Revision Labradors Werkstatt: Revison Omega Speedmaster Professional mit Cal 321

Diskutiere Labradors Werkstatt: Revison Omega Speedmaster Professional mit Cal 321 im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Die Omega Speedmaster auch als Moonwatch bekannt ist wohl eine der berühmtesten und geschichtsträchtigsten Uhren der Welt. War sie doch 1969 als...
Labrador

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Die Omega Speedmaster auch als Moonwatch bekannt ist wohl eine der berühmtesten und geschichtsträchtigsten Uhren der Welt. War sie doch 1969 als erste Armbanduhr auf dem Mond, mag mancher denken, dass sie zu diesem Event geschaffen wurde. Es gab sie aber schon viele Jahre früher, als es noch niemand für möglich hielt, dass Menschen den Mondboden betreten würden.

1942 wurde von Albert Piguet das Omega Cal. 321 geschaffen. Ziel war es damals ein ebenso robustes wie auch präzises Chronografenwerk mit Handaufzug zu konstruieren. Der klassische Aufbau mit Säulenradschaltung, Breguetspirale und einer Schlagzahl 18000 trugen dazu bei. Ab 1946 wurden die Werke mit Stoßsicherung ausgeliefert.

Als die NASA ihre erste bemannte Mondlandung vorbereitete war man auch auf der Suche nach einer geeigneten Uhr. Ein umfangreiches Testprogramm und ein Pflichtenheft wurde angesetzt. Die Mitbewerber schieden aus und so wurde die Speedmaster ausgewählt.

Die Uhr, deren Revision ich hier vorstellen möchte, hat die Referenz 105012 und ist daher dem Jahrgang 1966 zuzuordnen - also ein Modell vor der Mondlandung.

Der Zustand ist als gebraucht anzusehen und bei dem Alter schon recht gut, da 1966 die wenigsten Träger der Speedmaster Modelle Uhrenliebhaber waren, die um ihre Uhr ebenso besorgt sind wie um ihr Augenlicht. Hier eine Blick auf die Oberseite der Uhr:



Dem Bodendeckel sind laienhafte Öffnungsversuche zum Glück erspart geblieben.



Auch von der Seite macht sie immer noch die besten Figur.



Besonders tiefe Macken sucht man hier vergeblich.



Unter dem massiven Bodendeckel kommt eine Abdeckung zum Vorschein - ich vermute mal, um magnetische Störfelder ab zu schirmen.



Diese Abdeckung kann einfach nach oben abgehebelt werden. Leider ist sie schon etwas verbeult.



Und hier nun endlich der Blick auf das herrliche Cal 321 (C12).



Bis hier hin erst einmal. Bald geht es weiter - die Uhr wird zerlegt und ich werde noch auf einige Besonderheiten eingehen.

Viele Grüße

Jörn (Labrador)
 
Uhr-Enkel

Uhr-Enkel

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Die Speedmaster ist eine im Forum sehr begehrte Uhr. Um so größer ist die Freude, mal bei einer Revi zusehen zu dürfen. :super:
 
Paul Kawka

Paul Kawka

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Als Besitzer einer 145022 mit Cal.861 freue ich mich schon sehr sehr dolle auf die Fortsetzung des Threads!
 
Labrador

Labrador

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Ich danke euch. Musste auch grad nur mal kurz weg - daher geht es jetzt weiter:

Die Bodendichtung ist weitgehend aufgelöst und nur noch in Spurenelementen erhalten geblieben. Gut, dass hier der Wasserteufel keinen Einlass gefunden hat.



Der Werkhaltering überträgt die Ansteuerung der des Chrongrafenmechanismus durch die äußeren Drücker über innenliegende Stangen. Die sind so ausgefallen, dass die maximale Funktionssicherheit gegeben ist. Die Übertragungsstange für den Start-Stoppdrücker hat ein Augen, in dem der Hebel im Uhrwerk sicher geführt wird. Der Nullsteller hat einen Zapfen.



Hier die oberpräzise gefertigte Stange für den Start-Stopphebel. Da steckt mehr Perfektion drin als in macher kompletten Uhr.



Auf dem folgenden Foto ist der Nullsteller im Werkhaltering zu sehen.



Im ausgebauten Zustand zeigt sich, dass das Zifferblatt und die Zeiger zwar altersgerechte Patina an der Leuchtmasse angesetzt haben aber sonst in sehr gutem Zustand sind.



Die frühen Ausführungen hatten noch Vertiefungen bei den Hilfszifferblättern und einen abgesenkten Rand bei der Minuterie. Später wurden glattflächige Blätter verwendet.



Wie die Signatur auf der Rückseite des Zifferblattes zeigt, wurde es von der Firma Singer gefertigt. Soweit ich weiß hat diese Firma auch schon Rolex beliefert.



Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist der Überschlagschutz für die Spirale. Er verhindert bei sehr starken Stößen, dass die Spirale sich am Klötzchen (äußerer Spiralbefestigungspunkt) festhakt.



Noch besser zu sehen ist diese Vorrichtung (die übrigens auch lange Zeit in alten Rolexkalibern zu finden waren) im ausgebauten Zustand. Die beiden Rückerstifte sind im 90° Winkel umgebogen und laufen über den Spiralwindungen entlang.



Unter dem Zifferblatt befindet sich der Teil der Chronografenschaltung, der für den Zwölfstundenzähler zuständig ist.



Sämtliche Hebel und Hebelchen sind mit größter Sorgfalt hergestellt worden. Hier ein sehr schönes Exemplar, das einerseits eine hauchdünne Federzunge hat und andererseits an seinem Drehpunkt in einem Lager läuft.



Wie schon oben erwähnt schaltet der Chrono per Säulenrad. Das spätere Cal 861 hat eine Kulissenschaltung.



Das kleine Kunstwerk ausgebaut:



Hier eine Auswahl von Federn, die die vielen Hebel in die richtige Position und Richtung drücken. Alle sind aus dem Vollen gearbeitet - es macht wirklich Freude, das alles sehen zu dürfen...



Die Arretierung des Minutenzählrades ist eine kleine mechanische Abteilung für sich. Bei vielen anderen Kalibern sitzen hier schlicht nur einzelne Federn, die passend gebogen sind.



Hier ausgebaut: auch der kleine Arretierhebel ist mit einem eigenen kleinen Lager versehen.



Nachdem die Chronoschaltung demontiert und die großen Brücke abgenommen ist, kommt das eigentliche Räderwerk zum Vorschein.



Das Kronrad sitzt unterhalb der Brücke.



Ein Rad mit schönen langen Zapfen ist das Sekundenrad. Auf der einen Seite sitzt das Mitnehmerrad für die Stoppvorrichtiung drauf und auf der anderen Seite der kleine Sekundenzeiger.



Unter dem Federhaus sitzt ein kleines Ritzel, dass den Stundenzähler antreibt.



Damit die Uhr nicht stehenbleibt, wenn der Chrono gestoppt wird, ist das Ritzel mit einer Rutschkupplung ausgestattet. Die Feder dafür ist fein säuberlich auf das Federhaus geschraubt.



Nun sind fast alle Teile ausgebaut, so dass sie gereinigt werden können. Ich brauche selten so viele Fächerkästen...



Nun ist für heute endgültig Schluss an dieser Stelle. Ihr habt jetzt den aktuellen Stand und ich muss erst wieder etwas arbeiten, damit es neue Bilder gibt.

Viele Grüße

Jörn (Labrador)
 
Badener

Badener

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Hallo Jörn,

vielen Dank für diese sehr schönen Einblicke in deine Arbeit und das wirklich wunderschön gearbeitete Werk!
Die Uhr hat es auf jeden Fall verdient, Kult zu sein.

Gruß
Badener
 
alte Uhr

alte Uhr

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Vielen Dank, Jörn,
für die schöne Beschreibung und die
Einblicke :-D
Ich freue mich schon auf die Fortsetztung.

Viele Grüße
Helmuth
 
mini

mini

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Eine Speedy 321 mit Step-Dial: Dir ist auch kein Gral zu heilig ;-) ...und das ist gut so; danke für den (wieder mal) spannenden und informativen Blick in Deine Werkstatt.
Ich freue mich auf die Fortsetzungen und das Ergebnis.

Gruss
Mathias
 
psyche-delic

psyche-delic

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Boah, Jörn, endlich mal ne Speedy!

Wunderschönes Werk. Das 1861 ist bestimmt nicht minder schön, da wette ich.

Danke für die tollen Einblicke, so hab ich eine Speedy noch nie gesehen.

Gruß,

Karsten
 
walti

walti

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Hallo,

danke für diesen interessanten Einblick, ganau dieses Herz schlägt auch in meinem alten Seamasterchrono. Ein großartiges Meisterwerk der Uhrmacherkunst imho. Das Werk scheint eine ziemlich lange Bauzeit gehabt zu haben, meine Uhr ist laut Omega Stabu aus 1966.



LG

Walti
 
fantomaz

fantomaz

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Eine Speedy! Die Uhr, die ganz oben auf meiner Haben-Wollen-Liste steht
und ich darf bei einer Operation zusehen! Herzlichen Dank für die super Bilder,
bin schon gespannt wie es weitergeht...

Alexander
 
Alberich

Alberich

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Hallo Jörn,

ich bin begeistert: von der Weksqualität, und besonders von Deinen Photos! :klatsch:
Danke, fürs Zeigen.

Grüße!

Matthias
 
atSmeil

atSmeil

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Vielen Dank Jörn, für diesen abermals tollen Bericht und das du uns bei einem so tollen Werk wie dem 321er mit nimmst! :super:
 
O

osterguentermann

Gast
Superklasse!

Mann, Jörn, ich war eigentlich weg von den Chronographen...
aber bei einer Uhr mit SO EINEM WERK könnte ich wieder
schwach werden - toll!
 
Gutenberg

Gutenberg

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Hallo Jörn,

auch von mir ein herzliches Dankeschön.
Deine Berichte verfolge ich ja sowieso immer ganz brennend, jedoch
von der Speedy...das ist was!! Diese ist die absolute Nr. 1 auf meiner
Wunschliste und irgendwann werde ich sie auch haben!

Ich danke Dir und freue mich schon auf die Fortsetzung:super::super::super:

Gruß
Michael
 
klause

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Howdy Labrador,

ein sensationeller Thread, vielen vielen Dank dafür.

Viele Grüße,
FElix
 
twehringer

twehringer

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Hallo Jörn,
so eine Speedy mit dem 321 ist schon was ganz tolles. Danke fürs Teilhaben lassen an dieser Revision.

VG Thomas
 
falko

falko

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Ein tolles Werk mit interessanten Details, Danke fürs Zeigen, Jörn!
Nachtrag: ich wundere mich die ganze Zeit, das mir so viele Dinge an diesem Werk bekannt vorkommen, obwohl ich noch nie ein Omega 321 in der Mache hatte. Das Lemania Grundwerk S 27 arbeitet nämlich in meiner hier schon vorgestellten Lemania:
https://uhrforum.de/uhr-fuers-leben-lemania-s27-aus-ca-1950-a-t57407
 
Zuletzt bearbeitet:
Redskins

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Auch für mich eine der schönsten und zeitlosesten Uhren,
die je hergestellt wurden.
Eine Augenweide wieder mal, bei Dir daran teilnehmen zu dürfen,
wie es innen aussieht! Vielen Dank !!!

Btw: Kann man die Uhr auch mit Saphirglas ausstatten lassen,
oder bekommt man dafür kein passenden Glas?

Gruß Rainer
 
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