Omega 344 - Revisionsbericht einer Hammerautomatik

Diskutiere Omega 344 - Revisionsbericht einer Hammerautomatik im Anleitungen & Revisionen Forum im Bereich Uhrenwerkstatt; Werkhersteller: Omega Kaliber: 344 Funktionen Aufzug: Automatik (Bumper) Zeitanzeige: kleine Sekunde / Minute / Stunde Technische Daten...

Quecksilber

Themenstarter
Dabei seit
18.12.2020
Beiträge
87
Werkhersteller: Omega
Kaliber: 344

Funktionen
Aufzug:
Automatik (Bumper)
Zeitanzeige: kleine Sekunde / Minute / Stunde

Technische Daten
Gangreserve:
42 Stunden
Schlagzahl: 19800 pro Stunde
Größe: 12,5 Linien
Steinanzahl: 17


IMG_20210209_194128.jpg

Hier haben wir eine Omega Seamaster aus den 50ern mit einem Hammerautomatikwerk. Auch wenn die Gangwerke noch ganz gut sind, dürften dennoch die Schmierstoffe vertrocknet sein. Die letzte Revision ist mehr als 10 Jahre her. Besonders bei hochwertigen Uhrwerken, lässt sich der Revisionsbedarf nicht immer mit der Zeitwaage feststellen.

IMG_20210209_194357.jpg

Hier sieht man die schöne Hammerautomatik. Bei einer so einem Werk dreht sich die Schwungmasse nicht um 360° voll durch sondern nur bis 270°. Es pendelt also nur hin und her. Zwei Pufferfedern federn die Schwungmasse ab, wenn sie anstößt.

IMG_20210209_194711.jpg

Jetzt wird das Werk ausgeschalt. Das Werk wird durch eine Werkhaltelasche und auf der anderen Seite durch einen Pin, der ins Gehäuse "eingefädelt wird" gehalten.

IMG_20210209_195055.jpg


IMG_20210209_195719.jpg

Zifferblatt und Zeiger werden abgehoben.

IMG_20210209_200130.jpg

Widmen wir uns dem Uhrwerk.

IMG_20210209_200308.jpg

Zunächst wird die Brücke für die Automatik abgenommen. Sie lagert die Schwungmasse und den Wechsler.

IMG_20210209_200520.jpg

Schwungmasse und Wechsler.

IMG_20210209_200737.jpg


IMG_20210209_200822.jpg

Weiter geht's mit der Vorderseite. Viertelrohr, Unruhlager, Zeigerwerk und Zeigerstellvorrichtung werden abgebaut.
 
Zuletzt bearbeitet:

Quecksilber

Themenstarter
Dabei seit
18.12.2020
Beiträge
87
IMG_20210209_201203.jpg
Mit der Seite sind wird fertig.

IMG_20210209_201209.jpg
Alle Teile der Zeigerstellvorrichtung. In das kleine Sieb habe ich das Unruhlager auch gleich in Sicherheit gebracht.

IMG_20210209_201240.jpg
Wieder weiter mit der Rückseite. Die Schwungmasse wird von beiden Seiten gelagert. Die Untere Brücke dafür nehme ich nun runter. Auch die Unruh wird abgenommen.

IMG_20210209_201647.jpg
Als nächstes die Feder für einer der beiden Klinken vom Wechsler. Auch die Pufferfedern kommen weg. Sie sind übrigens von der Vordersete verschraubt.

IMG_20210209_201833.jpg

IMG_20210209_201845.jpg
Nahaufnahme vom Puffer.

IMG_20210209_202101.jpg
Sperr- und Kronrad sowie das Gesperr werden abgebaut.

IMG_20210209_202128.jpg
Als nächstes der Anker.
IMG_20210209_202340.jpg
Federhaus und Brücke.


IMG_20210209_202456.jpg
Und anschließend das Räderwerk.
 

Quecksilber

Themenstarter
Dabei seit
18.12.2020
Beiträge
87
IMG_20210209_203217.jpg
Die Schmierstoffe sehen wie vermutet nicht mehr wirklich toll aus.

IMG_20210209_203249.jpg
Auch der Schmierstoff vom Kronrad ist total vertocknet.

IMG_20210209_203516.jpg
Die Zugfeder wird jetzt aus dem Federhaus entnommen.

IMG_20210209_203531.jpg
Interessant ist, dass hier eine Handaufzugsfeder eingebaut ist, die in einen separaten Schleppzaum eingehakt wird.

IMG_20210209_203736.jpg
So eine Konstruktion habe ich auch schon in der ETA 2450 Kaliberfamilie gesehen.

IMG_20210209_205740.jpg
Die Uhr ist nun komplett zerlegt. Verschleiß war nicht erkennbar.

IMG_20210326_160001.jpg
Das Werksteile werden mit Ultraschallanwendung ohne Unruh und Anker in der Reinigungsmaschine gereinigt. Das Gehäuse wird ebenso sauber gemacht.

IMG_20210326_161258_edit_105978159778099.jpg

IMG_20210326_163505.jpg
Unruh und Anker kommen separat in die Maschine ohne Ultraschall. Reinigung mit Ultraschallanwendung kann den Schellack lösen. Außerdem kann die Spiralfeder davon schaden nehmen.

IMG_20210326_163738.jpg
Nach der Reinigung werden Anker, Unruhlager und Hemmrad werden epilamisiert.
 

Quecksilber

Themenstarter
Dabei seit
18.12.2020
Beiträge
87
IMG_20210326_164538.jpg
Der Wechsler wird neu gefettet.

IMG_20210326_165216.jpg

IMG_20210326_165902.jpg
Das Federhaus bekommt eine neue Zugfeder. Das alte System behalte ich bei. Auch weil die Aufteilung des Federpakets wieder stimmen muss. Die neue Handaufzugsfeder hat identische Abmessung mit der Alten.

IMG_20210326_170056.jpg
Erst kommt der Schleppzaum rein.

IMG_20210326_171338.jpg
Dann die Zugfeder.

IMG_20210326_171515.jpg
Beginnen wir mit dem Zusammenbau.

IMG_20210326_183112.jpg
Räderwerk, Federhaus und Sperr- mit Kronrad.

IMG_20210326_183744.jpg
Anker und Unruh.

IMG_20210326_183953.jpg
 

Quecksilber

Themenstarter
Dabei seit
18.12.2020
Beiträge
87
IMG_20210326_193250.jpg
Bei der Vorderseite kommt das Unruhlager, Viertelrohr, Zeigerwerk und die Zeigerstellvorrichtung wieder drauf.

IMG_20210326_193320.jpg
Rückseite.

IMG_20210326_194300.jpg
Pufferfeder und Klinkenfeder.
IMG_20210326_194453.jpg
Untere Automatikbrücke.

IMG_20210326_194807.jpg
Wechsler mit der zweiten Klinke.
IMG_20210326_195900.jpg
Schwungmasse und obere Automatikbrücke.

IMG_20210326_201100.jpg
Zifferblatt und Zeiger.

IMG_20210326_202833.jpg
Das Werk kann jetzt wieder eingeschalt werden.

IMG_20210326_203216.jpg
Sie macht ein gutes Bild auf der Zeitwaage. Auch wird sie Reguliert.

IMG_20210326_204305.jpg
Anschließende mehrtätige Kontrolle. Fertig! 🙂
 

hermannH

Dabei seit
14.10.2016
Beiträge
2.898
Ort
Kärnten
Hallo

Ich kenne das Werk als "Hammer Automatik".
Eine Besonderheit möchte ich noch anmerken, vielleicht habe ich es aber auch überlesen, das Gehäuse ist ein sogenanntes "Goldhauben Gehäuse". Es ist nicht vergoldet, sondern besitzt eine sehr dicke Goldschicht, welche auf das Gehäuse verschweißt worden ist.
Dieses Werk aus den 40/50ern und andere Caliber von Omega bis in 70er hinein, waren auf allerhöchstem Niveau.
Toller Bericht! :super:

Gruß hermann
 

Quecksilber

Themenstarter
Dabei seit
18.12.2020
Beiträge
87
Hallo Hermann,

dankeschön. Ich war mir jetzt nicht sicher, was der gängigste Begriff dafür ist. Ich habs mal umgeändert.

Grüße
Quecksilber
 

Schraubendreher

Dabei seit
20.11.2019
Beiträge
1.812
Ort
Zwischen den Meeren
Hallo Quecksilber,

vielen Dank für den sehr schön detaillierten und ausführlichen Bericht. Diese Hammerautomatiken sind immer wieder faszinierend, auch wenn sie technisch natürlich (zu Recht) längst überholt sind. Aber wenn das Werk dann auch noch in so exzellentem Zustand ist wie dieses hier, ist das ganze eine besondere Freude.

Danke fürs zeigen:
der Schraubendreher
 

Badener

Dabei seit
27.07.2010
Beiträge
6.046
Ort
Eurasburg
Ein sehr schöner und interessanter Bericht, vielen Dank! Magst du uns noch verraten, welche Öle du an welcher Stelle verwendest? Da hat ja fast jeder Uhrmacher seine eigene Philosophie.

Gruß
Badener
 

Quecksilber

Themenstarter
Dabei seit
18.12.2020
Beiträge
87
Ein sehr schöner und interessanter Bericht, vielen Dank! Magst du uns noch verraten, welche Öle du an welcher Stelle verwendest? Da hat ja fast jeder Uhrmacher seine eigene Philosophie.

Gruß
Badener

Klar. Ist jetzt kein Geheimnis bei mir.

Unruh - Epilam mit 9010
Hemm- und Sekundenrad - 9010
Kleinbodenrad, Minutenrad, Federhaus - 9104
Fett - 9504
Hemmung - Epilam mit 9415
Bremsfett - Moebius 8217 oder Klüber P125
 

roter.papagei

Dabei seit
06.06.2008
Beiträge
4.135
Ich hab genau so eine alte Omega mit Hammerautomatik und kleiner Sekunde aus den 50ern in meiner Sammlung. Da ist vermutlich das gleiche Uhrwerk drin. Da sie nur selten getragen wird lohnt sich ein Service wohl nicht. Danke für den Bericht, jetzt konnte ich das interessante Innenleben mal sehen.
 

Watcher48

Dabei seit
08.06.2008
Beiträge
2.892
Ort
Kieler Förde
Super interessanter Bericht. Hab die gleiche Omega in Edelstahl. Leider ist das Zifferblatt nicht mehr so schön. Aber da Ersatz zu finden ist wohl aussichtslos.

Gruß
Hein
 

monchichi55

Dabei seit
10.03.2013
Beiträge
418
Hey Kevin,

ich bin gerade erst über deinen Revisionsbericht meiner schönen Omega gestolpert! Erstmal vielen herzlichen Dank für deine tolle Arbeit und die vielen schönen Bilder. Ich bin froh, dass die Omega wohl insgesamt in einem guten Zustand war und keine Überraschungen aufgetaucht sind.

Die Uhr ist für mich etwas ganz besonderes. Klar ist die Hammer Automatik technisch inzwischen überholt, wie übrigens alle mechanischen Werke. Aber es fasziniert mich immer wieder, dass eine solche mechanische Uhr nach etwa 70 Jahren Gebrauch nicht nur immer noch funktioniert, sondern auch immer noch eine solche Schönheit besitzt. Klassisches Design, gute Proportionen und hochwertige Verarbeitung sind eben durch nichts zu ersetzen. Ich werde die Uhr zukünftig gerne tragen und mir der Ehre bewusst sein, solch eine Schönheit am Arm tragen zu dürfen.

@Watcher48 Also ich würde an deiner Stelle das Zifferblatt genau so lassen wie es ist. Die Patina gehört zur Uhr und ist in deinem Fall auch noch sehr gleichmäßig. Viele Hersteller versuchen das inzwischen bei neuen Uhren zu kopieren 🤔

Also wenn ihr euren Vintage Schätzchen eine Freude machen wollt, seht ihr hier, dass sie bei Kevin gut aufgehoben sind 😉

Viele Grüße
Martin
 
Thema:

Omega 344 - Revisionsbericht einer Hammerautomatik

Oben