Monopolist trocknet die Rohwerke-Versorgung aus?

Diskutiere Monopolist trocknet die Rohwerke-Versorgung aus? im Uhrencafé Forum im Bereich Uhren-Forum; Dieses Wikipedia-Zitat hat mich ins Grübeln gebracht: Da die ETA gemäss der schweizerischen Wettbewerbskommission (Weko) bei den in der Schweiz...
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Dieses Wikipedia-Zitat hat mich ins Grübeln gebracht:

Da die ETA gemäss der schweizerischen Wettbewerbskommission (Weko) bei den in der Schweiz hergestellten mechanischen Rohwerken (sog. Ebauches) bis zu einem Preis von 300 Fr. pro Stück über eine marktbeherrschende Stellung verfügt, wurde sie in der am 19. November 2004 abgeschlossene Untersuchung verpflichtet, ihre Kunden bis Ende 2010 weiter mit Rohwerken für mechanische Uhren zu beliefern. Dies jedoch nur noch in einem reduzierten Umfang (bis 2008: 85 %; 2009: 50 %; 2010: 25 %).

Was bedeutet das für den Markt und die Endverbraucher?

- Steigen die Ausgaben für Mechanik-Uhren jetzt wie der Benzinpreis?
- Oder hat das Ganze eine positive Seite und es wird mehr Wettbewerb durch künftige eigene Kaliber bei bisherigen Eta-Abnehmern geben?
- Sinkende Preise, innovative Neuentwicklungen bei den Laufwerken, deutlich erweiterte Auswahl?

Ich habe den Eindruck, daß sich aufgrund gestiegener Konsumenten-Nachfrage die Zahl der Endfertiger gerade in Deutschland die letzten Jahre stark erhöht hat, vielleicht kommen auch neue Ebauche-Produzenten?

Nicht ganz unwichtig für meine künftige Ausrichtung betreffs der geplanten Uhrensammlung, zuvorderst im Hinblick auf die Kostenentwicklung.

Oder sind meine Bedenken ein alter Hut, der gar nicht mehr kommentarwürdig ist?

Der "Neue" hat noch großen Wissensbedarf, bitte helft, meine Bildungslücken schliessen. :wink:
 
rainers

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Den Jungs fehlen jede Menge Uhrmacher.Alle werkseigene Firmen habe das Problem Werke zu kriegen.Selbst Sellita hat Probleme genug Werke herzustellen.Das heißt das Uhren wohl teurer werden.
Rainer
 
Cave

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Es haben bereits einige Firmen angefangen eigene, "preiswerte" Werke oder legale Kopien der üblichsten Swiss ETA Werke auf den Markt zu bringen. Das Sellita SW200 wäre da so ein Beispiel.

Daher sage ich, es wird keine nennenswerten Folgen geben - außer das eben ein paar "neue" Kaliber auf den Markt kommen.
 
Junnghannz

Junnghannz

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Vielleicht gibt es in Zukunft wieder eine Uhrwerkfertigung größeren Umfangs in Deutschland? - Schön wär's, ich selbst glaube nicht daran. Zu bequem haben es sich viele Uhrenhersteller in den letzten Jahren und Jahrzehnten gemacht und lediglich preiswerte, zugekaufte ETA-Werke in ebenfalls zugekaufte Gehäuse eingeschalt (einschalen lassen) und mit großer Gewinnspanne verkauft. Es würde mich auch nicht wundern, wenn in absehbarer Zeit verstärkt zu mechanischen Werken aus Fernost gegriffen würde, um den gewohnten Zustand aufrechtzuerhalten.


Viele Grüße

Wolfgang
 
Kube

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Junnghannz schrieb:
...Es würde mich auch nicht wundern, wenn in absehbarer Zeit verstärkt zu mechanischen Werken aus Fernost gegriffen würde, um den gewohnten Zustand aufrechtzuerhalten.
...

Wolfgang
Das kann ich mir nicht wirklich vorstellen, jedenfalls nicht bei den Modellen über 300 Euro. Ich denke schon, dass viele Uhrenfreunde schon darauf achten was sie für ihr hart erarbeitetes Geld kaufen.
 
uhrenbastler

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Ticker schrieb:
Was bedeutet das für den Markt und die Endverbraucher?

- Steigen die Ausgaben für Mechanik-Uhren jetzt wie der Benzinpreis?
Tun sie das nicht schon längst?

Ich kann mich noch an die 90er erinnern, als man bei Sinn einen Chronographen mit Valjoux 7750 für ~600DM bekommen konnte.

Heute dagegen kostet alleine schon das Werk selber so viel...

- Oder hat das Ganze eine positive Seite und es wird mehr Wettbewerb durch künftige eigene Kaliber bei bisherigen Eta-Abnehmern geben?
Im höheren Preisbereich möglicherweise, wobei das aber weniger am Preis der Rohwerke liegt, sondern eher daran, daß eigene Kaliber mehr zur Exklusivität beitragen.

- Sinkende Preise, innovative Neuentwicklungen bei den Laufwerken, deutlich erweiterte Auswahl?
Wenn man mal China ausnimmt, die in den letzten 10 Jahren wirklich nachhaltig den Markt überschwemmt haben und inzwischen die gesamte Palette vom einfachen Handaufzugswerk über den Automatik-Chronographen bis hin zum Tourbillon abdeckt, auch eher nein.

"Mechanische Uhren" werden leider immer mehr als Luxus angesehen, was wirklich im Inneren verbaut ist, spielt für viele Käufer leider nur eine sehr untergeordnete Rolle, insofern gibt es keine unbedingte Notwendigkeit, neue Werke zu lancieren. Lediglich im Hochpreisbereich, wo sich auch geringe Stückzahlen refinanzieren lassen, gibt es eine wachsende Auswahl neuerer Werke, aber das war ohnehin das Segment, in dem ETA relativ wenig zu sagen hatte.


Ciao
Christoph
 
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Die Chinesen werden sich über solche Entwicklungen bestimmt nicht ärgern!
Bernd
 
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uhrenbastler schrieb:
Ich kann mich noch an die 90er erinnern, als man bei Sinn einen Chronographen mit Valjoux 7750 für ~600DM bekommen konnte.
Heute dagegen kostet alleine schon das Werk selber so viel...
Per Internet-Zeitsprung bin ich kurz in die späten Neunziger zurückgekehrt.

Preise für eine Auswahl an Uhren aus dem Jahr 1998:

IWC UTC 5750.-
Jaeger-LeCoultre Reverso Classique 3980.-
Mühle Sportuhr M12 598.-
Omega Speedmaster Day-Date 3500.-
Rolex Submariner Date 5200.-
Sinn Modell 142 1880.-
TAG Heuer Sport 2000 995.-
Zenith Flyback-Chronograph 5600.-


Alle Modelle in Stahl-Ausführung.

Man erinnere, 1998 war das gültige Zahlungsmittel die Deutsche Mark.
Insofern hat sich an den Preisen zu heute anscheinend nicht viel verändert, nur die Währungseinheit wurde ersetzt. :schock:

Ich fürchte, Deine Annahme bestätigt sich.
 
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John Silver

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Und wie wird es dann mit Ersatzteilversorgung für aktuelle Werke von, sagenwirmal, Tag Heuer oder Breitling aussehen, also von Herstellern, die Rohwerke umbauen? Wenn ich mir heute eine Uhr kaufe, in der ein stark umgebautes ETA-Werk steckt, oder zumindest Teile davon, und der Hersteller gehört nicht zum Swatch-Imperium - schaue ich dann in die Röhre, was Revisionen und Reparaturen angeht?
 
Jamaika

Jamaika

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Hallo,

mir wird es auch immer ein Rätsel bleiben, warum die Entwicklung eines eigenen Uhrwerkes solche Schwierigkeiten mit sich bringt. Es gibt ja mehr Länder mit eigener Atombombe als mit eigener Uhrwerk-Produktion. Letzteres sind im wesentlichen nur die Schweiz, Russland, Japan und China. Dies jedenfalls, wenn man auf die Zulieferung von Werken an Dritte abhebt. In Deutschland wird ja nur für den Eigenbedarf produziert (Lange, Glashütte Original, Nomos). Korrigiert mich!

Warum bekommt ein Land wie Deutschland, das für seine Ingenieursleistung weltberühmt ist, keine eigene Werkproduktion im größeren Stil hin, um von der Schweiz unabhängig zu werden? Wie man hört, fallen für die Konstruktion eines eigenen Werks Investitionen in Höhe von etwa acht bis zehn Millionen Euro an. Die edleren deutschen Uhrenmarken wie z.B. Meistersinger, Chronoswiss, Sinn, Meer oder Askania sind kleine mittelständische Betriebe, die sich das wohl nur im Verbund leisten könnten. Dabei wären wohl auch sie von Zulieferung abhängig. Und da alle Zulieferer irgendwie von der Eta abhängig sind, scheint es da Schwierigkeiten zu geben (vom Geld und der möglicherweise fehlenden Gruppensolidarität einmal abgesehen). So wurde es mir jedenfalls kürzlich erklärt...

Was die Eta angeht: Die liefern ja in näherer Zukunft nur keine demontierten Rohwerke mehr. Montierte Werke liefern sie sehr wohl noch. Nur muss ein ambitionierterer Einschaler diese Werke dann erst wieder auseinandernehmen, um sie veredelt wieder zusammenzusetzen. Das kostet (und mich dünkt es: Schikane).

Viele Grüße

Jamaika
 
striehl

striehl

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Jamaika schrieb:
Hallo,Warum bekommt ein Land wie Deutschland, das für seine Ingenieursleistung weltberühmt ist, keine eigene Werkproduktion im größeren Stil hin, um von der Schweiz unabhängig zu werden?
Weil es wirtschaftlich uninteressant ist, der Markt an verrückten Mechanikfreunden im unteren und mittleren Preissegent ist einfach zu klein und wird bereits bestens bedient.
 
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