Meine liebste Taschenuhr: Eine Bertmar im Railroad-Stil der USA aus den Art Deco

Diskutiere Meine liebste Taschenuhr: Eine Bertmar im Railroad-Stil der USA aus den Art Deco im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; ...aus DEM Art Deco! Sorry, immer verhunze ich die Überschriften... Hallo Uhrenfreunde! Nun wird es Zeit, hier auch einmal eine Taschenuhr zu...
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...aus DEM Art Deco! Sorry, immer verhunze ich die Überschriften...

Hallo Uhrenfreunde!
Nun wird es Zeit, hier auch einmal eine Taschenuhr zu zeigen. Ich fange natürlich mit meiner Allerliebsten an: Meine „Bertmar“ im Stil der USA-Railroad-Uhren des Art Deco.

Über amerikanische Railroad-Uhren wurde ja hier schon berichtet, deshalb muss ich hier nicht viel sagen: Die Eisenbahngesellschaften der USA liessen nur Uhren als Dienstuhren zu, wenn sie einem bestimmten, sehr hohen Mindeststandard entsprachen und auch der spätere Umgang mit der Uhr war Vorschriften unterworfen. Zwar waren die Regeln der Gesellschaften im Einzelnen verschieden, insgesamt aber sehr ähnlich. Die Uhrenindustrie der USA stellte sich darauf ein und produzierte darauf abgestimmte sogenannte „Railroad Grades“. Die Regeln betrafen vor allem die Uhrwerke, trotzdem entstand durch die Umsetzung der Nutzungsbedingungen.auch äusserlich ein typischer Railroad-Stil, der dann auch bei preiswerteren Uhren kopiert wurde, die gar keine Railroad-Uhren waren, weil sie den Anforderungen nicht entsprachen. Man könnte das mit den Taucheruhren vergleichen. Das Aussehen war ursprünglich auf die Funktion abgestimmt, die Drehlünette half, um beim Auftauchen die Dekompressionszeiten einzuhalten. Die Uhren sehen maskulin aus und sind beliebt- und so ist die Grosszahl der Uhren, die heute „Taucheruhr“ genannt werden, nicht einmal wasserdicht...

Auch meine Bertmar sieht nur wie eine Railroad-Uhr aus, ist aber keine. Sie wäre zum Dienst nicht zugelassen worden. Um das festzustellen, muss man nur den vorderen Deckel der Uhr abschrauben – das Gehäuse ist wie eine echte Railroad-Uhr vorn und hinten mit einem Schraubdeckel ausgestattet- und sich den Gehäuserand rund um das Zifferblatt ansehen. Dort fehlt eine Ausfräsung für den Stellhebel (Lever) bei der Zwei. Diese urtümliche Art des Stellmechanismus (lever set) aus den Anfangszeiten des Kronenaufzugs war allgemein für Dienstuhren der Eisenbahngesellschaften bis in die 1940er (oder 50er?) zwingend vorgeschrieben, um ein unabsichtliches Verstellen der Zeit zu verhindern. Zum Stellen einer Railroad-Uhr muss man den vorderen Deckel abschrauben und neben dem Zifferblatt bei der Zwei den Stellhebel herausziehen, Dann wird die Zeit durch Drehen an der Krone gestellt. Das Werk der Bertmar wird hingegen wie üblich durch Ziehen der Krone auf Stellen umgeschaltet (pendant set).

Vor etwa 2 Jahren habe ich sie bei Ebay in Kanada gekauft, weil ich das Design einfach umwerfend fand und sie so gut erhalten war. Warum dann nicht gleich eine echte Railroad-Uhr? Naja zum einen der Preis! Bei ähnlichem Zustand müsste man da schon ca. 250 $ ausgeben, und zwar im unrevidierten Zustand - meine Bertmar war längst nicht halb so teuer. Und dann gibt es da noch ein viel grösseres Problem: Frankenwatches, wohin das Auge blickt. Die Taschenuhr-Werke und -Gehäuse der USA waren am Ende des 19. Und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in feste Grössenklassen eingeteilt. Man konnte sich z.T. im Uhrengeschaeft Werk und Gehäuse individuell zusammenstellen.
Railroad-Uhren hatten am Anfang die amerikanischen Grössen 16s und 18s, später nur noch 16s. Leider passt nun eben auch ein Werk von 1895 in ein Gehäuse von 1960 mit einem Replika-Zifferblatt aus den 1980ern und einem Zeigersatz irgendeiner 16s-Uhr. Das wissen die Ebay-Haendler genau, ich bin kein Railroad-Spezialist, aber ich würde schätzen, dass bei locker der Hälfte der Railroad-Uhren auf Ebay die Kombination der Teile nicht originalgetreu ist.

Diese Gefahr gibt es bei der Bertmar nicht, da kann man leichter prüfen ob alles original ist, ausserdem sind Zifferblatt, Werk und Gehäuse mit dem Label markiert. Was ist „Bertmar“. Man findet das Label (wie fast alle Marken) auf Mikolisk (Link: Mikrolisk - The horological trade mark index), aber wie so oft nicht nur einmal. Die Marke wurde zweimal registriert. Zum einen durch Schwob Freres & Cie SA aus La Chaux-de-Fonds, Schweiz; registriert am 5.2.1932, und zum anderen durch Peoples's Credit Jewellers Ltd aus Ontario, Kanada; registriert am 15.12.1948. Laut Mikrolisk war Bertmar die Hausmarke dieses Juweliers. Der Name leite sich ab von den Namen der Söhne des Gründers Frank Gerstein, Bert(rand) und Mar(vin).
Na das ist ja nicht schwer, könnte man sagen. Deine Uhr stammt aus Kanada, also ist sie von People’s Credit Jewellers. Das glaube ich aber eben nicht, denn ich bin mir fast sicher, dass die Uhr schon deutlich vor 1948 entstanden ist. Ich konnte ihr Alter bisher nicht genau bestimmen (vielleicht könnt ihr mir da ja weiterhelfen...!), aber ich schätze, dass sie aus den späten 1920er oder aus den 1930er Jahren stammt.

Die Uhr ist eine schweizerisch-amerikanische Koproduktion. Werk, Zifferblatt und (wohl auch) die Zeiger wurden (wie ich vermute) hergestellt durch TACY Watch Co SA, die zusammen mit der Schwob Freres & Cie SA und der CYMA die Marke „Admiral“ besassen.
Das schöne Zifferblatt der Bertmar brachte mich auf die Spur des Herstellers, denn mir fiel bei Angeboten in Ebay auf, dass es dieses Blatt, bis auf die unterschiedliche Marke völlig identisch auch von „Admiral“ gibt, nicht einmal so selten. Admiral ist eine Marke von TACY Watch und Tacy steht für TAvannes, CYma.

So konnte ich dann auch leicht erraten, was es für ein Werk ist, obwohl ich mich vorher bei Ranfft fast totgesucht habe danach: das Werk ist nicht dort enthalten.
Die Werksbeschriftung lautet: „Bertmar: 17 Jewels: 4 Adjts.: Swiss“: und unter bzw. neben der Unruh „REF. 929a“. Meiner Ansicht nach handelt es sich bei dem Werk um das CYMA 929a. Stimmt das überhaupt? Jedenfalls ist die Abkürzung REF. vor der Kalibernummer (wohl fuer Referenz) typisch für die Cyma. Leider konnte ich absolut nichts über das Kaliber herausfinden, aber vielleicht weiss jemand von euch etwas. Ich wäre dankbar, vor allem wüsste ich gern, wann das Werk produziert wurde, um das Herstellungsjahr meiner Uhr näher einzugrenzen.
Die Unruh ist eine monometallische Schraubenunruh ohne Einschnitte am Unruhreif mit einer nicht gebläuten Flachspirale. Es gibt eine Feinregulierung aus Schwanenhals-Zwinge und Regulierschraube, die aber evtl. nicht immer bei diesem Werk eingebaut war. Der Unruhkloben ist mit einem Rankenmuster verziert. Der obere Lagerstein des Minutenrades steckt in einem eingepressten Chaton, die übrigen oberen Lagersteine sind direkt in die Platinen gepresst.

Das vergoldete Gehäuse trägt innen auf dem Deckel die Inschrift „Tivoli Bertmar Quality, Illinois Watch Case Co. 6930234. Leider lassen sich mit den Seriennummern der Gehäusehersteller der USA die Herstellungsjahre nicht mehr ermitteln.

Man kann aber folgendes rekonstruieren. Die Werke mit Blatt und Zeigern wurden exportiert und in den USA oder Kanada in Gehäuse der Illinois Watch Case Company eingeschalt. Ich vermute, dass die Marke Bertmar nur in Kanada zu haben war. Ich habe bisher bei Ebay drei Bertmars gesehen mit identischem Gehäuse, Zifferblatt und Zeigersatz, (es wurden mindestens zwei verschiedene Werke verbaut), alle wurden in Kanada angeboten. Und auch alle andern Bertmar-Taschenuhren, die ich gesehen habe (die ich alle vor 1948 einordnen wuerde), waren aus Kanada.

Im Frühjahr brachte ich mein Schätzchen zu Uhrmacher Mario Lorenz in Weil zur Revision. Sie lief vorher etwa 3 min pro Tag zu langsam und leider war die Regulierschraube stark verbogen, so dass ich nichts daran ändern konnte.
Nachdem ich sie wieder hatte, stellte ich gleich fest, dass die Gangreserve wieder bei 32 h lag, vorher war nicht viel mehr als 24 h Laufdauer drin. Aber mit der Genauigkeit war ich noch nicht zufrieden, sie lief bei mir etwa 30 sec pro Tag zu langsam. Ich machte mich ans Nachregulieren, Nun läuft sie wirklich sehr genau. So genau, dass ich den Fehler nicht mehr bestimmen kann, weil ich sie zu lange durchlaufen lassen müsste (ich vergesse irgendwann das Aufziehen). Ich habe sie ca. 2 Wochen am Stück laufen lassen und die Werte immer mitprotokolliert. Nach 90 Stunden lag sie bei –14 sec, dann gings wieder aufwärts, nach 210 h war sie bei plus minus 0 sec, nach 224 h bei +4 sec, nach 250 h wieder bei –1sec und so weiter. Es gibt also Gangabweichungen von ca. 10 bis 15 sec nach oben und unten, aber das gleicht sich aus und ich weiss nicht einmal, ob sie nun zu schnell oder zu langsam ist. Ich finde das insgesamt sensationell gut.
Und so wird die Uhr jetzt auch regelmässig getragen. Die Kette fand ich fuer sehr kleines Geld bei Ebay
Hoffentlich gefällt euch bein Liebling auch so gut! Haltet euch nicht mit Kommentaren zurück! Vor allem meldet euch, falls ihr noch etwas über das Werk wisst, oder wenn ich was falsches geschrieben habe.
So, und nun die Bilder:
 

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pretium intus

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Hallole,
schönes Ührle, scheint ein 16S Gehäuse mit amerk. neg. Aufzug zu haben.:super:
D.h. Die Krone gehört zum Gehäuse.
Insoweit scheinst du also Recht zu haben, daß das Werk in der Schweiz für den amerik. Markt gefertigt wurde. In Kanada war auch meines Wissens für RR-Uhren kein Lever Set zwingend vorgeschrieben; habe da auch so eine Regina/Omega mit Pendant Set........
Grüßle aus dem Wasgau
Hans
 
andi2

andi2

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Hallo Hans,

Ich hab mir auch schon gedacht, dass die Uhr in Kanada als Eisenbahn-Dienstuhr gedient haben könnte. Die US-Vorschriften waren ja auch extrem streng (da ging es wohl z.T. auch um Protektionismus). Wenn man mal schaut, was die Briten für Militär-Dienstuhren hatten, dann waren das fast alles Schweizer Taschenuhren mit einfacheren oder vergleichbaren Werken. Auch die türkischen Railway-Uhren waren nicht aufwendiger ausgestattet. Von deutschen Dienstuhren jener Zeit will ich gar nicht reden. Es scheint, als ob da ja auch 0 Jewels Stiftanker ausgegeben wurde, z.B. Hanhart Bobby (beim Militär klar: man rechnete halt nicht damit, die Uhr zurückzubekommen, aber mein Grossvater war Lokführer bei der Reichsbahn und Bundesbahn, er hatte eine Kienzle).

Ja die Uhr hat die amerikanische Grösse Size 16. Das Gehäuse hat den Durchmesser 4,96 cm und ist 1,38 cm dick. Das originale Glas ist leicht gewölbt, mit scharf abgesetztem Glasrand, der den Metallrand noch ca 1,5 mm überragt, das Zifferblatt ist übrigens weisses Email. Das ist nicht ganz leicht: die Uhr hat 82 g Gesamtgewicht. Das Werk hat hinten den Durchmesser von 4,1 cm.
Ja, die Krone bleibt am Gehäuse. Ich hab eigentlich nur solche Taschenuhren (bisher auseinandergenommen). Um das Werk aus der Uhr zu holen, entfernt man den vorderen Deckel, (dann evtl zuerst die Zeiger ab), dann auch den hinteren und schraubt die Werkhalteschrauben heraus. Dann muss man nur noch die Krone auf Stellen ziehen und kann das Werk vorn herausfallen lassen. Um das Werk wieder einzusetzen, muss natürlich am Gehäuse die Krone auf Stellen stehen.

Weiss denn niemand was über das Werk, mutmasslich CYMA 929a?

Besonders interessant wäre für mich die Bauzeit dieses Werks.
Ich vermute mal, dass 929a eine Exportversion war. Evtl. hatte das normale Cyma 929 nur 15 Jewels, keine Feinregulierung und keinen Zierschliff, war aber sonst baugleich... (?).
 
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andi2

andi2

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Hallo, hier als Nachtrag noch ein Video einer echten Elgin-Railroad-Watch im Art-Deco-Gehäuse, das Zifferblatt ist schon etwas moderner ohne Schnörkelzahlen. Man sieht hier, wie sie mit dem Lever-Mechanismus gestellt wird: umständlich, altmodisch, gefährlich für Zifferblatt und Zeiger, aber vorgeschrieben. Ebenso wie Schraubdeckel vorn und hinten.
Link
Elgin B.W. Raymond pocket watch, railroad, grade 571. - YouTube

Und noch ein Bild meiner Bertmar ohne vorderen Deckel: keine Ausfräsung am Rand, kein Lever...

gohgho3F.JPG
 
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Uhrenfreak

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Ja das ist wirklich ungewöhnlich umständlich, dass man vor dem Stellen der Uhr den Schraubdeckel abnehmen muss.

Trotzdem eine tolle Uhr!

Gruß Willy
 
Jürgen S.

Jürgen S.

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Hallo Uhrenfreak,

das war wie andy2 schon schrieb in den USA seit anfang des 20. Jahrhundert für Eisenbahnuhren vorgeschrieben!
Die Uhrzeit durfte sich nicht zufällig verstellen lasssen, damit es keine Unfälle geben konnte durch unbeabsichtes Verstellen.
Deshalb konnte bei einer Eisenbahner-Uhr nur durch Abschrauben des Glasdeckels und durch Ziehen des Hebels die Uhrzeit verstellt werden. "Safty first"

Meine Hamilton 992B ist eine typische Eisenbahner Uhr

20120909_130135.jpg


Gruß
Jürgen
 
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Uhrenfreak

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Hallo Jürgen,

ja das macht Sinn. Ich kannte das nur von unseren Uhren, wo dieser Hebel jederzeit zu bedienen ist. Die Schraubverschlüsse sind bei amerikanischen Uhren öfters zu finden. Deshalb bin ich einmal auf einem Flohmarkt billig zu einem Chronometer gekommen, da der Verkäufer und auch ich das Werk nicht öffnen konnten.
https://uhrforum.de/taschenuhrchronometer-vom-flohmarkt-t56284

Gruß Willy
 
Jürgen S.

Jürgen S.

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Hallo Willy,

da hast du ja damals einen guten Fang gemacht, dieses Kaliber von Dueber wird in der Ami-Bucht im 3 -4 stelligen Dollarkurs angeboten.
Vorallem die Rücker-regulage dieser Uhren hat es mir angetan.

Gruß Jürgen
 
andi2

andi2

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Hallo @Jürgen,
eine richtig tolle Uhr, deine Hamilton, auch sie mit einem recht frühen Art-Deco-Zifferblatt, die Zahlen sind noch "verschnörkelt". Dieses Modell und meine Uhr dürften wohl etwa gleich alt sein. So sieht man hier das teurere und aufwendigere Vorbild, dem die preiswertere Bertmar nachempfunden wurde.

Hallo @ Willy,
da hattest du aber richtig dickes Glück, diese Uhr wegen des Schraubdeckels für 90 Euro zu kriegen. Sehr fein!
Ja, bei uns in Europa sind Schraubdeckel so ungewöhnlich, dass man evtl. nicht auf die Idee kommt, die Uhr so zu öffnen. Einmal konnte ich einen Uhrmacher grade noch davon abhalten, das Messer an meiner Bertmar anzusetzen. Er wäre auch nicht auf die Idee gekommen, es mit Aufschrauben zu probieren.
Dafür habe ich es öfter bei Ebay-Händlern aus den USA (wo es bei bestimmten Taschenuhr-Grössen fast nur geschraubte Deckel gibt) erlebt, dass sie Sprengdeckel nicht aufbekamen, weil sie fest davon überzeugt waren, sie abschrauben zu müssen. Einmal bekam ich eine gut laufende Waterbury-Addison-Duplex deswegen, und weil man die Krone zum Stellen reindrücken statt ziehen muss, für nur 20 $ ("Impossible to set the hands, no way to get case open"). Nicht ganz so ein sensationelles Schnäppchen, aber auch nicht schlecht.

Gruss Andi
 
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Jürgen S.

Jürgen S.

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Hallo Andi,

dafür hat deine Uhr ein unbeschädigtes Zifferblatt, meine kam vom Vk in einen luftgepolsterten Briefumschlag ! :wand:
Der Stempelaufdruck der Ami-Post tat sein übriges und die Uhr kam mit zerstörten Glas bei mir an, ich schätze dabei hat auch das Zifferblatt gelitten!
Habe dem VK eine böse Mail geschrieben und die Uhr meinen Uhrmacher zur Reparatur gegeben. Aber so wie sie jetzt aussieht bleibt sie auch.

Gruß Jürgen
 
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Au weia, Jürgen!
Das ist ja der Hammer!
War das Zifferblatt noch ohne die Risse beim Kauf? Man kann es schon so lassen, die Uhr sieht trotzdem gut aus, aber es ist ein rechter Schaden entstanden. Da sieht man mal wieder, wie lieblos manche Händler mit den Uhren umgehen, eine solche Uhr in den Luftpolsterumschlag zu stecken...
Das Zifferblatt ist ein früher "Montgomery-Dial" mit umlaufend ausgeschriebenen Minuten, jede fünfte in Rot und mit vorhandener Stundenziffer Sechs. Einzelne Eisenbahngesellschaften erlaubten dieses Zifferblatt nicht- es gibt also für dein Modell mindestens zwei authentische Zifferblätter.

Dein Zifferblatt ist besonders aufwendig und teuer, denn es ist ein sogenannter "double sunk dial", der aus drei Email-Blättern zusammengefügt wurde. Auch hier zeigt sich ein Unterschied zwischen meiner Bertmar und einer Railroad-Uhr. Eine Railroad-Uhr hatte mindestens einen "single sunk dial" bzw. "sunk dial" (aus 2 Email-Blättern) mit vertieftem Sekunden-Zifferblatt, oder eben wie deine sogar einen "double sunk dial", wo ausserdem die innere Scheibe abgesenkt ist (aus 3 Email-Blättern). Bei der Bertmar ist das Sekunden-Zifferblatt nur auf die Fläche aufgemalt- sicher viel billiger...
 
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Hallo Andi,
Deine Uhr finde ich wirklich ganz toll und ja: es ist durchaus möglich das genau solche Uhren in Kanada als Eisenbahneruhren verwendet wurden. Schweizer Uhren waren in Kanada durchaus erlaubt, zugelassen und wurden auch genutzt. Die Amis haben die Vorschrift: nur Uhren aus US Produktion erst fallen gelassen als es quasi keine Uhrenproduktion mehr zu schützen gab. Ich wusste das selber lange Zeit nicht das auch Schweizer Uhren irgendwann die Zulassung als Railroadwatch erlangten. Bis ich eine solche Uhr im Netz sah und zu recherchieren anfing, natürlich konnte ich diese Uhr nicht einfach so ziehen lassen, ich musste die einfach haben :D
Record Watch Co. S.A. - Ball Watch Company "Official RR Standard" eine Schweizer Railroadwatch

LG, Frank
 
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Hallo Frank,
die Bertmar liebe ich immer noch. Sie ist ein kleines Heiligtum von mir.
Deine Ball hab ich schon bewundert, sehr edel und superschön! Nicht leicht, so eine zu bekommen, vor allem in dem guten Zustand wie deine. Ich habe mich früher, am Anfang meiner Sammlerkarriere auch viel mit US-Taschenuhren befasst, aber das ist ein Gebiet mit vielen Fallstricken. Es wird gebastelt und gemixt wie verrückt, weil durch das Grössensystem der USA vieles zusammenpasst, was nicht zusammengehört. Ohne Beratung würde ich mich da nicht so leicht rantrauen. So hab ich mir lieber die Bertmar gekauft, das war leichter zu überprüfen.
Aber nun gibt es ja dich hier, da könnte ich mich mal wieder umsehen. Du hast mich wieder infiziert...
Gruss Andi
 
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Hallo Andi,
am Meisten achtgeben musst Du das Uhrwerk, Zeigersatz und Zifferblatt original sind, bzw wenigstens die Zeiger auch dem Original entsprechen. Das Gehäuse ist relativ egal solange es ein passendes ist. Wie Du richtig sagst wurden die meisten Uhren erst nach dem Kauf komplettiert, "cased and timed by factory" war eher Ausnahme als Regel. Einige Uhren gab es nur komplett ab Werk, Howard zB wurde, soweit ich es weis, nur komplett ausgeliefert.

Am Wichtigsten ist stets das Werk, das es auch wirklich ein Railroadgrade ist. Dann das Zufferblatt, es sind leider viele Aftermarketblätter auf dem Markt die aus irgendwelchem Kunststoff hergestellt wurden. Die Zeiger sollten typische Railroadhands sein. Nur mit korrektem Werk, ZB und Zeigern ist es eine Railroadwatch.

Als große Seltenheit gab es auch Uhren die ein Railroadgrade (also ein Eisenbahnchronometeruhrwerk) hatten aber von der Ausführung her keine Railroadwatches waren, diese Uhren sind mir bisher nur im Art Deco Design begegnet, waren mir aber stets zu teuer mit Preisen weit jenseits der 1000$

Vor wirklich jedem Kauf gucke ich auf www.pocketwatchdatabase.com um die Daten zur Uhr zu checken. Es gibt aber auch dort Fehler, dann muß man weiter suchen. Die Howard Series 10 ist als Railroadgrade: no aufgeführt, aber alle historischen Quellen sagen das die Serie 10 sehr wohl ein Railroadgrade ist.

Die häufigsten Verfälschungen: eine Ball Commercial Standard wird mit Aftermarketdial zum RR Standard. Eine x-beliebige Uhr wird mit Aftermarketdial zur Railroadwatch, eine normale, nicht "Ball" gelabelte Uhr wird mit Aftermarketdial zur Ball RR Standard.

Sehr häufig werden Uhren aus Einzelteilen (Werk, Aftermarketdial, Aftermarkethands, Gehäuse) zusammengefügt und als Original verkauft. Was ich definitiv nicht erkennen würde: ein originales gutes Werk wird mit einem originalen NOS Dial und originalen NOS Hands sowie einem originalen NOS Case zusammengebaut. Eine solche Uhr ist vom Original nicht zu unterscheiden!

LG, Frank
 
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Hallo Frank,

das ist es eben. Man muss sehr viel wissen, um das alles beurteilen zu können. Ich finde das v.a. bezüglich der Zifferblätter und Zeiger schwierig. Bei den Werken hilft die Seite pocketwatchdatabase.com, die benutze ich auch bei US-Taschenuhren. Man bekommt sehr viele Infos, auch die Bauzeit, die Gesamtherstellungsmenge und die Menge pro Jahr, etc.

Eine Uhr mit echtem Railroad-Grade-Werk, authentischem Zifferblatt und authentischen Zeigern in passendem, damals verwendetem Case, würde ich als echte, originale Railroadwatch bezeichnen, auch wenn die Teile erst gestern zusammengefügt wurden. Damit wäre ich voll zufrieden. Das kann man ja beim besten Willen nicht von einer alten Railroadwatch unterscheiden, die gelebt hat und als Dienstuhr verwendet wurde. Wo ist da der Unterschied?

Gruss Andi

PS: Railroad-Lookalikes (die keine Railroaduhren waren) habe ich noch mehr.
Diese Roamer finde ich auch sehr schön:
Grosse 'Roamer'-Taschenuhr im Railroad-Stil der USA (ca. 1950) mit dem Werk MST 407
Ein paar andere habe ich hier noch nicht gezeigt, darunter auch eine zweite, anders aussehende Bertmar. Das muss ich bald mal nachholen.
 
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Die sieht auch toll aus, Deine Roamer :super:
Nicht alle Railroadwatches haben auch als Dienstuhren fungiert, diese Eisenbahnchronometer waren durchaus auch immer Statussymbole, genau wie viele Diver heute niemals mit Wasser in Berührung kommen. Gerade auch die Uhren von Howard waren schweineteuer damals, in den 20er Jahren waren 55$ eine gewaltige Summe.
 
andi2

andi2

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Billig sind sie auch heute nicht, aber gemessen an der hohen Qualität, trotzdem erstaunlich günstig. Wie gut für uns Sammler, dass Taschenuhren so aus der Mode sind. Wenn das Armbanduhren wären, müsste man sicher zehnmal so viel zahlen.
 
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