Neuzugang - Böhmische Gustav Becker mit Harfengong und Grahamhemmung

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Einerseits von @DomJohnsons Thread inspiriert andererseits weil sie mir ausgesprochen gut gefallen hat und ich den Gesang des Harfengongs so liebe, habe ich am Samstag am Flohmarkt diesmal zu einer Großuhr gegriffen.

Ich habe die Gustav Becker aus Braunau in Böhmen mit der Nummer 661468 P42 nach Hause getragen. Kein Regulator, aber doch mit Grahanhemmung und dem so wunderbar singenden und vielgeliebten Harfengong (Ich habe eine ähnliche (vielleicht sogar auch eine GB, aber das letzte Mal, als ich dort sein konnte, habe ich mich nicht ausgekannt und habe nicht darauf geachtet) mit Harfe im anderen Zuhause hängen und liebe sie heiß (eine helle).

Auf den ersten Blick scheint die Uhr komlett zu sein und ,naja, sagen wir zu funktionieren. Sie ist schwer revisions- und etwas reparaturbedürftig, da der Abfall völlig verstellt ist und der Schlagmechanismus ganz derangiert ist. Die Stunden schlägst sie Kraut und Rüben, sogar beim manuellen Auslösen im Stillstand schlägt sie jedes mal was Anderes und schlägt am Anfang zu schnell und dann die letzten zwei Schläge "in Zeitlupe". Auf den ersten Augenschein sieht man, dass bei dem Rad, das die Hammerachse bewegt, die Stäbchen verbogen sind und eines sogar fehlt. Außerdem sind die Hämmer völlig aus der Reihe und müssen zurechtgebogen werden. (Bilder 4, 5, 8, 9)

Durchlaufen tut sie nur wenn sie ganz schief hängt (siehe Foto vom Kasten) und dann dreht der Schlagmechanismus durch, ohne den Gong in Gang zu setzen. Diese Schieflage liegt wohl am verstellten Abfall. Was mich aber stutzig macht, ist das die Einstellschraube von einem Uhrmacher markiert (Kerbe Bild 7) ist und die Stellung stimmt. D.h. Das Problem wird vermutlich nicht dort sein und auch nicht dort zu beheben sein.

Ich möchte versuchen diese Uhr selber zu revisionieren und zu reparieren, wenn es mir (mit eurer Hilfe?) gelingen sollte. Das wird aber ein größeres Projekt für das ich in diesem Moment zu wenig Zeit habe und auch zu wenig Ahnung, da muss ich mir zuerst Literatur besorgen und ein Paar Videos ansehen.

Vorher möchte ich aber die Zeiger und das Zifferblatt abnehmen, um den Schlagmechanismus genauer studieren zu können

Vorab habe ich aber ein Paar Fragen.

a) Gibt es etwas was ihr mir über die Uhr und deren Zustand jetzt sagen könnt, das für mein Vorhaben relevant ist. Allgemeines Wissen über die Uhr ist natürlich immer sehr willkommen!
b) Muss ich beim Abnehmen der Zeiger und des ZB etwas besonders beachten?
c) Wie kann ich die Hämmer einstellen? Dazu muss die Uhr um Kasten sein und dort komme ich nicht zu den Stäben und Hämmern. Wie macht man das?
d) Wie Stelle ich den Abfall ein, wenn ich dazu die Uhr im Kasten mit Pendel haben muss und der Abfall ohne das Pendel (Ich habe in anderen Thread schon ein wenig recherchiert) ein andrer, als mit Pendel ist? (ohne Pendel ist der Abfall halbwegs OK. Ohr mal Pi) Gehe ich da so vor, dass ich bevor ich das Ziffernblatt montiere, den Abfall einstelle, sie eine Nacht durchlaufen lasse, sie dann wieder rausnehme und das Ziffernblatt und die Zeiger Montiere?
e) Bei der Revision, wenn ich dann so weit bin, über diese Federn traue ich mich nicht, ist es eine große Sünde die nicht zu zerlegen und nur von Außen zu reinigen?


Wie Immer für jede Hilfe und Rat dankbar

Grüße Michael

Bild 1:
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Bild 2:
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Bild 3:
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Bild 4:
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Bild 5:
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Bild 6:
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Bild 7:
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Bild 8:
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Bild 9:
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gsl

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Update:

Das ZB und die Zeiger habe ich behutsam ausgebaut und, nun, einige Fragen habe ich mir selber beantwortet, dafür stellen sich neue.

Das Einstellen der Hämmer und des Abfalls wird wohl in Ermangelung einer Wandgabel, wirklich im Kasten, aber ohne ZB durchgeführt. Ist zwar schwer zugänglich, aber anders schent es nicht zu gehen.

An dieser Uhr war unlängst offenbar wer, denn die nicht ausgetrocknet, sondern vor Öl triefend. die sieht so aus, als hätte jemand das komplette Werk in Öl gebadet...(???)

Warum das Schlagwerk Anfangs schnell und dann langsam läutet verstehe ich immer noch nicht. Abgesehen mal von dem fehlenden Nagel im Hebnägelrad, aufgrund dessen auch ein Schlag übersprungen wird, ist das Hebnägelrad, wie Rolf-Dieter in diesem Beitrag ausführt, verdreht, so dass der Mitnehmer auf dem Hebenagel aufliegt.
NACH dem Schlag sollen die Mitnehmer ca. 1/2 Umdrehung UNTER den entsprechenden Mitnehmerstiften (Hebnägel) des Rades zum stehen kommen. Dieses Rad ist mit einer zügigen Reibung - also nicht fest vernietet - auf seiner Welle befestigt. Mit etwas Gefühl kann man das verdrehen. So Weit, dass die Mitnehmer gerade von den Nägel abfallen. Aber bitte dabei das Rad, dass auf den Trieb geht, gut festhalten und VORSICHTIG drehen!

Also alles in allem ist das Läutwerk eine ziemliche Baustelle.


Was den Abfall betrifft, scheint das, was ich für die Einstellschraube gehalten habe (Bild 7) das (verstellbare) Lager der Ankerwelle zu sein.

R0012475.JPG

Ich habe auch nirgends finden können, wie man da den Abfall einer Grahamhemmung einstellt und mir kommt vor, dass sich die Ankerwelle verkanten würde (im Extremfall Zapfen abbrechen), wenn ich an dem Ding drehen würde. Außerdem verstehe ich nicht, wie das die Symmetrie ändern würde. Könnte mich bitte jemand aufklären?

Desweiteren habe ich nach der SN herausgefunden, dass die Uhr zwischen 1885 und 1890 gebaut (montiert) wurde und damit eine "echte" Österreicherin ist. Ich weiß, dass in der watch-wiki Seite explizit steht, dass diese SNn nicht auf Böhmische GB anwendbar sind, aber dem widerspricht Rolf-Dieter hier:
Zu GB (nach zu lesen bei H. Schmidt, Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie): Die Werke Warschau und Braunau (1888) wurden gegründet, um den Zollkrieg mit dem Zarenreich und der k&k Monarchie zu umgehen. Es wurden nur Werke aus Teilen des Freiburger Werkes montiert, die MIT der Seriennummer geliefert wurden. Daher sind zumindest bis zum Ende der Gustav Becker in Braunau die Seriennummern schon dem Herstellungsjahr zu zu ordnen.
und ihm "glaube" ich mehr, als der wiki.

Zu vorläufiger letzt, frage ich mich, ob diese verbogenen Schlagemechanismusauslöserstifte auf der Unterseite des Minutenrades "normal" sind, also vom langjährigen Gang,

R0012473.JPGR0012474.JPG
oder von jemandem "vergewaltigt" wurden (inklusive des abgebrochenen Hebnagels). Kann mir da bitte auch jemand einen Tipp geben, wie ich diese möglichst schonend zurechtbiege (dasselbe für die Hebnägel am Rad) und wie ich den fehlenden Nagel am Besten ersetze (eine Triebnietmaschine habe ich mittlerweile). Ich möchte die Uhr einmal reparieren, damit sie richtig funktioniert bevor ich sie zum Reinigen zerlege. Dann weiß ich, dass eventuelle Probleme nach der Montage von mir und nicht von vorher sind.

Mit Dank und Gruß
Michael
 
detlef

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Hallo Michael!
Wenn ich solch ein Werk mache spanne ich mir 2 Flacheisen mit Zwingen auf die Tischplatte darauf stelle ich dann das Uhrwerk in Waage wenn es nicht passt kann man gut noch etwas unter das Werk legen.Dann kann man das Pendel einhängen und gut den Abfall einstellen.
Der wird dann eingestellt indem man den Anker auf der Welle verdreht dabei natürlich die Pendelaufhängung fest halten.1614617558967.jpg
Die Paletten lass bitte so wie sie sind auch die Schraube die du erwähnst nicht versuchen zu entfernen.Das hintere Lager wo die Pendelfeder ist am besten auch nicht abschrauben oder vorher kennzeichnen wie es angeschraubt ist.Die Stifte im Rad entweder richten oder neue einsetzen.Ich hoffe du weißt auch das man vor der Demontage die Federn entspannt und kennzeichnet Schlagwerk und Gehwerk.
Gruß Detlef!
 
gsl

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Servus Detlef und Danke für die schnelle Antwort.

Die RAILWAY TIMEKEEPER läuft zuverlässig und genau. Ich hoffe die Teddyuhr mach auch Freude :-)

Wenn ich solch ein Werk mache spanne ich mir 2 Flacheisen mit Zwingen auf die Tischplatte
Super Tipp! Danke :-)

Der wird dann eingestellt indem man den Anker auf der Welle verdreht dabei natürlich die Pendelaufhängung fest halten.
Die Paletten würde ich nicht anrühren, da handle ich mir sehr viel Kummer ein. Das weiß ich.


Die Pendelaufhängung ist das Blau umkreiste, nicht Wahr?
1614782300042.png

Muss ich dann, wenn der Kasten, so wie im Bild nach links hängt, damit der Abfall in Ordnung ist, auf der roten oder grünen Seite nach unten "drücken"?

Das hintere Lager wo die Pendelfeder ist am besten auch nicht abschrauben oder vorher kennzeichnen wie es angeschraubt ist.
1614782869674.png

Du meinst, dieses Komplette Ding soll ich mit der hinteren Platine im Stück waschen? Aber den Stift und die Pendelfeder hinten nehme ich schon raus?

Die Stifte im Rad entweder richten oder neue einsetzen
1614783214078.png
Ich habe mir gedacht, das Richten mache ich mit einer Lochpunze an der Triebnietmaschine. Ist das OK, oder ist das Unfug?
Den abgebrochenen Nagel veruche ich mit einer Kornpunze auszutreiben. Was setze ich am besten neu ein? Eine Zugeschnittene Sicherheitsnadel??

du weißt auch das man vor der Demontage die Federn entspannt
Ja, klar! Trotzdem danke. Kann man nicht oft genug pauken.

und kennzeichnet Schlagwerk und Gehwerk.
äh, jetzt schon ;-)

Kannst Du mir verraten, was dieser Bügel ist und wozu er da ist?
1614781310436.png
Er scheint keine Funktion zu haben.

Dank und Gruß
Michael
 
detlef

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Hallo Michael!
Freut mich das die Railway wieder gut läuft über die Tedyuhr hat sich das Enkelkind gefreut.
Das mit dem Abfall hast du Richtig erkannt ich mache das dann immer nach Gehör die muss schön gleichmäßig ticken.
Ja den Stift und die Pendelfeder kannst du ab machen den Rest an der Platine lassen das Lager kannst du dan auch gut reinigen.Bei dem fehlenden Stift kannst du eigentlich nehmen was passt aber Stahl soll es schon sein.Dieses Teil was da nachträglich angebaut ist kannst du ruhig abschrauben und weg lassen ich nehme an das hat mal jemand da angebaut den der Schlag gestört hat und damit die Hämmer blockiert hat.
Gruß Detlef!
 
hermannH

hermannH

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Hallo

Ich möchte dich nicht entmutigen, aber ohne die Möglichkeit Zapfen rollieren zu können, Lager zu reparieren und vor allem die Paletten zu schleifen und polieren, wirst und nur halbe Arbeit leisten können. Aber wenn dir das genug ist, es ist ja deine Uhr. ;-)
Der Hebnagel sollte aus gehärtetem Tamponstahl sein. Dieser muss mit den richtigen Feilen dort angerauht werden, wo er im Rad sitzt.

Den Abfall stellt man immer im Gehäuse ein. Es kann ja sein, das die Werkbefestigungen nicht mehr stimmen, das Holz verzogen ist, oder die Füße nicht mehr gerade sind.

Gruß hermann
 
detlef

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Hallo Rainer!
Du hast recht mit Transportsicherung habe ich so noch nicht gesehen.

Hallo Herman!
Du beschreibst natürlich hier den Professionellen und richtigen Weg diese Möglichkeiten hat ein Hobbyist natürlich nicht immer.Wenn ich bei solchen Werken größere Fehler wie verschlissene Lager und eingelaufene Wellen sehe dann verweise ich den Besitzer immer auf einen Uhrmacher.Meistens ist es dann aber so das der Reparaturpreis den Wert der Uhr bei weitem übersteigt und die Uhr dann nur als Anschauungsstück aufgehängt wird oder ganz und gar auf dem Müll landet.
Mit dem Abfall hast du natürlich auch recht aber auf meine Art und weise habe ich erst richtig verstanden wie das alles funktioniert dann ist es auch leichter wenn man etwas korrigieren muss wenn das Werk im Gehäuse steckt.
Du hast das natürlich von der Pike auf gelernt und jahrelang Erfahrungen gesammelt davor ziehe ich auch den Hut.
Ich habe als Lokschlosser auch mit Lehrlingen komplizierte Getriebe aufgearbeitet und weis das es für den Lehrling unmöglich war das nächste alleine zu überholen.Naja nun wieder zu den Uhren.
Gruß Detlef!
 
gsl

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ohne die Möglichkeit Zapfen rollieren zu können, Lager zu reparieren und vor allem die Paletten zu schleifen und polieren, wirst und nur halbe Arbeit leisten können
Servus Hermann!

Wie ist das werte Befinden? Alles rückstandslos überstanden?

Das diese hier, so wie alle meine "Revisionen" nur halbe Arbeit sind, wenn überhaupt so viel, das ist mir völlig klar! Völlig!
Mein Ziel ist jedoch der Weg und das Lernen auf diesem Weg. Ich bin kein Sammler, aber ich mag Uhren (um mich haben), ich mag Mechanik, es ist ein wunderbares Hobby und eine Abwechslung. Die Uhren, die seit Generationen in der Familie sind lasse ich selbstverständlich fachmännisch beim Meisteruhrmacher um teures Geld servicieren. Das hier sind Flohmarktfunde, die ich um wenig Geld vor der Müllhalde rette und mich daran versuche sie so gut es geht und so gut ich kann in Stand zu setzen und vor weiterm Verfall zu bewahren, indem ich die Zapfen und Lager reinige, damit sie sich nicht aufreiben. Nicht mehr. Ich sage es offen, ich bin Diletanttant, im Sinne des delectare - sich erfreuen, von dem es abstammt. Eines Großen Tropfen der neueren Bedeutung und Verwendung bin ich mir nicht schmerzlich, aber durchaus bewust. Für mich ist es ein viel größerer Mehrwert eine Uhr an der Wand oder in der Tasche zu haben, die ich selber "hergerichtet" habe, als eine in perfektem Zustand von Meisterhand in ihren Produktionszustand versetzte. ;-)

Was deine weiteren Anleitungen betrifft, zum Teil verstehe ich sie, zum Teil sind sie
ehärtetem Tamponstahl sein. Dieser muss mit den richtigen Feilen dort angerauht werden, wo er im Rad sitzt.

Raketenwissenschaft für meinen derzeitigen Wissensstand, aber ich taste mich heran ;-)

Liebe Grüße und großen Dank aus Wien
Michael
 
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Und ich habe wieder was gelernt. Tamponstahl ist tempered steel, und das kenne ich, also hitzegehärteter Stahl für Zylindertampons :-) und er ist um kein Zinshaus in vielen Stärken assortiert beim Uhrmachereibedarf erhältlich. Das mit dem Feilen muss ich noch verstehen. Mache ich da 2mm lange vertikale Rillen, sodass er quasi wie ein Zahnrad wird, dort wo ich ihn in das Loch pressen will, oder ist das anders gemeint?

Gruß und Dank
Michael
 
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OK, das klingt einfach in der Theorie, aber in der Praxis braucht man da viiiiiel Geduld und/oder Erfahrung. Ich musste meinen ersten Versuch abbrechen, weil ich schon müde geworden bin und ich nicht riskieren wollte, die Hemmung zu beschädigen. Immerhin hängt die Uhr jezt merklich weniger schief an der Wand, um gleichmäßig zu ticken.

Zwei Dinge fand ich am schwierigsten: Einerseits die Darstellende-Kopfgeometrie (in welche Richtung wie drehen/drücken/heben) und andererseits, dass die Pendelführung am Gewinde recht streng sitzt (muss sie ja, sonst würde der Anker nicht genug Kraft auf das Pendel übertragen können), aber das macht die Feineinstellung schwierig, weil man doch sehr kleine Bewegungen machen muss und das ganze mit Schraubenziehern zum Hebeln und "linken" Daumen zum Bewegen. Ich mache morgen vielleicht weiter, bis es "sitzt".

Meine Technik war folgende: Ich habe mit einem Schraubenzieher den Horizontalen Teil der Pendelführung am Schlitz in der hinteren Platine gehebelt (moderat Kraft ausgeübt), damit nicht die Palette am Ankerrad verschoben wird) und mit dem Zeigefinger den Anker am rechten Arm (dort ist Platz, links ist der Windfang) runtergedrückt, oder gehoben (je nach Richtung).

P.S. Ich schreibe das hier alles so ausführlich, weil ich das als (m)einen bescheidenen Beitrag zum Forum sehe, meinen Lernprozess und Erfahrungen dabei für Nachkommende Leserinnen und Sucher festzuhalten, die vor den gleichen oder ähnlichen Problemen stehen.

Dank und Gruß
Michael

R0012480.JPG
 
CertinaBazi

CertinaBazi

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Ich habe absolut keine Ahnung was hier teilweise gefachsimpelt wird und wie manche Teile funktionieren und/oder überhaupt heißen, aber es ist furchtbar spannend 😂 Bleibe mal als stiller Mitleser am Ball =)

Ach ja.... Coole Uhr!!
 
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UPDATE:
Warum das Schlagwerk Anfangs schnell und dann langsam läutet verstehe ich immer noch nicht.

Das hat sich geklärt. Unter anderem durch die Lektüre dieses Beitrags
:shock: Es sei denn, man WILL die Reibung. Zwischen Welle und Windfang sollte kein Schmiermittel sein, da das die Funktion beeinträchtigt (Windfang rutscht auf der Welle und der Ablauf wird ungleichmäßig).
(und schon wieder war's @Der Stromer)

Der Windfang war nicht richtig an der Welle, wo der "genoppte" Teil ist, angebracht und hat sich dadurch viel zu leicht durchgedreht. Dadurch waren die ersten Paar Schläge sacatto und erst dann in normalen Abständen.

Die Staffel habe ich um einen Zahn gegen den UZS versetzt, so dass der Rächen bei 12 Uhr jetzt bis unten fällt, und nicht wie vorher irgendwo zufällig aneckt, und die Uhr "irgendwas" schlägt, die Hämmer habe ich schön hingebogen, so dass der komplette Akkord hell und ohne Dämpfung oder Scheppern klingt. Alles in allem bis ich jetzt (bis auf den Fehlenden Hebenagel, aber den kann ich erst richten, wenn die Uhr auseinandergenommen ist) mit dem Schlagwerk sehr zufrieden.
Mit dem Abfall bin ich auch zufrieden. Die Uhr tickt jetzt schön gleichmäßig, wenn die Wasserwaage am Werk angebracht die Waagrechte anzeigt und braucht die Schieflage des Kastens nicht mehr.

Bloss habe ich jetzt irgend einen Mist beim Schlagwerk verbockt und jetzt blockiert es das Gangwerk:

Die Uhr bleibt einmal pro Stunde stehen, zuerst war's nach der Vollen Stunde, dann nach vielem Herumprobieren immer später und jetzt nach zwei Tagen schon nach dem halbe Stunde Schlag. Sie blockiert einfach, als ob man den Minutenzeiger halten würde. Es ist nicht der Abfall, denn sie ist zwei Tage schön durchgelaufen zwischen Abfall-Richten und Schlagwerktüftelei, so dass ich schon anfing zu regulieren.

Wenn ich den Minutenzeiger ein, zwei Minuten zurückstelle, tickt sie wieder und bleibt an der vorhergehenden Stell wieder stehen. Wenn ich den Zeiger ein Paar minuten nach vorne stelle geht das Widerstandslos, und dann läuft sie wieder eine Stunde.

Ich komme nicht drauf was es ist. Hat wer bitte einen Tipp wie ich das troubleshooten könnte? Wie gesagt, ich will die Uhr so weit in Gang bringen, bevor ich sie zum Reinigen zerlege, damit ich weiß, ob eventuelle Probleme nach der Montage von mir, oder von vorher sind.

Wie immer mit Dank und Gruß
Michael
 
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Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

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Ich würde erst mal den Auslösehebel ausbauen, um zu sehen, ob es am Schlagwerk liegt oder evt. am Zeigerwerk. Vielleicht ein krummer Zahn o.ä.
 
Schraubendreher

Schraubendreher

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Moin Michael,

der Auslösehebel ist der Hebel, der von den beiden Stiften am Wechselrad angehoben und fallengelassen wird. Dadurch entkoppelst Du Gehwerk und Schlagwerk komplett und kannst den Fehler eingrenzen.

Für mich klingst das auch eher nach einem verbogenen Zahn. Seltsam ist, dass der Fehler reproduzierbar auftritt, aber sich zeitlich verschiebt. Das geht irgendwie nicht zusammen. Aber es ist immer schwierig, da eine Ferndiagnose zu machen, da man solche Fehler sucht, indem man das Werk beim Ablauf beobachtet.
Ich würde das Werk aufbocken, es dann laufen lassen und in dem Moment wo es stehenbleibt, genau beobachten an welcher Stelle die Kraft wegbleibt. Oft sind die Ursachen banal, meist hat man selbst Mist gebaut und irgendetwas verbogen oder verstellt.

Viel Erfolg:
der Schraubendreher
 
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Servus Schraubendreher und danke für deine ausführliche Antwort und Unterstützung!

meist hat man selbst Mist gebaut und irgendetwas verbogen oder verstellt.

Das ist von Anfang an, wie auch geschrieben, meine Arbeitshypothese gewesen. ;-)
Nichtsdestotrotz möchte man ja den "Bug" finden und verstehen.

der Hebel, der von den beiden Stiften am Wechselrad angehoben und fallengelassen wird

Den habe ich in der Zwischenzeit zweifelsfrei identifiziert :-)
Bei dieser Uhr sind die Stifte nicht am Wechselrad, sondern am Minutenrad angebracht, und ja, sie sind verbogen (es gibt weiter oben Fotos davon), ich habe sie aber nicht geradegebogen, weil die Stahlstifte so dick und hart sind, dass sie weder durch Abnutzung, noch durch mißbräuchliche Manipulation verbogen worden sind (da wäre der Zeiger lange vorher verbogen gewesen).
Hat sie ein Uhrmacher absichtlich zurechgebogen, damit die Uhr "genau" schlägt?

Ich würde das Werk aufbocken, es dann laufen lassen und in dem Moment wo es stehenbleibt, genau beobachten an welcher Stelle die Kraft wegbleibt.
Das habe ich wiederholt gemacht und mehrere Stunden Zeiger drehend und prüfend über der tickenden Uhr verbracht.

Die Kraft bleibt nicht weg. Alle Räder sind komplett unter Zug ohne das geringste Spiel. Die Blockade erfolgt weiter vorne im Zug, wirklich so, als wäre der Minutenzeiger im Stundenzeiger verheddert, was er natürlich nicht ist).
.
Seltsam ist, dass der Fehler reproduzierbar auftritt, aber sich zeitlich verschiebt. Das geht irgendwie nicht zusammen.

Es wird noch seltsamer!
Mit Minutenzeiger-nach-hinten-drehen auf die "Sekunde genau", beliebig oft reproduzierbar. Mit Minutenzeiger-nach-vor-drehen immer zur nächsten Stunde+ein-Paar-Minuten.

Und jetzt kommt der Hammer! Als einmal diese +ein-Paar-Minuten sich über eine volle Stunde aufsummierten, ging die Uhr wieder, und sie läuft seit gestern Abend und schägt schön, langsam, gleichmäßig (mit einem ausgelassenen Schlag jedes Mal, wenn der abgebrochene Hebnagel durchläuft - was aber verständlich und zu erwarten ist).

Und jetzt sitze ich da, mit Mission accomplished und verstehe nicht was los gewesen ist. Es ist offensichtlich, dass ich durch das viele manuelle Drehen der Zeiger und Auslösen des Läutwerks beim Einstelln desselben den Fehler hervorgerufen hatte, und ihn durch ein ähnliches Vorgehen wieder beseitigt habe. Aber was der Fehler war kann ich nicht ergründen.


Im Moment bleibt mir nur noch eine vorläufig letzte Frage. Ich habe vor, das Werk zu zerlegen und zu reinigen und so gut ich mit meinen Mitteln und Kenntnissen kann, zu revisionieren. Allerdings sieht es für mich so aus, als ob die Zapfen und Lager in einem ausgezeichneten Zustand, ohne das geringste Spiel sind. Die Uhr ist auch nicht sehr verdreckt und ist frisch (über)ölt.
Wie lange darf ich sie betreiben, ohne großes Risiko einzugehen, bevor ich mich so weit organisiert habe, dass ich mich im Stande sehe eine Großuhr-"Revision" zu machen? Ich denke da an Wochen/Monate, nicht an Jahre.

Mit Dank und Gruß und Erleichterung und Verwunderung
Michael
 
gsl

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Der Hebnagel sollte aus gehärtetem Tamponstahl sein

Den 0.7er Tamponstahl habe ich mir besorgt, der Schreibtisch ist ein wenig "abgearbeitet" und die Zeit der Wahrheit nähert sich.

ohne die Möglichkeit Zapfen rollieren zu können, Lager zu reparieren und vor allem die Paletten zu schleifen und polieren

Herrmans Bemerkung hat mich nicht entmutigt, sie hat aber meinen Ehrgeiz angestachelt.

Von Lager reparieren bin ich gefühlt noch Lichtjahre enfernt. Aber ist das in jedem Fall nötig? Auch wenn die Lager nicht "ausgeleiert" sind und ein großes Spiel haben?

Jedoch Zapfen Rollieren, kommt mir nach etwas Lektüre und YouTube Vidüre jetzt nicht wie Raketenwissenschaft vor.
Wenn ich mir einen Rollierstuhl zulege, oder eine entsprechende Vorrichtung improvisiere (feine Bohrfutter hätte ich da), womit würde ich den Zapfen polieren?

Bei der Suche nach Rollierfeilen bin ich nicht wirklich glücklich geworden, aber ich habe einen kleinen sehr harten Naturschleifstein entsprechend einer 10.000er Körnung da, mit dem ich sonst meine Rasiermesser nach dem Schleifen "finishe".

Paletten zu schleifen und zu polieren kommt mir auch ziemlich außer Reichweite vor, insbesondere da ich mir das Einstellen der Paletten am Anker nicht so Recht zutraue. Ich könnte aber besonderes Augenmerk auf das penible Reinigen der Paletten setzen und eventuell versuchen die zugänglichen Teile der Paletten mit der gleichen "Feile" sauber zu "polieren", wie die Zapfen.

Wäre das etwas, oder denke ich Unsinn?

Und ganz generell, ist das Zapfenrollieren auch in jedem Fall erforderlich? Ich habe ein Vergrößerungsglas x60 mit Beleuchtung, das ich sonst auch zum Prüfen der Klingen der Rasiermesser benutze. Wenn mit dieser Vergrößerung keine Rillen oder andere Unebenheiten sichtabr sind, müssen die Zapfen dann auch rolliert werden?

Dank und Gruß
Michael

P.S. Der Uhr geht's sehr gut, sie ist schön reguliert und wenn sie nicht den abgebrochenen Hebnagelzahn hätte, könnte man meinen, sie könnt kein Wässerchen trüben. Ich bin also guter Dinge. Ich habe mir auch ein Übungswerk ohne Kasten und Pendel zugelegt, damit ich das nicht zum ersten Mal an einer "guten" Uhr mache. Schade, im Übrigen. Es ist ein sonst (bis auf die Aufhängung und das Pendel) komplettes GB zweigewichter mit Grahamanker und Emailziffernblatt.
 
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Matthias MUC

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Naja, wenn Du Geschick hast (wovon ich, wenn ich Deine anderen Beiträge so vor Augen habe, ausgehe), wirst Du das Übungswerk ja nicht kaputtmachen. Wenn genug geübt ist, lassen sich die fehlenden Teile sicher irgendwo organisieren und dann wird wieder eine ganze Uhr draus. Also dann doch nicht "schade".

lG Matthias
 
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Update:

Die Uhr hängt und läuft wieder seit zwei Wochen, schon zweimal Aufgezogen, keinmal stehen geblieben. Schlägt richtig und schön und ist auf <30 Sek./Woche reguliert.

Ich bin glücklich und stolz!

Meine Erfahrungen mit der Reparatur dieser und der Übungsuhr, die ich vor ihr noch zerlegt, gereinigt, zusammengebaut und eingestellt habe, dem Einstellen der Schlagwerke, wollte ich in einem anderen Thread für nachkommende Neulinge teilen. Dieser Entwurf ist aber vom Forumsdämon verschluckt worden und ich kann auf den gespeicherten Entwurf nicht mehr zugreifen. Viellecht löst sich das Problem in Wohlgefallen auf, vielleicht erbarmt sich ein Betreiber und sieht in der Datenbank nach, vielleicht finde ich irgenwann mal die Kraft es erneut zu schreiben, zumindest was ich nioch in erinnerung haben werde.

Hier jetzt einmal der Vollständigkeit halber:
Ich habe das Werk ausgebaut, zerlegt, gereinigt, das Hebnagelrad repariert (den Fehlenden Nagel ersetzt und die anderen geradegebogen), zusammengebaut und mit Sorte 3-5 geölt. Die Federn habe ich Federn sein lassen. Ich habe lediglich die Deckel aufgemacht, mich davon überzeugt, dass die Federn halbwegs sauber (nicht verklebt) und geölt sind, habe die Wellen rausgenommen, gereinigt und gefettet. Das muß in Ermangelung eines Federwinders reichen. Das wird mir auch von Enfield in "Clock Mainsprings for the Beginner" hier
als adäquat bestätigt.


Lager und Zapfen habe ich auch nur gereinigt und nicht rolliert oder ersetzt, es bestand auch keine Notwendigkeit dafür, da keines der Lager weit war oder geeiert hat und die Zapfen auch unter 60facher Vergrößerung keine Rillen oder Unebenheiten aufwiesen. Ich habe zwar noch nie Zapfen und Lager gesehen, die einer Behandlung bedurften (der Fluch des Autodidakten), bin aber davon leidlich überzeugt, dass diese OK sind.

Den gebrochenen Nagel vom Hebnagelrad habe ich an der Triebnietmaschine mit einer Spitzpunze ausgetrieben, den 0.7er Tamponstahl in den Dremel gespannt und auf einem feinen Schleifstein auf 0,64 runtergeschliffen, mit einer "Flex" am Dremel zurechtgeschnitten, an der Triebnietmaschine eingetrieben und von hinten abgeschliffen. Ist wirklich schön geworden:


1618665073101.png

Die Uhr hängt jetzt gerade und der Abfall stimt auch. Das war auch eine Erfahrung, den Anker im Kasten "blind" zu manipulieren, aber es ist besser gegangen, als man meinen würde.

Alles in Allem ein erfolgreiches und immens befriedigendes (Lern)-Abenteuer!


Dank und Gruß
Michael
 
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