Liebe oder ähnliche Verwirrungen – Zenith Elite Chronograph Classic 03.2270.4069/26.C493

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Galathea

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Diese Vorstellung verletzt eigentlich die Forenregeln, da ich nicht meine Uhr vorstelle, sondern die von meinem Partner. Aber ich hoffe jetzt einfach einmal auf Nachsicht.

Als Vorwarnung: Ich probiere es gar nicht, die Firmengeschichte von Zenith wiederzugeben oder über das tolle El Primero Kaliber zu schwärmen, sondern teile hier einfach nur meine Geschichte mit einer Uhr, die nicht einmal meine ist.

Also, wie erwähnt. Sie gehört meinem Partner. Dem Mann mit dem schwer aussprechbaren Namen, der zufällig (also eher wenig zu viel Alkohol) in mein Leben geweht wurde. Und in dessen Leben wurden kurz darauf ebenso zufällig Tickets für die Baselworld geweht.

Nun hatte er damals mit Uhren nichts am Hut – ausser dass er wusste, dass er keine hatte. Und sich deswegen immer meine Longines auslieh. Naja, ich liess ihn gewähren. Was macht frau nicht alles im Zuge emotionaler Unzurechnungsfähigkeit.

Auf der Baselworld war es speziell. Viele Eindrücke, fast zu viele. Die Mittagspause, die wir dann in der Basler Altstadt verbrachten, verbrachten wir erst bei McDonalds, um wieder ausserhalb der Luxuswelt anzukommen. Und dann in einem Uhrenladen, um der nun ins uns beiden brennenden Neugier zu frönen. Das war es auch, wo er zum ersten Mal auf DIE Uhr traf, welche ihn direkt ins Herz traf. Zenith Elite Chronograph Classic. Und ja, ich muss zugeben, ich war schon ein klein wenig eifersüchtig. So ein schönes Meisterwerk und so viel zu gross für mein schmales Handgelenk. Doch gleichzeitig witterte ich auf Hoffnung, dass ich meinen verlorenen Sohn, also meine Longines, wiederbekommen würde.
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die erste grosse Liebe

Doch aufgrund fehlender Spontanität, die uns bis heute vereint, wurde die Entscheidung, ob kaufen oder nicht kaufen, erst einmal eine Nacht überschlafen. Oder zwei Nächte. Oder etwas länger. So hatten wir das ja damals auch mit unserer Beziehung oder Nicht-Beziehung gemacht. Doch der Uhr geschah etwas, das mit mir nicht geschehen war – sie wurde von einem anderen gefunden und gleich mitgenommen.

Kurzum: Er schien seine grosse Uhrenliebe und ich meine Longines für immer verloren zu haben. Denn aus welchen Gründen auch immer war dieses Modell in genau dieser Ausführung einfach nicht mehr aufzutreiben.

Die folgenden Jahre sind leicht zusammenzufassen: Wir waren in einer fremden Stadt – wir besuchten den Zenith-Händler Einmal hatte er mehr den Ehrgeiz, die Jagd fortzuführen, dann war ich es, die meinte, er könne sich ja nicht so leicht geschlagen geben. Wir waren an einem Flughafen im Duty-free-Bereich – wir besuchten die Juweliere. Was all dem gemein war, wir klapperten alle Läden immer gemeinsam ab.

Hätte man damals ein potentielles Juwelenräuberpärchen gesucht, wir wären in den Kreis der Verdächtigen geraten. Wir tauchten in jeder Stadt in teils nicht so gut aussehenden Urlaubsoutfits in Juweliergeschäften auf und fragten nach einer nicht vorhandenen Uhr, die eventuell nicht einmal mehr produziert wurde. Aber hey, was macht man nicht alles, wenn man nicht so klar denken kann. Oder es einfach richtig erscheint.

Einmal, das war in St. Petersburg, waren wir wirklich guter Dinge. Gemäss System gab es sie noch. Also sie. Genau sie und genau in der gewünschten Variante. Doch leider war sie nicht aufzufinden – und dann ging schon der Flug.

Aufgrund der Pandemie liessen wir dann das Jagen in den anderen Städten sein und hatten uns eigentlich schon abgefunden, dass es nie mehr ein Wiedersehen geben würde. Der Kundenservice von Zenith hatte die traurige Vermutung bestätigt – aus die Maus. Keine innerhalb normaler Reichweite vorhanden, an 2nd Hand trauten wir uns nicht wirklich und trauerten daher lieber. Dann aus dem Nichts plötzlich die Nachricht – es gibt sie noch. Ein Stück. In einem Einkaufszentrum so halbwegs in unserer Nähe. Ironischer konnte es kaum sein – so nahe und an einem Ort, den wir nie freiwillig an einem Samstag aufsuchen würden. Einem riesigen, menschenüberlaufenen Einkaufszentrum.

Aber hey, wir haben es mit Stil hinter uns gebracht. Einkaufszentrum, McDonalds (diese Kombi schien uns als Huldigung des ersten Zusammentreffens einfach notwendig) – und dann ins Juweliergeschäft. Ich lüge nicht, wenn ich hier jetzt schreibe, dass wir bis zuletzt nicht wirklich daran geglaubt haben, sie wirklich zu bekommen. Ein Systemfehler schien nach all diesen Jahren wahrscheinlicher als deren Existenz.
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Das Phantom wird real

Doch da war sie. Und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt. Er hat sie, ich habe meine Longines, wir haben weiterhin uns und wir werden nun wohl bei jedem McDonalds-Besuch in der Zukunft an Zenith denken müssen.

Sie dreht sich nun munter auf ihrem Uhrenbeweger, wenn es Nacht wird, und wird ausgeführt, wenn es Tag ist. Sie ist schuld daran, dass nun plötzlich Uhrenmagazine auf unserem Couchtisch liegen, die ich dann auch lesen darf. Auch gebe ich ihr die Schuld, dass ich nun mehr und mehr über Herrenuhren lerne. Und vor allem gebe ich ihr die Schuld, dass nun auch ich wieder auf die Jagd gegangen bin.

Ob ich nun der schlechte Einfluss war oder er, darüber lässt sich streiten. Doch eigentlich egal, seit wir zusammen wohnen, sparen wir genug Geld, dass ab und zu mal eine Uhr drin ist. Denn dafür ist das Zusammenleben doch da, oder?

Zur Uhr:

Mir gefällt sie optisch sehr gut, da sie einen Chronographen sehr klassisch interpretiert. Ihm gefällt die Eleganz, die gute Ablesbarkeit und die Schriftart der kleinen Ziffern, die diese gut lesbar macht. Ich finde, sie eignet sich perfekt für das Büro. Ihm ist das egal – die Uhr wird getragen, wenn er Lust auf sie hat. Und ich muss eingestehen - sie meistert alle Situationen wirklich sehr gut und sieht einfach immer hoffnungslos stilvoll und sophisticated aus. So elegant und doch ein Chronograph - und somit ein wenig wenig sportlich.
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egal wann, sie sieht regelmässig das Tageslicht und durfte jetzt sogar ein kurzes Shooting machen

Bislang tut sie alles ganz brav, was man von ihr erwarten darf – und wir hoffen, dass das noch lange, lange so bleiben wird.

Ihre Daten sind wie folgt:

Zenith El Primero Kaliber
50 Stunden Gangreserve
Gehäuse: Stahl
Durchmesser: 42mm
Wasserdichtigkeit: 5 ATM
Lünette: Stahl
Glas: Saphirglas

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Das Werk in all seiner Schönheit

Ob es nun geistige Verwirrtheit oder Liebe ist, von der ersten Uhr, in die man sich verschaut hat, nicht abzulassen, kann ich nicht sagen. Ob es verrückt ist, ewig mit seinem Partner nach dessen perfekter Uhr zu suchen, weiss ich auch nicht. Aber hey, wir haben sie gefunden. Und damit bewiesen, dass zumindest manche Märchen ein happy end haben.
 
hairspring

hairspring

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Vielen Dank für die sehr gelungene Vorstellung einer wunderschönen Zenith. Habt noch lange Freude an Euren tickenden Begleitern und vor allem an Euch :klatsch:.
 
Weckerfreund

Weckerfreund

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Eine nette Geschichte und eine schöne, schlichte Uhr. Ich hatte die Zenith Chronos immer recht sportlich mit drei Totis und Datum vor Augen. Darüber hinaus noch mit Mondphase oder Loch im Zifferblatt.

Viel Spaß mit dem Gespann Mann/Zenith.
Andreas
 
T

tamoshan

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Hallo Galathea,
eine schöne Vorstellung mit einer noch schöneren Geschichte. Wo ist nur Pygmalion dabei. 🤔 Dieser Chronograph ist aufgrund seiner einfachen Formensprache einer der wenigen, die auch mir als Zenith-Träger gefallen. Schon Tim Mosso war begeistert davon (Watchbox-Videos).
Ich wünsche euch viele verbindende Uhrenerlebnisse dieser Art.
Schau doch mal für dich genauer bei JLC rein. Das musste ich jetzt schreiben, denn Rolex ist meines Erachtens nun wirklich nicht „the real thing“: Reverso und Rendezvous. Wahrscheinlich zu feminin in der Anmutung die letzte?

Viele Grüße

Tamoshan
 
Thema:

Liebe oder ähnliche Verwirrungen – Zenith Elite Chronograph Classic 03.2270.4069/26.C493

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