Müssen Vorbehalte gegen alle "China-Zwiebeln" sein?

Diskutiere Müssen Vorbehalte gegen alle "China-Zwiebeln" sein? im Uhrencafé Forum im Bereich Uhrencafé; Mit Interesse lese ich in diversen Beiträgen die sich fast schon eingebürgerten Meinungen, die da z.B. lauten: „Fernostware ist alles Müll. Nur...
#1
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Emporio1

Guest
Mit Interesse lese ich in diversen Beiträgen die sich fast schon eingebürgerten Meinungen, die da z.B. lauten:
„Fernostware ist alles Müll. Nur alte bekannte Uhrenmarken sind gut und damit auch ihren Preis wert. China = Plunder. Bloß nicht kaufen!“

Ein leichter Seitenschwenk auf eine andere Branche, in der ich ein Geschäft führe: Modelleisenbahnen – denn hier lässt sich viel auf den Uhrensektor übertragen. Was ist passiert im Laufe der Jahre?

· Europäischen und deutschen Firmen (wer kennt nicht Roco, Märklin uvm.) geht es besch... Einige suchten ihr Heil in billigeren Produktionsmöglichkeiten und fanden sie zu Kinderhand-Dumpingpreislöhnen in Fernost.

· Der Endkunde kriegt das nicht immer mit (es steht z.T. immer noch „Made in Germany drauf), denn nach einer EU-Richtlinie muss nur ein bestimmter Prozentsatz der gesamten Produktwertschöpfung hier produziert werden, selbst wenn das die Schachtel und die Anleitung sind).

· Die ersten Produkte sind eine Katastrophe. Man lacht. Ersatzteile gibt es auch nicht.

· Dann wird es aber besser. Die Chinesen lernen sehr schnell. Man schenkt ihnen ja quasi den Technologietransfer. Zulieferbetriebe in Deutschland gehen pleite, unter anderem Formenbauer, denn die Chinesen bekommen zunächst die Werkzeuge rübergekarrt, können sie dann nachbauen, können dann eigene bauen und können letztendlich eigene sogar noch viel besser und günstiger bauen als die wenigen europäischen Firmen, die es überhaupt noch gibt.

· Irgendwann brauchen die großen chinesische Firmen ihre europäischen Auftraggeber gar nicht mehr. Kleinere werfen sie grob raus, bei größeren erhöhen sie die Preise. Sie haben alles gratis bekommen: das Know-How – und auch die Adressen derjenigen, die in Europa die Feinarbeit machen (bei Eisenbahnen sind das z.B. die Epochen- und Beschriftungsrecherchen).

· Letzter Akt: Sie kaufen einfach einen bekannten Markennamen, schmeißen alle raus und benutzen den gut eingeführten Namen jetzt für ihre eigenen Produkte. Schuld daran sind ausnahmslos die, die sich ihre eigene Konkurrenz dümmlichst aufgebaut haben. Oder es gibt findige neue kleinere europäische Firmen, die beauftragen gleich die Leute in Fernost mit Formenbau + Produktion und rollen den Heimatmarkt von unten auf, so dass es (Preis-) Druck für die etablierten Firmen gibt.

Also sollte man auch bei jeder Uhrenproduktion genauer hinsehen. Dabei steht jedem frei, dass er sich bestimmte Produkte nicht kaufen und damit bestimmte Marktverdrängungs-Mechanismen nicht unterstützen will (wer das übrigens als Modellbahner so durchziehen wollte, dass er keine China-Ware kaufen will, kann schon gleich morgen mit seinem Hobby aufhören).

Davon unabhängig ist aber die Qualität jeder einzelnen Marke zu beleuchten. Die Frage ist deshalb: Ist (immer noch) alles Schrott, was aus Fernost kommt? Diese Frage möchte ich bevorzugt an die richten, die sich mit solchen Uhren und nicht nur deren Vorurteilen auch mal richtig auseinandergesetzt haben.

Vorweg: Ich meine hiermit nicht die sog. „neuen Uhrenmarken“, die über einen Fernsehsender und über Ebay von findigen Auftraggebern mit blumigen Markennamen und wahnwitzig überhöhten UVP-Preisen in die dumme Menge geschleudert werden, denn offenbar steht ja jeden Tag ein (nur ein?) Dummer neu auf.

Ich glaube aber nicht, dass alles, was in China gefertigt (und nicht nur billigst nachgebaut wird), von dieser Qualitätsstufe sein muss – inzwischen nicht mehr. An anderer Stelle hatten wir eine Diskussion über „Uhr-Kraft“, wozu ich auch etwas geschrieben habe. Ich will gleich mal damit anfangen: Ich glaube, viele Uhren dieses jungen Herstellers sind nicht vergleichbar mit Schrott á la Tr**s oder ähnlichem, was nicht mal mehr im Netz zu nachgeworfenen Preisen mehr richtig läuft.

Nur ein Beispiel: Habe mir (aus dem letztjährigen Programm) zwei Automatikuhren der Serie „Sir Henry“ gekauft (UVP immerhin: max. 379 Euro). Diese haben ein interessantes Zifferblatt: große Sekunde, rundlaufende kleine Stunde auf der 12, retrograder Minutenzeiger (!) auf der 6. Der Betrieb ist schon optisch ein Kunstwerk. Das Zifferblatt ist sehr fein zelisiert, die Höhe von 13 mm akzeptabel. Die Gehäuseränder sind von der Gravur her m.E. exzellent gemacht.

Bedingt durch Einwände hier im Forum habe ich mir jetzt eine dieser Uhren bei meinem Lieferanten nachbestellt (gar nicht so einfach, die limitierten Auflagen sind „durchverkauft“ im Handel“), damit ich – fernab meiner Sammlung - mal eine ein paar Monate tragen kann um selbst zu sehen, dass sie nicht nach kurzer Zeit schlappmacht. Mein Fachhändler gibt zudem an, er kaufe die Uhren (zu einem dann höheren Einkaufspreis) nur mit einem mehrstufigen Prüfungsprogramm von Uhr-Kraft und erhalte so nur einwandfreie Ware; Reklamationen habe er fast noch nie gehabt (während eine Bekannter von mir mit seiner sauteuren Breitling nach 7 Nachbesserungsversuchen binnen 15 Monaten schon mit jener Luxusmarke aufgegeben hat).

Fazit: Ich glaube, dass es in Fernost Fertigungsstätten gibt, die inzwischen in der Lage sind, hochwertige Automatik- (und natürlich auch Quartz-) Uhren herzustellen. Man muss nur danach suchen. Der Uhr-Kraft Produzent gehört meiner Meinung nach dazu.

Grüße aus der Eifel,
Emporio
 
#2
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oppa tictac

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ähnliche erfahrungen haben wir doch schon vor über 30 jahren mit japanischen hifi geräten gemacht.sie wurden verteufelt (schrott,keine ersatzteile u.s.w.bloss nicht kaufen)
und heute ????????????? :shock: :shock: :shock:
 
#3
Saltire

Saltire

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oppa tictac hat gesagt.:
ähnliche erfahrungen haben wir doch schon vor über 30 jahren mit japanischen hifi geräten gemacht.sie wurden verteufelt (schrott,keine ersatzteile u.s.w.bloss nicht kaufen)
und heute ????????????? :shock: :shock: :shock:
genau!
deshalb hege und pflege ich auch meine 16 jahre stereoanlage von
KENWOOD :lol:
 
#4
raxon

raxon

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Jo, nicht alles was aus Asien kommt ist Schrott. Gutes Beispiel ist doch Seiko!
Man muss aber sagen, dass sehr viel in Asien einfach kopiert und damit der Markt überschwemmt wird.

Naja, aber im allgemeinen hielten (oder halten) die alten Elektrogeräte um einges Länger. Meine Hifi-Anlage von Sony läuft schon seit 14 Jahren ohne Probleme, aber meine Sony Fernseher hat nach 6 Monaten schon die ersten Macken gezeigt :D

Grüsse
rax
 
#5
Axel66

Axel66

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Ich habe keine Berührungsängste!
Allerdings bin ich mir bewußt, das die Uhr im Falle eines Falles wohl nicht mehr repariert wird. Aber für 27 EUR hat diese China-Osco mir jetzt seit einem Jahr (gut nur als Uhr für's Grobe getragen) gute Dienste geleistet.
Erst mit dem Orginalband:

Mittlerweile am bequemen Velcro:

Aber eigentlich könnte ich auch eine Quarzuhr für's Grobe tragen! :?
Wo allerdings Uhr-Kraft besser als Trias sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Bei Uhr-Kraft nach UVP zu gehen ist wohl...
Also für 379 EUR bekomme ich eine Seiko Spirit und kann mir immer noch eine China-Komplikation leisten! :wink:

Gruß,

Axel
 
#6
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geraldn

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Servus zusammen

Wat´n dat wieder für ein seltsamer thread. Die Heroisierung von Geiz ist Geil oder was. Ein Haufen Wahrheiten, Halbwahrheiten und Mutmaßungen.

@Emporio
Du beschreibst den Niedergang der Roco, Märklin, Fallers, usw. Und irgendwie höre ich heraus, das Du das nicht so prickelnd fandest. Anschließend singst Du das Loblied auf Uhrkraft, und in einem anderen Post findest Du es klasse wenn Raxon Werbung für ALDI macht (als würde ALDI noch Werbung brauchen).

Was die Chinesen anbetrifft, so ist es richtig, dass unsere Wirtschaft irgendwo zwischen Geldgeilheit (kurzfristig) und Insolvenz (langfristig) manövriert. Um Geschäfte im größten Markt der Erde zu machen, gibt man know how dorthin, um anschließend über den Tisch gezogen zu werden. Prominentestes Beispiel ist doch der TransRapid, den, nach eingehenden Studien , die Chinesen nun selbst bauen wollen.

Aber hier geht es doch um chin. Uhren, nicht um Japanische. Denn schon da muß man gewaltige Unterschiede machen. Immerhin haben uns die Japaner nie vorgemacht, dass die Produkte mehr wert seien, als sie es eigentlich sind. Und Sie haben schon immer versucht, beste Qualität zu erzeugen. Ob das nun Uhren, HiFi, Photo oder Auto´s waren. Mit Chinaware sieht das doch ganz anders aus. Es gibt in der Regel keine durchschaubaren Vertrieb. In fast allen Bereichen wird mit horrend überzogenen Preisen gearbeitet. Die Kunden werden serienweise im Kauf-TV verarscht. Das hat mit Vorurteilen nichts zu tun, das sind Tatsachen. Es gibt hier sicher Ausnahmen, und Uhr Kraft gehört m.M. auch dazu.

Auch ich führe eine chin. Marke. Aber ich habe die Gewissheit einen Service in Deutschland zu haben, der mir jederzeit weiter hilft, wenn es Probleme gibt. Und es wird dort nicht mit überzogenen UvP´s gearbeitet. Dazu kommt, daß die Uhren fast ausnahmslos im Fachhandel über den Tisch gehen. UhrKraft oder auch Ingersoll geht den gleichen Weg. Bei Trias gibt es sogar Uhren mit Schweizer Werken, die teilweise in Deutschlang gefertigt werden. Und genau darin liegt ein Problem dieser "Uhrenmarken". Es sind nämlich keine. Fast alle lassen fertigen wo ein bestimmtes Angebot am günstigsten ist. Und es gibt viele Hersteller in China. Es ist also vermessen zu glauben, das eine "Marke" nur von einem Hersteller beliefert wird. Das Logo aufzudrucken ist für die Burschen doch die leichteste Übung. Daher liegt es am Importeur die Qualität sicher zu stellen. Und die Wenigsten tun dies auch.

Mein Fachhändler gibt zudem an, er kaufe die Uhren (zu einem dann höheren Einkaufspreis) nur mit einem mehrstufigen Prüfungsprogramm von Uhr-Kraft und erhalte so nur einwandfreie Ware;
Wenn das so stimmt (was ich nicht glaube): Was glaubt Ihr wo die anderen Uhren landen? In der Tonne? Selten so gelacht. Aber wenn es so wäre, das es zwei Qualitäten gäbe: Wie will der geneigte Kunde unterscheiden, ob er jetzt die gute oder die schlechte Qualität (von der wir ja ausgehen, daß Sie nichts taugt) vor sich liegen hat?

(UVP immerhin: max. 379 Euro).
Das ist ja noch milde. UvP´s gehen ja bisweilen in den vierstelligen Bereich.

Der Endkunde kriegt das nicht immer mit (es steht z.T. immer noch „Made in Germany drauf), denn nach einer EU-Richtlinie muss nur ein bestimmter Prozentsatz der gesamten Produktwertschöpfung hier produziert werden
Um genau zu sein 50% des EK. Und bei einer Uhr die im Einkauf 20 EUR kostet, reicht es eine halbe Stunde die chin. Rechnung zu lesen. Nur so am Rande: Ich erhalte jeden Monat Werbung eines China-Großhandels. Die Uhren werden mir ab 2. 95 EUR angeboten. Automatik ab 20 EUR. Was denkt Ihr, was der Großhändler (der auch noch Garanie gibt) in EK bezahlt? Aber im Leben würde ich die Uhren nicht anbieten. Ich versue mir doch meine eigene Branche nicht,........ auch wenn das schnelle Geld.............

die limitierten Auflagen sind „durchverkauft“ im Handel
Was für ein Nonsens. Die Russen haben mit Poljot den gleichen Schmarren aufgezogen. Limitierte Serie 1000 Stück. Also waren die Uhren nummeriert mit einer laufenden Nummer von 1000. Mal sehen wie die Serie läuft. Ist Sie gut gelaufen, kam die Serie mit 1500 hinterher. Geile Limitierung. Bei den Chinesen läuft das anders. Da werden 10000 gemacht und unter 10 Namen in eBay, oder sonstwo verhökert. Und nach einem halben Jahr hat man schon die neue "Kollektion" in den Markt gedrückt. Da gibt man sich mit dem alten Design doch nicht mehr ab. So gesehen ist jedes Daimler Modell limitiert. Irgendwann kommt das neue Modell, und das alte läuft aus.

Bitte, nicht falsch verstehen, aber ich bin da seeehhhhr differenzierter Meinung. Die Chinaware ist ein Haifischbecken, in dem sich ein paar andere Fische tummeln. Leider kann der Kunde kaum die Spreu vom Weizen trennen, denn viele Anbieter sind bemüht Ihre Haifische zu tarnen.

Schönen Gruß
Gerald
 
#7
schredder66

schredder66

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Moinsen,

interessanter Faden 8) !

Wie wollt Ihr Euch gegen China-Produkte wehren? Ok, offensichtliche Chinakracher wie die eBay- und 123TV-Luxusuhren mal ausgenommen: Woran erkennt Ihr, dass z.B. die Uhr Eurer Träume nicht in China hergestellt wurde?

Ist es nicht so, dass viele japanische Unternehmen (wg. dem globalisierten Wettbewerbsdruck) in China fertigen lassen? Von meinem japanischen Arbeitgeber weiss ich es ganz sicher!

Das Problem hat Gerlad aufgezeigt: Unternehmen wollen im chinesischen Markt Fuss fassen und riskieren dabei, dass ihr Knowhow schamlos be- und ausgenutzt wird. No risk, no fun bzw. der Preis der Gier!
 
#8
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Emporio

Guest
Mit dem „seltsamen thread“ dürfte wohl ich gemeint sein. Gerald, wenn du zum Schluss schreibst, du seiest differenzierterer Meinung, dann könntest du auch meine Meinung verstehen, auch die über Aldi in einem anderen Beitrag. 3 Sachen haben erst einmal GRUNDSÄTZLICH nichts miteinander zu tun:
1. Wie ist die Qualität einer Uhr
2. Wo wird sie oder wo werden die meisten ihrer Bauteile gefertigt, und
3. Will ich so ein Produkt kaufen, wenn es in einem Billigland zusammengeschraubt wird, was mir selbst aus ideologischen Gründen (oder weil ich selbst Kaufmann in einem Hochpreisland bin) nicht gefällt.

Leute, nicht alles in einen Topf werfen! Möglich wäre z.B.: Die Uhr ist eine China-Zwiebel (der Ausdruck von euch gefällt mir übrigens), sie gehört zu den wenigen, die trotzdem gut sind – aber ich will sie nicht kaufen, da ich gegen fernöstlichen Preisdumping bin. Unmöglich finde ich aber, was einige tun, die Logik andersrum aufzubauen: Die Ware ist auch China und deshalb auch besch... Außerdem vernichtet sie unsere Arbeitsplätze. Deshalb bloß nicht kaufen.

Ich singe kein Loblied auf China und Aldi, da wurde ich krass oder sogar vorsätzlich falsch verstanden (gelbe Karte!). Ich bin selbst Kaufmann und muss jeden Tag mit ansehen, wie Billigware auf den Markt mit guten teureren Konkurrenz-Produkten schwemmt und wie en masse vor allem Internetverkäufer, die später alle pleite gehen werden, mit Nullaufschlägen ihre Ware in den Markt donnern, in der Hoffnung, sie könnten mit dieser Wahnsinnsstrategie überleben oder Kunden halten.

Nur: Ich kann die Zeit nicht anhalten. Wer weiß denn schon als Käufer genau, wie viel Prozent der Bauteile in einem Produkt wirklich noch hierzulande gefertigt werden - auch bei Uhren?! Außerdem kann ich mich nicht einfach dem globalisierten Markt verschließen, wenn die Endkunden solche Produkte bei mir kaufen wollen. Ich kann nur einen besseren Service bieten als viele Durchschieber, und als Fachhandel beratend wirken und den Leuten sagen, diese Fabrikate aus Fernost verkaufe ich dir nicht, da Schrott, aber jene haben wir getestet und begutachtet und sie sind exzellent. Das ist für mich Beratung, und so gewinne ich auch ohne Ideologie das Vertrauen der Kunden.

In meiner Berufsbranche gehen die Läden reihenweise pleite, aber unsere Firma verzeichnet – und wir sind kein Durchschieber – jährlich Umsatzzuwächse. Obwohl ich auch Chinaware verkaufe, und zwar ausschließlich von Anbietern, die wir selbst als sehr gut eingestuft haben. Die restlichen verkaufe ich nicht, selbst wenn ich daran Geld verdienen könnte. So eine Strategie sehe ich als differenziert an. Unsere Stammkunden haben deshalb Vertrauen und kaufen auch schon mal blind etwas, wenn wir es empfehlen.

Und was, zurück zu den Uhren, wohl mit den Uhr-Krafts passiert, die – wenn es ihn denn gibt – den vertreiberinternen Prüfungsprozess nicht erfolgreich durchlaufen haben: Ich denke schon, dass die dann ganz normal im Markt entsorgt werden – bei anderen Händlern. Das sind dann die, die Anlass zur Klage geben beim Endkunden. Deshalb kaufe ich die Uhren dieser Marke auch nur bei einem Händler, bei dem ich noch nie reingeflogen bin.

Tschüß,
Emporio
 
#9
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geraldn

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Servus Emporio

So weit sind wir ja gar nicht auseinander. Ich häbe ja auch ein Produkt aus China im Programm. Und mir ist schon klar, daß auch Teile anderer Uhrenmarken in meinem Sortiment z. T. auch aus den Ländern der Mitte kommen können, ohne daß ich oder der Kunde das sehen.

Aber um die 3 Punkte mal aufzuzeigen:

1. Wie ist die Qualität einer Uhr
Die Ware aus China ist derzeit qualitatativ schlechter als Andere. Da beißt die Maus keinen Faden ab. In 5 oder 10 Jahren mag das anders sein. Aber heute ist es noch so. Dafür ist die Ware auch deutlich günstiger. Es gibt keine Gangreserve unter 500 bis 600 EUR aus Europa. Bei China-Werken schon unter 200 EUR wenn Sie denn aus dem Laden kommt. Via eBucht und TV i.d.R. noch günstiger.

2. Wo wird sie oder wo werden die meisten ihrer Bauteile gefertigt
Ist doch ganz einfach: In China ist auch immer China drin. Und zwar nur China. In anderen Produkten ist vielleicht auch China drin. Da sind die Zeiger möglicherweise aus Hong Kong, die Gehäuse aus Thailand, das Uhrwerk aus der Schweiz und montiert wird in Singapur. Keiner kann das genau sagen. Wo aber z.B. ein ETA verbaut wird, ist die Uhr eben nicht zu Dumpingpreisen zu haben.

Will ich so ein Produkt kaufen, wenn es in einem Billigland zusammengeschraubt wird, was mir selbst aus ideologischen Gründen (oder weil ich selbst Kaufmann in einem Hochpreisland bin) nicht gefällt
Und da liegt der Hase im Pfeffer. Was der Kunde kaufen will bestimt doch die Werbung und das Gehabe drumrum. Keiner will Ware aus China kaufen, wenn er weiß, dass er hier die Branche in den Gulli fährt. Aber geschickt manipuliert kauft er es dann doch:
  • Geiz ist Geil: Ein SUUUUUUPerschnäppchen wird vorgegaukelt.
  • Mehr Schein als Sein: Tolle "Komplikationen" erwecken den Eindruck der Höherwertigkeit gegenüber der einfachen 3-Zeiger Uhr aus hiesiger Produktion.
  • Nebeltaktik: Dem Kunden wird die Herkunft verschwiegen, oder gar sogar falsch dargestellt.
  • Knappe Resourcen: Sog. Limitierungen lassen die Rarität noch wertiger wirken.

Genau nach diesem Schema wird in der Bucht und dem Kauf TV gearbeitet, und die Kunden kaufen scharenweise. Wer über diese Tatsachen einer China-Uhr genau Bescheid weiß, und trotdem eine haben will, der sollte sich an den Händler seines Vertrauens halten, so diese "Marke" überhaupt über Händler an der Ecke zu haben sind. Denn nach dem Kauf ist dieser ja 2 Jahre in der Gewährleistungspflicht. Nicht der Hersteller. Denn den gibt es in der Regel eigentlich nicht, zumindest ist es nicht der, welcher auf dem ZB steht.

wie en masse vor allem Internetverkäufer, die später alle pleite gehen werden, mit Nullaufschlägen ihre Ware in den Markt donnern
100% agree. Das macht nicht nur den Händler auf lange Sicht den Gar aus, sondern auch der Branche.

Und was wohl mit den Uhr-Krafts passiert, die – wenn es ihn denn gibt – den vertreiberinternen Prüfungsprozess nicht erfolgreich durchlaufen haben
Ich werde im nächsten Februar mal in München auf der Inhorgenta bei Uhr Kraft einlaufen. Dann werde ich die Preis und Qualitätsansprüche mal abklopfen. Bin mal gespannt ob das so ausgeht wie ich vermute :-D


Grüßle
Gerald
 
#10
R

rädchen

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was ich interessant finde, ist, das die jungs in china den mund gern voll nehmen "wir können im prinzip dasselbe wie die schweizer, wenn wir wollen... " und "ich denke wir stehen auf einer stufe mit den japaner .... nee, iss klar..oder sowas :

"In addition, we are developing a new movement every month" ... na da bin ich mal gespannt ... ich hab auch mal nen chinaticker gekauft, gabs damals unter dem namen "weinberger" bei real für 29.- .... hab ich mir gleich zwei stück mitgenommen, aber die warn ja mal sowas von müll, die teile -.-....

@bastelfix: also das klingt überspitzt, aber das triffts ziemlich gut. Uhren sind sowas wie Statussymbole, und wer ein Krönchen trägt, hat sich dieses Privileg auch hart erarbeitet. Zumindest, wenn man nicht von Beruf Sohn ist. Bei nem Auto geht das nicht so schnell, man kann schlechterdings mal eben aus nem Golf nen Porsche machen. Bei Uhren ist das halt easy. Und klar, da gibts dann einige Leute, die sich mit Abi und Uni rumschlagen und erst ende 20 mal richtig Kohle sehen, und dann n bissl stinkig sind, wenn irgendwelche Prolls mit dem gleichen Style und Accessoires rumlaufen. Ich find die Leute auch peinlich, die von H&M billige Kopien der noblen Laufstegware tragen und dann n Billigblender am Arm haben -.- ..

Ich fange ja grad mit dem Thema Uhren an und denke mir z.b.: "Was finden die alle an diesen Rolex Divern, die dinger sehn doch aus wie von Neckermann und Tchibo..." ... Nee, tun sie nicht, nur haben seit Jahrzehnten viele Firmen da fleissig abkopiert und einem so die Lust aufs besondere genommen. Damit versinken die Originale halt in der Masse der Plagiate. Und warum soll man lange sparen, wenn man dieselbe Zwiebel halt für nen hunni mit Japanwerk und nem fast identischem gehäuse hat ? ... Ist halt dann nix erstrebenswertes mehr, nix, wofür man sich krumm machen muss, um es sich zu leisten. Klar regen sich die Besitzer der originalen Uhren dann auf...

Ist halt so ne soziale Kiste, diese Geschichte mit Statussymbolen und Werten, die in den Köpfen der Menschen existieren und vllt. zerstört werden....

Ich kann mir auch keine Nobeluhr leisten, aber für Fussvolk wie mich wurden nicht nur Citizen und Casio gemacht, sondern auch günstige mechanische mit schweizer Innenleben. Davon ab, interessieren mich die Protzuhren der oberen 10K auch nicht soooo sehr, oft denke ich : "OMG, es war schon immer etwas teurer, keinen Geschmack zu haben o.O" .. weil manchmal treibt der Selbstinszenierungstrieb dieser Leute doch seltsame Blüten...

Vielleicht werd ich ja auch eines Tages schwach und leg mir ne Fakezwiebel zu, ich weiss es nicht.

Andersrum wird aber auch ein Schuh draus: Ich hab nie verstanden, warum manche Leute mit ihrem dicken Daimler bei Aldi vorfahren. Also wenn diese Leute so wie du schreibst, am liebsten sähen, das alle anderen "gefälligst" diese oder jene lowprice Uhren zu tragen haben, bitte, kein Problem, aber dann ziehn wir das mit der Zweiklassengesellschaft auch bitte durch, heisst, die sollen gefälligst auch schön im Feinkostladen ihr Futter kaufen und mit dem Macbook surfen und mir nicht das Notebook beim Aldi vor der Nase wegschnappen ;) ....

das war jetzt OT, und dafür ein Sorry von mir in die Runde, aber da hat bastelfix etwas interessantes angeschnitten ;) ...
 
#11
Aldridge

Aldridge

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Andersrum wird aber auch ein Schuh draus: Ich hab nie verstanden, warum manche Leute mit ihrem dicken Daimler bei Aldi vorfahren. Also wenn diese Leute so wie du schreibst, am liebsten sähen, das alle anderen "gefälligst" diese oder jene lowprice Uhren zu tragen haben, bitte, kein Problem, aber dann ziehn wir das mit der Zweiklassengesellschaft auch bitte durch, heisst, die sollen gefälligst auch schön im Feinkostladen ihr Futter kaufen und mit dem Macbook surfen und mir nicht das Notebook beim Aldi vor der Nase wegschnappen ;) ....
Diese Leute nennt man neudeutsch Smart Shopper, und die finde ich legitim. Erstens ist Aldi-Ware nicht zwingend schlecht und zweitens müssen die da ja nicht zwingend alles kaufen und drittens haben die auch kein Geld zu verschenken. Nach dem Motto "Das Beste aus zwei Welten"... :D

das war jetzt OT, und dafür ein Sorry von mir in die Runde, aber da hat bastelfix etwas interessantes angeschnitten ;) ...
Ja, da hat er vor 3,5 Jahren wirklich was Interessantes angeschnitten, oder? :D
 
#13
Aldridge

Aldridge

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Mmh, dann haben wir uns beide geirrt, ich habe auch schon bastelfix in dem Thread gesucht. Nichts für ungut... ;-)

Ungeachtet der Tatsache: Smart Shopper halte ich eigentlich für recht schlaue Leute - nomen est omen. :-)
 
#14
Sectorfan

Sectorfan

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....das war jetzt OT, und dafür ein Sorry von mir in die Runde, aber da hat bastelfix etwas interessantes angeschnitten ;) ...
Ja aber wo??? Ich find hier nix hab den Thread schon hoch und runter :hmm:
Und ne Weinberger war die erste Uhr in meinem Leben die a) nen Zeiger verloren hat und b) die ich sofort zurück gebracht habe! ;-)
 
#16
Sectorfan

Sectorfan

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Ahh danke, dann wird jetzt nicht nur Thread- sondern gleich Forenübergreifend gepostet, praktisch ein neues Ratespiel ;-) (wo geht's wohl weiter?)
 
#18
Artheos

Artheos

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Nun wenn ich mir die Preisentwicklung der schweizer Werke und Marken der letzten Jahre so ansehe, dann kann ich nur hoffen, dass die chinesichen Konkurrenz das Geschäft belebt. Kaum ein mechanischer schweizer Chronograph liegt unter der 1000,- Euro Marke (außgenommen Swatch + Tissot, die hier die Zeichen der Zeit erkannt haben und dafür im Forum eher kritisiert werden :|).

Ich glaube nicht, dass nur bei den chinesischen Uhren enorme Differenzen zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis bestehen. Mann muss sich hierzu nur mal die "Graumarktpreise" der schweizer Uhren vor Augen halten...

Ich habe ein paar hochwertige Schweizer Uhren, aber meine momentan genauste ist meine einzige chinesische Uhr (mechanischer Handaufzugschronograph mit Seagullwerk).
 
#19
C

*caferacer2

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558
Hallo zusammen,

Ich denke, dass man unterscheiden muss zwischen einer messbaren Produktqualität zu einem definierten Preis und den Aspekten, die den Schutz geistigen Eigentums betreffen.

Ersteres ist doch recht einfach zu erheben: man nimmt Faktoren heraus, die die Qualität des Produkts ausmachen, gewichtet diese, misst sie und voila: fertig ist die Rangfolge.

Schwieriger ist die Frage danach, ob man darin ein Problem sieht, wenn geistiges Eigentum (das Design z.b. oder eben bestimmte Techniken) kopiert wird. Will man das unterstützen oder stellt man das Konstrukt in Frage, nach dem der Schöpfer des geistigen Eigentums Lizenzkosten (bei Patenten) erheben kann? Ist eine Frage persönlicher Überzeugung.

Wegen persönlichen Überzeugungen werden Kriege begonnen. Daher können wir das Thema hier nicht lösen.

S.
 
#20
hass67

hass67

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Schöne Thread mit guten Argumenten.

Erstmal zum Ausgang zurück. Es gibt im Forum nicht wenige Freunde oder gar Verfechter chinesischer Uhern, und nur über die unterhalten wir uns hier. Japanische Uhren haben mit der Diskussion nicht zu tun. Dieser Umstand ist eine Besonderheit dieses Forums. Es gibt aber auch diejenige, die chinesische Uhren nicht mit der Pinzette anrühren würden. Ich bin mir aber nicht mal sicher, ob die in der Mehrheit sind.

Zweitens kommt man an China im Uhrensektor nicht mehr herum. Da kann man noch so lamentieren. Der Zug ist abgefahren. Maßgeblich ist, wie Du richtig anmerkst, die gelieferte Qualität. Es gibt mittlerweile viele Schweizer und Deutsche Firmen, die sich Teile (evtl. auch ein Großteil der Teile) in China fertigen lassen. Darunter sind auch angesehene Schweitzer Hersteller, nicht zuletzt die ETA selbst, wovon zumindest ich fest überzeugt bin. Die haben da unten die neuesten Manufakturanlagen hingestellt bekommen. Die technischen Rahmenbedingungen sind auf dem allerneuesten Stand und besser wie alles was es in Europa gibt. Nach richtiger Anweisung und guter Qualitätskontrolle werden da sicherlich 1a Produkte gebaut. Man muss halt nur wissen, wo man einkauft, wenn man nicht selbst dort unten die Produktion leitet. Ich behaupte, dass heute in den meisten Uhren in irgendeiner Form China drinsteckt.

Dann gibt es sicherlich den billigen Schund, der im Großhandel für 2,99 € angeboten wird. Das sind halt Einweguhren. Ein halbes Jahr halten die vielleicht, eventuell auch länger. Dann schmeiß man sie weg. Jemand der sich mit Uhren auskennt, kauft so was nicht. Ich glaube nicht, dass das eine Konkurrenz für die soliden Uhrenhersteller ist. Schlimm ist halt, dass diese Einweguhren unter Phantasienamen teilweise für 4-stellige Preise angeboten werden. Das ist Beschiss. Hier werden die unwissenden Käufer über den Tisch gezogen.

Ich selbst habe 2 Uhren mit Seagullwerken, die wirklich qualitativ gut sind. Dies hat auch mein Uhrmacher bestätigt. Generell gebe ich aber schon den schweizer Werken den Vorzug, wobei ich mir sicher bin, dass hier ein Großteil der Arbeiten auch in China verrichtet wird.

Mal sehen, ob die irgendwann auch mal in der Lage sind vernünftige, eigenständige Kreationen in guter Qualität unter eigenem Markennamen zu bauen. Bisher wird ja fast nur abgekupfert oder im Kitschsektor gebaut. Sollten die dieses Stadium mal erreichen, dann wird es interessant auf dem Uhrenmarkt.

Soviel meine Ansicht dazu
ULI
 
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