NZZ Interview mit Thierry Stern zur Einstellung der Nautilus 5711

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Brambilla

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Auf Monochrome-Watches findet sich eine Zusammenfassung des sehr interessanten Interviews mit dem PP-Chef von letztem Donnerstag (wer ein NZZ-Abo hat, findet im Artikel von Monochrome auch den Link zum Interview).

Must Read - Thierry Stern On Why Stopping Patek Philippe Nautilus 5711

Das Gespräch lässt tief blicken in die Welt der Luxusuhren. Als Hauptgrund für den Produktionsstop der Stahl-Nautilus sagt Stern, dass nicht eine Uhr im Sortiment haben wolle, die 50 % der Kollektion ausmacht. Zudem habe er eine Verantwortung gegenüber den Kunden, dass die Uhren ihren wert behalten, weshalb die "Seltenheit" der Schlüsselfaktor sei. Selbstverständlich würden nicht alle auf den Wartelisten bedient werden. Zudem machte Stern Andeutungen für einen "Nachfolger" der Stahl-Nautilus.
 

Vincent_Rock

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"Als Hauptgrund für den Produktionsstop der Stahl-Nautilus sagt Stern, dass nicht eine Uhr im Sortiment haben wolle, die 50 % der Kollektion ausmacht" und deshalb stellen sie das Stahlmodell ein und bringen sowohl eine Titan- als auch eine WG Variante raus. :lol:
Oh, und eine Abschieds-Variante in Stahl.
 

Spitfire73

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Ist halt als Unternehmer sicher schwierig, die Balance zu finden zwischen ungewollter Abhängigkeit/ Reduziertwerden auf ein einziges gehyptes Modell und dem daraus resultierenden wirtschaftlichem Erfolg, den ein Unternehmen aber zum Leben braucht. Denn mit Sicherheit hat das Stahlmodell kräftig mitgeholfen, den ein oder anderen Ladenhüter in der Restkollektion abverkauft zu bekommen.

Andererseits wird Herr Stern solche Intimitäten nicht ohne Hintergedanken verbreiten sondern um auf die Vorstellung des Nachfolgers einzustimmen. Dass er sich seinen Kunden verpflichtet fühlt, ehrt ihn ja.

Gruß
Helmut
 
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Brambilla

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Eigentlich schon unglaublich was hier passiert: ein Produkt, das sich sehr gut verkauft, wird eingestellt, gerade weil es sich so gut verkauft.

Genau das ist die Kernaussage von Stern. Und dazu hat er auch einen kleinen Seitenhieb auf die AP Royal Oak gemacht. Er findet die AP RO "eine tolle Uhr", sagt aber "...ab einem gewissen Punkt wird es gefährlich, wenn ein Modell zu dominant wird. Der Geschmack (....) kann sich plötzlich ändern, und dann hat man keine Alternativen anzubieten. Das will ich bei Patek unbedingt verhindern."

Wenn man sich die Mühen von AP mit der Code 11.59 anschaut, dann erkennt man, wie schwierig es für die Bog Boys der Szene ist, die durch die ikonischen Modellreihen ausgetretenen Pfade zu verlassen. Wobei ich bei Patek das "Rolex-Syndrom" erkenne; die können eigentlich in Stahl machen, was sie wollen, der Markt nimmt das begierig auf.
 

ETA2824

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Eigentlich schon unglaublich was hier passiert: ein Produkt, das sich sehr gut verkauft, wird eingestellt, gerade weil es sich so gut verkauft.
Die wirtschaftliche Logik im Luxus-Segment ist halt komplett anders als im allgemeinen Konsumgüterbereich.
Sogar ganz anders als im Premium-Bereich.
 
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navitimer11

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Das Gespräch lässt tief blicken in die Welt der Luxusuhren. Als Hauptgrund für den Produktionsstop der Stahl-Nautilus sagt Stern, dass nicht eine Uhr im Sortiment haben wolle, die 50 % der Kollektion ausmacht. Zudem habe er eine Verantwortung gegenüber den Kunden, dass die Uhren ihren wert behalten, weshalb die "Seltenheit" der Schlüsselfaktor sei. Selbstverständlich würden nicht alle auf den Wartelisten bedient werden. Zudem machte Stern Andeutungen für einen "Nachfolger" der Stahl-Nautilus.
Genau so gut hätte er sagen können: "Wir wollen künftig noch weniger, dafür aber noch reicheres Klientel als Kunden, um zu zeigen, wo wir uns mit der Marke PP positioniert sehen wollen. Unsere Käufer sind unser Image. Man stelle sich nur einmal vor, der Vorstand eines Milliardenkonzernes würde feststellen, dass einer seiner eigenen Angestellten eine PP trägt. Der würde doch nie mehr eine PP kaufen"

..... er hat es einfach nur etwas freundlicher umschrieben, läuft im Kern aber auf das selbe hinaus :-(
 

Spitfire73

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Das kann ich so eigentlich nicht herauslesen. Die Überlegungen von Herrn Stern sind doch recht nachvollziehbar. Natürlich möchte er das Standing der Marke wahren und Geld verdienen aber sich dazu eben nicht einem einzigen Stahlmodell ausliefern. Der Stahluhrenhype ist ihm ganz offensichtlich unheimlich. Und recht hat er damit. Vermutlich weil er nicht von Quartal zu Quartal denkt.

Gruß
Helmut
 

JohnnyM

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Andererseits muss man sagen,
dass heutzutage viele Uhrenmarken ein einziges Zugpferd haben und nur deshalb mit vielen anderen Modellen weiterhin am Markt bestehen bleiben.
Ich denke es ist auch nötig, bei der immer größer werdenden Vielfalt (vorallem durch Microbrands und Modemarken), ein Aushängeschild zu haben,
das die Kunden anlockt.

Das war ja auch teilweise schon früher der Fall:
Omega (Speedmaster mit seinen vielen Abwandlungen)
Eterna (Kontiki-Reihe)
Fortis (Official Cosmonauts)
Rado (Golden Horse)
...

Aber klar, wirtschaftlich und Lagerhaltungsmäßig gesehen wäre es schon schön, wenn jedes Produkt gleich gut verkauft wird.
Die Uhren sind halt eben nicht mit Kleidung oder Automobilen zu vergleichen. Bei Uhren kommt es noch stärker auf ein gelungenes und zeitgemäßes Design an.
Bei Automobilen kann man immerhin noch unterschiedliche Gesellschaftsgruppen ansprechen (innerhalb eines Unternehmens): SUV, Kleinwagen, Transporter, LKW,...
Da kann man bei Uhren nicht mehr viel differenzieren. Angezogen wird, was gefällt und was leistbar ist. Nicht jeder Mensch braucht Diver, Dresser und Daily Rocker.
Überhaupt benötigt (fast) niemand mehr eine Armbanduhr.
 

ronhan

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So ein Pech aber auch mit der Einstellung des Modells.

Gerade als ich als Neukunde beim nächsten Patek-Konzi vorbeischauen und fragen wollte, ober nicht eine 5711 aus seinem Lager holen könnte.

Die hätte ich dann auch zum Listenpreis genommen.
 

Vincent_Rock

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Ich denke auch, dass es sich hierbei vor allem um eine Marketingmaßnahme handelt, um eine Nachfrage nach einer Nachfolger(kollektion?) zu erzeugen. Nicht dumm und nachvollziehbar.

Viele Grüße, Uwe

Eben. Angebliche Leaks zu einer 6711 gibt es ja schon. Und da wird nochmal ein ordentliche Aufschlag kommen.
Wenn die Leute äh.... sagen wir... bereit dazu sind derartige Aufschläge für graue und gebrauchte zu zahlen macht es ja Sinn das aktuelle Modell abzukündigen und ein neues zum höheren Preis anzubieten. Würde ich auch so machen.
 

Lemonbaby

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Eigentlich schon unglaublich was hier passiert: ein Produkt, das sich sehr gut verkauft, wird eingestellt, gerade weil es sich so gut verkauft.
Wir reden aber nicht von einer Playstation. Die Produktionskapazitäte von PP sind begrenzt und extrem "überbucht". Absolut klare Schlussfolgerung: bei konstanten Stückzahlen den Durchschnittspreis erhöhen. Dazu kann man im Vorbeigehen die Wahrnehmung der Marke korrigieren, um nicht in eine ähnliche Sackgasse wie AP zu laufen. Man WILL nicht die "Nautilus-Company" sein.
 

MilWatch

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Eben. Angebliche Leaks zu einer 6711 gibt es ja schon. Und da wird nochmal ein ordentliche Aufschlag kommen.
Wenn die Leute äh.... sagen wir... bereit dazu sind derartige Aufschläge für graue und gebrauchte zu zahlen macht es ja Sinn das aktuelle Modell abzukündigen und ein neues zum höheren Preis anzubieten. Würde ich auch so machen.

Das ist auch meine Überzeugung. Eine Einstellung um das Modell exklusiv zu halten – so ein Quatsch, exklusiv ist es auch so. Die Einstellung, verbunden mit einer sich anschließenden, wahrscheinlich ganz ähnlichen Neuauflage, dient vornehmlich als elegante, da durch den pro-forma-Modellwechsel kaschierte, Preiserhöhung, um den sich aus der erheblichen Differenz zwischen Listen- und Marktpreis ergebenden monetären Rahm des Wiederverkäufermarktes ein gutes Stück weit selbst abzuschöpfen. Rolex hat sich das zuletzt nicht getraut, was ich interessant fand, aber auch verstehe, im Volumensegment muss man da sehr vorsichtig sein, gilt doch bei der imagewahrenden Preisgestaltung im Luxusbereich das Motto: Vorwärs immer, rückwärts nimmer. Bei Patek klafft die ein gutes Stück weit selbst gesteuerte Angebotslücke nun aber so weit, dass man, zumal bei den geringeren Stückzahlen und dazu im krisenfesten Uberluxury-Bereich, mutiger zu Werke geht. Interessante Zeiten.
 
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navitimer11

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Der Stahluhrenhype ist ihm ganz offensichtlich unheimlich.

Gruß
Helmut
Aber ist genau dieser "Hype" denn letztendlich nicht gerade darin begründet, dass Stahluhren von Natur aus günstiger sind als Gold oder Platin? Will sagen: Wer sich ein bestimmtes PP-Modell in Edelstahl bisher vielleicht noch "gerade mal so" zusammensparen konnte, wird nun möglicherweise an der Edelmetall-Hürde scheitern (von irgendwelchen auch in Stahl ohnehin schon nahezu unbezahlbaren Referenzen mal abgesehen)
 
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