Omega Constellation 123.20.38.21.01.002

Diskutiere Omega Constellation 123.20.38.21.01.002 im Uhrenvorstellungen Forum im Bereich Uhren-Forum; Liebe Uhrenfreunde, Ich möchte heute eine Uhr vorstellen und beschreiben, die seit Kurzem zu meiner kleinen Sammlung gehört. Viele von uns haben...

baltus

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Liebe Uhrenfreunde,
Ich möchte heute eine Uhr vorstellen und beschreiben, die seit Kurzem zu meiner kleinen Sammlung gehört. Viele von uns haben mehrere Uhren, und es ist sicher nicht ungewöhnlich, wenn man im Laufe der Zeit eine Vorliebe für eine bestimmte Uhrenmarke entwickelt. Bei mir ist dies die Marke Omega, und ich habe vor einem Jahr bei der Vorstellung einer weißen Seamaster Planet Ocean erklärt, warum das so ist.

Wenn man in diesem Forum nach neueren Modellen der Reihe "Constellation" von Omega sucht, so findet man nicht viel. Während verschiedene Omega Diver oder z.B. die Speedmaster recht häufig in Wort und Bild erwähnt werden, scheint die Constellation mit ihren derzeit 51 Modellvarianten (!) eher eine Art Schattendasein zu führen. Warum dies so ist, ist mir nicht klar; vielleicht weil man beim Kauf dieser Uhren, erst recht wenn sie einige Finessen besitzen, in eine Preiskategorie vorstößt, die normalerweise Rolex vorbehalten ist.
Ich habe vor Kurzem eine nagelneue Constellation in Stahl mit gelb-goldener Lünette zu einem günstigen Preis erworben. Kommen wir zunächst zu den technischen Details:

Uhrwerk: Kaliber Omega 8500
Automatik Uhrwerk mit Co-Axial Hemmung, freie Unruh-Spiralfeder, zwei Federhäuser, beidseitiger Aufzug, Brücken- und Schwungmasse mit Genfer-Streifen-Arabesken. Gangreserve 60 Stunden.
Uhrenglas: gewölbtes beidseitig anti-reflektierendes Saphirglas
Gehäuse und Zifferblatt: Gehäuse Stahl-Gelbgold, Gehäusedurchmesser 38 mm, Zifferblatt schwarz
Wasserdichtigkeit: 10 Bar
Eigenschaften: Chronometer, Datum, transparenter Gehäuseboden

Nun zu den Einzelheiten, fangen wir mit dem Uhrgehäuse an. Es ist aus Stahl und trägt eine Lünette aus 18-karätigem Gold. Typisch für diese Modellreihe sind die markanten goldenen "Griffes" oder Krappen auf der Lünette. Die Lünette ist nicht etwa ein dünnes Goldblechlein, welches auf dickeren Trägerstahl aufgesetzt ist, sondern ein solider, schätzungsweise einen Milimeter starker Goldring. Die Hülsen, welche die Stifte umschließen, mit denen die einzelnen Glieder des Armbandes verbunden sind, bestehen aus poliertem Goldblech. Wenn ich das Klebchen mit dem Aufdruck "Au750/28.67g" an der Kordel mit dem "Unverbindlichem Richtpreis" richtig deute, so sind an der Uhr insgesamt 28,67 Gramm 750er Gold verarbeitet.
In die Lünette sind Römische Ziffern eingraviert.
Die Lünette ist perfekt konzentrisch satiniert und nicht etwa radial gebürstet, so wie man dies bei anderen Uhren häufig findet. Die markanten Krappen sind hochglanzpoliert und heben sich so elegant von der Lünette ab. Egal ob poliert oder satiniert - das zu drei Vierteln pure Gold ist natürlich butterweich. Die Vorstellung tut weh, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis dieses ästhetisch perfekt gelungene Bild aus der Kombination von bearbeiteten Stahl- und Goldoberflächen zwangsläufig von Kratzern beeinträchtigt sein wird. Wenn man sich mit dieser Vorstellung nicht abfinden will, so kann man die Uhr nur in eine Vitrine sperren und bewundern. Oder man trägt sie, muß aber dann unweigerlich mit Kratzern leben...mal nebenbei: feine Kratzer auf den Krappen bekommt man auch als Laie mit den phantastischen Poliertüchern von "Cape Cod" weg (dies soll keine Schleichwerbung sein, sondern entstammt eigener Erfahrung). Diese Tücher sind natürlich für satinierte Metalle, egal ob Stahl oder Gold, nicht geeignet, denn sie polieren auf Hochglanz. Wenn man aber mutig und geschickt ist, so kann man einer irgendwann verkratzten Satinierung der Lünette oder des Stahlbandes mit einem Metallradierer feinster Körnung von Garriflex zu Leibe rücken - dies habe ich schon bei verkratzten Stahlarmbändern mit ausgezeichnetem Erfolg selbst hinbekommen. Und bei dem viel weicheren Gold wird dies erst recht gehen...natürlich kostet es immer Material, in diesem Falle Gold, welches wegpoliert/weggeschliffen wird. Aber auch bei einer Aufarbeitung bei Omega wird das nicht ohne Materialverlust gehen. Beneidenswert sind deshalb Leute, die solch teure Uhren ganz entspannt als Gebrauchsgegenstand tragen und sich an den Kratzern nicht stören oder sie als die "Spuren, die das Leben schrieb" oder als eine Art "Patina" deuten - vielleicht lerne ich das ja auch noch...

Zurück zur Uhr. Die gut griffige Goldkrone ist ein wenig zwischen den beiden rechten Krappen versenkt und nicht verschraubt - wozu auch, schließlich ist die Uhr ja nur auf 10 bar abgedichtet. Man kann bei Bedarf die Uhr also per Hand aufziehen, ohne die Krone vorher loszuschrauben. Zwar spürt man einen gewissen, wohltuenden Widerstand (da dichtet etwas!) beim manuellen Aufziehen, aber man bricht sich nicht die Finger bei den zwanzig, dreißig Umdrehungen, die das 8500er Werk benötigt, um verläßlich zu laufen. Die Krone rastet gezogen sauber in der ersten Position und schießt nicht über das Ziel hinaus, wenn man nur das Datum verstellen will.

Für die Datumsverstellung muß man übrigens eine ganze Weile an der Krone kurbeln, denn in der 1. gezogenen Position wird nur der Stundenzeiger bewegt und man muß diesen je nach Tageszeit ein- oder zweimal im Kreis herumjagen, bis man beim Datum des nächsten bzw. vorhergehenden Tages ist. Aber das macht Spaß - alles geht butterweich und sauber und exakt, wie sich das für eine 7000€-Uhr gehört. Die Sekunden laufen bei der Verstellung des Datums bzw. des Stundenzeigers übrigens weiter, was praktisch ist, wenn man beispielsweise in eine andere Zeitzone wechseln muß und immer noch sekundengenaue Zeit haben will. In der 2. gezogenen Position bleibt schließlich der Sekundenzeiger stehen, man kann den Minutenzeiger positionieren und den Sekundenzeiger mit dem Zeitzeichen synchronisieren.

Kommen wir nun zum schwarz lackierten Zifferblatt. Lassen wir Omega selbst sprechen: "Das Zifferblatt besteht aus einem umgekehrten "Clous-de-Paris"-Dekor..." (Donnerwetter: wie nobel...!) - "Clous de Paris" ist eine spezielle Art der Zifferblatt-Guillochierung oder -Prägung, bei der kleine quadratische Noppen entstehen. Sie wird auch "Hufnagelmuster" genannt und ist auch vom Modell Audemars Piguet Royal Oak her bekannt. Dieses "umgekehrte Clous-de-Paris Dekor" erinnert ein wenig an die Bespannung eines Tennisschlägers, verleiht der edlen Uhr eine gewisse sportive Note und erzeugt bei unterschiedlichem Lichteinfall interessante grafische Effekte. Durch den hohen Kontrast zwischen den goldenen Zeigern und dem schwarzen Zifferblatt ist die Uhr sehr gut ablesbar; im Schummerlicht muß man besonders beim feinen Sekundenzeiger etwas genauer hinsehen.

Der Minuten- und der Stundenzeiger sowie die Sekundenindizes sind mit Luminova-Leuchtmasse versehen. Diese Uhr ist eine Dress- und keine Toolwatch. Daher darf man auch nicht erwarten, dass man die Uhr fast als "Taschenlampe" verwenden kann, so wie dies bei manchen Divern mit großflächiger Leuchtbeschichtung der Zeiger oder der Ziffern der Fall ist. Die volle Leuchtkraft der Zeiger wird bereits nach wenigen Sekunden Sonneneinstrahlung erreicht, allerdings verblassen die Zeiger nach wenigen Minuten schon wieder. Mir ist leider noch keine Uhr untergekommen, bei der die Leuchtkraft länger anhält. Trotzdem ist die Leuchtkraft bei der Constellation völlig ausreichend, um die Zeit abzulesen, wenn man beispielsweise aus dem hellen Sommerlicht in einen dämmrigen Hausflur tritt.

Das Datum erscheint genau zentriert im Datumsfenster und ist von Normalsichtigen auch ohne Lupe gut ablesbar. Der beginnende Datumswechsel ist etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht durch langsame Verschiebung der Datumsziffern zu erkennen und etwa 2-3 Minuten nach Mitternacht abgeschlossen.

Angetrieben wird die Uhr vom selbstverständlich COSC-zertifizierten Omega spezifischen Kaliber CoAxial 8500, welches durch einen Sichtboden aus kratzresistentem Saphirglas bewundert werden kann. Über dieses Werk ist schon viel im Internet geschrieben worden, so dass längere Erörterungen sich hier erübrigen. Ich möchte daher nur einige Dinge erwähnen, die mir sowohl bei der Seamaster (ebenfalls mit 8500er) als auch jetzt bei der Constellation in Hinblick auf das Werk aufgefallen sind. Erstens: das Werk scheint nicht merklich "einzulaufen", sondern läuft schon von Anfang an sehr präzise und ändert sein Laufverhalten auch nach Wochen bzw. Monaten praktisch nicht mehr. Zweitens: das Werk ist aus meiner Sicht perfekt einreguliert. Beim Tragen verliert es eine knappe Sekunde in etwa 12 Stunden. Dieser geringe Zeitverlust wird aber wieder aufgeholt, wenn man die Uhr über Nacht ablegt. In der Praxis bedeutet dies, das man die Uhr bei entsprechendem Trageverhalten praktisch nie zu stellen braucht und trotzdem - wie bei einem Quarzwecker! - fast immer sekundengenaue Zeit hat. Dies fiel mir schon bei dem 8500er der Seamaster auf; die Constellation verhält sich ganz genau so. Ich frage mich, ob Omega bei der Einregulierung diesen Trage-Ablege-Zyklus möglicherweise bewußt mit einkalkuliert hat. Auf jeden Fall ist das Werk nicht auf einen konstanten positiven Vorgang von gleich mehreren Sekunden pro Tag eingeregelt, um die Chronometerspezifikation "gerade noch" nach oben hin einhalten zu können. Kritiker mögen zu Recht dagegen halten, dass diese Beobachtung jeder statistischen Grundlage entbehrt und man von zwei Exemplaren natürlich nicht auf die Gesamtheit schließen kann. Aber es fällt eben auf...drittens: es fasziniert mich immer wieder zu sehen, wie die Uhr nach einem Stillstand durch einige wenige Bewegungen in Gang gesetzt wird. Meine Breitling mit einem B17 (einem wahrscheinlich modifizierten 2824-2, dem "Panzer" von ETA) kommt mir dagegen geradezu "schwerfällig" vor, denn sie muss mit mehreren Umdrehungen der Krone erstmal "angeworfen" werden - das 8500er, feinfühlig wie eine Araberstute, braucht nur wenige Bewegungen bzw. Rotorumdrehungen, und schon fängt der Sekundenzeiger an zu laufen. Hier mag man mir vorwerfen, dass ich "Äpfel mit Birnen" vergleiche. Selbstverständlich habe ich das getan. Das 8500er spielt im Vergleich zu anderen ggf. modifizierten ETA-Kalibern eben in einer anderen Liga, was sich natürlich auch im Preis niederschlägt.

Zum Schluß noch ein paar Worte zum verstifteten Armband. Es trägt sich sehr bequem, passt sich der Anatomie des Handgelenkes perfekt an und ist auch kein "Epilierapparat". Die einzelnen Stahlglieder sind wie das Uhrgehäuse satiniert, die verbindenden Goldhülsen hochglanzpoliert. Die Butterfly-Faltschließe ist nicht verstellbar. Trotzdem kann das Band durch unterschiedlich breite Endglieder sehr genau dem Handgelenksumfang angepasst werden. Allerdings hätte ich mir hier einige verschraubte Glieder gewünscht, um im Bedarfsfall bei einer Anpassung schrauben zu können, aber nicht mit einem Hammer herumschlagen zu müssen.
Natürlich bin ich von dieser Uhr begeistert - sonst hätte ich sie ja nicht gekauft. Durch die gekonnte Kombinationen von guillochiertem schwarzen Zifferblatt, satiniertem Stahl und Gelbgold wirkt sie edel und elegant, aber niemals aufdringlich oder gar protzig. Sie eignet sich zur vornehmen Abendgarderobe, kann aber auch ohne Probleme zu einer gepflegten Jeans getragen werden. Als "Daily-Rocker", bei sportlichen Aktivitäten oder gar zur Gartenarbeit ist sie mir eigentlich zu schade - aber hier mag es Leute geben, die das ganz anders, viel "entspannter" sehen...
Zu guter Letzt noch ein paar Bilder:

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divinitas

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Ganz schicke Omega, :super:

ein Klassiker ohnehin. Welchen Durchmesser hat deine Uhr?

Edit: Ah ja, 38mm, hab's gesehen. Steht dir aber gut. Warum die Constellation in diesem Forum so unterbesetzt ist,

kann ich mir auch nicht erklären. Ich finde diese Reihe von Omega sehr gelungen.
 
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baltus

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Sie hat einen Durchmesser von 38mm, siehe auch techn. Details
 

Mueller27

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Das haut mich ja nun wirklich mal komplett aus den sonntäglichen Puschen !
Eine 8500er Constellation.
Hatten wir sowas hier eigentlich schon mal im Forum?

Jetzt sehe ich auch endlich was den aktuellen Conny-Modellen immer gefehlt hat: Gold. Da muss Gold rein !
Nun sieht die richtig gut und modern aus.

Glückwunsch, Danke für die schöne Vorstellung ( so muss eine Vorstellung aussehen!) und viele Grüße

Carsten
 

Dr. Wu

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Dieses Modell finde ich natürlich hammermäßig! Bei mir hat es leider nur zur Stahlausführung gereicht. Glückwunsch!
 

Constellation

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Glückwunsch zu dieser neuzeitlichen(!) Constellation!:super:. Alles aus einem Guß, perfekt:klatsch:

Du hast Dir bei der Beschreibung sehr viel Mühe gegeben und ich kann nur sagen: sehr richtig ausgeführt, denn die Uhr bietet so viele erwähnenswerte Details, dass da hin und wieder welche auf der Strecke bleiben könnte - aber nicht bei Dir.

Dazu die schönen und aussagekräftigen Bilder (schreib doch mal Omega an, ob sie davon nicht mal einige auf deren homepage übernehmen wollen, denn bei Omega sehen die wundervollen Constellations so steril und unnahbar aus, dabei sind sie erstklassige und Sympathie weckende Uhren für viele Gelegenheiten (ausser der von Dir angesprochenen Gartenarbeit oder sportlichen Aktivitäten (die sie aber durchaus meistern würde)).

Herzlichen Dank für diese sehr lesenswerte Uhrenvorstellung und Dir viel Spaß beim Tragen; und den Spruch mit der Ganggenauigkeit, den spar' ich mir bei dem Kaliber;-)
 
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