Revision Labradors Werkstatt: Revision IWC Kal. 852

Diskutiere Labradors Werkstatt: Revision IWC Kal. 852 im Anleitungen & Revisionen Forum im Bereich Uhrenwerkstatt; Seit heute beschäftige ich mich mit einer sehr schönen IWC, zu der es hier auch schon einen Thread gibt...
Labrador

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Seit heute beschäftige ich mich mit einer sehr schönen IWC, zu der es hier auch schon einen Thread gibt. https://uhrforum.de/iwc-erbstueck-koennt-ihr-helfen-t53420

Wie üblich habe ich vor beginn ein paar vorher-Bilder gemacht. Hier die gut erhaltenen Zifferblattseite.

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Etwas Kummer bereitet mir der Anstoß bei 11 Uhr, der stark verzogen ist.

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Gut zu sehen auch in der Seitenansicht. Der rechte Anstoß hat keinen Kontakt zur Tischfläche, weil der Linke nach unten verzogen ist.

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Dafür ist der Gehäuseboden in sehr guten Zustand. Keine tiefen Kratzer oder Dellen.

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Den Inschriften im Gehäuseboden nach, ist die Uhr mindestens vier mal repariert oder überholt worden. So wie es aussieht von unterschiedlichen Uhrmachern. Schön und bei IWC üblich ist auch die Perlierung.

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Bei dem Uhrwerk handelt es sich um das Kaliber 852 mit automatischem Aufzug. Ein Klassiker, der in sehr ähnlicher Form auch heute noch in IWC Uhren Verwendung findet.

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Neben der im oberen Bild zu sehenden Feinregulierung ist der Pellaton-Aufzug ein besonderes Merkmal dieses Kalibers. Hier sind die beiden Schaltklinken gut zu erkennen.

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Um die Schwungmasse abnehmen zu können wird die kleine Schraube etwas gelöst.

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Danach kann die Arretierung von der Lagerachse weg geschoben werden.

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Nach dem Abnehmen der Schwungmasse, sind die beiden Rollen, die den Exzenter auf der Unterseite der Schwungmasse abgreifen gut zu sehen.

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Und hier der Blick auf den Exzenter. Die Schwungmasse läuft in zwei Rubinlagern.

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Die Teile des genialen Aufzugssystems nach der Demontage. Durch die beiden (eine von beiden greift immer) stetig arbeitenden Schaltklinken, wird nahezu jede Bewegung der Schwungmasse in den Aufzug der Uhr verwandelt. Einen Leerlauf gibt es praktisch nicht.

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Die wunderschön gearbeitete Schaltklinkenkonstruktion lässt sich natürlich auch noch zerlegen, was zur sorgfältigen Reinigung notwendig ist.

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Und hier das komplette Puzzle:

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Damit die Rubinlager der Schwungmasse bei starken Erschütterungen nicht beschädigt werden, ist der Lagerzapfen federnd ausgelegt. Dadurch enstehen dann in einem solchen Fall mitunter Klappergeräusche, die aber keinen Fehler darstellen, sondern Bauart bedingt sind.

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Die komplette Automatik ist entfernt. Die wunderschön gearbeiteten Brücken und Kloben sind sichtbar...

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Der Pellatonaufzug ist übrigens von Albert Pelaton entwickelt worden. Er hat als technischer Leiter bei IWC gearbeitet und sich seine Konstruktion 1946 patantieren lassen. Anfang der 50er kamen die ersten IWC Werke damit auf dem Markt.

Das ist für heute erst einmal alles. Wie immer freue ich mich über Anregungen und Fragen.

Viele Grüße

Jörn (Labrador)
 
Jonny

Jonny

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Minga Oida!
Ah, endlich geht das Revisionskino weiter :super:
Schön dass der Vortstellungsthread dieser Uhr wieder hoch kommt, den habe ich damals scheinbar übersehen wo sich da doch so schöne Bilder finden...
Insgesamt schöne Uhr, aber das Werk ist ja eine wirkliche Augenweide und bietet schon in der Automatik tolle technische Details.
Da bin ich ja gespannt was noch alles an Leckereien kommt...
 
F

Fossie

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Ich habe weder Anregungen noch (im Moment) Fragen, ich freue mich jedoch eine Revision und dann noch an einem solchen Schmuckstueck, mal "live" miterleben zu koennen.

Danke Labra fuer diese Moeglichkeit:super:
 
twehringer

twehringer

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Hi Jörn,

"endlich" würd ich jetzt nicht sagen. Eher "schon wieder"! Ich bin tief beeindruckt was Du hier für einen schnellen "Rhythmus" vorlegst, in dem Du Uhrenschätzchen wiederbelebst, Nachhaltigkeit und Wertbeständigkeit in Reinform demonstrierst. Jedesmal wieder freue ich mich über Deine Berichte :-) Vielen lieben Dank dafür!

Und jetzt freu ich mich auf die Aufarbeitung der IWC, eine wunderschöne Uhr.

VG Thomas
 
SR--71

SR--71

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...super, eine neue Revi, quasi zur Vorweihnachtszeit!...;)

Mich würde dieses Mal insbesondere interessieren, welches Öl, bzw. welchen Schmierstoff Du für welche Lagerstelle verwendest!

Manche schwören auf synthetische Universal-Öle und andere wiederum schwören auf die verschiedenen Möbius-Öle.

Ich würde als technisch interessierter Uhrenlaie wirklich gerne einmal wissen, welcher Schmierstoff jeweils für die entsprechenden Lagerstellen am Aufzug, an den Lagerzapfen der langsam laufenden Räder (Stunden -oder Minutenrad), der schneller laufenden Räder (Sekunden-, Ankerräder oder Unruhwellen) oder an den Steinankern zum Einsatz kommt.

Kann ein modernes Synthetiköl wirklich mehrere der alten Öle gleichzeitig ersetzen? Auf diesem Markt (gerade im Motorölbereich) gab es in den vergangenen Jahren ja viele Innovationen...ist dies bei den Uhrenschmierstoffen ähnlich verlaufen?

Schönen Abend allerseits!
 
Systemlord

Systemlord

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Das Werk ist ja wirklich sehr schön. Eigentlich sehr schade, daß der Gehäuseboden undurchsichtig ist. Wozu haben die sich dann eigentlich die ganze Mühe mit den Verzierungen gemacht?
Ich habe noch relativ wenig Ahnung von der Materie, von daher sorry falls es eine blöde Frage ist. Aber würde es sich in so einem Fall nicht anbieten einen durchsichtigen Boden einzusetzen? OK, ist dann nicht mehr ganz originalgetreu, aber man hätte wenigstens was vom Werk...
 
hass67

hass67

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Hallo Jörn,

ich finde auch, dass Du die letzten Wochen eine ordentliche Schlagzahl hinlegst. Respekt ! :klatsch:

Bei der Uhr ist es wirklich schade, dass es sich um eine Automatik handelt und die Schwungmasse das schöne Werk verdeckt. Dass ist wirlich ein Traum.

Gruß
ULI
 
gufi

gufi

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Hallo Labrador,

während Deinen Artgenossen nichts besseres einfällt als Katzen zu jagen, Postboten zu erschrecken oder einfach nur sinnlos auf der Wiese rumszupringen, sitzt Du nun schon wieder in Deiner Kammer unterm Dach und reparierst Uhren. Wie Du das mit Deinen tapsigen Pfoten hinbekommst, ist mir ohnehin ein Rätsel ...

Zum Glück beauftragst Du dann noch Jörn, Dein Tun in Wort und Bild festzuhalten, damit wir wieder einen interessanten Einblick in die Revision der Uhren bekommen.

Dafür vielen Dank!;-)
 
falko

falko

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Wunderbare Aufgabe, um die ich Dich einerseits beneide, mir andererseits aber eingestehen muss, dass mir die entsprechenden Kenntnisse zu ihrer Bewältigung fehlen. Ich habe mich zwar schon in der Theorie mit dem Pellaton-Aufzug beschäftigt, es ist aber schön, ihn mal zerlegt zu sehen, insbesondere die Federung der Rotorachse finde ich sehr gut gelöst. Obwohl ich bei "billigen" Uhren bisher meistens Erfolg beim Richten von verbogenen Anstössen hatte (lediglich bei einer Timex unbekannten Materials ist mir mal einer abgebrochen), würde mir hier der Mut fehlen und ich überliesse diese Arbeit meiner Goldschmiedin. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es weiter geht!
 
Silky Johnson

Silky Johnson

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Eine neue Revisonsfolge?! Super!!!

Jörn, darf man fragen wie die Teile des Werks gereinigt werden? Werden diese "nur" in ein bestimmtes Reinigungsmittel (welches Mittel?) eingelegt, oder geschieht das in einem Reinigungsgerät? Werden auch die Schräubchen mit gereinigt?

Gruß
Waldemar
 
Doerthe

Doerthe

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Hallo Jörn,
wieder einmal alles was du zeigst ist hochinteressant, danke.
Da ich auch eine IWC von Anfang 1950 habe mit einer Pellaton-Automatic, ist diese Dokumentation von besonderem Interesse für mich.
 
vauha

vauha

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Hallo Jörn,
schön, daß es weiter geht.

...

Jörn, darf man fragen wie die Teile des Werks gereinigt werden? Werden diese "nur" in ein bestimmtes Reinigungsmittel (welches Mittel?) eingelegt, oder geschieht das in einem Reinigungsgerät? Werden auch die Schräubchen mit gereinigt?

Gruß
Waldemar

...das würde mich auch interessieren.

Ich habe ein heizbares EMAG- Ultraschallreinigungsgerät, aber bisher habe ich das nur für Vergaser von Motorrädern und Rasenmähern benutzt.

bin schon gespannt, wie's weitergeht

lieben Gruß
Volker
 
D

DerUhrmacher

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Werden auch die Schräubchen mit gereinigt?

Um darauf im Namen aller Uhrmacher zu Antworten:
Machs, wie du es für richtig hälst.
Ich baue grundsätzlich das gesamte Werk auseinander (gibt viele die den Aufzug zusammen lassen) und reinige auch die Schrauben mit, gibt mir einfach ein gutes Gefühl, dass alles sauber ist.

Ein Ultraschall muss es nichtmal sein, man kann sich auch eine Reinigungsflüssigkeit selber zusammenmischen (soweit ich weis: Salmiakgeist, Wasser, bisschen Spülmittel; Verhältnis aber unbekannt, hatte ich mir irgendwo mal notiert...), erhitzen (ca. 60°) und dann die Teile in einem Sieb darin schwenken.

Eine sehr feine BÜrste hilft natürlich auch :)
 
walti

walti

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Hallo,

auch für mich ein hochinteressanter Thread, habe ich doch auch 3 alte IWC_Automaten mit Pellaton-Aufzug (2x Kaliber 8541 und 1 Kaliber 853, bin gespannt auf weitere Infos.

LG

Walti
 
hypnos

hypnos

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Die Vorstellung ist absolut hinreissend. Ich freue mich auch hier in einem deutschen Forum soviel Kunst (wie mein lieber Freund Simon sagte: Kunst kommt von können) sehen zu dürfen.


Ich hatte schon gemerkt das das System, zwar vielvereinfacht, auch in Seiko Uhren aufgetaucht ist:
bidfun-db Seiko_6139B: Seiko 6139B

Aber auch schon viel früher (früher als des Pellaton-Patent?) auch in Frankreich aufgetaucht ist. Zwar von der Uhrenmanufaktur Ultra.

Zitat vom meinem belibsteten Forum (FAM auf auf dieser originale Seite Manufacture ULTRA. Es ist zu schwierig alles zu übersetzen)

Compagnie Horlogère ULTRA

ULTRA Montres MAILLARDET Paul&fils à Morteau et Besançon
Compagnie fermée fin années 60


Pour le calibre automatique, ULTRA 703, je suis sur une rubrique en préparation, je vous en parlerai plus tard
...

Bonjour ChP,
Merci pour ta "doc" à laquelle je me permets d'y apporter une petite contribution !

Les "ULTRA" étaient considérées comme de "bonnes montres" et le souci de "bienfacture" se manifestait dès la présentation avec des mouvements "dorés" roses...
Concernant l'automatique (remontage dans les deux sens...)
Ce système de remontage , simple et ingénieux , aurait pu s'adapter à de nombreux calibres (ne nécessitant comme modification , qu'un rochet de barillet "plus-haut"...!)
En images , le principe du remontage automatique, ainsi qu'un "gousset" avec boite acier , fond vissé , et ....incabloc...
Avec mes cordiales salutations
bernard

img22911.jpg


Ich meine ich besitze vielleicht? ein solches Werk. Wenn ich es finde werde ich Fotos davon machen.
 
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k.azz`

k.azz`

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Danke schonmal Jörn für die nächste bebilderte Revision. Immer wieder spannend, was da unter einem schmucklosen Deckel für eine Schönheit an Werk zu Tage kommt.
 
hypnos

hypnos

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Ich habe vor ein paar Tage einen von meinen langwierigen Träumen erfüllen können: nämlich mir eine Longines 30L anzuschaffen.
Der nächste Schritt ist eine IWC mit Pellaton-Aufzug. 853 854 ...!

Also noch ein Traum für die nächsten 20 Jahren.
 
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walti

walti

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Hallo,

alte IWC´s zählen imho zu den schönsten Vintageuhren überhaupt und die alten Werke sind von so hoher Qualität, das selbst manche aktuelle Konstruktion kaum besser ist.

LG

Walti
 
Tirolex

Tirolex

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Hallo Jörn,

immer wieder faszinierend Dir bei der Arbeit zuzusehen. Freue mich schon auf die Fortsetzung. Du hast im wesentlichen dazu beigetragen, dass ich mich auch selbst an Werke herantraue.
Übrigens, die FL läuft superkonstant.
 
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