Musik und Moral

Diskutiere Musik und Moral im Small Talk Forum im Bereich Community; Da im "Uhren und Prominente" Thread die Diskussion ja administrativ unterbunden wurde, hier einmal der wahrscheinlich hoffnungslose Versuch, den...
screwston

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Da im "Uhren und Prominente" Thread die Diskussion ja administrativ unterbunden wurde, hier einmal der wahrscheinlich hoffnungslose Versuch, den Gesprächsfaden tatsächlich an anderer Stelle fortzuführen.

Da sich Pro und Contra bzgl. des lyrischen Wertes der Dichtungen des Herrn Felix Blume, wahrscheinlich besser bekannt als Kollegah, aber alsbald wieder öfter im Kreis drehen, als meine Rolex Lünette, versuche ich hier die Thematik noch ein wenig zu abstrahieren.

Und zwar in dem Sinne, dass mich die Mannigfaltigkeit der Bedenkenträger und Zeigefingerwedler im Bezug auf die Songtexte von Kollegah mal wieder zu der Fragestellung geführt haben, warum man der Musik als wahrscheinlich einziger moderner Kunstform so eine lästige moralingetränkte, manchmal schon fast pädagogische Mission mit auf den Weg gibt.

In der Literatur ist die Gewalt präsent, seit in der Bibel der erste Familienstreit des alten Testaments direkt mal per Totschlag geklärt wurde. In der Malerei zeichnet bspw. ein Otto Dix Szenerien, die sich eher wenig behaglich über dem Wohnzimmerkamin machen. Und von Filmen braucht man ja erst gar nicht anfangen. Da ist ein Tarantino Kult, dessen Hauptfiguren so gut wie jedes Problem durch exzessiven Gewaltgebrauch lösen. Und insbesondere die Gangsterfilm-Helden wurden zum Kult, was man hier an so manchen Pacino oder De Niro Avatar sehen kann, die ja einen klaren Rollenbezug aufweisen.

Nicht falsch verstehen. Ich liebe diese Filme. Auch wenn sie Figuren zeichnen, die betrügen, töten, Drogen verkaufen. Trotzdem ist das irgendwie sozial akzeptiert. Man kann quasi in jeder gesellschaftlichen Situation dazu stehen, lieber Der Pate zu schauen, als Schlaflos in Seattle. Das ist normal, verständlich, im allerschlimmsten Falle "typisch Mann". Aber wenn ich sage, dass ich lieber 2Pac anstatt Chris de Burgh höre, würde wohl ein Großteil der Kandidaten, die immer so gut wissen, was der seriöse (Geschäfts-)mann in jeder Situation zu tun, zu tragen und zu unterlassen hat, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Diese Frage ist nur - warum? Warum ist es gerade die Musik, welche manche Menschen in die vermeintliche Position versetzt, damit andere im Verhalten einordnen zu können? Warum macht einen der Gangsta Rap zum Gangsta, oder zumindest zur zwielichtigen Gestalt, der Gangsterfilm aber nicht?

Und das gleiche Problem haben ja auch die Künstler. Wenn Alfredo Pacino vor der Kamera seine Frau beleidigt, ein halbes Kilo Weißes schnieft und eine zweistellige Anzahl an Menschen mit dem Maschinengewehr zerkleinert, ist es ein Kultfilm. Wenn Felix Blume auf einem Beat Kokain und Nutten verkauft, ist es White Trash, widerwärtig und ekelhaft. Eine komische Doppelmoral, die man ja gerne einmal diskutieren kann. :face:

Soll dem Musiker keine Trennung zwischen Kunstfigur und Realität ermöglicht werden? Oder ist gar Musik selbst, wenn sie denn über Text verfügt, im Idealfall seichte Unterhaltung, zwischen Verliebtheit, Trennung, Tanzen und vielleicht mal Traurig sein?

Auch wenn ein Gesprächsverlauf wohl ähnlich schwierig zu transplantieren ist, wie ein Organ, der Versuch war es diesmal zumindest wert.
 
MRBIG

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Warum diese komplizierten Eröffnungen eines neuen Themas? :roll:
 
Mueller27

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Häh?!

Magst Du vielleicht mal in der Diskussion vorangehen, mit sowas wie einem Statement oder einer Aussage von Dir. Was Dir gefällt, oder nicht. Wie Du Dinge interpretierst.

Ich kann in deinem Text oben keinen Diskussionsbeitrag erkennen.

Und ich dachte ja schon, meine Posts wären manchmal verschwurbelt .... :-)

Carsten

P.S:
Haftbefehl is' besser !
 
Articus

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Die Antwort ist sehr einfach: Musik ist Kunst und Kunst kennt keine Moral.
 
screwston

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Warum diese komplizierten Eröffnungen eines neuen Themas? :roll:
Weil ich mir nicht sehnlicher erhofft hatte, als einen geistreichen Einzeiler + Smiley :face:

Und weil die Diskussion hier in einem anderen Thema sehr amüsant und spannend war, aber eben an der falschen Stelle. Und da Ordnung ja sein muss - wir sind ja schließlich immer noch in Deutschland!!!!! - war das der Kompromiss.

Wenn du lieber über über "Schaut mal, ich hab mir für den Preis eines Kleinwagens eine Kaffeemaschine gekauft" oder "und hier nochmal meine Rolex auf dem Fliesentisch von Tante Gertrud, und hier meine Rolex auf der Familienpackung Mortadella" diskutieren möchtest, gibt es ja auch diese Möglichkeiten.
 
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thp001

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Ich bin der Meinung, Du liegst falsch, wenn Du glaubst, dass alle Leute z. B. die Filme von Tarantino mögen, es aber Einige gibt, die Texte von Kollegah schrecklich finden. Ich kenne auch Einige, die die Filme von Tarantino schrecklich finden, aber Kollegah wiederum ziemlich gut ...

Und die einfache, aber m. M. n. völlig richtige Antwort hat Articus schon gegeben.

Gruß, thp001.
 
MRBIG

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Weil ich mir nicht sehnlicher erhofft hatte, als einen geistreichen Einzeiler + Smiley :face:

Und weil die Diskussion hier in einem anderen Thema sehr amüsant und spannend war, aber eben an der falschen Stelle. Und da Ordnung ja sein muss - wir sind ja schließlich immer noch in Deutschland!!!!! - war das der Kompromiss.

Wenn du lieber über über "Schaut mal, ich hab mir für den Preis eines Kleinwagens eine Kaffeemaschine gekauft" oder "und hier nochmal meine Rolex auf dem Fliesentisch von Tante Gertrud, und hier meine Rolex auf der Familienpackung Mortadella" diskutieren möchtest, gibt es ja auch diese Möglichkeiten.

Ich hätte aus meinem Einzeiler fix einen Zweizeiler generieren können.

Aber diese Vorgabe konnte ich deinem Erstbeitrag nicht entnehmen. ;-)
 
screwston

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Häh?!

Magst Du vielleicht mal in der Diskussion vorangehen, mit sowas wie einem Statement oder einer Aussage von Dir. Was Dir gefällt, oder nicht. Wie Du Dinge interpretierst.

Ich kann in deinem Text oben keinen Diskussionsbeitrag erkennen.

Und ich dachte ja schon, meine Posts wären manchmal verschwurbelt .... :-)

Carsten

P.S:
Haftbefehl is' besser !
Ich versteh den Haftbefehl aber oft nicht. Also im ganz direkten Wortsinne :face:

Ich hatte gehofft, das "komische Doppelmoral" Statement genug wäre.

Aber um es noch deutlicher zu machen. Ich mag Gangster Filme. Ich mag Gangsta Rap. Im eigenen geschäftlichen Handeln würde ich mich aber als seriösen Geschäftspartner bezeichnen.

Heisst: Ich maße mir nicht an, auf Basis des Kunstgeschmacks von einer Person Rückschlüsse auf deren Charakter, Entwicklung, Ehrlichkeit, whatever zu schließen.


Die Antwort ist sehr einfach: Musik ist Kunst und Kunst kennt keine Moral.
Also teilst du auch meine Einschätzung nicht, dass manche Formen der Kunst einem stärkeren Druck zu Einhaltung von gesellschaftlichen Konventionen und Normen unterliegen als andere?


Ich bin der Meinung, Du liegst falsch, wenn Du glaubst, dass alle Leute z. B. die Filme von Tarantino mögen, es aber Einige gibt, die Texte von Kollegah schrecklich finden. Ich kenne auch Einige, die die Filme von Tarantino schrecklich finden, aber Kollegah wiederum ziemlich gut ...

Und die einfache, aber m. M. n. völlig richtige Antwort hat Articus schon gegeben.

Gruß, thp001.
Ich habe nie behauptet, dass alle Menschen Tarantino mögen. Nur sagen dir die meisten Menschen, die Tarantino nicht mögen, dass sie seine Filme nicht mögen. Und leiten daraus keine Rückschlüsse über den Herrn Tarantino oder den Herrn thp001 ab. Das ist der Punkt.
 
Mueller27

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Screwton,

ich weiß ja was Du meinst, aber mit dem Fim-Vergleich hast Du einen komplett schrägen und falschen Einstieg gefunden:

Ein Film ist Fiktion.Er gibt nie auch nur eine Sekunde vor, etwas anderes zu sein. Das sind Schauspieler. Al Pachino ist nicht Tony Montana. Und er hat auch nie behauptet, dass er wirklich Tony Montana sei.

Und Tarantino sagt doch auch klipp und klar: Leute das ist alles Kunstblut in "Kill Bill" und Tricks. Ein Tarentino behaubtet doch nie, dass seine Filme real wären, dass "Die Braut" vor der Kamera wirklich echte Menschen niedermetzelt hätte.

Im von Dir genannten Rap-Subgenre aber - und das ist der Unterschied, der die Kids geil macht, und die Eltern panisch - da würden sich ein Tarentino und ein Al Pachino hinstellen bei der Oskar-Verleihung und laut und breitbeinig ins Publikum pöbeln: "Alles echt! Da ist kein Film! Wir haben die echt abgeschlachtet. Alles tod. War supi."

Ob das Publikum diese billige Anmaßung nun glaubt oder nicht, ist erst mal zweitrangig. Es geht um die Behauptung, das eigene "Produkt" sei keine Fiktion sodern die Realität.

Ist das verständlich was ich meine? Dass das Filmbeispiel nichts taugt in dem Zusammenhang?

Carsten
 
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screwston

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Ist das verständlich was ich meine? Das das Filmbeispiel nichts taugt in dem Zusammenhang?
Verständlich ja, ist ja kein Haftbefehl Text :face: Aber leider sachlich falsch. Kollegah, um bei diesem Beispiel zu bleiben, hat oft genug in Interviews klargestellt, dass das Unterhaltung ist, er privat Student ist bzw. war, und seine tatsächliche Strafakte eher überschaubar ist. Und wer Farid Bang mal in Videos / Interviews gesehen hat, merkt auch schnell, dass das ein sehr spezieller Entertainer ist, aber er wenig Wert darauf legt, dass das jemand wirklich ernst nimmt. Also wer so dumm ist, diese Musik für eine Tatsachenbeschreibung zu halten, den darf man auch keinen Actionfilm sehen lassen.

Natürlich gibt es auch Kandidaten wie Rick Ross, die sich vehement wehren und veweigern, wenn ans Tageslicht kommt, dass der Miami Cocaine Boss mal Gefängniswärter war. Aber das ist wieder ein anderes Thema.
 
Mueller27

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merkt auch schnell, dass das ein sehr spezieller Entertainer ist, aber er wenig Wert darauf legt, dass das jemand wirklich ernst nimmt. Also wer so dumm ist, diese Musik für eine Tatsachenbeschreibung zu halten, den darf man auch keinen Actionfilm sehen lassen.
Nein, würde ich nicht so sehen.

Das "falsch verstehen" ist beim Gansta-Rap klar indendiert und gewollt.

Auch wenn Du die Musik super findest - und ich bin da sogar nah bei Dir, Rap ist als Kunstform auf der Höhe der Zeit - solltest Du doch jeden Unbedarften, der im ersten Moment, beim reinen ersten Hören, abgestoßen und verwirrst ist, ernst nehmen und ihm seine Ablehnung auch nicht als dumm ankreiden - wie Du est jetzt genau leider machts.

Stell niemanden als "dumm" dar.

Nicht jeder tut sich vor einer Bewertung eines 3 Minuten Stückes erst mal in Szene-Magazinen oder bei Youtube in Inverview-Videos über relativierende Statements der Künster informieren. Das muss man auch nicht.

Akzeptiere, dass es für Ungeübte einfach verwirrend ist wenn ein Künster so tut als wäre er eben kein Künstler, sondern seine Fiktion wäre real. Dass muss nicht jeder auf Anhieb gleich verstehen.

Casten
 
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kater7

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Nun einige (viele?) dieser Gangsta-Rapper genießen doch ihr zweifelhaftes Image und basteln tagtäglich daran es richtig schön nach Brutalo-Gangsta aussehen zu lassen. Bei Otto-Normalo-Michel kommt dann eben Gangsta-Rapper=Krimineller Halunke auch irgendwann an, was ist daran verwunderlich?

Auch wenn ich wirklich nicht mehr zur "Zielgruppe" gehöre, rein altersmäßig, den Kilez More find ich super.



.......hab extra einen UF-Konformen unpolitischen Beitrag von ihm rausgesucht :D
 
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Horologist

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Soll dem Musiker keine Trennung zwischen Kunstfigur und Realität ermöglicht werden?
Ob sie es soll?
Sie wird nicht.

Bockelmann war Jürgens, war es so sehr, dass er selbst nicht mehr wusste, ob Jürgens oder Bockelmann dem Selbst entspricht. Kann bei Schauspielern auch geschehen, bei Musikern erwartet man aber auch weit stärker den transportierten Lifestyle als Geschäftsgrundlage.
Cobain ist auch darum früh gestorben, ebenso wie Frau Weinhaus im Suff starb und Janis und Jimmy an H.
Was ist Ursache, was ist Wirkung?

Positivbeispiele für eine erfolgreiche Abnabelung vom öffentlichen (Selbst) Bild gibt es allerdings auch, siehe Clapton und McCartney bspw.

Insofern geht man bei Kollegah und Konsorten weit mehr als bei Schauspielern davon aus, dass sie den verzapften Erdbeerkäse tatsächlich auch essen und an seinen Vitamingehalt wirklich glauben.
 
thesplendor

thesplendor

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Exil-Franke in NRW
Ich versuche mal eine Antwort auf deinen Einstiegspost und klaue bei Shakespeare. Der hat sich über den seichten Kunst-Geschmack seiner Mitbürger lustig gemacht und es den Hexen bei Macbeth in den Mund gelegt:

1. Hexe: "Was tut ihr?"
Hexen: "Wir kochen dünne Bettelsuppen."
1. Hexe: "Da habt ihr ja ein breites Publikum."
Soll heißen, die breite Masse gibt sich auch kulturell mit dünnem Zeugs zufrieden, das den intellektuellen Geist nicht sättigt.

So verhält es sich nach meiner - natürlich höchst subjektiven und höchstens von Musik- oder Literaturkritikern geteilten - Meinung auch mit diesen im Rap tätigen "Künstlern". Das ist dünnes Zeug, das vom Niveau bestenfalls auf einem Level mit Florian Silbereisen steht. Musik, die kaum diese Bezeichnung verdient, und Lyrik, die von jedem durchschnittlichen Werbetext übertroffen wird. Saitenbacher vielleicht einmal ausgenommen.
 
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Renegat

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da wo die Sonne aufgeht
... Soll dem Musiker keine Trennung zwischen Kunstfigur und Realität ermöglicht werden? ...
Genau genommen sagst du ja, dass der Kollege die Conchita Wurst des Gangsta Rap´s ist.

Gut, wenn ich den mal in Zukunft sehe oder das Zeug höre, was er von sich gibt, werde ich ihn mit diesen Augen betrachten.

Aber könntest du ihm oder seinem Management diesen Vergleich auch bitte explizit so als deine Meinung mitteilen? 8-)
 
taurielnath

taurielnath

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Hey screwston,

Dein Versuch über dieses spezielle Thema ordnungsgemäß (!!!) weiter zu diskutieren ist ehrlich rührend, zumal im Kontext Deiner Gangsta-Rappa, Zuneigung-Vorzeigung, Zwangsräumung-ähh-Reimung.
Nein wirklich! Aber ist das Uhrenforum noch der Platz dafür?

Für mich ist es nicht so einfach wie für Arcticus. Musik an sich ist noch keine Kunst. Kunst kennt keine Moral, okay, das Bild, das Lied, der Text an sich jetzt nicht aber der Schöpfer und vielleicht Künstler schon. Kennt sie, spiegelt sie, verachtet sie, nutzt sie, ignoriert sie ...

Nur weil der Schöpfer schon mal Kunst gemacht hat, wird nicht alles Kunst (siehe Beuys und Kollegah ;)). Auch tumbe Nachfrage, also der Konsument, das Publikum macht nicht die Kunst. Die bleibt schon beim Schöpfer.

Kunst entsteht für mich, wenn ein Schöpfer aus individuellem Antrieb etwas erschafft, was universell und auch wieder individuell berührt. Das kann natürlich auch mal "nur" ein Schlager sein, oder ein Rap, oder ein zufälliges Handyfoto, oder ein Hollywood-Blockbuster. Kann, vielleicht, auch mal...

Qualität ist dann noch mal ein ganz anderes Kriterium, auch innerhalb der Begriffe Kunst, Unterhaltung und Handwerk.

Uhrforum noch der richtige Platz?

Grüße
 
screwston

screwston

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Oia
Nein, würde ich nicht so sehen.

Das "falsch verstehen" ist beim Gansta-Rap klar indendiert und gewollt.

Auch wenn Du die Musik super findest - und ich bin da sogar nah bei Dir, Rap ist als Kunstform auf der Höhe der Zeit - solltest Du doch jeden Unbedarften, der im ersten Moment, beim reinen ersten Hören, abgestoßen und verwirrst ist, ernst nehmen und ihm seine Ablehnung auch nicht als dumm ankreiden - wie Du est jetzt genau leider machts.

Stell niemanden als "dumm" dar.

Nicht jeder tut sich vor einer Bewertung eines 3 Minuten Stückes erst mal in Szene-Magazinen oder bei Youtube in Inverview-Videos über relativierende Statements der Künster informieren. Das muss man auch nicht.

Akzeptiere, dass es für Ungeübte einfach verwirrend ist wenn ein Künster so tut als wäre er eben kein Künstler, sondern seine Fiktion wäre real. Dass muss nicht jeder auf Anhieb gleich verstehen.

Casten
Das war ein Missverständnis. Ich hatte mich damit auf die "schützenswerte naive Jugend bezogen", nicht auf die Kritiker. Und es war eine wirkliche rhetorische Frage.

Wobei dein Einwand natürlich richtig ist. Auch wenn ein Ausschnitt aus einem Lied und fehlende Hintergrundinformationen jetzt nicht dem Künstler anzulasten sind. Zeige jemanden, der 50 Jahre in einer Höhle gehaust hat 3 Minuten aus Scarface, von der Puderzucker Szene hin zu "Say hello to my little friend". Ohne den historischen Kontext des Films, das Ende, das weitere Schaffen von Hauptdarsteller und Regisseur. Er würde wahrscheinlich ähnlich verächtlich darüber denken.

Auch wenn ich wirklich nicht mehr zur "Zielgruppe" gehöre, rein altersmäßig, den Kilez More find ich super.


.......hab extra einen UF-Konformen unpolitischen Beitrag von ihm rausgesucht :D
Das ist mir zu sehr "Rap über Rap", "keep it real"... Aber auf jeden Fall die richtige Herangehensweise, eine Musik mal wirken zu lassen, auch wenn sie nicht der eigenen demographischen Gruppe entspricht.

Sie wird nicht.

Positivbeispiele für eine erfolgreiche Abnabelung vom öffentlichen (Selbst) Bild gibt es allerdings auch, siehe Clapton und McCartney bspw.

Insofern geht man bei Kollegah und Konsorten weit mehr als bei Schauspielern davon aus, dass sie den verzapften Erdbeerkäse tatsächlich auch essen und an seinen Vitamingehalt wirklich glauben.
Wenn ich das ins Extrem treibe, bedeutet dass aber, dass die Kunstform Musik bedingt, dass der Interpret entweder nur seine ungefilterte Realität wiedergeben darf, oder damit leben muss, dass seine Fiktion als die solche betrachtet wird?

So verhält es sich nach meiner - natürlich höchst subjektiven und höchstens von Musik- oder Literaturkritikern geteilten - Meinung auch mit diesen im Rap tätigen "Künstlern". Das ist dünnes Zeug, das vom Niveau bestenfalls auf einem Level mit Florian Silbereisen steht. Musik, die kaum diese Bezeichnung verdient, und Lyrik, die von jedem durchschnittlichen Werbetext übertroffen wird. Saitenbacher vielleicht einmal ausgenommen.
Geschmacksdiskussionen zu führen ist eine leidliche Angelegenheit. Aber so ein Pauschalurteil über ein gesamtes Genre ist schon mutig. Vor allem, da diese Art der Musik wahrscheinlich mehr Menge an Text als die meisten anderen Genres bedarf und die Interpreten von Hörern und Kritikern deutlich daran gemessen werden. Hier noch etwas Seichtes von einem Silbereisen Pendant für dich.

https://genius.com/Immortal-technique-dance-with-the-devil-lyrics
 
taurielnath

taurielnath

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Ach so,

und was den Tarantino angeht, neben allem Kommerz versucht der sich schon an Kunst. Das ist beim Filmhandwerk besonders schwierig, der vielen korrespondierenden Komponenten wegen. Respekt! Und die "ästhetische" Gewaltkomponente ist da stets nur sowas von einem eingebundenem Aspekt. Ach hört ich doch nur einen Rappa wirklich geile Dinge über geile Frauen singen ... ;)

Grüße
 
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Renegat

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da wo die Sonne aufgeht
... Kunst entsteht für mich, wenn ein Schöpfer aus individuellem Antrieb etwas erschafft, was universell und auch wieder individuell berührt. ...
tbickle hat im Grunde recht.

Wirkliche Kunst entsteht nur dann, wenn ein Suchender mit aller Kraft, Leidenschaft und Ernsthaftigkeit in seine Seele schaut und nach Antworten sucht und entweder die gefundenen Antworten mitteilen oder die unbeantwortet gebliebenen Fragen nach außen richten muß, um Antworten zu erhalten.

Hip-Hop und Rap in ihrer ursprünglichen Form hatten dieses Anliegen.

Es will doch niemand ernsthaft behaupten, Gangsta-Rap werfe erhebliche Fragen auf oder weise auf bestehende wirkliche Probleme hin oder zeige die Richtung in eine mögliche Zukunft.

Gangsta-Rap ist Wrestling mit Tonfolgen und ohne Akrobatik.

Das ist nichts mehr, als konsumentenorientierte "Musik" von Selbstdarstellern, die sich an halt- und orientierungslose Käufergruppen richtet, um denen sich mit szenetypischen Provakationen des kriminellen (oder migrationstypischen) Milieus als Idealbild des harten Jungen/des Machers darstellend die letzte Kohle aus der Tasche zu ziehen.

Dass sich mitunter auch "Jünger" außerhab der eigentliche Zielgruppe finden, ist nicht untypisch und hat was mit dem allgemein auch in gehobenen Bildungskreisen anzutreffenden Nonkonformismus zu tun.

Schaut euch den lieben Sido an oder Bushido, der sich eine Prachtvilla im Nobelort Kleinmachnow gebaut hat und sich allenfalls mit der Baubehörde rumplagt oder ein bischen Versicherungsbetrug begeht.
Der steht nicht goldbehängt im Rotlichtmileu an der Seite seiner Chicks oder an der der sich prostituieren müssenden Mutter seines Kumpels in der Schußlinie und trägt dort Battles auf Leben und Tod aus; das erledigt der mit ihm geschäftlich verbandelte Abou-Chaker Clan ...
 
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Mapkyc

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Der Startpost gefällt mir. Sogar Otto Dix kommt darin vor. Sehr gut! :super:

Ich kenne die Diskussion im anderen Thread nicht. Ich kenne Kollegah nicht. Aufgrund meiner selektiven Gewohnheiten kenne ich so Einiges nicht.

Den Vergleich zum Film finde ich legitim. Dazu möchte ich bemerken, daß ich Tarantino für einen amtlichen Geisteskranken halte. Bitte nicht falsch verstehen, ich meine das wirklich so. Handwerklich Gutes bei ihm blieb mir nicht verborgen, aber sorry, wer nur Mord und Totschlag zelebriert, der kann nicht ganz dicht sein. Dazu paßt auch, das er zwischenmenschliche Probleme im Umgang mit Menschen hat. Im real life. Er ist ein Psychopat, nicht weniger als Ted Bundy es war. Vermutluch ist er nur zu intelligent, um aktiv zu werden.

Mit Schaudern denke ich zurück an ein Interview, wo er philosophierte, wie man eine Frau ästhetisch erdrosselt. Dafür soll er sich schämen ohne Ende. Ich habe keinen Zweifel, der Typ ist völlig durchgeknallt.
 
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