Mal keine Jahresuhr! Oder etwa doch?

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Der Stromer

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Mal keine Jahresuhr… Oder doch? Siehe dazu auch in der letzten Zeile :klatsch:

Hier mal eine Kienzle Weltzeituhr aus den 50er. Das Herz in dieser Schönheit ist ein bewährtes Klappanker-Werk von Kienzle. Für diese Uhr etwas modifiziert mit langer Minutenwelle und Stellvorrichtung von hinten. Die Kunststoff-Abdeckung des Werkes wurde dafür auch geändert. Der Name (Kaliber) des Werkes: 606p.

Kienzle-606p.jpg

KIENZLE 606p. Der Klappmagnet ist das größte Bauteil im Werk!

Hier war die Frage „Geht nicht, kannst Du?“ Geht nicht gibt’s nicht! Antwort daher wie fast immer: „Ja“.

Und dann stand das Stück auf meinem Tisch und stand einfach da. Standuhr eben. Eigentlich sah sie (die Uhr) ja noch ganz gut aus. Die Patina, die sie hatte – 60-Jährige (und Ältere, ich z.B.) sehen halt nicht mehr frisch aus, wie sich jeden morgen beim Blick in den Spiegel beweist – sollte sie auch behalten, nur der Staub innen musste dran glauben.

Beim Zerlegen ist mir dann schon aufgefallen: ÖL! Das war mit ein Grund, warum sich die Unruhe nicht bewegte. Jemand hat da mal mit einem Schraubendreher versucht, Starthilfe zu geben. Zu viel des Guten! Denn diese Zapfen kennen nur zwei Zustände: fest und ab. Zum Glück hatte ich noch eine komplette Unruhe mit Spirale. Sonst wäre es schwierig geworden mit der Reparatur. Grund für diesen Starthilfeversuch war wohl das zu viel an ÖL! Und zwar richtig dickes Öl. Es klebte überall. Im Werk, zwischen Werk und Werkträger, hinter dem Ziffernblatt und wo nicht noch überall.
Oelsardine-sollte-das-nicht.jpg
Da wurde eine Uhr mit einer Ölsardine verwechselt!

Beachtliche-24-cm.jpg
24cm im Durchmesser und Messing Voll!

Also das 606p vorsichtig zerlegt (das Werk hat die Größe einer Taschenuhr) und alles in ein Glas mit Waschbenzin und ein paar Tropfen 3 – 5 Uhrenöl. Dass in mein kleines US-Bad, Heißes Wasser drum herum und Power. Sofort bildete sich im Benzin eine milchige Brühe, abgelöstes Öl. Nach ein paar Minuten dann mit ner Pinzette die wenigen Teile aus dem Bad geholt, mit Heißluft getrocknet. Dann die Zapfen begutachtet und vorsichtig geputzt. Wenn mir hier einer von diesen 0,2mm Zapfen abgebrochen wäre… Nicht aus zu denken. Das wäre so der Tod dieser schönen Uhr gewesen.

Also auch der Zusammenbau ganz vorsichtig und mit Lupe vorgenommen. Wie man am Bild sieht, hat es geklappt.

KIENZLE-606p.jpg
Das entölte Werk mit neuer Unruhe. Und es bewegt sich doch!

Das nächste Problemchen war die Kunststoff-Abdeckung des Werkes. Durch die seltsame Konstruktion des Batterie-Faches mit einer Schraube zum fest klemmen, war der Kunststoff weit eingerissen. Mit einem neuen Kleber konnte ich diesen Spalt aber wohl dauerhaft und sehr fest beseitigen.

Nach-Reinigung-zum-Test.jpg



Die Weltzeit-Einstellung dieser Uhr ist ganz profan: Erst wird mit der Zeigerstellung die Weltzeitscheibe unten bei „0“ auf 12:00 Uhr im hellen Bereich gestellt. Dann den Knopf auf der Rückseite drücken und festhalten. Mit der Zeigerstellung die Uhrzeit ebenfalls auf 12:00 Uhr, den Knopf loslassen und die Uhr stellen. Das wars.

und-sie-bewegt-sich-wieder.jpg

Übrigens gibt es von dieser Uhr auch eine Version, da kann nachträglich diese Einstellung nicht geändert werden. Da muss man (oder Frau) gleich bei der Montage darauf achten, dass das stimmt.

…und noch etwas: Auf die Polung der Batterie dieser Uhr braucht man nicht achten. Keinerlei Elektronik und als Magnet nur Weicheisen.

Zur Titelzeile: Mit 1 Batterie AA 1,5 Volt läuft diese Uhr ca. 1 Jahr. Also doch ne Jahresuhr!
 

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Rainer Nienaber

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Toller Bericht, tolle Fotos.
Diese Klappankerwerke habe ich in der Lehre reichlich reparieren dürfen.
 
hermannH

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Die Weltzeit-Einstellung dieser Uhr ist ganz profan: Erst wird mit der Zeigerstellung die Weltzeitscheibe unten bei „0“ auf 12:00 Uhr im hellen Bereich gestellt. Dann den Knopf auf der Rückseite drücken und festhalten. Mit der Zeigerstellung die Uhrzeit ebenfalls auf 12:00 Uhr, den Knopf loslassen und die Uhr stellen. Das wars.


Ich weiß noch, das ich bei meiner ersten Kinzle Weltzeituhr fast verzweifelt bin, bis mir endlich ein Licht dazu aufgegangen ist! :D

Gruß hermann
 
Quickly

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Servus Rolf-Dieter,

vielen Dank für deinen Bericht und den Fotos, das Werk hast du ja wieder perfekt hinbekommen.
Für alle, welche auch mal so ein Werk reparieren wollen, hänge ich gerne mal eine original Werkbeschreibung und die technischen Daten an.

Viele Grüße
Willi
 

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Rainer Nienaber

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Überlegt mal, was für ein Strom da kurzfristig fließt.
 
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Im Schnitt über alle Aufzüge 0,0000080A. Das Licht vom HerrmannH ist ca. 1 Million mal stärker :klatsch:
 
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Ooch, Rainer. Ist doch garnienich so schwer. Du darfst im Falle des Magnetaufzuges doch nicht einfach mit dem Ohmschen Gesetz hantieren. Du musst schon etwas tiefer gehen und die Leistung in Watt und Zeit berechnen, um auf den durchschnittlichen Stromverbrauch des Magneten zu kommen. Kienzle schreibt ja selbst: Durchschnittliche Stromaufnahme 100µA. Wenn die Feder mehr aufgezogen werden kann (weniger Energieverbrauch) dann kommt man schnell auf weniger als diese 100µA.

Das ist ja auch der Grund, warum diese Werke eigentlich fast nie wegen leerer Batterien stehen bleiben, sondern meist wegen ausgelaufener Batterien. Die "Fressen" sich halt selber auf.
 
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Aber kurzfristig fließt doch ein höherer Strom, oder? Wenn die Batterie zu schwach ist, um den Klappanker aufzuziehen, fängt die Batterie an zu"kochen" und läuft aus. Und die Suppe läuft an der Tapete runter.
 
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Auch bei einem Versagen des Aufzuges fließt ein max. Strom von 1 A durch die Spule. Das bringt eine AA noch nicht zum "Kochen". Da muss schon ein Kompletter Kurzschluss = 0 Ohm erfolgen. Und: Das "Auslaufen" dieser Batterien kommt nicht von der zu hohen Stromentnahme, sonder durch die chemische Reaktion. Hier mal ein Bild einer Zink-Kohle-Batterie nach Alessandro Volta.

Nur durch einen kompletten Kurzschluss wird die Zelle sehr heiß und die Gefahr einer Explosion besteht, vor allem, wenn es sich um eine sog. "Auslauf sichere" Batterie handelt. Die ist nämlich eben zum Schutz gegen das Auslaufen bei einem Zerstörten Zinkbecher mit einem Stahlmantel mit Kunststoffdichtungen umgeben. Und wenn der zerplatzt.....:roll:

Aber, bei Einem Schaltzyklus von ca. 1ms alle 45 Sekunden, wie bei diesen Klappanker-Werken wird der Strom niemals über 1 Ampere in 1 ms steigen können. Und in den folgenden 45 Sec. wird sich die sehr geringe, aber vorhandene, Erwärmung wieder abgebaut haben. Also: keine Gefahr.

Nichts für Ungut, Rainer. :prost:
 
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