Labradors Werkstatt: Glas einschleifen

Diskutiere Labradors Werkstatt: Glas einschleifen im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhrenwerkstatt; Wie viele Uhren der 70er hat auch meine Girard Perregaux Quartz ein mineralisches Formglas. Durch täglichen Gebrauch als Alltagsuhr haben sie...
#1
Labrador

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Wie viele Uhren der 70er hat auch meine Girard Perregaux Quartz ein mineralisches Formglas. Durch täglichen Gebrauch als Alltagsuhr haben sie oftmals starke Gebrauchsspuren. Damals waren die schwer verkratzbaren Safirgläser selbst bei den Nobelherstellern noch nicht sehr verbreitet. Bei schlicht runden Gläsern ist Ersatz kein Problem - sie können einfach mit den Maßen Stärke und Durchmesser bestellt werden. Weitaus schwieriger zu bekommen sind Formgläser (z.B. rechteckig, oval, etc.). Ein solches Glas, wie für meine GP hätte -wenn überhaupt noch lieferbar - sicher ein kleines Vermögen gekostet.

Auf der Suche nach einer Lösung, dass zerkratzte Glas zu wechseln, fand ich ein offenes Ohr bei unserem ortsansässigen Optiker. Er hat sich mit viel Sorgfalt der Sache angenommen und mir ein perfektes Glas angefertigt. Netterweise durfte ich auch Fotos machen, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte.

Ich bin mit dem ausgebauten Originalglas bei ihm aufgetaucht und er hat es zuerst auf einen kleinen Halter aufgeklebt.



Gals und Halter werden in ein Gerät eingespannt, dass den Außendurchmesser mit einem Greifarm abfährt und die exakten Daten abspeichert.



Hier ein weiteres Foto, das den Abtaster in einer anderen Position zeigt.



Auf einem Monitor wird dann das Ergebnis grafisch dargestellt.



Eine zweite Maschine (einiges größer) empfängt die Informationen und stellt diese auch noch einmal auf einem eigenen Display dar.



Da dieses Equipment ursprünglich für Brillengläser gedacht ist, lassen sie diverse Profilkanten einstellen. In unserem Fall möchten wir natürlich eine grade Kante haben.



Die Vorarbeiten sind jetzt weitgehend erledigt und der Schleifautomat wartet auf den Rohling (neues Glas), der selbstverständlich immer etwas größer sein sollte.

Hier sind die verschiedenen Diamantschleifscheiben und die Aufnahme für das Glas zu sehen.



Wird die Start-Taste gedrückt, setzt sich das Gerät mit einer ordentlichen Menge Wasserspülung in Bewegung - mein Objektiv ist jetzt viel sauberer...



Die Schliefscheiben rotieren und das eingesetzte Glas wird in Drehbewegungen darüber geführt. Auf dem folgenden Bild kann man schon die spätere Form erkennen.



Dieser Vorgang dauert wenige Minuten. Die Scheiben arbeiten das Material ab als wenn es Kunststoff wäre...

Nachdem das Glas fertiggeschliffen ist kommt eine weitere Schleifmaschine zum Zug.



Hier ist absolutes Können und Feingefühl gefragt! Der Optikermeister führt von Hand die Kantenbrechung aus.



Das Ergebnis seines Könnens ist eine gleichmäßig umlaufende Kantenbrechung auf beiden Seiten des Glases. Ich bin schwer begeistert!



Wieder zurück in der eigenen Werkstatt habe ich das Glas (absolut perfekte Passform!) in das Gehäuse eingesetzt.



Hier das neue Glas mit eingebautem Werk. Sieht wieder wie neu aus.



Wir haben bei unserem Treffen auch ein gewölbtes Glas eingeschliffen (sogar beidseitig entspiegelt!). Obwohl mich die Entspiegelung sehr gereizt hat, habe ich mich letztendlich doch für das schlicht plane Glas entschieden, da es dem Originalzustand entspricht.

Bei der gezeigten Uhr handelt es sich um eine der ersten Quarzuhren der Schweiz. Damals eine revolutionäre Neuigkeit, die auch nicht ganz billig war.

Ich biete allen Interessierten gerne an, den Kontakt zu dem Optikermeister herzustellen und eventuell auch beim Aus- und Einbau der Gläser behilflich zu sein.

Viele Grüße

Jörn (Labrador)
 
#2
DCF77

DCF77

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Nicht schlecht...:klatsch:

Was kostet das ganze denn?
 
#3
Labrador

Labrador

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Je nach Größe und Schwierigkeitsgrad der Form sicher nicht mehr als 50€. In meinem gezeigten Fall waren es 20€.

Ich bin mir sicher, dass das Originalglas ein Mehrfaches gekostet hätte.

Viele Grüße

Labrador
 
#4
apple1984

apple1984

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Hammer Vortrag, super 'rübergebracht. :klatsch:
Für ungewöhnliche Glasformen ist das natürlich
ein super Alternative und in der einfachen Glasform
wie bei dir natürlich für 20 Euro ein Schnäppchen...
 
#5
Mavica

Mavica

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Super ! :super:
Danke für den sehr interessanten Thread!

Wie schaut es denn aus, wenn beim Ausbauen des alten Glases mal eine Ecke abbricht? - Soll ja vorkommen.
Kann der Optikermeister dann so eine Ecke in seinem Computer nach dem Abtasten korrigieren?

Und für mich noch interessanter:
Ich habe noch eine Vintage mit einem achteckigen Formglas - ähmm nee, eben leider ohne dieses Glas.
Welche Möglichkeiten gibt es denn bei fehlenden Gläsern? (Eventuell einen Abdruck von der Fassung machen und dann Abtasten lassen?)
 
#6
Labrador

Labrador

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Er kann mit seinem Abtastgerät sowohl Positve als auch Negative abgreifen - also sollte der Innendurchmesser des Glasreifs im Gehäuse auch gehen.

Das haben wir in meinem Fall aber nicht gestetet. Wäre ja mal interessant das auszutesten - im Idealfall hast du dann wieder ein neues Glas drin...

Ist die Dichtung denn noch vorhanden?

Viele Grüße

Jörn (Labrador)
 
#7
L

lopo

Guest
Hi Jörn, klasse Bericht danke dafür:super:
Ich lese deine Beiträge unheimlich gern, obwohl ich an Uhren praktisch nix selber mache. Ich bin da ziemlich talentfrei:oops:
 
#8
Schräger Vogel

Schräger Vogel

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Hmm,

Pi mal Daumen um nen Zwanziger rum...

Das ist mal nen Wort!

Als Brillenträger ha man ja eh nen guten Draht zu seinem Optiker.(Klaro, da winkt ja auch immer ein Folgegeschäft...)

Die Option halte ich mir mal gedanklich warm!
Man weiss ja nie was so kommt.
Und ich kenne mein *Dotz* *Grummel, Fluch, Mecker* Potential...

;)
 
#9
Stumpy

Stumpy

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Immer wieder toll deine Beiträge, ich selber mach das allerdings nicht, ist mir alles zu filigran für meine Wurstfinger :D.
Danke dafür!!
 
#11
Mavica

Mavica

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Er kann mit seinem Abtastgerät sowohl Positve als auch Negative abgreifen - also sollte der Innendurchmesser des Glasreifs im Gehäuse auch gehen.

Das haben wir in meinem Fall aber nicht gestetet. Wäre ja mal interessant das auszutesten - im Idealfall hast du dann wieder ein neues Glas drin...

Ist die Dichtung denn noch vorhanden?

Viele Grüße

Jörn (Labrador)

Nein, die Dichtung ist leider auch nicht mehr vorhanden.

Auch wenn es mich graust, ich habe da schon über Klebstoff nachgedacht. Nur ohne Ersatzteil war das bisher ohnehin müßig.
 
#12
D

DerUhrmacher

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Klebstoff ist nicht schlecht!
Man muss nur den richtigen nehmen und ihn richtig vor- und nachbehandeln, dann ist das mitunter das Beste, was man bekommt ;)

Nicht umsonst kleben Marken wie JLC o.ä. Ihre Gläser ein ;)
 
#13
Clockmaster

Clockmaster

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Ich persönlich benutze zum einkleben speziellen UV-Kleber. Wenn man den fachmännisch benutzt, ist er absolut klar und unsichtbar.

Gruß
Jürgen
 
#14
twehringer

twehringer

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HI Jörn,

Du hattest mir ja auf dem MUC schon mal über die Möglichkeiten mit dem Optiker erzählt. Aber so bebildert bekommt das ganze nochmal richtig Fleisch.

Danke für den tollen Bericht :-)

VG Thomas
 
#16
mahlekolben

mahlekolben

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Viele Optiker haben sich in Zeiten der schlechten Auftragslage das Handwerk der Akustiker mit angeeignet.

Wie auch viele Uhrmacher - neben dem Geschäft des Juweliers - auch in der Optik recht sicher unterwegs sind.

Schön, wenn man einem Optiker beim Einschleifen eines Uhrglases zuhören kann... :hmm:
 
#17
Lebel

Lebel

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Hallo Jörn.

Ein wirklich (mit Ausrufezeichen!) toller Beitrag.
Tolle Sache, der Optiker kann Uhrengläser individuell anfertigen. Darauf währe ich nie gekommen :shock:.
Und deine Bilder sind zusammen mit den Kommentaren echt klasse. Bestens erklärt.

Danke schön fürs berichten.
 
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