazu. Das Gehäuse hab ich nun von außen gereinigt. Soweit ich sehen kann ist es aus Silber. Es sind keine anderen Metallfarben zu sehen. Lediglich der Staubdeckel ist nicht aus Silber. Könnte Messing oder Kupfer mit dünner Silberschicht sein. Innen hab ich das Gehäuse belassen wie es war, damit ich nicht versehentlich die Punzen oder Reparaturverweise zerstöre.

Ich hab auch versucht das Glas zu polieren, ohne Erfolg. Aus was wurden die i.d.R. gemacht?
 
Ruebennase

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Mineralglas ist es. Für Lepineuhren sind eigentlich alle Standartgrößen noch gut erhältlich. Polieren/schleifen mit Diamantpsten in aufsteigender Körnung ist möglich, aber in diesem Fall würde ich mir der Einfachheit halber ein Neues gönnen, da das alte Glas zum sauberen Messen noch da ist.
Hier eine empfehlenswerte Bezugsquelle:

http://www.ebay.de/itm/UHRENGLAS-Glaser-fur-Taschenuhren-AUSWAHL-in-1-10mm-Grosen-/261232627469?hash=item3cd2ad8f0d

Einfach das alte vorsichtig heraus drücken und mit der Schublehre auf 1/10 tel genau messen. 41,4 mm entspricht dann ein 414er Glas usw.

Lohnt sich immer :-)
 
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JackDaniels83

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Aha, vielen Dank. Funktioniert genau so wie du gesagt hast. Hab mich nur nicht getraut das Glas zu entfernen, weil ich nicht wusste, wie es befestigt und aus was es gemacht ist.

Es hat 44,2mm (44,09 bis 44,22). Dann werd ich mal ein 44,2er bestellen.
 
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JackDaniels83

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Hab das Uhrwerk bis auf Federhaus mit Brücke, Unruh mit Kloben und Minutenrad mit Brücke zerlegte und muss sagen, dass es für mich als Laien katastrophal aussieht. Die Zähne auf dem Federhaus sind stark eingelaufen, sämtliche Lager scheinen Ausgeschlagen und/oder angefressen zu sein. Selbst die Laufflächen in und auf den Steinen der Lagerung sehen fürchterlich aus. Ich denke, ich begebe mich auf die Suche nach einem Spenderwerk, oder sehen die Teile bei einem so alten Werk einfach so grob aus?
 
Ruebennase

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Angefressene Lager sollte natürlich in gar keinem Fall sein. Messinglager sind naturbedingt nicht so solide wenn gehärtete Stahlzapfen darin drehen wie Rubinlager der mohshärte 9. Bist Du dir sicher, dass es im Unruhelager nicht nur Dreck ist. Die Steine sind eigentlich heile oder Geröll bzw. gerissen.
Angelaufen ..na und ?..mach es wieder hübsch. Das Werk ist um die 100 Jahre alt und Messing und Co. laufen halt an. Die Platinen sind vergoldet, daher passiert es dort nicht. Bei den alten Werken dieser Klasse sehen die Werke in der Tat grob aus. Hat doch Charakter :-). Wäre dein Großvater hoch herrschaftlich gewesen, sähe die Uhr natürlich vollkommen Anders aus. Trotzdem vergesse nicht, die Uhr hat er nicht nebenbei gekauft. Das er zwei hatte ist schon fast überraschend, den eine Uhr hat üblicher Weise für ein Leben gelangt. Schlecht scheint es ihm wirtschaftlich vor 1900 nicht gegangen zu sein, dass er auf den modernen Kronenaufzug umstellen konnte. Die reicheren Großbauern hatten natürlich eine goldene Sonntagsuhr ergänzend zu der silbernen Alltagsuhr...so wie die "Gute Stube" mit dem feinen Geschirr und den schönen Möbeln, die nur zu besonderen Anlässen und Sonntags verwendet wurde.

Liebe Grüße
 
JackDaniels83

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Hab die Teile mittlerweile gereinigt. In der Tat war das Meiste Schmutz. Die Steine sehen gut aus. Diverse sonstige Lager sind allerdings deutlich eingelaufen (oval). Darunter auch das Rad, das sich an das Hemmungsrad anschließt. Weißt jemand, ob ich das Federhaus demontieren und zerlegen kann ohne dass mit der Feder was passiert? Die Brücke hängt noch dran und soll zur Reinigung verschwinden. Siehe Bilder:

IMG_4571.jpg

IMG_4570.jpg

IMG_4569.jpg

Gereinigt wurde alles in einer Lösung aus warmem Wasser, Schmierseife und Ammoniak. Hat wunderbar geklappt. Anschließend mit Wasser gespült und mit Alkohol "getrocknet". Dann hab ich mich mit Zahnstochern über die Lager her gemacht. Leider kann ich keine Detailfotos machen, weil die Kamera das nicht zulässt. Gibt es bezahlbare Aufsätze für's Mikroskop?
 
Ruebennase

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Komisch ..eigentlich müßten sich die Brücke und das Federhaus leicht voneinander trennen lassen und sind nur zusammen gesteckt. Die "schwere" Stelle ist eigentlich die mittlere Brücke vom Minutentrieb zu schlagen und das hast Du offensichtlich gemeistert.

Wenn Du den Federhausboden aufkippelst und die Feder entnimmst, wird sie dir entgegen springen. Sie ist bei diesen Uhren in der Regel im Federhaus locker eingeharkt. Passieren sollte da nichts, wenn sie noch tacko ist. Das rein drehen ist halt ein wenig puzzelig, aber wie Du es planst, in keinem Fall die Stahlfeder in wässriger Ammoniaklösung mit samt Haus baden lassen. Das gibt definiiv zerstörrenden Rost in nächster Zukunft.

Liebe Grüße
 
F

FritzP

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Komisch ..eigentlich müßten sich die Brücke und das Federhaus leicht voneinander trennen lassen und sind nur zusammen gesteckt.
Liebe Grüße
Da wird es sich wohl um einen zweiteiligen Federkern handeln. Der ist innen mit Gewinde auf die Federkernwelle geschraubt. Richtung beachten!
Dieser wird Rechtsgewinde haben.
Gruß Fritz
 
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JackDaniels83

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d.h. unteren Vierkant festhalten und dann den oberen linksherum ausdrehen?

Ja die Brücke vom Ziegerwerk hab ich ab bekokmmen. Ein Rad war von ZB Seite her auf einen Konus gesteckte. Das Andere nur aufgepresst.
 
F

FritzP

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d.h. unteren Vierkant festhalten und dann den oberen linksherum ausdrehen?
st.
Das kannst Du so lange versuchen, bis einer von beiden seinen Geist aufgibt.
Du mußt zuerst das Federhaus öffnen, die Feder ausbauen und dann kannst Du innen den Federkern mit geeignetem Werkzeug festhalten und außen die Welle drehen.
Der Federkern ist in diesem Fall nur eine kleine Scheibe mit Innengewinde.

Gruß Fritz
 
JackDaniels83

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Danke für die Klarstellung. Was heißt "geeignetes Werkzeug"?
 
JackDaniels83

JackDaniels83

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Vielen Dank. Mit eurer Hilfe hat es geklappt. Es ist nun alles demontiert und gereinigt. Lediglich die Spiralfeder ist noch an der Unruh befestigt und das bleibt sie auch. Der Federkern war in der Tat verschraubt und zwar mittels normalem Rechtsgewinde. Die Spiralfeder hab ich mit samt Spiralklötzchen aus der Bohrung im Unruhkloben gezogen. Die Feder an sich ist noch mit dem Klötzchen verstiftet.

Als nächstes werd ich mir nochmal alle Lagerstellen ansehen und vor allem versuchen das Spiel in der Lagerung des Federhauses zu minimieren, denn die Verzahnung hat schon gelitten.

Die Lagerstelle des an das Hemmungsrad anschließenden Rades ist, wie gesagt, schon leicht oval. Ist es praktikabel das Lager auf der Ständerbohrmaschine aufzubohren, mit einem Stück Messing zu verstopfen und dann, noch in der selben Spannung, den Lagersitz neu zu bohren? Oder ist es besser alles so zu lassen wie es ist, weil die Position der neuen Bohrung mit der Methode zu ungenau wird? Wie macht man das, wenn man es richtig machen will?
 
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