KUTSCHENUHR über 450 Jahre alt

Diskutiere KUTSCHENUHR über 450 Jahre alt im Taschenuhren Forum im Bereich Taschenuhren; Mal wieder ein kleines Video vorab zum Appetitmachen: Kutschenuhr mit Stackfreed, Selbstschlag und astronomischer Anzeige Demnächst mehr...
#3
Königswelle

Königswelle

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Wahnsinn! :klatsch:

Wie kommt man denn an sowas?
 
#4
Bullius

Bullius

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im Land des Stollens
Wirklich tolles Stück, zeigt Sie immer die volle Stunde an und Mondphase.
Dein Video ist schön eigentlich ist die Uhr etwas für ein Museum oder hast Du eines.
 
Zustimmungen: JESV
#5
Caprivi

Caprivi

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HAMMER! Wie findet man sowas, ohne ein Museum auszurauben?
 
#6
mausiele

mausiele

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Hallo Michael.
Ich bin auch bei dieser Uhr wieder sehr begeistert und frage mich ebenfalls wo man an solche Unikate kommt.
Jede deiner vorgestellten Uhren ist wundervoll.
Bitte lass uns auch weiterhin an diesen Schönheiten teilhaben.

Gruß, Hans
 
#7
mini

mini

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Nein! :hmm:
Doch! 8-)
Oohhh! :shock:

Hammer. Ich bin sehr gespannt.

Gruss
Mathias
 
#8
husky

husky

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Hallo,
als erstes einmal freue ich mich über das Interesse. Es sind ja schon einige Dinge angesprochen worden,
die neben der Begeisterung auch das fachliche betreffen. Für diese Beiträge meinen besonderen Dank.
Ein erster Teil meiner Beschreibung ist schon soweit fertig, dass ich ihn jetzt hier vorlegen kann.
Es wird aber wohl noch Überarbeitungen geben. Zuerst also das Gehäuse und das Zifferblatt.

Karossenuhr mit Stundenselbstschlag und Astronomischer Anzeige
sowie Stackfreed aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts
Zu dieser Zeit konnten sich nur hochgestellte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein solches Kleinod leisten. Dass die Karossenuhr auch ein Statussymbol war, belegen zahlreiche Bilder, auf welchen sich die stolzen Besitzer mit ihrer Uhr portraitieren ließen.

aPH 2.jpg

Die frühen Hals- und Karossenuhren entwickelten sich aus den zylindrisch geformten Dosenuhren, wurden flacher und bildeten in der Zeit um 1550 die Gruppe der sogenannten Trommeluhren. Diese waren am Boden und am Deckel der Uhr flach geformt und hatten ein gerades Band um die Seiten herum. Sowohl der Deckel als auch der Boden waren aufgedrückt und hatten keinerlei Scharniere als Verbindungselement.

Wenig später entwickelte sich aus der Zylinderform der Trommeluhr ein abgerundetes Gehäuse mit leicht erhabenen Gehäusedeckeln sowie gerundeten Seitenteilen. In der Regel waren diese Gehäuse durchbrochen, da die Mehrzahl der heute noch existenten Uhren jener Zeit mit einem Stunden-Schlagwerk und einer Glocke ausgerüstet waren. Fast immer waren die Gehäuseschale, das Werk mit dem Zifferblatt und der Gehäusedeckel durch ein Scharnier bei der Zwölf verbunden.

aPH 1.jpg

Das Gehäuse besteht aus feuervergoldeter Bronze, der kordelförmige Rand ist 15 mm hoch und nimmt das Werk und die Weckerglocke auf. Der Rand ist durchbrochen, die Gehäuse-Rückseite wie das gesamte Gehäuse und die Deckel sind durchbrochen gearbeitet. Typisches Renaissance-Rankenwerk mit floralen Motiven entwickelt sich an der Gehäuseschale aus einer Vase heraus. Der Deckel weist florale Elemente und sonnenstrahlenförmige Motive auf.
Um die zentrale, gelochte und gravierte Scheibe sind die zwölf herzförmigen Ausnehmungen platziert, durch die man die Stundenzahlen (im 2er Rhythmus) ablesen kann. Für die 24-Stundenanzeige sind weitere Öffnungen konzipiert. Die Innenseite des Gehäusedeckels ähnelt in der Gravur der Außenseite. Bei der „VI“ befindet sich ein kleiner kommaförmiger Haken, der den Deckel mit der Gehäuseschale verschließt. Der kugelförmige Pendent ist aus einem Stück Messing herausgearbeitet, darin befindet sich ein 15 mm großer Tragering. Das tropfenförmige Stück am unteren Ende des Gehäuses bildet einen harmonischen Abschluß der Gesamterscheinung.
Die Zifferblattseite zeigt diverse Indikationen und wird im Kunsthandwerk mit „astronomischen Anzeigen“ vorgestellt. Ein äußerer silberner Ring zeigt am Rand umlaufend die Stunden des ganzen Tages in römischen Zahlen von I bis XII und weiter wiederum von I bis XII an. Die halben Stunden sind durch senkrechte Striche mit einem Punkt als Abschluß bezeichnet. Danach schließt sich die nächste Anzeige mit Viertelstundenkennungen an. Die abschließende Anzeige auf dem silbernen Ring zeigt umlaufend als Besonderheit die 24 Tagesstunden fortlaufend von 1-24 in arabischen Zahlen an. So etwas war nur im Regionalbereich in und um Nürnberg üblich. Die Zwei in Form eines „Z“ verweist eindeutig auf einen süddeutschen Herstellungsort. Dieser silberne Ring ist fest und bewegt sich nicht.

aPH 4.jpg

Im Folgenden ist eine vergoldete Messingscheibe zu erkennen, die sich im Uhrzeigersinn bewegt. Und zwar dreht sie sich in 30 Tagen 29 mal. Die außen herum gravierten arabischen Zahlen von 1-29 ½ zeigen den Mondkalender, hier einen synodischen Mondmonat (genaueres bei www.timeanddate.de). Die Anzeige erfolgt über den kleinen Knopf über dem Fenster, welches die Mondphasen (Neumond, Halbmond und Vollmond) anzeigt. Diese zentrisch angebrachte, oberste Scheibe ist mittig mit einer originalen quadratischen Schraube gesichert. Dem Fenster gegenüber ist der Eisenzeiger für die Stundenanzeige angebracht. Diese Scheibe ist flächig mit den Aspekten und deren Winkeln graviert. Mit Hilfe dieser Anzeigen: Sonne – Mond – Aspekten wurden Horoskope erstellt und günstige oder ungünstige Tage für wichtige Arbeiten und Entscheidungen ausgewählt (genaueres bei www.astrodata.com ). Astrologie und Astronomie gingen zu dieser Zeit noch miteinander im täglichen Leben der Menschen. Diese Gesamtform einer Zifferblattanzeige ist z.B. dokumentiert in „Die Deutsche Räderuhr Band II Nr. 545“ auf einer Monstranzuhr von ca. 1580 aus Nürnberg (Privatbesitz). In diesem Buch arbeitet der Autor, Herr Klaus Maurice, heraus, dass Uhren dieser Zeit mit durchgehender Nummerierung der 24 Tagesstunden fast nur im Raum Nürnberg (Nürnberger Zeit) gefertigt wurden.

Weiteres zum Werk folgt später.
Mit freundlichen Sammlergrüßen
Michael
 
#9
andi2

andi2

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Hallo Michael,
wieder ein ganz besonderes Kleinod, das wir zu sehen bekommen, vielen Dank!
Ich muss gestehen, dass ich nicht ganz verstehe, wie die Anzeige hier funktioniert. Ich kenne solche Mondphasenanzeigen aus der Renaissance, sowohl von Volvellen (Rotulae) mit übereinanderliegenden Scheiben zum Verstellen mit der Hand (nach Art eines runden Rechenschiebers), als auch von einer Uhr, die die du vor Jahren einmal gezeigt hattest. Dort ist die Anzeige etwa so gemacht (Schemabild):

BBB.png

Eine unbewegliche Scheibe liegt unten, auf ihr ist ein aus der Mitte zum Rand versetzter kleinerer Kreis dunkel (schwarz) gefärbt. Darüber liegt eine rotierende Abdeckscheibe (ein Umlauf im Uhrzeigersinn in 29 1/2 Tagen), am Rand mit einem kleinem kreisrunden Fenster dessen Durchmesser der maximalen Breite des hellen Bereichs der unteren Scheibe entspricht. Beim Umlaufen werden in dem Fenster nacheinander der Vollmond (1), der abnehmende Halbmond (2), der Neumond (3) und der zunehmende Halbmond sichtbar. Es kann aber bei gleicher Anordnung auch alternativ die untere Scheibe rotieren und die obere mit dem Fenster unbeweglich sein.
Bei deiner Uhr sieht es aber so aus, als wäre die untere Scheibe ganz anders gestaltet. Ich verstehe noch nicht so ganz, wie es hier funktioniert.

Ausserdem verstehe ich auch nicht, wie der Zeiger zum Anzeigen der Stunden funktioniert. Es ist ja eine 24-h-Anzeige, also sollte der Zeiger einen Umlauf in 24 h machen. Nun sieht es aber so aus, als sei das kein vollständiger Zeiger, sondern ein unvollständiger Stahlzeiger, der fest mit der darunterliegenden Bronzeplatte mit dem Fenster für die Mondphase verbunden ist, denn er geht ja nicht bis zur Mitte.
Ich verstehe nicht, wie das funktionieren soll, denn der Zeiger und das Fenster für die Mondphase müssten sich doch verschieden schnell bewegen...

Gruss Andi
 
#10
husky

husky

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Hallo Andi,
ich werde wie immer so auch jetzt erst einmal beschreiben, was ich sehe und glaube zu verstehen.
Später werde ich vorsichtig Stück für Stück die mechanischen Zusammenhäge zu verstehen wollen.
Hier bei deiner Frage hast du möglicherweise überlesen, dass sich die Scheibe mit den Monddaten (1-29 1/2)
ebenso wie die Scheibe mit dem Zeiger im Uhrzeigersinn dreht. Leider kann ich derzeit nicht beantworten, wie die Mechanik dahinter aussieht und funktioniert.
Mit freundlichen Sammlergrüßen
Michael
 
#11
andi2

andi2

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Hallo Michael,
Vielen Dank! Ich wollte nicht vorgreifen, es geht mir auch noch nicht mal um die Mechanik. Ich verstehe einfach die Anzeige nicht, z.B. was im Fenster für die Mondphase zu sehen (bzw. wie es zu deuten) ist...
Gruss Andi
 
#12
husky

husky

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Hallo Andi,
vielleicht kommen wir mit Hilfe dieses Bildes näher an die Erläuterung.

aaPH 4.jpg

A= Anzeige für den 13. Tag des MONDMONATES
B= Anzeige für das Symbol des baldigen VOLLMONDES
C= feste silberne Skala für 2x12 und 1x24 Tagesstunden (Sonnenmonat)
D= im Uhrzeigersinn drehende Scheibe mit Mondmonat-Tagen (1-291/2) und Mondsymbolen
E= im Uhrzeigersinn drehende Scheibe mit Aspekten, festem Knopf für Anzeige A, festem Eisenzeiger für Stundenangabe

Im Vergleich zur obigen Abbildung ist der Fortschritt um mehr als 1 MONDTAG erkennbar: vom 12. auf den 13.

Mit freundlichen Sammlergrüßen
Michael
 
#13
D

Dille

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Was für eine Rarität! Eigentlich auf dem Markt gar nicht zu bekommen.
Auch stilistisch das Gehäuse ganz klar Mitte 16. Jh.
Kann ich wirklich nur zu gratulieren!
 
#14
Arno_Nühm

Arno_Nühm

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Danke, Michael, für Deine weitere und sehr interessante Information. Zu gerne würde ich wissen, wie der damalige Eigentümer, dessen Uhr nicht einmal einen Minutenzeiger hatte, die Zeit wahrgenommen hat und welchen Stellenwert sie für ihn hatte.

Heute ist das Leben so straff getaktet, dass es ohne Minutenzeiger zwar denkbar aber nicht sinnvoll erscheint.

Viele Grüße
Michael
 
#15
andi2

andi2

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Hallo Michael,
nun ist es etwas klarer für mich. Es bewegen sich also beide Scheiben, sowohl die obere mit Zeiger, Fenster und Knopf, als auch die untere mit dem Mondgesicht in unterschiedlicher Geschwindigkeit.
Ich habe schon einige solche Mondphasenanzeigen aus der Renaissance mit einer rotierenden Abdeckscheibe mit dezentralem Fenster gesehen, aber sie waren technisch anders gemacht (alle nach dem Prinzip wie in meinem ersten Post). Diese Uhr ist nicht nur besonders schön, sondern auch ihre Anzeigeart ist ungewöhnlich.
Gruss Andi
 
#16
husky

husky

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Und nun noch ein wenig zum Werk.

PH 10.jpg.jpg

Spindelwerk mit Stundenschlagwerk ohne Schnecke. Zum Ausgleich der Federkraft wird das Stackfreed genutzt.


Zwei sehr stabile Henkel an der Unterseite des Zifferblattes stellen die solide Verbindung zum Werk her.
Diverse Teile des Uhrwerkes sind noch aus Eisen gefertigt wie das Stackfreed, die Kurvenscheibe, das Foliot mit dem dazugehörigen Kloben, verschiedene Räder, die Reguliereinrichtung sowie weitere Kleinteile. Alle Eisenteile sind nicht konservatorisch behandelt.
Die Pfeiler sind von der Zifferblattseite aus verstiftet. Bei späteren Taschenuhren geschieht dies von der gegenüber liegenden Seite.
Bei Betrachtung der Werkunterseite fällt der Blick sofort auf das C-förmige Stackfreed.
[Umfangreiche Ausführungen zu diesen Uhren und der Wirkung des Stackfreeds sind von Otto Habinger (Alte Uhren 1/1991) und von
Heinrich Pavel in seinem Bericht in der Jahresschrift DGC 2003 ab S. 65 gemacht worden.]
Ein wesentliches Anliegen der Uhrmacher lag darin, die vorhandene Kraft gleichmäßig auf das Werk wirken zu lassen. Mithilfe der Schnecke gelang es schon früh, diesen Kraftausgleich zwischen einer voll aufgezogenen und einer abgelaufenen Feder zu erreichen. Im deutschsprachigen Raum wurde in tragbaren Uhren auch eine andere Variante des Kraftausgleiches eingesetzt: „das Stackfreed“. Die Herkunft des Begriffes ist nach wie vor nicht geklärt. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, ca. 300 Jahre nach der ersten Verwendung des Stackfreeds, wird die Bezeichnung in der Uhrenliteratur gebräuchlich. Eine Variante, diesen Begriff für den deutschen Sprachgebrauch zu interpretieren, lautet: „Starke Feder“. Durch den Wegfall der Schnecke wurde Platz für den Einbau von Schlagwerken geschaffen.
Es handelt sich dabei um eine Feder, die mit einem an der Spitze befindlichen Rad an eine Kurvenscheibe (in Nieren- oder Schneckenform) drückt. Diese Scheibe wiederum ist auf ein Zahnrad montiert, das in einen Trieb eingreift, welches auf der Federwelle befestigt ist. Das ganze dreht sich im Verhältnis 1:3, das bedeutet 1 Drehung des Stackfreedrades = 3 Umdrehungen des Federrades. Die Verzahnung des Stackfreedrades ist nicht komplett, so dass es auf beiden Seiten einen Anschlag gibt. Damit ist eine mittlere Druckstärke der Feder ist gewährleistet. Ein Überdrehen der Aufzugsfeder wird so ebenfalls vermieden. Auf der Aufzugsfeder ist die Kurvenscheibe verschraubt. Die Kurvenscheibe hat hier die Form einer ausgeprägten Niere. (Siehe dazu ausf. Bericht Jahresschrift DGC 2003 von Heinrich Pavel ab S. 65) An der Kurvenscheibe liegt die Stackfreedfeder stramm an. Sie ist in einem starken C geformt und besitzt an der Spitze ein kleines Rad, um den Reibungsmoment gleichmäßig zu halten beim Bremsvorgang. Es gibt die Stackfreedfeder in allen erdenkbaren Formen, als C oder G oder S gebogen. Die Aufgabe des Stackfreed ist es, die Kraft der Aufzugsfeder während des gesamten Verlaufes zu vereinheitlichen, ohne den entsprechenden Platz im Werk zu benötigen wie die sonst verwendete Schnecke. Die insgesamt schmucklose Rückansicht zeigt unter anderem die eiserne Friktionsscheibe mit dem Stopprad von 30 Zähnen und das Führungstrieb von 8 Zähnen.
Aus der Waag der frühen Großuhr entwickelte sich die Löffelwaag, wie sie hier zu sehen ist. Auf den Löffeln befinden sich zur Regulierung des Foliots drehbare exzentrische Scheiben. Diese frühe Form der Regulierung des Gangwerkes ist nur ganz selten dokumentiert. (Siehe eine Dosenuhr der Sammlung Fränkel.) Bei etwa 50 % aller bekannten Halsuhren dieser Zeit kam die Löffelwaag (Foliot) zur Verwendung. Weitere Entwicklungsstufen folgten mit der Unrast (2-schenkelig und ohne Spiralfeder) und der Unruh (3-schenkelig mit Spiralfeder) und vielen weiteren Stufen in Form von Kompensationen.
Die Spindel mit der Löffelwaag (Foliot) wird vom Kloben in einfacher C-Form gehalten. Dieser entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem aufwändigen Schmuckelement mit Gravierungen, feinen Sägearbeiten, schönen Emaildekoren usw., um dann in neuzeitlichen Taschenuhren wieder zu einem einfachen Bauteil zu werden.
Der Hebel mit den senkrecht aufgebrachten Schweinsborsten (hier erneuert) dient der Regulierung der Schwingungsweite des Foliots.
Eine Hilfsskala unterstützt die Handhabung der Regulierung.
Die innenverzahnte eiserne Schloßscheibe ist Teil des Stundenschlagwerkes, welches hier die Stunden von I-XII schlägt.
Der in die Schloßscheibe eingreifende Stopphebel ist ebenfalls zu erkennen.
Das Gehwerk und das Schlagwerk sind zwischen den beiden Messing-Vollplatinen angeordnet.
In sehr frühen tragbaren Uhren war die Aufzugs-Feder ohne ein Federhaus zwischen Pfeilern untergebracht.
So besitzt auch die hier beschriebene Uhr zwei Federn für Geh- und Schlagwerk ohne Federhäuser.
Der C-förmig gestaltete Spindelkloben aus Eisen ist mit einer Schraube befestigt.
Der Meister, der diese Uhr gefertigt hat, brachte seine Punze mit den Initialen PH im Schild ebenfalss auf der Werksplatine an.

Soweit bis hierhin, weitere Infos folgen später.
Mit freundlichen Sammlergrüßen
Michael
 
#17
I.v.e

I.v.e

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do bin i dahoam
Wow, ich finde es sehr interessant und schaue mir immer wieder das Werk an. Leider kann ich dem Text nicht folgen, da ich sowas auch noch nie gesehen bzw. gehört habe. Vlt. wäre ein mit Pfeilen gekennzeichnetes Bild für den Laien verständlicher.
Trotzdem danke für‘s zeigen und die Mühe es zu erklären :super::klatsch:
 
#18
husky

husky

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Gerne will ich diesen Vorschlag aufnehmen und habe das obige Bild entsprechend vorbereitet:

PH 10a.jpg

A= Stackfreed - Feder
B= Rad am Stackfreed
C= Aufzugsvierkant (Federwelle) mit Trieb (8 Zähne)
D= Kurvenscheibe in Nierenform
E= Friktionsscheibe mit Nierenscheibe und insgesamt 30 Zähnen
F= Stopp-Bereich um den Aufzug zu begrenzen am Trieb
G= Stopphebel für dieSchloss-Scheibe
H= Schloss-Scheibe für 12 Stunden
I= Aufzugsvierkant Federwelle) für die Gehwerksfeder
J= Markierungsskala für den Schweinsborsten-Hebel
K= Schweinsborstenhalter
L= Schweinsborsten als Prell-Blockierung des Foliots
M= Löffelwaag (Foliot) mit drehbaren exzentrischen Scheiben
N= Spindelkloben
O= Punze des Uhrmachers: PH
Hoffentlich hilft das ein wenig weiter!
Mit freundlichen Sammlergrüßen
Michael
 
#20
govea

govea

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Was für ein hervorragender und informativer Faden! Da bekommt man richtig Lust und Interesse an diesen äußerst alten Uhren.
Ich werde sicherlich noch ein paar mal nachlesen, um die Funktionen einigermaßen nachvollziehen zu können:oops:
Dir ganz viel Freude mit deinen wundervollen Mechanikstücken:klatsch:
 
Thema:

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