Revision Labradors Werkstatt: Revision Junghans Meister 684

Diskutiere Labradors Werkstatt: Revision Junghans Meister 684 im Anleitungen & Revisionen Forum im Bereich Anleitungen & Revisionen; Diesem Werkstattbericht ging der folgende Thread voraus: https://uhrforum.de/junghans-meister-mit-quarzwerk-t45764 An dieser Stelle möchte ich...
#1
Labrador

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Diesem Werkstattbericht ging der folgende Thread voraus: https://uhrforum.de/junghans-meister-mit-quarzwerk-t45764

An dieser Stelle möchte ich mich zuerst bei LutzBrux für seine kluge Entscheidung, die Uhr nicht mit einem Quarzwerk versehen zu lassen, bedanken. Viele habe ihm hier im Forum auch richtigerweise dazu geraten. Außerdem habe ich auch Sorge, dass mich (wenn ich ein Quarzwerk einbaue) der Fluch von Clockmaster (abgefallene Hände) oder die noch schlimmeren Verwünschungen von Falko treffen.

Nun aber zu dem folgenden Werkstattbericht, den ich in Episoden immer weiter führen werde - sozusagen in kleinen Protionen.

Hier erst einmal ein Foto von der Uhr, die mich die Tage aus Brüssel erreichte:



Ein wunderschönes Uhrwerk, wie es kaum besser in den 60ern aus deutscher Produktion erhältlich war.



Um die Uhr aus dem Gehäuse nehmen zu können, werden zuerst die beiden Werkhalteschrauben gelöst und die Aufzugswelle mitsamt der Krone herausgezogen.



Trotzdem lässt sich das Werk noch nicht herausnehmen, da es (wie viele Uhren aus dieser Zeit) über das Glas entnommen wird. Hierzu wird der Glasabheber am Außenrand des Plexiglases (echtes Glas geht dabei nicht...) angesetzt. Sorgfalt beim Ansetzen des Abhebers verhindert unnötige Beschädigungen des empfindlichen Glases. So sollte es aussehen, bevor über das Drehrad des Abhebers das Glas zusammendrückt.



Das Glas ist runter und das Zifferblatt liegt frei vor uns. Das Uhrwerk lässt sich nun vorsichtig aus dem Gehäuse kippen. Achtung, Zeiger und Blatt dürfen nicht beschädigt werden.



Hier ein Einblick in die Gehäusekonstruktion von oben.



Nachdem die Zeiger abgenommen sind, wird das Zifferblatt gelöst. Es wird - wie bei fast allen Uhren - von zwei kleinen Schrauben gehalten. Auf diesem Foto ist die noch angezogene Schraube gut sichtbar.



Im nächsten Schritt werden die Zifferblattschrauben etwas (zwei bis drei Umdrehungen) herausgedreht, bleiben aber in der Grundplatine drin.

So sollte es vor dem Abnehmen des Blattes aussehen, nachdem beide Schrauben entsprechend gelockert wurden.



Das Zifferblatt liegt auf Seidenpapier (damit es nicht beschädigt wird) - daneben die Zifferblattseite des Uhrwerks mit der Datumschaltung.



Das Stundenrad liegt lose oben auf dem Minutenrad (Viertelrohr) auf und sollte abgenommen werden, bevor es sich einen eigenen Weg sucht, wenn das Werk umgedreht wird.



Interessant und ungewöhnlich ist auch, dass das Junghans 684 zwei Arretierhebel für die Datumscheibe hat. Auf dem folgenden Bild habe ich schon die eine Seite demontiert und Arretierhebel, Feder und die nur aufgesteckte Abdeckung daneben gelegt.



Ein Einblick auf der anderen Seite mit abgenommener Abdeckung. Auf der Platine ist die Lage vom Arretierhebel und der kleinen Feder zu sehen. Übrigens warten diese kleinen, tückischen Federn mit Spannung auf unbedachte Berührungen, damit sie im hohen Bogen wegfliegen können und sich - gut versteckt - selten kurzfristig wiederfinden lassen.



Etwas näher im Detail dann so:



Es ist aber alles nach Plan gelaufen und die Datumscheibe konnte abgenommen werden, da sie mit keinerlei Reinigungflüssigkeiten in Berührung kommen darf. Diese Scheiben sind ebenso empfindlich wie Zifferblätter.



Im nächsten Schritt geht es auf der anderen Seite des Uhrwerks weiter. Dies zeige ich bei der nächsten Portion.

Zum Schluss noch meinen herzlichen Dank an LutzBrux, der durch sein Vertrauen in mich diesen Bericht erst ermöglicht hat.

Viele Grüße vom

Labrador (Jörn)
 
#2
Bereal

Bereal

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Hallo Jörn!

Danke für diese, wie gewohnt, auch für Laien leicht verständliche und sehr anschauliche Darstellung der "Alltags-"Arbeit eines Uhrmachers.
Ich bin gespannt auf die Fortsetzungen! :super:
 
#3
hass67

hass67

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Hallo Jörn,

Du legst ja eine Schlagzahl hin ! Respekt !! :klatsch:

Meines Erachtens sollte die Forenleitung überlegen, ob sie ein Unterformum für solch präzise und fachkompetente Anleitung einrichtet.

Gruß
ULI
 
#4
Rocketman

Rocketman

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Bin mal gespannt, was ich diesmal wieder neues lerne.
Danke, Jörn.
 
#5
falko

falko

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Wieder sehr schöne Darstellung, Jörn: meisterliche Arbeit an einer Junghans Meister!:klatsch:
 
#6
mahlekolben

mahlekolben

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Bin dabei, werde den Thread verfolgen!

Ich freue mich schon...


---#


Tastenkombi [Alt] + funktioniert immer noch nicht...
 
#7
RiGa

RiGa

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Aber hallo, Jörn!

Ich möchte mich hier ansatzlos allen meinen geschätzen Vorrednern anschließen:
Mit Spannung verfolgt - und mit Spannung erwartet.

Schön langsam beginne ich zu begreifen: Deine Fernlehrkurse (perfekt in Wort und Bild) sollen uhrhandwerkliche Nieten wie mich animieren, ihren Beruf an den Nagel zu hängen, in eine gescheite Uhrmacherausbildung und -werkzeug investieren und anschließend mit einem glücklichen und vor allem zufriedenen Lächeln durch die Welt zu gehen.

;-)

Gruß, Richard
 
#8
Philipp

Philipp

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Moin Jörn,

einfach klasse, dass du uns ins Junghans-Werk mit nimmst. :super:

...eine gescheite Uhrmacherausbildung und -werkzeug investieren und anschließend mit einem glücklichen und vor allem zufriedenen Lächeln durch die Welt zu gehen.
Ja Richard, ich werde auch das Gefühl nicht los, dass ich mich durchaus den ganzen Tag mit Uhren und deren Werken beschäftigen könnte.

Irgendwas ist da vor 25 Jahren schief gelaufen... ;-)
 
#9
apple1984

apple1984

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Super Vortrag, macht Lust auf mehr...

Hätte da mal eine Frage: Die Schrauben zur Befestigung
des Zifferblatts sind wirklich so lang? Die beiden Stifte
auf der Rückseite des ZB sind ja doch sehr weit innen.
 
#10
Labrador

Labrador

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@Bereal: Hallo Mike, die Fortsetzung kommt bestimmt. Es freut mnich sehr, dass die Thematik verständlich rüberkommt.

@hass67: Hallo Uli, ja das Leben ist nicht unendlich - ich halte mich einfach mal ran... Die Idee mit einem Nachschlagkatalog für Reparaturvorgänge hier im Forum hatte ich auch schon. Wir haben hier ja einige Profis, die dort sicherlich einiges schaffen können.

@Rocketman: Hallo Volker, ich hoffe, meine Beiträge wiederholen sich thematisch nicht zu sehr. Andererseits sind die Werke im Detail ja auch sehr verschieden...

@Falko: Hallo Gerd, ein Lob vom Meister wird immer gerne gehört.

@Mahlekolben: Hallo Michael, ich freue mich auch auf die Fortsetzung. Da ja alles sozusagen fast life läuft, weiß ich auch noch nicht, was noch so kommt. Was meist du mit [Alt] + ?

@RiGa: Hallo Richard, stimmt etwas animieren möchte ich auch. Vielleicht wird das ja noch was mit dir? Aber deinen Beruf sollst du nicht aufgeben - ich mache das ja auch nur als gelerntes Hobby.

@Philipp: Hallo Philipp, ich denke das Junghanswerk hat einige kleine Eigenheiten, so dass es interessant sein kann, das zu sehen. Wenn ich das richtig sehe, bist du aber auch sehr fest im Thema drin. Deine Vorstellung mit der Taucheruhr zeigt, dass du einiges auf dem Kasten hast.

@apple1984: Ich werde mal eine Schraube herausdrehen und fotografieren. Ich gebe dir Recht, vermutlich sind die ziemlich lang.

Nachmals 1000 Dank für eure netten Kommentare,

Jörn (Labrador)
 
#11
Doerthe

Doerthe

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Hallo Jörn,
ein toller informativer Beitrag:klatsch:. Mein schmales Wissen über Werke hat damit eine große Bereicherung erfahren:-D
Vielen Dank:super:
 
#14
D

DerUhrmacher

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... wenn es denn nur 25 Jahre wären, Philipp.

:D

Um eine Uhrmacherlehre zu machen ist es nie zu spät.

Bei mir auf der Schule hatten wir einen Rentner, selber Uhrensammler der einfach selber an seinen Uhren schrauben wollte.
Er hat vor der Prüfung abgebrochen - hatte das aber auch so geplant, er hätte vom Gesellenbrief nichts und erspart sich den Stress.
 
#15
Labrador

Labrador

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@Doerthe: Hallo Dörthe, danke für dein nettes Feedback. Tröste dich: auch ich kenne nicht alle Uhrwerke mit uhren spezifischen Eigenheiten.

Viele Grüße

Jörn

Nachträglich hinzugefügt: So, nun geht es wieder etwas weiter. Nachdem die Datumschaltung demontiert ist geht es auf der anderen Seite weiter. Zuerst baue ich das Federhaus aus.
Dazu wird die zentrale Schraube auf dem Sperrad gelöst.



Das Junghans 684 hat hier eine relativ unübliche Überraschung parat: Die Schraube hat ein Linksgewinde! Wenn man das nicht weiß und mit Gewalt versucht, die Schraube konventionell zu lösen, kann einem leicht der Schraubenkopf abbrechen.



Die darunter liegende Sperrkegelfeder muss vorsichtig entfernt werden, da sie gerne wegspringt. Hier auf diesem Foto liegt sie neben der Einfräsung auf der Brücke.



Weiter gehts mit dem Lösen der drei Schrauben, die die Federhausbrücke halten. Bei diesem Kaliber sind sie alle gleich lang, so dass sie nicht gesondert weggelegt werden müssen. Es gibt einige Uhrwerke, wo die Schrauben unterschiedlich sind.



Jetzt kann die Federhausbrücke abgenommen werden.



Da Federhaus darunter ist jetzt frei zugänglich und wird auch entnommen. Die heutigen Arbeitsschritte sind z. B. auch notwendig, wenn man die Zugfeder tauschen möchte.



An dieser Stelle endet für heute der Bericht vorerst. Ich hoffe, alles gut verständlich erklärt zu haben und freue mich über jede Nachfrage, die zur Klärung der beschriebenen Vorgänge beiträgt.

Hier noch ein Foto zur Frage von apple1984:



Die Zifferblattschrauben sind in der Tat ungewöhnlich lang. Auch eine Besonderheit dieses schönen Kalibers...

Viele Grüße

Jörn (Labrador)
 
Zuletzt bearbeitet:
#16
Uhrmichel

Uhrmichel

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Hallo Jörn,
ist ein echter Genuss deine Beiträge zu lesen und die Bilder zu betrachten, und alles auch für den Laien sehr verständlich geschrieben.
Und du beweißt echt Nervenstärke, den Datumssperrkegel samt Feder ohne Abdeckplättchen zu photographieren, jeder der schon mal an einem solchen Werk geschraubt hat weiß welche guten Flugeigenschaften diese Feder hat.
Freu mich schon auf die Fortsetzung

Viele Grüße vom Hunsrück
Michael
 
#17
Labrador

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Hallo Michael,

ja diese Federn habe oft eigene Pläne... für das Fotoshooting haben wir aber kurz Frieden geschlossen.:D Danke für dein nettes Feedback.

Viele Grüße

Jörn
 
#18
L

LutzBrux

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Ich bin ja echt platt, Jörn. Klasse Sache, wie Du das machst. Hätte nie gedacht, dass Deine harmlose Frage nach Veröffentlichung so einen Unterhaltungswert hätte.

LEUTE, DAS IST MEINE UHR DA! SCHON GESEHEN? SCHOEN, NICHT? HABT IHR SIE ALLE GESEHEN?:klatsch:

und ja, ja ok, ichwardasmitderquatschideemitdemquarzwerk:oops: ich gelobe Besserung! Ährlisch!
 
#19
apple1984

apple1984

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Ich schmeiß mich weg. Ich könnte dir hier stundenlang zuschauen.
Kannst du nicht mal einen Film drehen? Ich würde dafür Eintritt zahlen. :klatsch:
Und danke, dass du die ZB Schraube gezeigt hast (ohne Not)...
 
#20
Aeternitas

Aeternitas

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Sehr schön...ich freue mich auf eine Großaufnahme der Ölmenge für die unterschiedlichen Bereiche...ich mache das immer pi mal Daumen...das würde mich echt noch interessieren, was Du da so drauf gibst.
 
Thema:

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