Mein Besuch bei der Uhrenfirma Formex in Biel

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Mein Besuch bei der Uhrenfirma Formex in Biel

Seit über zehn Jahren versuche ich möglichst viele Uhrenfirmen besuchen zu dürfen. Jahrelang war ich hauptsächlich in der Schweiz unterwegs, mittlerweile auch reichlich in Deutschland. Jetzt war ich mal wieder in der Schweiz

Für mich ist das meist so, dass ich, bevor ich Uhrenfirmen besuche, in der Regel der Kontakt über einen gewissen Zeitraum anbahnt, oft unterstützt durch Zufälle oder gute Kontakte. Wir haben uns in diesem Fall erstmalig auf einer Messe kennengelernt, in diesem Fall der Munichtime. Dann haben wir uns auf der Inhorgenta wiedergesehen, auf der ich gefragt habe, ob ich mal vorbeikommen kann. Kein Problem und mein erster Besuch in der Manufaktur von Formex war abgemacht.

Raphael Granito, Eigentümer der Firma Formex und bekanntgeworden durch seine Kickstarter Uhr, ist ein sehr visionärer und dynamischer, gleichzeitig auch innovativer und kreativer Geist, der die Firma Formex vorantreibt.
Showroom Formex Biel.jpg

Das Büro von Formex liegt mitten in Biel. Es wirkt sehr aufgeräumt und strukturiert. Hinter einer Bücherwand befindet sich der Bereich, wo die Uhrmacher Revisionen und den Zusammenbau machen.

Raphael ist locker im Umgang, er ist offen über alles und steht allen Fragen gerne zur Verfügung. Man kann mit ihm offen über die Uhrenbranche sprechen und somit auch einiges lernen.

Ich will einen kurzen Rückblick auf den Werdegang von Formex geben.
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Der Ursprung

Vor mehr als 20 Jahren wollten zwei Schweizer Brüder Hans-Peter und Ferdinand Grädel, beide begeistert in der Uhrenindustrie tätig, ihre beiden gemeinsamen Leidenschaften kombinieren: Motorsport und Zeitmessung.

So begann die Geschichte 1999. Die Fahrwerke von schnellen Rennfahrzeugen und Motorrädern gaben die Inspiration für eine einzigartige Gehäusefederung. Die beiden Brüder entwickelten das patentierte „Case Suspension System“ als Merkmal aller Uhren von Formex – bis heute. Das System schützt nicht nur das Uhrwerk vor harten Stößen, sondern gibt auch dem Handgelenk mehr Komfort. Hinzu kommt die einzigartige Optik – robust und sportlich.

Formex ist eine zu hundert Prozent Schweizer Uhrenmarke. Der Firmensitz liegt in Biel, dem Herz der schweizer Uhrenindustrie. Raphael Granito hat die Firma vor vier Jahren übernommen. Er hat auch einiges an den Designs der Uhren verändert, was man den Uhren deutlich im Vergleich vor seiner Zeit und heute ansehen kann.

Ich war neugierig, woher der Name Formex stand. Es gibt ja noch eine andere Uhrenmarke in Biel, die auch auf "x" endet. Der Name stammt aus dem Französischen und setzt sich zusammen aus
"forme extrème", was man im Deutschen als "extreme Form" übersetzen kann.

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Die frühen Uhren vor seiner Übernahme hatten auch eine echt extreme Form, die Gehäuse waren riesig. Sie waren richtig gross und fett, bauten extrem hoch und wirken ziemlich klobig. Von diesem Design hat sich Raphael ziemlich verabschiedet, wenn auch nicht restlos.
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Interessanterweise lagen in der Revisionsabteilung einige der alten fetten Uhren rum. Hier sind ein paar Bildeindrücke wie die „Formexe“ früher ausgesehen haben.
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Die jetzigen Uhren bestechen im Gegensatz zu den alten frühen Uhren doch mit einer gewissen Eleganz im Vergleich würde ich sagen.
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Derzeit arbeiten sechs Leute mit Raphael, das Team ist klein aber jung und dynamisch.

Mein Besuch hat mir einen anderen Eindruck gegeben, als ich vorher erwartet hatte. Formex ist nicht einfach nur ein Kickstarter Projekt. Es ist eine richtige Manufaktur, in der die Uhren auch selber hergestellt werden. Gewiss nicht alles, aber sehr viel. Unterstützend kommt hinzu, dass der Vater von Raphael ein U(h)rgestein in der schweizer Uhrenbranche ist.

Die Firma Dexel SA wurde vor über 30 Jahren von Raphael's Vater gegründet und hat sich mit der Herstellung von Uhrengehäusen, Stahlbändern, Stahlverschlüssen und anderen Komponenten für Uhren einen guten Namen in der Schweiz gemacht. Der Zugang zu diesen Komponenten unterstützt Formex in dem Sinne, als nur die besten Komponenten verwendet werden und sie so leicht auch neue Komponenten bauen lassen können, was ihnen eine gewisse Flexibilität gibt, insbesondere wenn neue Modelle erstellt werden. Raphael ist derjenige, der wohl die Designs massgeblich mit seiner Erfahrung erstellt und beeinflusst.
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Diese Essence mit dem grauen degradee Blatt gefiel mir ganz besonders.

Man merkt gleich, wenn man eine Formex Uhr um den Arm schnallt, wie wertig und präzise die Verarbeitung ist. Spaltmasse passen perfekt. Diese Tatsache, aber auch die Vision von Vater und Sohn wie auch deren enge Zusammenarbeit sorgen dafür, dass die Uhren, die das Haus verlassen bei den bisherigen Kunden zu höchster Zufriedenheit geführt haben und weiterhin führen.

Der Anlauf, den Raphael gebraucht hat, um die Formex Uhren erfolgreich zu vertreiben, war trotz allem nicht einfach und ist auch nicht über Nacht geschehen. Dahinter steht das beständige Streben nach Perfektion und nach konstanter Verbesserung. Die anfänglichen Uhren waren eher massiv und industriell-sportlich vom Design her, und während sie bestimmt auch ihre Kundenkreise haben, war es nötig gefälligere Designs auf dem Markt zu präsentieren. Das hat die Firma Formex insbesondere mit der derzeitigen Modellpolitik äusserst erfolgreich umgesetzt, allen voran die Modelllinie Essence und Essence Leggera, wobei die letztere mit Kompositmaterialien wie Karbon und Keramik aufwartet und ein ultraleichtes Gehäuse von gerade mal 50 Gramm bietet, welches traumhaft angenehm am Arm liegt.

Modellvielfalt

Das gesamte Sortiment von Formex ist sehr sportlich orientiert, was sich auch in der Namensgebung der Uhrenmodelle wiederspiegelt. Die tragende Säule der Modellpalette basiert auf der Essence und der Essence Leggera. Letztere bestehen aus Kompositmaterialien wie Karbon, Keramik, und sind federleicht. Diese Uhren wiegen ohne Band nur um 50 Gramm. Am Arm merkt man kaum, dass man eine Uhr trägt. Die anderen Modelllinien sind sicher etwas gewöhnungsbedürftig, wie beispielsweise die „Element“, die „Motorsport“, und die „Pilot“ und „Taucher“.
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Was unterscheidet die Formex Essence von anderen Uhren?

Die Essence Modelllinie ist durch eine besondere Konstruktion charakterisiert, die den Tragekomfort erheblich steigert. Der Uhrwerkkontainer sitzt federnd im Uhrengehäuse und passt sich somit anschmiegsam dem Arm an, insbesondere, wenn der Arm sich in unterschiedenen Positionen bewegt, vor allem wenn die Hand sich dabei hebt oder senkt.
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Oben seht ihr die Federung am Gehäuse aussen. Eine interessante Konstruktion, auf die man erstmal kommen muss.

Formex gibt sich viel Mühe, dass die Uhren sehr ergonomisch und komfortabel designed werden und sich komfortabel tragen lassen. Dazu gehören Sachen wie die patentierte Feinjustierung an der Schliesse, die richtig angenehm ist. Man legt die Uhr an, verschliesst sie, und danach kann man sie am Arm direkt so anpassen, wie man es haben will.

Darüberhinaus ist auch der Schnellwechsel aller Bänder und Schliessen ohne Werkzeug etwas, was mir gut gefiel, wobei es das heute bei vielen Firmen gibt.

Formex bevorzugt seine Uhren mit unverschraubten Krone , wobei die Uhren trotzdem wasserdicht sind. Nach Auffassung von Formex sind unverschraubte Kronen weniger anfällig für Probleme und leichter zu warten. Nur bei den richtigen Taucheruhren verbauen sie verschraubte Kronen. Interessanterweise sind die unverschraubten Kronen auch im gezogenen Zustand immer noch wasserdicht.
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Obige Uhr ist komplett aus Karbon, hat eine Keramik Lünette und wiegt nur 50 Gramm ohne Band.

Was ich ganz cool finde, ist, dass Formex eine APP für Apple hat, mit der man über ein Armband, welches Formex gerne zusendet, simulieren kann, wie die Uhr sich am Arm trägt und einen Eindruck kriegt, wie sie aussieht und wie gross sie wirkt. Zurzeit gibt es das leider nur für Apple, aber bald kommt auch eine APP für Android.

Zuletzt durfte ich auch noch drei Prototypen anschauen aber leider nicht fotografieren. In Kürze werden die bestimmt auf den Markt kommen. Mit etwas ausgefallenen Ideen. Was hätte man sonst erwartet?
 

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