Öffner für ein hartnäckiges EPSA-Gehäuse (Eigenbau)

Diskutiere Öffner für ein hartnäckiges EPSA-Gehäuse (Eigenbau) im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Liebe Schrauber und Freunde der (alten?) Armbanduhren, im Laufe der Jahre als Vintage-Liebhaber hatte ich schon öfter mit Uhren zu tun, die beim...
Leksa

Leksa

Themenstarter
Dabei seit
06.02.2021
Beiträge
889
Ort
Berlin
Liebe Schrauber und Freunde der (alten?) Armbanduhren,

im Laufe der Jahre als Vintage-Liebhaber hatte ich schon öfter mit Uhren zu tun, die beim besten Willen nicht zu öffnen waren. Besondere Bauchschmerzen haben mir aber die, ach so schönen, Gehäuse des Hause Ervin Piquerez A.S. (EPSA) bereitet. Die Konstruktion dieser Compressor-Gehäusen ist raffiniert und auf Dichtheit konzipiert bzw. darauf, Wasser auch unter hohem Druck draußen zu halten. Aber sollte die Uhr schon Jahrzehnte lang ungeöffnet gewesen sein, versiegelt durch alte Dichtungen, die sich schon mehr oder wenig aufgelöst haben, wird das Öffnen des Bodens oft zu einer sehr heiklen Angelegenheit, die im schlimmsten Fall mit üblen Kratzern am Uhrenboden bzw. Gehäuse enden kann. So jedenfalls meine Erfahrung mit allen Handelsüblichen Öffnern.

In der Letzten Zeit hatte ich wieder mit 2-3 solcher Kandidaten zu tun und stand wieder vor dieser ewigen Frage:

"Wie öffne ich ein EPSA Gehäuse mit einem festgeknallten, verklebten Deckel OHNE RISIKO, sprich OHNE KRATZER?"

IMG_2971.jpeg IMG_2977.jpeg


Da ich meinen sehr geschätzten Uhrmacher auch mal habe abrutschen sehen, fühle ich mich nicht mal beim Vollprofi 100% sicher. Sie arbeiten ja auch meist mit 3-Punktöffnern (mit guten, klar), können aber bei hartnäckigen Böden auch keine volle Garantie geben. Ich habe in der Vergangenheit schon viele Foren durchforstet und kein richtig gutes Werkzeug oder eine pragmatische Lösung gefunden. Es gibt Leute die Öffner mit 3-D Druckern gebaut haben, oder sogar passende Metallschlüssel haben teuer fertigen lassen. Manche benutzen Schnellkeber als Verbindung zwischen Boden und Werkzeug. Funktioniert, aber lässt sich unter Umständen schwer wieder entfernen.

Da dachte ich: "Es muss doch noch eine andere Möglichkeit geben".

Genug Kraft bekommt man nur über die Oberflächenhaftung hin. Spricht also für einen Kleber. Da brauchst Du also einen festen Griff und einen Klebstoff, was gut haftet und sich nachher leicht entfernen lässt.

Einiges hat man schon im heimischen Schrank, z.B. Heißkleber. Die Wärme hilft noch zusätzlich das verklebte Teil etwas lockerer zu machen.

Gesagt, getan: Festen Holzgriff gebaut, mit leicht konkaver Fläche und groben Zähnen auf der Unterseite. Uhr entfettet und eingespannt, Heißkleber dick auf die "Holzzähne" und den Griff auf den Deckel gepresst.

IMG_3035.jpeg
IMG_3036.jpeg

Nach 15 min Aushärtung, eine kräftige Drehung (mit Druck gegen den Boden) und "zack" auf war das Gehäuse.

IMG_3042.jpeg

Das schöne beim Heißkleber ist, dass er sich völlig oder fast rückstandslos Entfernen lässt. Einfach den Kleber mit einem Haartrockener (durch den Deckel) erwärmen und am Rand abhebeln. Sollte irgenwo noch was kleben bleiben, einfach mit Spiritus abwischen.

IMG_3049.jpeg IMG_3055.jpeg

Man kann den Öffner jetzt mehrfach wieder verwenden, übrigens auch zum Schließen des Bodens. Einfach den vorhandenen Kleber wieder erwärmen, drauf drücken, abkühlen lassen und die nächste Uhr öffnen. Entscheidend ist, dass die Kleberoberfläche kurz vor dem Verbinden
richtig klarsichtig und voll erhitzt ist.

Diese Methode kann man als "rustikal" oder "amatörhaft" belächeln, aber die Wirkung ist überzeugend und die Handhabung sehr einfach. Das wichtigste ist aber:
Nie wieder (neue) Kratzer an meinen schönen EPSA-Böden haben!

Gruß -Antti
 
Zuletzt bearbeitet:
M

Megasonic

Dabei seit
13.07.2016
Beiträge
221
Ich arbeite bei schwierigen Böden auch gerne mit Kleber (meist Uhu Schnellfest 2K) und kann bestätigen, daß es sehr gut funktioniert. Auch dieser 2K Kleber läst sich durch Erwärmen wieder problemlos entfernen.
 
DRGM

DRGM

Dabei seit
25.03.2013
Beiträge
673
Mit Antti hatte ich schon über Ihren Gehäuseöffner und Ihre Heißklebermethode diskutiert. Bzgl. des Heißklebers habe ich hin- und herüberlegt - erstens habe ich mit Heißkleber keine Erfahrung und zweitens gefällt mir die Idee nicht so recht, Hitze auf die Uhr zu bringen. Vielleicht mache ich mir da zu große Sorgen, aber letztendlich bleibe ich (vorerst) bei Sekundenkleber, mit dem ich gute Erfahrungen gemacht habe, denn Sekundenkleber ist in Aceton löslich.

Mein Testobjekt war diese Uhr, deren Boden unübersehbar die Spuren vieler Versuche trägt, den Boden mit einem normalen Dreipunkt-Gehäuseöffner abzubekommen:

ZentRa-Savoy_64049-3_Variante_04_1600.jpg
Als erstes habe ich eine Bundmutter hervorgekramt. Genauer gesagt: es ist nun eine Bundmutter mit plan geschliffener Unterseite - vorher war es eine Sperrzahnmutter, die für Heißkleber evtl. besser geeignet ist.

So eine Sperrzahnmutter sieht so aus:

Sperrzahnmutter Kl. 8 M3 galv. verzinkt, 100 Stück bei HORNBACH kaufen

Ich habe meine Bundmutter plan geschliffen, damit ich eine möglichst große effektive Klebefläche habe. Die Bundmutter habe ich dann auf den Gehäuseboden aufgeklebt:

Gehäuseöffner_geklebte-Bundmutter_01_1600.jpg

Anschließend kam eine Stecknuss und eine Knarre aus dem Knarrenkasten drauf:

Gehäuseöffner_geklebte-Bundmutter_02_1600.jpg

Eine Bundmutter habe ich übrigens genommen, da bei dieser die Stecknuss auf dem Bund aufliegt und den Gehäuseboden selbst nicht berühren (und damit zerkratzen) kann. Dann ein kurzer Ruck - und ab war der Gehäuseboden mit aufgeklebter Mutter:

Gehäuseöffner_geklebte-Bundmutter_03_1600.jpg

Den Verbund in ein Gläschen mit Aceton eingelegt:

Gehäuseöffner_geklebte-Bundmutter_04_1600.jpg

Ein paar Stunden warten - et voilà, da ist der Gehäuseboden:

Gehäuseöffner_geklebte-Bundmutter_06_1600.jpg

Die Kratzer waren wie erwähnt vorher schon alle drauf. So sieht übrigens meine geschliffene Mutter von unten aus:

Gehäuseöffner_geklebte-Bundmutter_05_1600.jpg

Wenn Ihr bessere Ideen für einen geeigneten Kleber habt, dann teilt dies gerne mit!
 
Leksa

Leksa

Themenstarter
Dabei seit
06.02.2021
Beiträge
889
Ort
Berlin
Hitze auf die Uhr
Erstmal einen herzlichen Dank für Deinen Erfahrungsbericht, Martin! Ich finde Deine Lösung ebenso sehr gelungen und absolut praktikabel:super:.

Die Idee, den Uhrenboden zusätzlich mit Hitze zu lockern kam von meinem Uhrmacher. Da muss man die Wärme natürlich gezielt und gut dosiert einsetzen. Ich hatte es schon versucht mit einem planen Metallstab, den ich auf der Herdplatte erhitz, danach bei Seite gelegt, und die Uhr kurz da drauf platziert habe. Da hat sich die Wärme nur auf den Boden verteil, ohne dass das Gehäuse zu viel Wärme abbekam. Die Wärme alleine hat bei meiner hartnäckigen Patinten leider noch nicht
geholfen.

Mit Heißkleber ist die Gefahr die Uhr zu überhitzen nicht vorhanden. Die Verarbeitungstemperatur bei diesem typischen Bastelkleber beträgt so ca. 100°c und die Abkühlung beginnt praktisch sofort.
Da bekommt der Uhrenboden nur einen kleinen Hitzeschock und kühlt sofort wieder ab. Im Gehäuse ist genug "Kälte" eingespeichert, die den Rest gut gegen die Hitze schützt.

Gruß -Antti
 
thb

thb

Dabei seit
06.04.2008
Beiträge
538
Ort
Im Norden
Wenn der Boden ein übliches Außengewinde hat, ist das Erwärmen nur des Bodens nicht hilfreich, da dieser sich gegenüber dem Gehäuse durch die Wärme ausdehnt. Dadurch wird der Druck auf das Gewinde noch höher. Theoretisch müsste man das Gehäuse im Bereich des Bodengewindes erwärmen und den Boden selbst nicht.
Insoweit ist die Klebermethode sinnvoller.
 
Leksa

Leksa

Themenstarter
Dabei seit
06.02.2021
Beiträge
889
Ort
Berlin
Danke Thomas @thb! Deine Theorie klingt durchaus logisch. Ich hatte den Wärmetip eher so verstanden, dass dadurch die verklebte alte Dichtung sich etwas lockern soll.

Die durch die Wärme erzeugte Ausdehnung passiert ja nur kurzzeitig und soll bei dem eigentlichen Öffnen keine (negative) Rolle mehr spielen.

Hier noch ein Bild von meiner Dichtung gleich nach dem Öffnen zur Veranschaulichung. Alles schmierig und bröselig.

IMG_3059.jpeg

Gruß -Antti
 
nobrett

nobrett

Dabei seit
08.05.2012
Beiträge
1.606
Ort
Rhein Main
Noch ein Tip: um Sekundenkleber wieder abzubekommen muss man gar nicht mit Aceton hantieren. Man kann ihn im Kochtopf mit siedendem Wasser abkochen. In dem Fall hier den Deckel samt Schraube in den Kochtopf, Wasser drauf und ein paar Minuten kochen bis sich der Kleber gelöst hat. Reste kann man dann mit einem Putzholz oder dem Fingernagel leicht entfernen.
 
Thema:

Öffner für ein hartnäckiges EPSA-Gehäuse (Eigenbau)

Öffner für ein hartnäckiges EPSA-Gehäuse (Eigenbau) - Ähnliche Themen

Die Jahre der Kaufentscheidung - Citizen "Ecozilla" BJ8050-08E: Ich weiß, diese Uhr gibt es in den Vorstellungen schon. Das eine oder andere Mal. Mehrfach. Ja, okay. Aber man ist ja stolz auf sein Schätzchen...
Ein Super-Compressor aus Pforzheim mit Input aus dem Uhrforum - Circula SuperSport Grau LE: Wenn ein Microbrand aus Deutschland einen echten Super-Compressor mit eigenständigem Design und Schweizer Werk bauen will und dazu noch mehrere...
Sinn 104 St Sa I B mit 2 gliedrigem Edelstahlband: Liebe Uhrenjunkies, war das eine Zeit, Ihr werdet es mir kaum glauben. Das alles um eben diese neu abzulesen. Anders abzulesen. Eine Seiko Turtle...
[Erledigt] Hema Rallye Diver Chronograph Valjoux 7733 mit schwarzem ZB , ohne Referenznummer, Vintage: Liebe Mitforianer, zum Verkauf steht mein Vintage Hema Rallye Diver Chronograph Valjoux 7733 mit schwarzem ZB mit bidirektionaler Lünette, ohne...
Achtung radioaktiv! 'National Semiconductor' LCD-Digitaluhr aus den '70ern mit Tritium (3H T 200 mCi): Die siebziger Jahre waren das Jahrzehnt, in dem die Quarzuhren ihren Siegeszug antraten. Obwohl die erste Quarzuhr, eine Seiko, eine analoge Uhr...
Oben