Kundo Torsions/Jahresuhr kann nicht eingestellt werden

Diskutiere Kundo Torsions/Jahresuhr kann nicht eingestellt werden im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Hi, :hmm: Ob die Rep. einer Uhr unwirtschaftlich ist, sollte doch eigentlich der Kunde/Besitzer entscheiden. Oder etwa nicht? Wenn es der...
derTeichfloh

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Hi,
:hmm:
Ob die Rep. einer Uhr unwirtschaftlich ist, sollte doch eigentlich der Kunde/Besitzer entscheiden. Oder etwa nicht?
Wenn es der Uhrmacher so empfindet oder gar feststellt, kann er das sagen ... oder, was viel häufiger vorkommt, einen utopischen Preis ansetzten.
Viele Sammler, so auch ich, haben eine ganz anderes Vorstellung davon, was "wirtschaftlich" ist.

Zur Uhr: ich habe auch ein paar von der Sorte. Schmutzige Lager sind nicht schön und bringen die Uhr, früher oder später, zum Stillstand. Auch ziehen sie oft weitere Kosten nach sich.
Aber mit den Vorgang der Uhren haben sie nichts zu tun.
 
Der Stromer

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Hm.
@tiktak: Du magst Recht haben. Aber leider sind meine Erfahrungen andere. Zum Beispiel habe ich Anfragen von Uhrmachern aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden gehabt, die fragten, ob ich helfen könnte. Und dann die unseligen "Leichen", die nach Monaten, ja Jahren bei Uhrmachern den Weg zu mir gefunden haben. Das spricht schon eine deutliche Sprache.

@hbcm: Sicherlich hast Du Recht, wenn Du auf "..das heiligs Blechle" abhebst. Aber in vielen Fällen liegt es nicht an der Zahlungswilligkeit der Endkunden. Eher trifft es schon der zweite Teil Deiner Aussage. Und da mangelt es zum großen Teil auch am Wissen. Bei der Frage ...wo bekomme ich die richtige Pendelfeder für diese Uhr her..." wird - auch von gestandenen Uhrmachern - entweder in die Grabbelkiste gegriffen und eine Bronzefeder herausgefischt und für teuer Euronen abgegeben, oder auf z.B. Selva verwiesen. Mir hat mal ein Uhrmachermeister, der sich rühmte, eine Werkstatt für historische und antike Uhren auch Jahresuhren seit Jahrzehnten repariert zu haben, auf meine Frage nach dem Abfall bei einer Jahresuhr geantwortet " das kann man da nicht einstellen. Wenn man die Uhr schief stellt, funktioniert sie nicht mehr!" Das hat mich dann bewogen, über Jahre hinaus mich mit speziell dieser Uhrenart zu beschäftigen. Wenig fundiertes gibt es dazu in Foren etc. Jemand meinte sogar "...wenn Ihre Uhr hin und wieder mal stehen bleibt, ist bestimmt in der Wand hinter ihr (der Uhr) ein Wasserrohr. Das mögen die gar nicht..." Der Besitzer hat diese Uhr dann aus dem Schwäbischen (nein, nicht Brenz) zu mir nach Bayern gebracht und war bas erstaunt, als ich ihm nach 3 Wochen schrieb, er könne seine Uhr wieder abholen, sie wäre nach meinem dafürhalten jetzt in Ordnung. Dieser Mensch schreibt mir regelmäßig seit 7 Jahren immer, wenn er die Uhr zum Jahreswechsel aufzieht. Die Uhr - Jahresuhrenfabrik Triberg 1912 - läuft jetzt nach seinen Aussagen mit +- 5 Minuten im Jahr! Gewusst wie, oder?

Es hält sich hartnäckig die Meinung, dass Jahresuhren sehr ungenau sind und Spielzeug im besten Sinn - so hat Gustav Becker zu Anton Harder gesagt, als dieser Uhrenfabriken suchte, die seine Idee in die Tat umwandeln sollten - und mit dem wolle man sich doch nicht den guten Namen verderben. In der deutschen Uhrmacherzeitung Jahrgang 1890 oder so wird geschrieben "... diese Uhrenart brauchen wir (Uhrmacher) nicht zu besprechen. Sie taugen nichts und werden bald wieder verschwinden...". Und im Lehrbuch von Herrn Prof. Dipl. Ing. Lehotzky wird die Jahresuhr nur mit einem Nebensatz bedacht: Federberechnung - diese Formel gilt nicht für die Gangfedern von den sog. Jahresuhren.

Aber: Mir machen diese Uhren einen besonderen Spaß. Wenn sie wieder die Zeit zählen und die Sonne - wie jetzt eben auf meine hier - auf das Kugelpendel scheint, kann man die Zeit vergessen, Die haben etwas hypnotisches...
 
hbcm

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Hi,
:hmm:
Ob die Rep. einer Uhr unwirtschaftlich ist, sollte doch eigentlich der Kunde/Besitzer entscheiden. Oder etwa nicht?
Wenn es der Uhrmacher so empfindet oder gar feststellt, kann er das sagen ... oder, was viel häufiger vorkommt, einen utopischen Preis ansetzten.
Viele Sammler, so auch ich, haben eine ganz anderes Vorstellung davon, was "wirtschaftlich" ist.

Zur Uhr: ich habe auch ein paar von der Sorte. Schmutzige Lager sind nicht schön und bringen die Uhr, früher oder später, zum Stillstand. Auch ziehen sie oft weitere Kosten nach sich.
Aber mit den Vorgang der Uhren haben sie nichts zu tun.
Wie gesagt die Diskussion wäre in einem eigenen Tread besser aufgehoben und vielleicht lassen sich dann Sachen wie utopischer Preis gerne diskutieren (ich für meinen Teil arbeite nicht mehr für 20 Euro die Std. wie es wohl öfter erwartet wird, jede Putze bekommt mehr!)
 
T

Thomas1266

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Es ist nicht nur unwirtschaftlich (es fängt schon meist beim Beratungsgespräch für die Reparatur an, dann hängt es an der Zahlungswilligkeit des Endkunden,....), sondern u.a. fehlt es meist auch an geeignetem Werkzeug und Werkstatt, Wissen, Lust und Laune, Engagement sich die Finger schmutzig zu machen ("Großuhren" reparieren macht nun mal Finger und Arbeitsplatz schmutzig).
Dabei ist dies keinesfalls ein Problem der heutigen Zeit. Ich habe in meiner Jugendzeit sehr viele Uhren von Verwandten und Bekannten repariert, bei welchen der Uhrmacher gesagt hat: "Reparatur lohnt sich nicht". Und das war in der ehemaligen DDR, wo wesentlich mehr repariert wurde als in der damaligen Bundesrepublik. Die letzte Reparatur einer "Großuhr" liegt bei mir allerdings auch schon 30 Jahre zurück. Ich hatte damals durch meine Tätigkeit im medizintechnischen Feingerätebau viele Möglichkeiten, welche ich heute nicht mehr habe. So gab es in unserer damaligen Firma eine Abteilung mit großen - mit Trichloräthylen gefüllten - Ultraschallbädern, wo nach einer Behandlung die Uhrenteile fast wie neu aussahen. Auch galvanische Bäder aller Art und hochpräzise Werkzeugmaschinen standen mir damals zur Verfügung. Und im Gegensatz zur Autowerkstatt macht man sich nicht wirklich die Finger schmutzig.
 
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gsl

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Liebe Alle!
Das ist ein sehr spannender Thread geworden, der mich jetzt - muss ich gestehen - auch ein wenig nervös macht. Ich bin jetzt wieder bei der Uhr (wie schon geschrieben steht diese nicht an meinem Wohnort) und die gute Nachricht ist, sie geht nach 6 Wochen immer noch. Sie ist wahrscheinlich schon im Spätsommer, aber sie geht ;-)
Nervös bin ich geworden, weil aus euren Beiträgen hervorzugehen scheint, dass Menschen wie ich, die keine Ahnung von Uhren haben, sondern hier sind, weil sie neugierig sind und immer lieber etwas lernen wollen, als ein fertiges Produkt oder Dienstleistung zu beziehen, die Hände von einer Torsionsuhr lieber lassen sollten. Ich sehe mich definitiv nicht in der Lage, die Uhr zu zerlegen und zu reinigen etc. Eine Werkstatt und besonderes Werkzeug habe ich auch nicht. Nur Neugierde, Ausdauer und mechanisches Geschick.

Ich habe jetzt die richtigen Federn mit, und die nächste Hürde stellt sich mir in der Frage, wie groß die Rolle, die die Länge des Pendels spielt, ist. In einem Anleitungsvideo auf YT habe ich gesehen, dass es Bücher mit abgebildeten Federsilhouetten gibt, an denen man die neu zusammengesetzte Feder vergleichen und kontrollieren kann/muss. Wenn ihr noch Lust habt, bitte ich um Hilfe und Anleitung.

Alles Liebe, gsl
 
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Der Stromer

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Auch auf die Gefahr hin, dass jetzt wieder ein "Shitstorm" los bricht, weil es ja so viele Jahresuhrexperten gibt:

Wenn das Pendel original zur Uhr gehört und Du die von mir benannte Pendelfeder (wozu Federn?) bestellt und bekommen hast, kannst Du die eingebaute, definitiv Falsche, ersetzen.
Zur Länge der Pendelfeder folgendes: Die Länge ist bis auf wenige 1/10 mm durch die Lage des Pendels zwischen der Transportsicherung und der Aufnahme im Boden festgelegt. Und auch, wenn man an der LÄNGE der Feder den Gang regulieren wollte, so bringen ca. 5 mm in der Länge (bei dieser Uhr technisch nicht möglich) nur ca. 1 - 3 Sekunden in 24H. Also zum Zweiten Teil meiner Anleitung:
1.) Das Pendel mit dem Pendelschutz unten Arretieren.
2.) Den Pendelfederschutz von der Rückwand abnehmen
3.) Die horizontale Schraube oben am Pendelfeder-Schlüssel heraus nehmen.
4.) Das Pendel samt Feder durch öffnen der Sicherung ausbauen.
5.) Die Pendelfeder durch entfernen des Stiftes im unteren Block (sitzt im Schaft des Pendels, unter der Spiralfeder und Tellerscheibe) entnehmen.
6.) Die Montierungen oben, unten und die Gabel entfernen.
7.) Die vorhandene Pendelfeder als Maß für die neue benutzen. Neue Pendelfeder Zuschneiden (Scharfe Papierschere).
8.) Die Montierungen wieder an der Neuen montieren, darauf achten, dass auch die Gabel an der genauen Position montiert wird.
9.) Die Lage der Kugeln mit der Rändelscheibe oben am Pendel so einstellen, dass die Kugeln eine mittlere Position einnehmen.
10.) Die Pendelfeder im umgekehrten Arbeitsgang wieder im unteren Pendelschaft einbauen.
11.) Pendel unten mit Hilfe der Arretierung fixieren.
12.) Pendelfeder oben im Pendel-Schlüssel mit der Schraube befestigen - die Pendelfeder muss sich vor- und zurück bewegen können und die Gabel muss den Ankerstab umfassen.
13.) Gangfeder 2 - 3 Umdrehungen aufziehen, wenn sie Abgelassen war. Sonst nichts machen.
14.) Pendel so weit per Hand Auslenken, bis die Hemmung auslöst, Pendel OHNE jeden Anstoß los lassen.
15.) Pendel genau beobachten: Löst am gegenüberliegenden Punkt die Hemmung aus und beginnt das Pendel SOFORT - also ohne nennenswert weiter zu schwingen - den Rückschwung?
16.) Löst die Hemmung wieder genau so aus? Dann sollte die Uhr auch Laufen und Du kannst sie so stehen lassen.
Nach ca. 5 - 6 Stunden wird sich die Pendelamplitude auf ca. 270 - 300° eingependelt haben. Dann ist die Hemmung und der Abfall richtig eingestellt und bis auf die Genauigkeit sollte die Uhr jetzt mit 1 x Aufziehen ca. 1 Jahr laufen.

Regulierung der Uhr:
Die genaue Uhrzeit einstellen und notieren. Nach 1 Tag (24 Stunden) den Gang kontrollieren. Ist die Uhr angenommen 5 Minuten zu schnell, das Pendel arretieren und die Rändelscheibe nach "R" oder "-" ca. 1/2 Umdrehung verstellen. Den Zeitpunkt dieser Justage genau notieren und am nächsten Tag (24H) diese Prozedur wiederholen. Ist die Differenz jetzt z.B. geringe geworden, dann die Rändelscheibe nur weniger (1/4 Umdrehung) verstellen. Das so lange machen, bis die Uhr relativ genau geht. Jetzt kann die Justage des Ganges über einen längeren Zeitraum gemacht werden, 1 Woche z.B.
Mit viel Geduld bekommt man eine gute Jahresuhr auf +- 1 - 5 Minuten im Jahr. Dagegen kannst Du jede Armbanduhr in die Ecke legen. Aber Du brauchst GEDULD!

Anmerkung:
Versuche erst gar nicht, diese Arbeit zu verkürzen. Denn nach jeder Manipulation am Pendel (zum Verstellen der Rändelscheibe muss dies ja angehalten werden) brauch die Uhr wieder mindestens 3 - 6 Stunden, um IHREN Gang wieder zu finden. Hektisches Drehen bringt also absolut nichts.
Und noch etwas: Die Pendelfeder muss vorsichtiger als ein rohes Ei behandelt werden. Kleinste Verbiegungen verhindern eine genaue Justage des Ganges. Und der Abfall muss genau stimmen, sonst wird der Gang von ca. 1 Jahr nicht erreicht.

Viel Spaß:ok:

Ps.: Hast Du am Aufstellungsort der Uhr schon eine Wohnung angemietet? :lol:

Das alles zur Meinung "...ich kann doch sone blöde Uhr in Gang bringen. Ich bin doch mechanisch so eine Koryphäe in Sachen Jahresuhren."



Bitte das Pendel aus haken und
 
Der Stromer

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Dabei ist dies keinesfalls ein Problem der heutigen Zeit. Ich habe in meiner Jugendzeit sehr viele Uhren von Verwandten und Bekannten repariert, bei welchen der Uhrmacher gesagt hat: "Reparatur lohnt sich nicht". Und das war in der ehemaligen DDR, wo wesentlich mehr repariert wurde als in der damaligen Bundesrepublik. Die letzte Reparatur einer "Großuhr" liegt bei mir allerdings auch schon 30 Jahre zurück. Ich hatte damals durch meine Tätigkeit im medizintechnischen Feingerätebau viele Möglichkeiten, welche ich heute nicht mehr habe. So gab es in unserer damaligen Firma eine Abteilung mit großen - mit Trichloräthylen gefüllten - Ultraschallbädern, wo nach einer Behandlung die Uhrenteile fast wie neu aussahen. Auch galvanische Bäder aller Art und hochpräzise Werkzeugmaschinen standen mir damals zur Verfügung. Und im Gegensatz zur Autowerkstatt macht man sich nicht wirklich die Finger schmutzig.
Oha :face:.

...und da gibt es hier im Forum Leute, die Angst vor Leuchtmasse auf Zeigern von Armbanduhren haben... Tri als Reinigungsmittel! :motz:Nierenkrebs und Leberschäden schon beim Einatmen von diesem Zeug sehr wahrscheinlich und daher wurde Tri bereits allgemein schon im vorigen Jahrhundert die Verwendungszulassung - Ausnahmen gibt es natürlich - (zumindest in der BRD) entzogen.
 
Rainer Nienaber

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Ach du Scheint***, ist das so schlimm? Ich habe in der Lehre mitte der 70ger damit gestanzte Teile entfettet.
 
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Na ja, Rainer.
Da Du ja bisher noch keinen Nieren- oder Leberkrebs hast und auch die Leuchtmasse Dir anscheinend nicht schadet, wirst Du mir nachfolgen und 100 werden.:ok:
Aber die Ausnahmen... :roll:
 
derTeichfloh

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gut, ich lebe auch noch. Auch wir haben mit Tri gearbeitet. Vielleicht vertragen wir mehr als die Jugend von heute?

Dankle für die Anleitung, Rolf-Dieter. Hab ich mir gleich mal abgespeichert - da brauch ich nicht zu suchen....


Ironie an:
Wenn du so weiter machst, werden unsere "Jahrensuhrenspezis" wohl arbeitslos!
Ironie aus!
 
gsl

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Lieber Rolf-Dieter!
Danke Dir für diese phantastische Anleitung!! Durch eine Verkettung widriger Umstände komme ich erst jetzt dazu, mich mit der Uhr wieder zu beschäftigen. Schön ist, dass die Uhr jetzt auch nach dreieinhalb Monaten ging.
Ich habe die haarfeine silbern glitzernde Horolovar Feder, die Du mir empfohlen hattest, eingebaut und die Uhr ging (zumindest in meiner Einbildung) merklich langsamer. Jedoch blieb sie nach einer halben Stunde stehen. Da hebe ich ein wenig gesucht und gelesen und die Gabel etwas tiefer gesetzt und hurraaa, heute Morgen geht sie noch immer, 5 Minuten nach!!! ;-)
Wie Du es in einem der vorigen Beiträge richtig vorhergesagt hast, wirft der Einbau der neuen Feder weitere Fragen auf: Du sprichst von einer Pendeldrehung zwischen 270 und 320 Grad. Wie ist das zu "messen"? Wenn ich mein Pendel beobachte und eine Kugel fixiere, dann dreht diese sich um ungefähr 180 Grad (halber Kreis) bevor sie wieder zurückdreht, oder anders gesehen, wenn ich eine der Säulen fixiere drehen drei Kugeln pro Pendeldrehung (in eine Richtung) daran vorbei. Das ist wesentlich weniger als 270 Grad. Und eine vollständige Pendeldrehung (hin und zurück) braucht 15!! Sekunden, also 4 Drehungen pro Minute. Das weicht von den 12, von denen ich gelesen habe, auch stark ab.
Wie gesagt, die Uhr geht soweit in einem Bereich, wo man sie voraussichtlich regulieren könnte, aber neugierig macht mich das schon.

Schöne Grüße
Michael
 
T

Thomas1266

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Ach du Scheint***, ist das so schlimm? Ich habe in der Lehre mitte der 70ger damit gestanzte Teile entfettet.
Zumindest in der ehemaligen DDR gab es strenge Vorschriften. Mit Trichloräthylen ("Tri") durfe nur in ausreichend belüfteten Räumen oder im Freien gearbeitet werden.
 
Der Stromer

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Michael,
Schön, wenigsten schon mal ein Erfolg, dass die Uhr sich wieder vernünftig bewegt. Wenn Du jetzt noch vergisst, was Du irgendwann mal über Drehpendel gelesen oder gehört hast, besteht Hoffnung, auch diese Uhr zum richtigen Zählen der Zeit zu bewegen.
Gleich eine Frage: Hast Du die Feder in USA gekauft?

1.) Die Gabel gehört bei dieser Uhr auf ca. 5 - 7 mm unter den oberen Block montiert und hat nur wenig damit zu tun, dass die Uhr läuft. Mit der Gabel verstellt man in ganz engen Grenzen die Drehung des Pendels.
2.) Das macht man optisch (mit den Augen). Eine Kugel fixieren und abschätzen, wie weit sie sich dreht. Eine 3/4 Umdrehung sind 270°, eine Volle Drehung dann also 360°.
3.) Diese Uhr geht genau, wenn sich das Pendel von Umkehrpunkt zu Umkehrpunkt genau 8 Mal in der Minute bewegt. Diese Bewegung ist genau 1/2 Schlag und wird mit Beats bezeichnet. Also: Diese Uhr MUSS 8 Beats pro Minute machen, dann geht sie richtig.
4.) Die Geschwindigkeit der Drehbewegung vergiss bitte. Diesen Fehler machen alle Laien. Es kommt nur auf die Zeit an: Von Umkehrpunkt zu Umkehrpunkt ist die ZEIT immer gleich, egal, wie weit das Pendel sich dreht - 200 oder 500°! Und diese Zeit hängt nur von der Dicke der Pendelfeder und dem Durchmesser des Pendels ab.
5.) Bitte überprüfe den Abfall, wie ich es ab Punkt 13.) beschrieben habe:

13.) Gangfeder 2 - 3 Umdrehungen aufziehen, wenn sie Abgelassen war. Sonst nichts machen.
14.) Pendel so weit per Hand Auslenken, bis die Hemmung auslöst, Pendel OHNE jeden Anstoß los lassen.
15.) Pendel genau beobachten: Löst am gegenüberliegenden Punkt die Hemmung aus und beginnt das Pendel SOFORT - also ohne nennenswert weiter zu schwingen - den Rückschwung?
16.) Löst die Hemmung wieder genau so aus? Dann sollte die Uhr auch Laufen und Du kannst sie so stehen lassen.
Nach ca. 5 - 6 Stunden wird sich die Pendelamplitude auf ca. 270 - 300° eingependelt haben. Dann ist die Hemmung und der Abfall richtig eingestellt und bis auf die Genauigkeit sollte die Uhr jetzt mit 1 x Aufziehen ca. 1 Jahr laufen.

Diese Einstellung "Abfall" genannt, stimmt bei Deiner Uhr ganz sicher nicht. Denn sonst würde sie durch laufen, wenn keine anderen, Kraft zehrenden Ungenauigkeiten mehr vorhanden sind.

...und noch ein guter Tipp (für alle Lebenslagen): Versuche nicht das sprichwörtliche Pferd von hinten auf zu Zäumen! Schritt für Schritt wird etwas daraus. Erst die Uhr zum Laufen bringen und dann den Gang regulieren. Alles andere wird nichts.
 
Der Stromer

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Zumindest in der ehemaligen DDR gab es strenge Vorschriften. Mit Trichloräthylen ("Tri") durfe nur in ausreichend belüfteten Räumen oder im Freien gearbeitet werden.
Ja, ja. in der DDR war alles besser. Auch das vergiften mit Tri war streng geregelt, wo sonst die Verwendung bereits verboten war.
 
hermannH

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...wenn Ihre Uhr hin und wieder mal stehen bleibt, ist bestimmt in der Wand hinter ihr (der Uhr) ein Wasserrohr. Das mögen die gar nicht..."
:klatsch:

Ich hatte mal eine Kundin, die hat die restaurierte Jahresuhr in ihrer Altbauwohnung in einem Zimmer mit schwingendem Holzboden aufgestellt, in dem sie Gymnastik Kurse abgehalten hat. :D

Das große Problem das Uhrmacher mit Jahresuhren haben ist, das die Ruhe anders einzustellen ist als gewohnt, die Stellung des Fingers in der Ankergabel nicht zu kennen, und die Physik der PF nicht zu verstehen.

Gruß hermann
 
gsl

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Haha, der Thread ist nicht nur immens hilf- und lehrreich, er ist auch überaus unterhaltsam.

Ad rem: Rolf-Dieter, und wieder danke für dein schnelles und unermüdliches mit Rat zur Stelle sein.

Ja, ich habe genau die Feder gekauft, für die Du mir den Link reingestellt hattest. Sie kam postwendend von der The Horolovar Company, Chris Nimon, Lancaster Ohio.
Für Nachlesende stelle ich hier das Foto der Feder mit Verpackung und die alte Bronzefeder zum Vegleich daneben:

IMG_4771[1].JPG

Die Gabel sitzt jetzt, nachdem ich sie 2 mm tiefer gelegt hatte) tatsächlich 5-6mm unter der Unterkante des oberen Beschlags und damit 2,5-)mm über derm oberen Rand der Rückenplatte.

2601027


Du hast sicher Recht, und der Abfall stimmt nicht, aber die Uhr läuft jetzt (nach dem tieferstellen der Gabel) seit 74 Stunden mit drei absichtlichen Unterbrechungen wegen des Drehung det A/R Reglers durch. Die ersten 24 Stunden ist sie 5 Minuten vorgegangen, vorgestern Morgen A/R 1,25 Umdrehungen nach A gestellt und letzte Nacht ist sie 4 Minuten vorgegangnen. Gestern habe ich sie 1/2 Umdrehung nach R gestellt und heute Morgen geht sie 1 Minute vor :-)
Das lässt mich hoffen.

Der Abfall aber ist gar nicht wie beschrieben, dass er sein sollte:
Das Pendel scheint zwar in beide Richtungen gleichmäßig zu drehen und löst die Hemmung aus, aber:
1) dauert ein Beat 15 Sekunden und sie macht genau 4 Beats pro Minute.
2) Ist dier Pendelamplitude ziemlich genau 180 Grad, also dreht sie zwischen zwei gegenüberliegenden Kugeln hin und zurück.
3) Sie dreht nach dem Auslösen der Hemmung noch 3 Sekunden, bevor sie umdreht. :-(

[HIER] habe ich ein Video reingestellt.

Liebe Grüße
Michael
 
Der Stromer

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Nochmal ich.
Na bitte, auch das Regulieren wird noch klappen.
Die wichtigste Einstellung ist der "Abfall"!!!! Bringe den in Ordnung und Du wirst viel Freude an der Uhr haben. Geschrieben, WIE habe ich Dir ja schon geschrieben. Brauchst Dich nur dran halten.
zu 1.) 1 BEAT ist von links nach recht. Der zweite dann von rechts nach links. Ist das so schwierig zu verstehen? In der Minute also 8 Mal von links nach rechts und retour.
zu 2.) Setze (nach Justage des Abfalles) die Gabel wieder etwas hoch. 180° ist zu wenig!
zu 3.) Auf beiden Seiten? Nach dem Video (unscharf und fast unbrauchbar :motz:) ist das nicht so. Die obere Aufnahme der Pendelfeder muss einen Tick nach rechts verdreht werden. Aber wirklich nur einen Tick!

Mache die Einstellung so, wie ich es Dir beschrieben habe. Ich habe keine Lust, mich hier dauernd zu wiederholen :-(
 
gsl

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" Ich habe keine Lust, mich hier dauernd zu wiederholen "

Das verstehe ich sehr gut und es tut mir ehrlich Leid, das zu bewirken. Bitte vergiss aber nicht, dass Du es mit mir mit einem völligen Greenhorn zu tun hast. Ich lerne erst die Uhrensprache: Abfall, Beat, Hemmung, Rändelscheibe, habe ich nie vorher gehört, und ich glaube nicht einmal die Hälfte zu verstehen. Also ja, für mich ist das wirklich so schwer zu verstehen. Den Beat betreffend hatte ichauch explizit gefragt, wie das zu "messen" ist und meine Beobachtungen dazu. Ich bin davon ausgegangen, dass eine Phase 360 Grad (also hin und zurück sind) aber meine Uhr macht eh 8 und nicht nur 4 Beats.

Jetzt gehe ich mal schauen, wo und wie sich die Aufnahme der Pendelfeder verdrehen lässt, und lese noch einmal sorgfätig nach, um zu sehen, was Du mir geschrieben hast, welches das WIE der Abfalljustage sein könnte. Weil in meiner Wirklichkeit hatte ich Deine Anleitung genau befolgt. :-(

Und ja, wenn ich es jetzt (nachdem Du dich wiederholt hast und ich es verstanden habe) noch einmal lese, dann sehe ich, dass Du mir auch meine Frage nach den Beats beantwortet hattest, nur verstanden hatte ich es nicht, und frage jetzt bitte nicht wie, denn "Umkehrpunkt" scheint auch mir jetzt unmissverständlich.

Und wenn Du genug hast, verstehe ich das auch und werde mit dem was Du mir bis jetzt geschrieben hast arbeiten und wenn ich es nicht schaffe, die Uhr zum Uhrmacher tragen. Denn meine Motivation war ja von Anfang an Neu- und Lerngier und dieses Ziel habe ich Dank deiner schon längst erreicht. Ein kleines Erfolgserlebnis mit eingeschlossen.

Ich wollte dich wirklich nicht strapazieren. Sorry und danke nochmal!
 
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Schon gut. Du hast es ja jetzt begriffen...
Zum verstellen der oberen Befestigung: Die Pendelfeder ist auch oben in einem Block befestigt und der Block wiederum sitzt in einer Halterung, die mit der Aufhängung über eine "Zügige Reibung" verbunden ist. Diesen Teil kann man mit einem passenden Maulschlüssel mit etwas Kraft verstellen. Dabei aber die Uhr gut festhalten. Aber bitte nur gaaanz vorsichtig! Wirklich nur 1/10 mm. Damit wird dann der 0-Punkt des Pendels verschoben und damit auch der Abfall.

Übrigens: Die meisten Leute vergessen einfach, dass bei Jahresuhren der Abfall nach JEDER Manipulation an der Pendelfeder neu überprüft und ggf. Eingestellt werden muss und dass das Pendel immer eine längere Zeit braucht, bis es SEINEN Gang wieder gefunden hat. Also: Gedulg ist gefragt!
 
gsl

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Hallo Rolf-Dieter, hallo alle!
Es hat gedauert. Zuerst ist vor einem Jahr mein Vater verstorben, dann kam Corona mit all den Reisebeschränkungen und geschlossenen Grenzen. So konnte ich länger nicht zur Uhr.
Als ich im Juli dann doch die Uhr besucht habe, stand sie. Das war natürlich eine Enttäuschung, aber nachdem ich bei einem Uhrmacher nachgefragt hatte meine er, dass das Erdbeben, (Stärke 5,5 im März) durchaus die Uhr zum Stehen gebracht haben könnte.
Ich stieß sie wieder an und dann lief sie 5 Wochen lang ohne, dass ich eine Abweichung mit dem analogen Auge feststellen konnte. Also supergenau. Und dann blieb sie wieder stehen. Immer wieder. Da kam ich drauf, dass man die Antriebsfeder auch bei dieser Uhr hin und wieder aufziehen muss.
Habe das getan nur ging die Uhr dann auf einmal fast eine Stunde am Tag vor.
Meine Frage: Ist das "normal"? Habe ich zu viel aufgezogen? Was kann der Grund dafür sein. Mit eineinhalb Umdrehungen nach hinten ging sie ein wenig nach, nur jetzt fangt das Fangenspiel wieder von vorne an. Muss ich das jedes Jahr machen?
Liebe Grüße und danke für den Rat
Michael
 
Thema:

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