Meine kleine Damen-Automatik-Sammlung

Diskutiere Meine kleine Damen-Automatik-Sammlung im Damenuhren Forum im Bereich Sonstige Uhren; Mein eigentliches Objekt der Begierde sind Herren Automatikuhren. Im Laufe der Jahre hat sich viel Beifang und auch ein paar Wunschobjekte in Form...

JackDaniels83

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Mein eigentliches Objekt der Begierde sind Herren Automatikuhren. Im Laufe der Jahre hat sich viel Beifang und auch ein paar Wunschobjekte in Form von Damenvarianten eingefunden. Die Uhren sind insofern sehr interessant, da sie die gleichen Funktionen wie ihre großen Brüder besitzen, diese aber in deutlich kleinerem Bauraum untergebracht werden mussten. Daher hab ich mich entschieden einen kleinen Beitrag zu erstellen. Hier soll es vorrangig um den groben zeitlichen Ablauf (Markteinführung der Werke) und die technischen Daten gehen. Also viel Bilder und ein wenig Text dazu.

Insgesamt sind es 21 Uhren, ich werde immer nur eine Uhr pro Beitrag behandeln und das ganze über mehrere Tage verteilen. Am Stücke wäre es wahrscheinlich viel zu zäh, um alles zu sichten.


Los geht es mit einer alten Mido aus ca. 1952.

IMG_6828.JPG

Das Werk ist ein AS 1236 (Mido 717). Es handelt sich, zusammen mit den Kalibern Eterna 1033 und 1034, um die einzigen Hammerautomaten für Damen. Eine weitere Besonderheit ist die IncaStar-Reglage, hierbei schwingt die Spirale komplett frei, ohne den Einsatz von Rückerstiften. Ab wann es gefertigt wurde ist unklar. Laut Hampel seit 1938. Damit wäre es vor Eterna (1941), Rolex (1941) und Felsa/AM (1942 oder 1944) das erste Damen-Automatikwerke überhaupt. In der Ersatzteil-Literatur verzeichnet wurde es erst 1952 im Flume.

Werkdurchmesser: 20,95mm
Bauhöhe: 5,05mm
Funktionen: Zentralsekunde (indirekt)
Schlagzahl (A/h): 18.000
Herstellung: ab 1938?

 
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Belluna

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Faszinierend und bewundernswert, so klein. Und heute macht man von solchen Werken ein Aufhebens bei großen Uhren. Ich bin gespannt auf Deine Beiträge.

LG, Rena
 

Ruebennase

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Hallo Daniel ich bin sehr froh, das Du dein Vorhaben umsetzt und hier einmal die Faszination und zahlreichen bemerkenswerten Besonderheiten der Winzlinge zeigst. Obwohl gerade die Größe ein zusätzliches Handicap ist, werden diese Uhrwerke kaum beachtet. Heut zu Tage umschifft man das Ganze mit 'unisex' und richtet das Marketing entsprechend aus. Ich dachte bis gerade eben auch, dass das 1033 von Eterna das erste gewesen ist. Coole Reglage aber leider schwer im Detail zu erkennen auf dem Foto.

Weiter machen 😀 Rübe
 

Gezeiten

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Toller Faden, interessanter Inhalt:super:! Ich freue mich auf die kommenden Beiträge von dir…
 

JackDaniels83

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Aus der gleichen Zeit stammt die folgende Milex. Allerdings im verchromten Messinggehäuse, also Preislich eher im unteren Segment einzuordnen.

Milex.jpg

Beim Werk handelt es sich um ein Felsa 700. Die Werke der 700er Familie wurden direkt vom Felsa 690 abgeleitet, das Anfang der 40er erschien. Es ist also wahrscheinlich, dass Felsa auch bei den Damen-Automatikwerken das erste mit beidseitig wirksamem Aufzug auf den Markt brachte. Das Werk kam wohl Mitte-Ende der 40er in die Läden.

Werkdurchmesser: 21mm
Bauhöhe: 5,4mm
Funktionen: Zentralsekunde (direkt), Aufzug beidseitig wirkend
Schlagzahl (A/h): 18.000
Herstellung: ab ca. 1945-1950

Bodenseite_2.jpg
 
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Ruebennase

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Auf Grund der Rechtslage und dem Rolexpatent ist der beidseitige Aufzug m.E. gesetzt. Wahnsinn wie riesig die Inkabloc Stosssicherung wirkt.

Danke :super:
 

JackDaniels83

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Auf Grund der Rechtslage und dem Rolexpatent ist der beidseitige Aufzug m.E. gesetzt.

Wie meinst du das? Soweit ich weiß hat Rolex erst 1950 mit dem Kaliber 1030 den beidseitig wirksamen Rotoraufzug eingeführt. Bei den Damenwerken müsste es das 1120 von 1953 sein.

Bezüglich der Größe der Stoßsicherung. Warte ab, bis wir zu den echten Zwergen kommen ;-)
 

Ruebennase

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Rolex hatte das Rotorpatent und Andere durften den nicht bauen. Dieser zog einseitig auf. Felsa hat durch den beidseitigen Aufzug das Patent so zu sagen legal ausgehebelt.

Grüße Rübe
 
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JackDaniels83

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Nummer 3 und 4 sind zwei fast identische Eterna. Die Variante in Edelstahl ist von 1953, jene mit Goldhaube aus 1957.

310_133.jpg

310_119.jpg

Als Werk kommt in beiden Uhren ein hauseigenes Kaliber 1402U zum Einsatz, das wohl 1952 auf den Markt kam. Es bietet einen Rotoraufzug, wie bei Eterna üblich, mit Kugellager. Die Kugellagerung wurde patentiert von Robert Annen (1948, La Champagne) und Heinrich Stamm (1954, ETA). Dieses technische Detail war ihnen so wichtig, dass Eterna sogar ihr Firmenlogo drauf anpasste. Die 5 Punkte, stellen die 5 Kugeln des Rotorlagers dar. Das vorliegende Werk hat einen Nenndurchmesser von 7¾‴. Die Werke dieser Baureihe reichen aber von 7¼‴ bis 8¼‴. Die kleinste Version, das Eterna 1401, hat einen um 1mm kleineren Außendurchmesser, als das hier vorgestellte 1402.

Werkdurchmesser: 17,2mm (16,2mm beim 1401U)
Bauhöhe: 5,25mm
Funktionen: Zentralsekunde (direkt), Aufzug beidseitig wirkend
Schlagzahl (A/h): 18.000
Herstellung: ab 1952

Bodenseite1.jpg
 
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Ruebennase

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Ach, dass die 5 Punkte Eterna Logo's den kugelgelagerten Rotor dar stellen ist mir neu. Sehr nettes Detail zu wirklich schönen Werken. 187,2 mm mit echter Schraubenunruhe :-). Wie nennt man die Stoßsicherung die hier verwendet wurde?

Danke für das Zeigen
Rübe
 

JackDaniels83

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Das ist eine Eterna eigene Sicherung und nenn sich "Eterna U". Daher das "U" am Ende der Kaliberbezeichnung. Viele Werke von Eterne gibt es mit unterschiedlichen Stoßsicherungen.
 

JackDaniels83

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An fünfter Stelle eine Dom Watch von Anfang der 1950er Jahre. Sie ist, wie die Milex, eine Uhr günstiger Bauweise in verchromtem Messing.

310_093.jpg

In ihr tickt(e) ein AS 1320. Die erste Rotor-Damen-Automatik von Adolph Schild. Das Werk gibt es auch in einer 10½ Linien Variante für Herren-Uhren. Es wurde ab ca. 1950 angeboten. Auch dieses Werk spannt die Feder, egal in welche Richtung sich der Rotor dreht. Die Umsetzung erfolgt hier über einen Wippenwechsler. Die Abkopplung des Handaufzuges erfolgt mittel Breguetkupplung, wie man das bei AS auch schon von den Hammerautomaten gewohnt ist.

Werkdurchmesser: 21mm
Bauhöhe: 5,3mm
Funktionen: Zentralsekunde (indirekt), Aufzug beidseitig wirkend
Schlagzahl (A/h): 18.000
Herstellung: ab ca. 1950

Bodenseite_2.jpg

P.S.: Ich hab endlich ein Stativ, die Bilder können damit deutlich besser belichtet werden.
 

Ruebennase

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Rotor und eine indirekte Zentralsekunde bei 5,3 mm Bauhöhe finde ich schon sehr beachtlich. Viel Platz gibt es bei 2,1 mm Durchmesser ja nicht auch wenn das noch kein echter Winzling ist.

Grüße Rübe
 

JackDaniels83

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Nein, das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, es geht noch VIEL kleiner. Sowohl ohne, als auch mit Zentralsekunde.
 

JackDaniels83

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Die nächste ist eine vergoldete Uhr der Marke Polo. Vermutlich um 1960 herum gebaut. Die Uhr kommt trotz Schweizer Werk aus Deutschland. Das Gehäuse wurde von „RP“ (Richard Pfisterer) in Pforzheim hergestellt. Laut Mikrolisk gab es auch eine Uhrenfabrik mit Markenname „Polo“ bei Rottweil. Ich kann aber nicht sagen, ob die vorliegende Uhr von dort stammt.

310_052.jpg

Als Antrieb kommt ein ETA 2369 zum Vorschein. Wie damals meist üblich wurde einfach eine Automatikbaugruppe auf ein vorhandenes Handaufzugswerk montiert, in diesem Fall auf das ETA 2363. Die Automatik zieht in Beide Richtungen über zwei federlose Klinkenfreiläufe auf. Bei Handaufzug wird das Automatikgetriebe nicht durch eine weitere Kupplung getrennt, sondern dreht bis zu den Freiläufen mit.

Werkdurchmesser: 17,5mm
Bauhöhe: 5,55mm
Funktionen: Zentralsekunde (direkt), Datum, Aufzug beidseitig wirkend
Schlagzahl (A/h): 18.000
Herstellung: ab 1952

Bodenseite_1.jpg
 

Ruebennase

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Auch wenn die Automatikgruppe beim 2670/71, dass heute meines Wissens nach noch verwendet wird, integriert ist und es etwas schneller schwingt, so sind die optischen Ähnlichkeiten noch sehr groß. Die Bauhöhe beträgt 4,8 mm bei gleicher Größe. Nach Ranfft kamen die 19 Jahre später heraus und wenn ich richtig informiert bin, ist es das einzige automatische Damenwerk das auf dem 'freien' Markt von einem Werkshersteller angeboten wird. Ich weiss nicht in wie weit da die Verlaufsbeschränkungen für die ETA greifen oder es doch noch Alternativen gibt.

Grüße Rübe
 

JackDaniels83

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Siebte in meiner Auflistung ist eine rechteckige, vergoldete Omega von 1971. Leider wurde sie, vermutlich schon vor langer Zeit, ihrer Omega-Dornschließe beraubt. Es wird langsam kleiner ...

310_151.jpg

Das wunderschöne, rotvergoldete Werk ist ein Omega Kaliber 661 gebaut zwischen 1961 und 1973. Das laut ranff, das dem Volumen (Durchmesser x Bauhöhe) nach kleinste, je in Serie gefertigte, Automatikwerk sein soll. Diese Zahlen konnte ich allerdings nicht nachvollziehen. Mehr zum Thema „kleinstes Automatikwerk“ gibt es am Ende dieser kleinen Liste. Sogar das winzige und sehr flache Omega überträgt die Kraft des Rotor in beiden Richtungen aufs Federhaus. Die Automatik wurde bei Omega nicht einfach auf ein vorhandenes Werk gesetzt, sondern im Werk versenkt. Auf diese Weise konnte die geringe Bauhöhe erreicht werden. In der offiziellen Werkeliste des Omega Museums wird in der Beschreibung der Name „Rayville“ erwähnt. Es wäre also möglich, dass Omega das 660 bei „Rayville“, einem Spezialist für sehr kleine Werke, bauen ließ.

Werkdurchmesser: 15,4mm
Bauhöhe: 4,25mm
Funktionen: Aufzug beidseitig wirkend
Schlagzahl (A/h): 19.800

Bodenseite_2.jpg
 

JackDaniels83

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Die achte von insgesamt 21 Uhren ist eine kleine Certina von 1967. Der Außendurchmesser beträgt nur ca. 19mm.

310_144.jpg

Bei Certina nutzte man das eigene Kaliber 15-20, das ab 1963 bereit stand. Dies baut nur geringfügig größer als Omega‘s 661. Das 15-20 ist das kleinste Automatikkaliber von Certina, es hat 7 Rubin-Kugeln als Rotorlager. Der kleine Rotor überträgt über zwei Klinkenfreiläufe in beide Drehrichtungen Energie ins Federhaus. Außerdem haben alle Werke der Baureihe eine Exzenter-Feinreglage.

Werkdurchmesser: 15,6mm
Bauhöhe: 4,7mm
Funktionen: Aufzug beidseitig wirkend
Schlagzahl (A/h): 19.800
Herstellung: ab 1963

Bodenseite_2.jpg
 
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