Mein Kampf gegen die Waage: Weishi MTG-1900 vs Seiko SNZH53K1

Diskutiere Mein Kampf gegen die Waage: Weishi MTG-1900 vs Seiko SNZH53K1 im Uhrenvorstellungen Forum im Bereich Uhren-Forum; Mein Kampf gegen die Waage: Weishi MTG-1900 vs Seiko SNZH53K1 Eine etwas andere Uhrenvorstellung. Vorgeschichte (kann durchaus übersprungen...
Moonshiner

Moonshiner

Gesperrt
Themenstarter
Dabei seit
18.10.2017
Beiträge
939
Ort
Planet Earth
Mein Kampf gegen die Waage: Weishi MTG-1900 vs Seiko SNZH53K1
Eine etwas andere Uhrenvorstellung.


Vorgeschichte (kann durchaus übersprungen werden):

Nach einer Ausbildung in einem technischen Beruf, einem vierjährigen Einsatz bei der Fernmelde-Truppe von Ypsilon-Reisen („Wir buchen – Sie fluchen!“), mittlerweile knapp dreißig Jahren als Service Engineer im Außendienst und einiger Zeit amateurhaftem Schrauben an einem ziemlich alten Auto kann ich wohl behaupten, dass ich, was technische Problemlösungen, angeht nicht ganz unbeleckt bin.

1.jpg


Trotz der gesammelten Schraubererfahrung bin ich aber nicht so überheblich, mich als Crack in allen Bereichen bezeichnen zu wollen, tatsächlich habe ich von der Funktionsweise mechanischer Uhren nämlich nicht die geringste Ahnung. Um das zu ändern habe ich mir in der Bucht das im Callwey Verlag erschienene und von Klaus Menny geschriebene Buch „Die Funktion der Uhr“ geschossen. In dem Buch wird zunächst anhand einer Großuhr die Funktionsweise von Uhren erklärt – sicher ist die dort beschriebene eher grobe Technik etwas anderes als die filigrane einer Armbanduhr, aber um einem – Wie heißt das auf Neudeutsch so schön? – Noob einen Einstieg zu bieten, erscheint es mir als gar nicht so übel.

2.jpg


Ungefähr zeitgleich mit dem Buch fand auch eine Zeitwaage ihren Weg zu mir. Es ist eine preiswerte chinesische Weishi MTG-1900, mit der ich das Gangverhalten meiner Uhren kontrollieren und meine ersten Schritte beim Einregulieren einer extra dafür angeschafften Uhr überwachen wollte ohne auf die dabei erzielten Ergebnisse ewig warten zu müssen.

3.jpg


Fehlt also nur noch eine Uhr, die die Rolle als Opferanode spielen soll.
Da der Lottogewinn mit schöner Regelmäßigkeit ausbleibt und das Risiko besteht, dass die Uhr bei meinen Trial & Error Versuchen ex geht, wird dafür keine meiner vergleichsweise teuren Schweizer eingesetzt, sondern eine Neuanschaffung. Grundbedingungen für diese Neuanschaffung gab es selbstverständlich auch:
  1. günstig bis billig, also eher im zweistelligen als im dreistelligen Preisbereich
  2. funktionierendes mechanisches Uhrwerk, gerne auch mit schlechten Gangwerten
  3. optischer Zustand insgesamt egal, allerdings sollte sie nicht aussehen, als ob sie mal von einem LKW überrollt worden wäre
‘ne Uhr mit ETA Werk wäre mir insgesamt am liebsten gewesen, für den veranschlagten Preis war das aber nicht realisierbar, daher sollte es eine mit einem Seiko Uhrwerk werden. Das Seiko Werk barg zudem die hohe Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich keine guten Gangwerte liefern würde, so jedenfalls meine bisherigen Erfahrungen mit den Japanern.

Die Uhr…

… ist dann die optische Anleihen an der Blancpain Fifty Fathoms nehmende Seiko „Glossy Five“ geworden. Die optische Nähe zur Blancpain beschert der Seiko häufig das zweifelhafte Schicksal, in eine „Fifty-Five Fathoms“ verwandelt zu werden, aber darum soll es hier nicht gehen.
Konkret wurde es die SNZH53K1 mit blauem und Sonnenschliff versehenen Zifferblatt und der blauen Lunette, die ich hier im Marktplatz fand. Genauer gesagt fand die Uhr mich, ein freundlicher Member antwortete auf mein Gesuch und überließ mir die Seiko zu einem akzeptablen Preis und der Versicherung, dass ihn kein zu starkes emotionales Verhältnis mit der Uhr verbindet und er mich nicht killt, wenn ich selbiges mit „seiner“ Uhr mache.
Die Seiko wurde laut Seriennummer und der deutsch-englischen Wochentagsscheibe im September 2013 für den deutschsprachigen Markt hergestellt, sie kam „nackig“ zu mir, also ohne Box und Papiere, dafür aber mit allen Bandgliedern, den üblichen Gebrauchsspuren und ein paar Kratzern in Gehäuse und Glas.

4.jpg


5.jpg


6.jpg


7.jpg


8.jpg


9.jpg


Gehäuse:

Material: satiniertes und poliertes Edelstahl
Glas: Hardlex® (gehärtetes Mineralglas)
Gehäuseboden: verschraubter Sichtboden, Hardlex® (gehärtetes Mineralglas)
Abmessungen: Ø 42.00 mm, Höhe: 14.00 mm, Bandanstoßbreite: 22.00 mm, Länge (über die Hörner gemessen): 48.00 mm
Wasserdichtigkeit: wasserdicht bis zu einem Druck von 10 bar (100 m)
Eigenschaften: außen liegende Taucherlunette aus Stahl mit Plexiglas Inlay, einseitig drehbar; signierte Aufzugskrone bei 3 Uhr

Zifferblatt und Zeiger:

Farbe: Blau mit Sonnenschliff, polierte Zeiger
Stundenskala: aufgesetzte Indices, poliert und mit LumiBrite® belegt, aufgedruckte Minuterie
Tages- und Datumsanzeige bei 3 Uhr
Zeiger: polierte Zeiger, mit LumiBrite® belegt

Uhrwerk und Funktionen:

Kaliber: Seiko 7S36C, mechanisches Uhrwerk mit Automatikaufzug, Frequenz von 21.600 Halbschwingungen pro Stunde bei einer Gangreserve von ca. 41 Stunden, 23 Lagersteine
Funktion: Stunden, Minuten, Sekunden, Tag und Datum

Armband:

Material: satiniertes und poliertes Edelstahl
Farbe: Silber
Schließe: signierte Sicherheitsfaltschließe aus Edelstahl mit Sicherungsbügel

10.jpg
Bild 10


Trial & Error – los geht’s:

Möglicherweise werden die Fachleute und erfahrenen Hobby-Uhrmacher ob meiner Vorgehensweise nah an einen Nervenzusammenbruch kommen oder wenigstens die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, mir aber erscheint es gar nicht so abwegig, denn ich will ja erst einmal wissen: Was passiert wenn?
Bevor die Seiko zum ersten Mal auf die Waage kommt, wird sie zunächst ordentlich durchgeschüttelt und anschließend 72 Stunden am Stück getragen. Das soll gewährleisten, dass die Uhr, die ja nicht per Hand aufgezogen werden kann, vollständig aufgezogen ist.

Eingangsmessung:

Ohne irgendwelche weiteren Maßnahmen kommt die Seiko jetzt auf die Waage.
In Position „Krone rechts“ ergibt sich folgendes Bild:
Rate: 0 sec/d
Amplitude: 208°
Beat Error: 3.9 ms

„Krone links“:
Rate: –6 sec/d
Amplitude: 199°
Beat Error: 4.7 ms

„Krone unten“:
Rate: –24 sec/d
Amplitude: 195°
Beat Error: 4.8 ms

„Krone oben“:
Rate: +9.0 sec/d
Amplitude: 206°
Beat Error: 4.3 ms

„Zifferblatt oben“:
Rate: 0 sec/d
Amplitude: 226°
Beat Error: 4.4 ms

„Zifferblatt unten“.
Rate: +19 sec/d
Amplitude: 204°
Beat Error: 4.8 ms

11.jpg
Bild 11


Meiner amateurhaften Meinung nach sind das für ein 7S36C Uhrwerk gar nicht mal so schlechte Werte. In der Praxis, das heißt getragen liegt die mittlere Gangabweichung bei mir bei etwa –4 Sekunden am Tag – das kenne ich sowohl von Seikos 7S36 als auch von den 4R35/36 Uhrwerken deutlich schlechter. Helfen wird’s der Glossy Five letztendlich aber nicht, hier wird auf jeden Fall justiert.

Nachdem die Startwerte jetzt fixiert sind, heißt es: „Botz eraf, Señor!“
Also den Boden abgeschraubt und munter an den Rückern herumgeschoben.
Zuvor aber noch zwei Anmerkungen: Seiko-Freunde, gelernte Uhrmacher und ambitionierte Uhrenbastler sollten an dieser Stelle besser den Faden verlassen und nicht mehr weiterlesen und weil es sonst zu lange dauert, werden nur noch die Messwerte für „Zifferblatt oben“ schriftlich erfasst.

12.jpg


13.jpg


Um einmal zu sehen, was passiert und wie stark sich meine Aktionen auswirken, schiebe ich den Rücker erst einmal nicht zaghaft in die entsprechenden Richtungen. Da der Rücker ziemlich weit in Richtung „Plus“ steht, stelle ich ihn einfach mal in die Mittelposition. Das Ergebnis zeigt sich mehr als deutlich auf dem Display der Weishi, während die Amplitude und der Abfallfehler annähernd gleich bleiben, verändern sich die Gangwerte radikal: Waren es vor meinem Eingriff noch 0 sec/d sind es jetzt –216 sec/d – klar ist somit, dass hier gilt: „Wenig Weg macht viele Meilen“.
Ich versuche also, den Rücker wieder annähernd in die Ausgangsstellung zurück zu bringen. Das klappt erstaunlich gut, schon im zweiten Versuch bin ich da:
Rate: 0 sec/d
Amplitude: 225°
Beat Error: 4.4 ms

… aber im Bereich der Unruh ist ja noch so ein Rückerhebel, korrekt heißt er wohl Spiralklötzchenträger, mit ihm kann man den Abfallfehler einstellen.
Die Justage hier ist etwas problematischer, in den diversen Foren wird dem Amateur deutlich davon abgeraten hier rumzufummeln.
Da die Seiko aber ohnehin als Opfer vorgesehen ist und meine Bastelei nicht unbedingt überleben muss, gehe ich auch hier mutig ans Werk. Der Spiralklötzchenträger hat leider keine Markierungen, von daher wird es am Ende wohl schwieriger, die Grundposition wieder zu finden. Trotzdem bekommt er von mir zunächst einmal einen leichten Schubs nach links, also gegen den Uhrzeigersinn. Leider fällt dieser Schubs etwas kräftiger aus als gewollt, nicht tragisch, aber ich will beim nächsten Versuch vorsichtiger sein. Die Weishi zeigt jetzt schlechtere Gangwerte, die Amplitude bleibt gleich, die tägliche Abweichung verändert sich auf –28 Sekunden, das war aber zu erwarten, und der Abfallfehler springt auf 8.6 Millisekunden. Ergo: Falsche Richtung und zu kräftig.
In den nächsten drei Versuchen geht’s rechts rum, vorsichtiger diesmal mit den Ergebnissen 4.8 ms, 2.6 ms und 0.9 ms.
Danach musste ich noch ein paarmal an den Rücker um die Gangwerte auf ein erträgliches Maß zu bringen.

Das Ende vom Lied:

Nachdem die Dichtung neu eingefettet, der Boden wieder aufgeschraubt und das Band montiert war ergaben sich folgende Werte:
„Krone rechts“:
Rate: +17 sec/d
Amplitude: 220°
Beat Error: 0.9 ms

„Krone links“:
Rate: +2 sec/d
Amplitude: 228°
Beat Error: 1.3 ms

„Krone unten“:
Rate: +14 sec/d
Amplitude: 231°
Beat Error: 1.3 ms

„Krone oben“:
Rate: +21 sec/d
Amplitude: 207°
Beat Error: 1.1 ms

„Zifferblatt oben“:
Rate: +1 sec/d
Amplitude: 239°
Beat Error: 1.0 ms

„Zifferblatt unten“.
Rate: +6 sec/d
Amplitude: 231°
Beat Error: 1.1 ms

Fazit:

Mein Versuch hat die Seiko nicht gekillt.
Er hat aber teilweise deutliche Änderungen der Gangwerte und eine Reduzierung des Abfallfehlers gebracht und auch wenn das Einregulieren ziemlich aufwändig ist, zumindest, wenn man so laienhaft durchführt wie ich es getan habe, so hat es doch auch Spaß gemacht. Ob sich die Gangwerte im Alltag durch meinen Eingriff zum Guten oder zum Schlechten geändert haben und ob ich mich irgendwann einmal an die Regulierung meiner teureren Schweizer Uhren wage, wird die Zeit zeigen. Die für dieses Experiment mißbrauchte Opferanode muss jetzt noch ihre Alltagsleistung erweisen, welches Schicksal sie dann ereilen wird, weiß ich noch nicht…






Post Scriptum:

Ich hoffe, dass sich niemand durch den Titel dieser Vorstellung irregeführt vorkommt, weil er die Beschreibung einer neuen Diät erwartet hat…
 
omega511

omega511

Dabei seit
05.04.2010
Beiträge
4.025
Ort
PjK>MUC>W>OL>?
Glückwunsch zum gelungenen ersten Regulierungsschritt, jetzt aber mal erneut ran und ganz langsam, während Du auf die Zeitwaage schaust, den Abfallfehler auf 0,2 einregulieren..............
 
tertiavigilia

tertiavigilia

Dabei seit
26.01.2017
Beiträge
666
Ort
Südwesten
Glückwunsch zum gelungenen ersten Regulierungsschritt, jetzt aber mal erneut ran und ganz langsam, während Du auf die Zeitwaage schaust, den Abfallfehler auf 0,2 einregulieren..............

Dem schließe ich mich an. Der Abfallfehler sollte für alle Lagen unter 0,5 ms liegen. Danach muss aber auch der Gang neu reguliert werden, weil die Veränderung des Abfallfehlers sich auch auf diesen auswirkt.

Sonst toller, sehr informativer Beitrag. Danke!
 
ETA2824

ETA2824

Gesperrt
Dabei seit
04.11.2018
Beiträge
11.140
Ort
En Suisse
@Moonshiner , danke für den tollen Bericht. Wieder viel dazu gleernt. In ein paar Wochen stehe ich vor genau den gleichen Fragestellungen. Dann wird meine Weishi 1900 geliefert.

Wie Du ja selber schreibst: zeitaufwendig aber macht Riesenspass. Und die Beziehung zu den Uhren, an denen man selber geschraubt hat, ist eine völlig andere als vorher.8-)

Bitte berichte weiter, wir können alle noch viel von Dir lernen, wenn Du das mit uns teilst! :super:

Ich bin ja alles andere als ein Experte aber bezüglich des Abfallfehlers bin ich auch der Meinung, dass der unter 0.5 sein sollte. Dazu muss die Weishi AFAIK aber auf das Werk kalibriert sein und nicht einfach der hinterlegte Sollwert für die Amplitude von 52° genommen werden. Ich gebe allerdings gerne zu, dass ich keine wirklich Ahnung habe, wie gross der Effekt ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Spitfire73

Spitfire73

Dabei seit
04.08.2009
Beiträge
20.950
Ort
Bayern
Gut geschrieben, toll bebildert. Sehr interessanter und verständlicher Bericht. Erinnert mich an meine ersten eigenen Gehversuche als Laie mit der Zeitwaage, ausgelöst auch von Seikos ab Werk recht lieblos regulierten Uhren. Hat sich der auffällig hohe Abfallfehler Deiner Gebrauchten vor Deiner Regulierung eigentlich durch eine gewisse Unwilligkeit beim Anschütteln bemerkbar gemacht im Sinne von: lief nicht sofort los? Wie meine Vorredner richtig ausführen, sollte mMn zunächst der Abfallfehler bestmöglich verringert werden. Deutlich unter 0,5 ist auch bei so einem Werk möglich. Danach dann erst den Gang. Und wie läuft die Uhr nun am Arm nach Deiner Regulierung?

Gruß
Helmut
 
renke00

renke00

Dabei seit
10.04.2008
Beiträge
1.207
Ein sehr interessanter Bericht, garniert mit schönen Fotos. :super:

Ich nehme für solche Einstellarbeiten einen Zahnstocher, habe da ein besseres Gefühl nicht ganz so viel kaputt machen zu können. :face:

P.S. was für ein Cadillac ist das?
 
Dirtduck

Dirtduck

Dabei seit
01.03.2017
Beiträge
163
...schau für zukünftige Einstellbersuche auf jeden Fall nach dem Korrektem Hebewinkel...sonst nützt das alles nix.
Das ist so als wenn Du die Vergaser einstellen willst aber die Zündung nicht korrekt ist, irgendwie wird er schon laufen aber eben weit ab von gut.

Zahnstocher sind übrigens eine gute Idee da garantiert NICHT magnetisch ;-)
 
Aeternitas

Aeternitas

Dabei seit
23.06.2009
Beiträge
9.831
Vielen Dank für die ausführliche gut bebilderte Darstellung Deiner Regulierungsversuche.
Ich möchte nur ergänzend noch anmerken, dass die Seikowerke nicht zu einfach zu regulieren sind.
1. Bei meinem Timegrapher ist oft das Werk zu leise und daher oftmals nur ein Sternenhimmel auf dem Bildschirm erkennbar.
2. Der Rücker mit seinem variablen Pin ist tückisch. Einmal falsch abgerutscht und man hat einen wahren Gangsalat.

...schau für zukünftige Einstellbersuche auf jeden Fall nach dem Korrektem Hebewinkel...sonst nützt das alles nix.
Der Hebewinkel ist doch völlig unerheblich und ändert nur die Amplitude im überschaubaren Bereich.

Mit Zahnstochern sollte man aufpassen. Die können bröseln und haben keinen klaren Druckpunkt.
 
Moonshiner

Moonshiner

Gesperrt
Themenstarter
Dabei seit
18.10.2017
Beiträge
939
Ort
Planet Earth
Vielen Dank für Eure unterstützenden Kommentare. Ehrlich gesagt hatte ich, nachdem der Text schon verfasst und die Bilder eingebunden waren, noch einige Zeit überlegt, ob ich den „Neues Thema erstellen“ Button überhaupt drücken soll. Befürchtet hatte ich, von den erfahrenen Bastlern und ausgebildeten Uhrmachern zerrissen zu werden, weil ich tatsächlich gar nicht wusste, was ich da tue.

Glückwunsch zum gelungenen ersten Regulierungsschritt, jetzt aber mal erneut ran und ganz langsam, während Du auf die Zeitwaage schaust, den Abfallfehler auf 0,2 einregulieren..............
Dem schließe ich mich an. Der Abfallfehler sollte für alle Lagen unter 0,5 ms liegen. Danach muss aber auch der Gang neu reguliert werden, weil die Veränderung des Abfallfehlers sich auch auf diesen auswirkt.

Sonst toller, sehr informativer Beitrag. Danke!
@Moonshiner , danke für den tollen Bericht. Wieder viel dazu gleernt. In ein paar Wochen stehe ich vor genau den gleichen Fragestellungen. Dann wird meine Weishi 19900 geliefert.

Wie Du ja selber schreibst: zeitaufwendig aber macht Riesenspass. Und die Beziehung zu den Uhren, an denen man selber geschraubt hat, ist eine völlig andere als vorher.8-)

Bitte berichte weiter, wir können alle noch viel von Dir lernen, wenn Du das mit uns teilst! :super:

Ich bin ja alles andere als ein Experte aber bezüglich des Abfallfehlers bin ich auch der Meinung, dass der unter 0.5 sein sollte. Dazu muss die Weishi AFAIK aber auf das Werk kalibriert sein und nicht einfach der hinterlegte Sollwert für die Amplitude von 52° genommen werden. Ich gebe allerdings gerne zu, dass ich keine wirklich Ahnung habe, wie gross der Effekt ist.
Mal sehen, vielleicht mache ich mich am kommenden Wochenende noch einmal dran. @omega511 hat mich mit seinem Beitrag auf den Trichter gebracht, die Uhr beim Einregeln des Abfallfehlers auf der Zeitwaage zu lassen. Das müsste eigentlich gehen, bisher habe ich gemessen, justiert, gemessen, justiert, gemessen…

P.S. was für ein Cadillac ist das?
Gar keiner, es ist ein Ford – genauer: Ein 1965er Ford Thunderbird. ;)

...schau für zukünftige Einstellbersuche auf jeden Fall nach dem Korrektem Hebewinkel...sonst nützt das alles nix.
Das ist so als wenn Du die Vergaser einstellen willst aber die Zündung nicht korrekt ist, irgendwie wird er schon laufen aber eben weit ab von gut.

Zahnstocher sind übrigens eine gute Idee da garantiert NICHT magnetisch ;-)
An einen Zahnstocher, aber mit kupierter Spitze, hatte ich auch gedacht, mich dann aber für das Federstegbesteck entschieden, weil man einen Zinken der Gabel quasi auf dem Rücker ablegen kann und so die Gefahr des Abrutschens minimiert werden kann. Jedenfalls habe ich mir das so vorgestellt…

Vielen Dank für die ausführliche gut bebilderte Darstellung Deiner Regulierungsversuche.
Ich möchte nur ergänzend noch anmerken, dass die Seikowerke nicht zu einfach zu regulieren sind.
1. Bei meinem Timegrapher ist oft das Werk zu leise und daher oftmals nur ein Sternenhimmel auf dem Bildschirm erkennbar.
2. Der Rücker mit seinem variablen Pin ist tückisch. Einmal falsch abgerutscht und man hat einen wahren Gangsalat.


Der Hebewinkel ist doch völlig unerheblich und ändert nur die Amplitude im überschaubaren Bereich.

Mit Zahnstochern sollte man aufpassen. Die können bröseln und haben keinen klaren Druckpunkt.
In diversen Listen wird der Hebungswinkel für das 7S25/26/35/36 mit 52° angegeben, demnach hätte ich sogar den korrekten Wert berücksichtigt. ;)

Sehr schön geschriebene Abhandlung...viel Erfolg.:super:
Danke. Ich werde versuchen, den Faden aktuell zu halten – wahrscheinlich wird aber nur in unregelmäßigen Abständen aktualisiert.
 
B

Bertel

Gesperrt
Dabei seit
16.07.2012
Beiträge
223
Ich bin schon gespannt was es nach dem Wochenende wieder informatives zu lesen gibt .. :super:
 
Meil

Meil

Dabei seit
22.07.2008
Beiträge
742
Ort
Rhein Main
Wie ging es denn weiter?

Sehr spannend zu lesen. Ich plane ein ähnliches Projekt.

Liebe Grüße
Meil
 
W

Watch_Witch

Dabei seit
22.08.2015
Beiträge
195
Sehr mutig. Finde ich gut. Und Übung macht den Meister.
 
freeriderphil

freeriderphil

Dabei seit
25.02.2014
Beiträge
268
Coole Vorstellung! 8-)
Ich hab die gleiche Uhr seit vielen Jahren.
Ebenso geh ich recht ungehemmt ans Werk wenn mir die Gangwerte nicht passen. Der Zeit warte ich noch auf meine Zeitwaage. Ich vermute einen Abfallfehler da meine nach dem anschütteln nicht sofort los läuft.

Was mich zu der Frage von spitfire73 bringt. Lief die Uhr gleich an mit dem Abfallfehler?:hmm:
 
Majozini

Majozini

Gesperrt
Dabei seit
28.11.2015
Beiträge
169
Ja, Übung macht den Meister...

Mittlerweile interessieren mich die unterschiedlichen Lagen gar nicht mehr. Ich reguliere meine Uhren immer meinem Trageverhalten an und erziele wenn die Uhr in Ordnung ist immer einen Wert von +1 bis +3 Sekunden am Tag.
Ich erfasse erst mal mittels Zeitwaage den tatsächlichen Wert mit Glas unten und stellen den Abfallfehler nahezu 0.0 ein.
Danach Trage ich die Uhr mindestens 5 Tage und berechne mir die Abweichung, also z.B. nach 5 Tagen 30 Sekunden im Minus was am Tag 6 Sekunden im Minus bedeutet. Ab auf die Zeitwaage, wieder Glas unten und einfach 6-7 Sekunden ins plus justiert. Sehr oft passt es und selten muss ich da minimalst noch korrigieren.
Wie gesagt, die unterschiedlichen Lagen sind interessant mal zu sehen aber bringen mir wenig beim regulieren.

Weiter so und schöne Grüße
 
ETA2824

ETA2824

Gesperrt
Dabei seit
04.11.2018
Beiträge
11.140
Ort
En Suisse
Ja, Übung macht den Meister...

Mittlerweile interessieren mich die unterschiedlichen Lagen gar nicht mehr. Ich reguliere meine Uhren immer meinem Trageverhalten an und erziele wenn die Uhr in Ordnung ist immer einen Wert von +1 bis +3 Sekunden am Tag.
Ich erfasse erst mal mittels Zeitwaage den tatsächlichen Wert mit Glas unten und stellen den Abfallfehler nahezu 0.0 ein.
Danach Trage ich die Uhr mindestens 5 Tage und berechne mir die Abweichung, also z.B. nach 5 Tagen 30 Sekunden im Minus was am Tag 6 Sekunden im Minus bedeutet. Ab auf die Zeitwaage, wieder Glas unten und einfach 6-7 Sekunden ins plus justiert. Sehr oft passt es und selten muss ich da minimalst noch korrigieren.
Wie gesagt, die unterschiedlichen Lagen sind interessant mal zu sehen aber bringen mir wenig beim regulieren.

Weiter so und schöne Grüße


Mache ich sehr ähnlich. Einziger Unterschied: Wenn ich weiss, wie sie getragen läuft, brauche ich nur die ZU-Lage um den gewünschten Wert zu korrigieren. Mit den bisherigen Ergebnissen bin ich mehr als nur zufrieden. Uhren öffne ich nur, wenn ich wirklich gestört bin durch das Laufverhalten. Dazu kommt, dass diese Schwelle bei neuen Schweizer Uhren wit tiefer liegt als bei älteren und einfacheren Uhren wie zum Beispiel meine Citizen Promaster NY0040, die ich getragen inzwischen auf -4s/d einreguliert habe.
 
Majozini

Majozini

Gesperrt
Dabei seit
28.11.2015
Beiträge
169
Mache ich sehr ähnlich. Einziger Unterschied: Wenn ich weiss, wie sie getragen läuft, brauche ich nur die ZU-Lage um den gewünschten Wert zu korrigieren. Mit den bisherigen Ergebnissen bin ich mehr als nur zufrieden. Uhren öffne ich nur, wenn ich wirklich gestört bin durch das Laufverhalten. Dazu kommt, dass diese Schwelle bei neuen Schweizer Uhren wit tiefer liegt als bei älteren und einfacheren Uhren wie zum Beispiel meine Citizen Promaster NY0040, die ich getragen inzwischen auf -4s/d einreguliert habe.
@ETA2824
Ja meine ich ja, ZU um die Abweichung korrigieren...
 
Moonshiner

Moonshiner

Gesperrt
Themenstarter
Dabei seit
18.10.2017
Beiträge
939
Ort
Planet Earth
Wie ging es denn weiter?

Leider geht es zunächst einmal nicht weiter, ich bin dank eines Unfalls etwas gehandicapt. Wenn es wieder besser geht und ich mich wieder einwandfrei bewegen kann, werde ich mich noch einmal an die Reglage der Seiko begeben. Inzwischen steht auch fest, was mit der Uhr geschehen wird, wenn sie ihre Dienste bei mir abgeleistet hat…
 
clocktime

clocktime

Dabei seit
18.05.2018
Beiträge
6.985
Erst mal Gratulation zum Mut, die Uhr zu öffnen!
Vielen Dank für Eure unterstützenden Kommentare. Ehrlich gesagt hatte ich, nachdem der Text schon verfasst und die Bilder eingebunden waren, noch einige Zeit überlegt, ob ich den „Neues Thema erstellen“ Button überhaupt drücken soll. Befürchtet hatte ich, von den erfahrenen Bastlern und ausgebildeten Uhrmachern zerrissen zu werden, weil ich tatsächlich gar nicht wusste, was ich da tue.
Du hast von vornherein geschrieben, dass Du die Uhr genau dafür gekauft hattest - also alles richtig gemacht. Ausserdem lernt man nur auf diese Weise. Selbst gesetzt den Fall, Du würdest den Kaliber auseinandernehmen, und nach dem Zusammenbau würde er plötzlich nur noch 10 Stunden/Tag anzeigen, wäre das auch kein Beinbruch: Durch solche Aktionen lernt man sehr viel, auch wenn die Uhr das nicht immer "überlebt".
Halte uns auf dem Laufenden, wie es weitergeht.

Ach ja: Wo hast Du die Zeitwaage erstanden? Ich habe es schon versucht, ebenso ein Entmagnetisiergerät, aber beides auf offiziellem Weg nicht bekommen. Ein Entmagnetisiergerät habe ich mir dann selbst gebaut, aber eine Zeitwaage kann ich nicht bauen.
 
Thema:

Mein Kampf gegen die Waage: Weishi MTG-1900 vs Seiko SNZH53K1

Mein Kampf gegen die Waage: Weishi MTG-1900 vs Seiko SNZH53K1 - Ähnliche Themen

Seiko SARB017 mit 6R15 reguliert. Amplitude um 200°?: Hallo in die Runde, ich bin seit kurzer Zeit stolzer Besitzer eines Weishi Timegrapher 1000 und habe mich nun an das Feinjustieren meiner Uhren...
Werke mit kurzem Rücker perfekt einregulieren: Servus zusammen, ich hoffe, der Beitrag ist hier in dieser Rubrik richtig, sonst bitte ich die Moderatoren, ihn zu verschieben. War mir nicht...
[Erledigt] Seiko Business A Automatikuhr 8346-8000 von 1966: Zum Verkauf kommt eine Seiko Business A Automatikuhr 8346-8000 von 1966. Das 83 war der Nachfolger des Kalibers 62. Der automatische Aufzug wurde...
Warum nicht einfach zweimal kaufen: Hacher Atlantis GMT: Nachdem ich meine Sinn 144 im Jahre 2001 verkauft hatte, kaufte ich mir im Juli 2002 eine Hacher Stratos GMT. Hacher (eine...
Der "Wartezeit-Verschönerer"! - Seiko SNZH53K1: Moin! Vor ein paar Wochen habe ich hier meine erste mechanische Uhr vorgestellt: die Steinhart Ocean 39 Vintage GMT Pepsi. Mittlerweile ist es...
Oben