Methoxypropanol zur Reinigung und Tauchschmierung

Diskutiere Methoxypropanol zur Reinigung und Tauchschmierung im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhrenwerkstatt; Hallo Mechanik-Uhren-Gemeinde, auf meiner Suche nach einem Lösungsmittel für Fette und Öle (auch verharzte) habe ich mit Äthanol, Methanol...
#1
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Hallo Mechanik-Uhren-Gemeinde,

auf meiner Suche nach einem Lösungsmittel für Fette und Öle (auch verharzte) habe ich mit Äthanol, Methanol, Benzin u. ä. experimentiert. Da das altbekannte (und bewährte!) Tri nicht mehr ohne weiteres erhältlich ist, habe ich weitergesucht und bin auf Methoxypropanol gestoßen, einem Lösungsmittel, das z. B. in der Farbstoffindustrie eingesetzt wird (Chemiker unter Euch: korrigiert, wo ich falsch liege – danke!).

Das Methoxypropanol (Propylenglykolmethylether) habe ich mit Ammoniak versetzt, und zwar nur soviel, daß es einem nicht sofort den Atem verschlägt, wenn man damit arbeitet.

Damit lassen sich die Uhrenteile sehr gut reinigen (Rotationstechnik) und sehen auch wieder sehr gut aus. Mehrfaches Nachspülen mit Isopropanol (billig) schafft Sauberkeit.

2. Anwendung – Tauchschmierung:

Unser UF Kollege Philipp hat mich darauf gebracht, Uhrenöl in Benzin zu lösen (3 % Öl), die Freilaufkupplungen in den Automatikabteilungen darin zu baden und dann zu trocknen. Das Benzin verdunstet, übrig bleibt ein sehr dünner Ölfilm.

Auf einer Glasplatte habe ich eine solche Öl-in-Benzin-Lösung ausgebreitet und im Vergleich dazu eine zweite Mischung, diesmal aber mit Methoxypropanol anstatt mit Benzin angesetzt. Mir schien das Lösungsverhalten besser. Nach Abblasen mit dem Blasebalg blieb auch hier ein feiner Ölfilm auf der Glasoberfläche.

Für die Richtigkeit der Angaben und eventl. Folgeschäden hafte ich nicht. Obwohl Methoxy.. nur eine sehr geringe Toxizität hat, ist die Lektüre des Sicherheitsdatenblattes anzuraten.

Gruß Dirk
 
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#2
Milschu

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Hallo Dirk,

das Problem mit den Klinkenrädern kenne ich von meinen Certinas und anderen Uhren zur genüge. Hier im Forum haben schon viele User über dieses Thema " viel " geschrieben. Ich habe auch von den vielen Tipps und Ratschlägen viele ausprobiert. Ich habe aber die Erkenntnis, gerade bei den Certina`s, gewonnen, das es eine Geduldsprobe ist, das richtige Mischungsverhältnis zu finden. Mir war der Aufwand zu zeitraubend und zu umständlich, und leider auch nicht immer befriedigend im Ergebnis. Die Klinken haben von 10 x ölen nach deinem Schema ganze 2 x die richtige Arbeitsweise übernommen, sprich die Klinkenräder waren top geölt und drehten auch nicht zurück. Aber 8x hat es leider nicht funktioniert, so das der Rotor sich immer zurückdrehte.

Ich habe an einer Certina, 25-651er Caliber, vor 2 Jahren mal was anderes ausprobiert, damit der Rotor, sprich Klinkenräder, richtig arbeitet/arbeiten. Es mögen mich jetzt viele steinigen, aber das kann ich ab, zumal mir meine Arbeitsweise seit 2 Jahren recht gibt und der Rotor nach wie vor nicht zurückdreht beim manuell betätigen, ich spreche hier nicht vom Handaufzug. Ich bau die Klinkenräder aus, reinige sie in einem Benzinbad, was ich noch mit minimalem Luftdruck sprudeln lasse, danach ins USB und guter letzt ins Alkoholbad.

Jetzt zum steinigen. Ich habe mir hochwertiges Nähmaschinenöl, was harz- und säurefrei ist, besorgt. Sehr dünnflüssig ist, die Klinkenräder in einem Tauchbad mit dem NM-Öl gelegt, auch hier wieder sprudeln lassen um anschliessend die Klinkenräder mit Preßluft überschüssiges Öl frei zu blasen. Somit bleibt ebenfalls ein Ölfilm an den Klinken und dem zugehörigen Zahnrad. Spart mir Zeit, keine ausfälle mehr mit rück drehenden Rotoren. Ich wende es seitdem an allen meinen Automatik Uhren nur an den Klinkenrädern so an.

Gruß Lothar

das lesen des Datensicherheitsblattes von Methoxypropanol könnte nützlich sein, einfach mal googlen.
 
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#3
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Hallo Lothar,

interessant! Das wäre ja eine echte Preiswert-Variante und könnte den Voodoo-Zauber verscheuchen, der allenthalben um die Klinkenräder gemacht wird. Bin gespannt, was andere user dazu sagen.....

Eine Frage bleibt, wobei ich jetzt mal eventl. Alterungsprozesse des NM-Öls außer Betracht lasse: Bei Deiner Methode wird die letztlich verbleibende Ölmenge in den Klinkenrädern größer sein als bei der Lösungsmittel-Öl-Mischungs-Variante. Ich stelle mir vor, daß aus diesem Grunde wg. der Kapillarkraft auch eine temporäre "Verklebung" der Klinken eintreten könnte. Da bin ich mir aber nicht sicher.

Hier im UF habe ich gelernt, daß in der Regel Minimalmengen an Öl in Uhren aus verschiedenen Gründen geeignet sind, die Schmieraufgaben optimal zu erfüllen. Aber - Jugend forscht - ich lerne gern dazu.

Gruß Dirk
 
#4
Milschu

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Hallo Dirk,

wie ich schon geschrieben blase ich die Klinkenräder mit Pressluft, erhältlich bei OBI, aus. Gut aus. Da ist bei meinen selbst nach 2 Jahren keine Ölansammlung zu sehen, der eine Verschmierung verursachen könnte, aber genug an Ölfilm für dir Klinken, was ja gewollt ist.
Gruß Lothar
 
#5
Nippon-Fan

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Pass aber auf mit deinen Lösungsmittelexperimenten Dirk. Es hat einen guten Grund warum Tri nicht im Baumarkt erhältlich ist.

Wenn du da mischst und es anschließend verdunsten lässt, wird das sicher nicht gesundheitsförderlich sein.

Ich hantiere selbst mit Waschbenzin nicht besonders gerne und habe danach selbst bei guter Belüftung immer gerötete Augen. Im Zweifel sollte man sich überlegen, ob die Gesundheit nicht wichtiger ist als eine perfekt laufende Uhr.

Uhrenöl in Benzin zu lösen (3 % Öl), die Freilaufkupplungen in den Automatikabteilungen darin zu baden und dann zu trocknen. Das Benzin verdunstet, übrig bleibt ein sehr dünner Ölfilm.
Für diese Öl/Benzin Mischung teures Uhrenöl zu verwenden halte ich für eine grandiose Verschwendung. Dafür reicht normales Feinmechaniköl oder sogar Motorenöl vollkommen aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du die organischen Bestandteile des Uhrenöls (sowas wie Hirschtalg oder Huföl etc) wirkungsvoll an die gewünschten Stellen bekommst. Da sind wir wohl bereits im Bereich der Homöopathie.

Schönen Gruß!
Markus
 
#6
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Hallo Markus,

Deine Vorsicht in Ehren! Das Ende dieser Philosophie ist allerdings, daß es nichts mehr gibt, was funktioniert. Du kriegst ja noch nicht einmal mehr hundsgemeine Natronlauge mehr in der Apotheke. Wie soll unsere Jugend denn an die Naturwissenschaften herangeführt werden, wenn von ihnen alles ferngehalten wird. Aber das ist eine andere Diskussion.

Ich habe lange mit Tri und auch mit Formaldehyd gearbeitet (soll es in the Pathologie auch geben ...). Immer mit den gebotenen Vorsichtsmaßnahmen, ebenso wie mit ionisierender .... Sowas kann man lernen. Wenn man die Chance dazu bekommt.

Im übrigen: Das Leben ist lebensgefährlich :-)

Teures Öl, da gebe ich Dir Recht, muß es ja nicht unbedingt sein. So weit ich weiß, sind die teuren Öle rein synthetische Schmierstoffe. Sind da noch tierische Stoffe drin?

Man könnte Mineralöl vom Auto nehmen, am besten das alte Rotella (Einbereichsöl), in dem weniger Additive drinne sind. Hat da jemand Erfahrung?

Gruß Dirk
 
#7
Milschu

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:lol::lol:Olivenöl, aber natives, Salatblätter vorher aber entfernen :prost:

Dirk, besorge dir NM Öl und Pressluft und mach es mal so wie es beschrieben habe. Wirst sehen das es geht.
Gruuß Lothar

Alterungsbeständiges NM Öl? Ich denk mal, da sowiso alle 7- 8 Jahre ein Werk revidiert werden sollte hat sich die Frage erledigt.
 
#8
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Leute, ok, Ihr habt mich überzeugt. Ich habe da wohl mit Kanonen auf SPatzen geschossen. Im Gegensatz zu den Ölungen in der Hemmung hat das Öl in den Klinkenrädern ja keinen direkten Einfluß auf den Gang der Uhren.

Also, Lothar, feinstes ital. Olivenöl für die Uhr und nen Grappa für den Schrauber :prost:

Gruß Dirk
 
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