Revision Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954

Diskutiere Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Zur Abwechselung mal wieder eine Jahresuhr. Marke CONDOR, Hersteller KOMA. Hersteller: Konrad Mauch (KOMA), Gegründet 1920 als „Mauch & Frick“ in...
  • Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 Beitrag #1
Der Stromer

Der Stromer

Themenstarter
Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
2.897
Ort
92272 Hiltersdorf
Zur Abwechselung mal wieder eine Jahresuhr. Marke CONDOR, Hersteller KOMA.

Hersteller: Konrad Mauch (KOMA), Gegründet 1920 als „Mauch & Frick“ in Schwenningen, noch tätig 1976. Jahresuhren wurden ab 1928 hergestellt.
3644-Marke.JPG

Die hier vorgestellte ist nicht so alt. Platine 1392 nach Terwilliger, ab 1954 gebaut. Es handelt sich um das Uhrwerk „Miniatur“. Wobei ich mich frage, was an dieser Uhr eigentlich „Miniatur“ ist.
3686-Fertig.JPG

Die Uhr hat ein rechteckiges Gehäuse, Geschliffenes Glas vorn und an den Seiten, hinten eine Tür. Das alles sah eigentlich recht schön und sauber aus, wenig Arbeit????

Nun zu den Besonderheiten der Uhr: Durch die Bauart des Gehäuses (es ist fest mit der Bodenplatte verschraubt und kann nicht abgenommen werden) kann die Zeit nicht wie bei anderen Jahresuhren über das Ziffernblatt gestellt werden, sonder hier von hinten durch einen Steller. Auf die Unterschiede zwischen den Modellen (early) & (late) habe ich ja schon hingewiesen, brauche ich also nicht wiederholen.

Das Problem trat erst richtig zu Tage, als die Reparaturen losgingen.

Als erstes wird immer die Gangfeder abgelassen. War hier nicht nötig, da keinerlei Kräfte am Schlüssel zu spüren waren.
Nur, beim drehen des Aufzugsschlüssel drehten sich die Räder im Werk, ohne das sich auch die Zeiger bewegten. Was war denn das? Wo ist die Hemmung? Und ein ungutes Geräusch obendrein. Ein Blick und das Problem wurde sichtbar: Jemand hatte das Werk falsch zusammengesetzt:???:.
3647-Verkehrt-herum.JPG

Zweites Problem beim vorsichtigen Weiterdrehen: Karies am Federhaus und eine verbogene Welle des ersten Rades.
Na, das kann ja heiter werden.
3649-Karies-am-Federhaus.JPG

Also das Werk aus dem Gehäuse genommen. Dazu erst den Deckel oben abnehmen, dann die Scheiben und die Tür abgenommen und erst dann das Werk vom Stuhl geschraubt. Sonst wird das nichts.
Das Werk zerlegen war dann nur noch Routine. Große Augen gab es dann aber nach öffnen des Federhauses: Ein Salat aus kleinen Federteilen und ein zerstörter Federkern:shock:.
3650-Feder.JPG

Dazu der Karies und die verbogene Welle…. Da hat es ganz schön gekracht, als der Verursacher das Werk ohne Abspannen der Feder geöffnet hat. Hoffentlich hat er sich dabei nicht schwere Blessuren zugezogen!

Also die Ersatzteile in USA bestellt. Beruhigende Nachricht: Alles lieferbar. Natürlich hätte man das Federhaus auch reparieren können. Aber ich nehme bei Jahresuhren lieber Abstand davon, da hier doch um einiges mehr an Kraft drauf einwirkt, als bei „normalen“ Uhren. Auch die Welle des zweiten Rades hätte man richten können. Aber ebenso Problematisch, denn hier ein durch Biegen geschwächte Welle wieder einbauen ist ein großes Risiko. Und die Zugfeder bekomme ich sowieso nur in den USA. Die hier in Deutschland von einigen Geschäften angebotenen „spezielle Jahresuhrenfedern“ sind nach meiner Erfahrung alle - mit Verlaub gesagt - großer Mist, weil die Verkäufer keine Ahnung haben und hoffen, die Käufer haben auch keine:shock:.

Weiter waren bei dieser Uhr noch die Pendelfeder natürlich falsch, und der Vorreparateur hatte versucht, den Defekt einfach "Wegzulöten":lol::lol:
3645-Cool-Geloetet.jpg

Das Anpassen der Pendelfeder ist immer so eine Sache. Ich nehme fast immer eine Stärke mehr, denn Abschleifen geht immer. Ist die Feder aber nicht Regulierbar, weil zu dünn, sind einige €uronen in den Müll gewandert:-(.
3668-Anpassung-Pendelfeder.JPG

Und die Graham-Hemmung mit verstellbaren Paletten hemmungslos verstellt. Sonst war aber alles in Ordnung und ich wunderte mich, warum denn die Uhr nicht die Zeit gezählt hat8-).

Bevor nun die bestellten Teile den Deutschen Zoll passieren, hatte ich genügend Zeit (ca. wie gewohnt, 6 Wochen) erst mal alles ab ins US-Bad, Lager überprüft und die Platinen, Gehäuseteile, Räder, Lager und Zapfen Reinigen und Polieren.

Dann kam ein Brief vom Hauptzollamt, da wäre eine Sendung, die ich abholen könnte, gegen Erstattung der Einfuhrumsatzsteuer. Also ins Auto und die Sendung abgeholt. Na ja. Habe ich ja schon Übung drin.
3301-Gelieferte-Teile.JPG

Nun ohne Hemmung an die Hemmung. Bei diesem Werk (Uhrmacherfreundlichst) wird das Ankerlager durch einen Extender hinter dem Ziffernblatt eingestellt. Auf der hinteren Platine hat das Ankerlager eine feste Position durch eine Brücke, aber die Brücke ist abnehmbar, damit man den Anker ausbauen kann.

Zuerst mal die Ankerweite und die Weite der Paletten gemessen und grob neu eingerichtet (alle 2 Paletten waren um ca. 1,5mm zu tief und damit stimmte die Weite schon mal nicht mehr mit den Hemmradzähnen überein. Es klemmte und die Hebefläche fiel nicht hinter den Zahn, sonder drauf). Zum Glück waren die Zähne des Ankerrades nicht beschädigt.
3664-Glaenzende-Sache.JPG
3644-Hintere-Platine.JPG

Nach dieser „Vermessung“ dann über den Daumen die Eingrifftiefe eingestellt und – oh Wunder – die Hemmung hemmte (fast) richtig.

Nach Ölung und Testlauf über 7 Tage habe ich sie (die Uhr) dann vorsichtig (vorher Feder entspannt) verpackt und zurück zum Besitzer.
3686-Fertig.JPG

Ich L I E B E solche Uhren!
 
  • Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 Beitrag #2
lokonelly50

lokonelly50

Dabei seit
18.01.2011
Beiträge
108
Ort
hinter den Bergen
:klatsch:Hallo Rolf-Dieter!:klatsch:
Das Du solche Uhren liebst, nehme ich Dir nicht ganz ab. Was Du aber aus dem Schrott gemacht hast, ist schon unwahrscheinlich.
Hoffentlich lesen wir von Dir noch mehr solche lehrreichen Berichte. Ich meld mich bei Dir demnächst mit einer absoluten Rarität.
Noch einmal einen guten Rutsch ins neue Jahr. Viele Grüße Willi.:-D
 
  • Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 Beitrag #3
Der Stromer

Der Stromer

Themenstarter
Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
2.897
Ort
92272 Hiltersdorf
Hi Willi.

Na ja, manchmal könnte ich auf solche Puzzlespiele wirklich verzichten. Aber wenn auch die dann wieder die zeit zeigen, bin ich scon ein klein Wenig stolz......
 
  • Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 Beitrag #4
Snaporaz

Snaporaz

Dabei seit
02.12.2010
Beiträge
392
Hallo Rolf-Dieter,

meist lese ich deine Beiträge mit Interesse und Bewunderung, auch für deine Geduld mit den Uhren (und dem Zoll). Die Technik dieser Jahresuhren finde ich ja recht faszinierend, aber ich habe mich schon häufiger gefragt, ob es auch weniger - äh - traditionelle Gehäuse und Zifferblätter gibt - irgendwie wirken diese Uhren optisch alle auf mich etwas puschig!

Grüße Ingo
 
  • Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 Beitrag #5
Der Stromer

Der Stromer

Themenstarter
Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
2.897
Ort
92272 Hiltersdorf
Hi Ingo,

Nun ja, Zeitgeist eben. Die "alten" waren ja schon dem Geschmack der Zeit angepasst. Und da diese Uhren zu ca. 85% exportiert wurden, hat man sich halt an den Stil der Amerikaner angepasst.
Schatz hat zum Ende seiner Zeit in den 70ern mal eine "Postmoderne" Drehpendeluhr auf den Markt, die aber wurde fast nicht verkauft. Waren halt nicht "modern" da kein Quarz.
 
  • Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 Beitrag #6
XS-Freund

XS-Freund

Dabei seit
03.06.2010
Beiträge
317
Ort
Münsterland
Wieder einmal habe ich Deine dieses Mal 3 (weihnachtliche) Revisionsberichte verschlungen.
Abermals meinen höchsten Respekt und Dank.
Und daß ich Deine Berichte von Jahresuhren bevorzugt lese, weißt Du ja inzwischen.

Gruß, Stephan
 
  • Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 Beitrag #7
B

Breton

Dabei seit
01.11.2022
Beiträge
1
Hallo Stromer, wo kann ich für so ein Werk noch ein komplettes Hemmungsrad finden?

Gruss aus der Bretagne vom Bretonen
 
  • Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 Beitrag #8
Der Stromer

Der Stromer

Themenstarter
Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
2.897
Ort
92272 Hiltersdorf
Die Firma existiert nicht mehr. Ersatzteile gibt es demnach auch keine mehr. Leider.
Alternative: Auf ein Schlachtwerg z.B. in der Bucht warten und dann zuschlagen. Aber das kan dauern...
 
  • Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 Beitrag #9
Matthias MUC

Matthias MUC

Dabei seit
09.07.2019
Beiträge
2.036
Mir fällt grad der Name von dieser Firma in Österreich(?) nicht ein, der hier öfters fällt, wenn es um Zahnräder bei Großuhren etc. geht - könnten die nicht so ein Ankerrad fertigen? Zumindest wenn in der Uhr von @Breton das Hemmunsgrad nicht völlig fehlt, sondern "nur" defekt ist aber als Muster dienen kann.
 
  • Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 Beitrag #10
Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

Uhrmacher im Ruhestand
Dabei seit
28.10.2010
Beiträge
6.349
Ort
O W L
Das war Peter Wibmer, der allerdings inzwischen im Ruhestand ist.
 
  • Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 Beitrag #11
JackSlater

JackSlater

Dabei seit
08.01.2010
Beiträge
3.689
Ort
Wien
Aber wenn mich nicht alles täuscht, ist die Tochter in die Fußstapfen des Vaters getreten.
 
  • Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 Beitrag #14
Der Stromer

Der Stromer

Themenstarter
Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
2.897
Ort
92272 Hiltersdorf
Zur Kenntnis:

Sehr geehrte Kunden, Kollegen.
Seit meinem 14. Lebensjahr bin ich Uhrmacher, nunmehr seit fast 60 Jahren. Die mir noch verbleibende Zeit „bis zur Grube“ möchte ich nicht mehr an meinem Werktisch verbringen.
Ab 31. Juni 2022 ist mein Betrieb geschlossen. Ersatzteile oder Anfertigungen übernehme ich ab diesem Datum keine mehr. Sehr lange habe ich einen geeigneten Nachfolger gesucht.

In Herrn Bernhard Wagner habe ich einen Mann gefunden, der in der Lage ist, all das, was ich gemacht habe, weiterzuführen. Bernhard ist jung, ist motiviert und hat einen Maschinenpark ähnlich meinem. Bitte wenden Sie sich ab jetzt, wenn Sie Ersatzteile für Großuhren brauchen, an Ihn.

Für Reparaturen von Großuhren wenden Sie sich an meine Tochter Therese an der Adresse Bärnkopf. Therese verfügt für alle erdenklichen Probleme große Kompetenz.

Ich bedanke mich für die gute Zusammenarbeit.
Peter Wibmer, Uhrmachermeister


Therese Wibmer
Uhrmachermeisterin
Bärnkopf 3
A-3665 Gutenbrunn
+43 (676) 6299718
[email protected]
Uhrmachermeisterin Therese Wibmer

Bernhard Wagner
Uhrmachermeister
Oberndorf 24
3820 Raabs an der Thaya
0676 / 7584726
[email protected]
Uhrmacherkunst Wagner Bernhard - HOME



Ob sich das Anfertigen eines Hemmrade für eine KoMa lohnt, wage ich zu bezweifeln. Dazu braucht es einiges an Information über die Uhr mehr, als der TS bisher von sich gegeben hat.
 
Thema:

Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954

Konrad Mauch (KOMA) Jahresuhr ca. 1954 - Ähnliche Themen

Haller Jahresuhr Zugfederfett: Hallo Freunde, vor gut einem Jahr hab ich mir eine billig erworbene Haller Jahresuhr zurechtgebastelt. Es war meine erste Jahresuhr. Nach Einbau...
Ein "Dame âgée" vor dem sicheren Tod gerettet...: Einer Französin das Zählen der Zeit wieder beigebracht. Mal ein seltener Gast auf meinem Tisch. Eine Französin, Baujahr ca. 1850 – 70 hat auf...
Poljot 2612 eine Armbanduhr mit Wecker: Ich habe letztens die Überreste eines Armbanduhrweckers in der Bucht erstanden. Das hat mich dazu veranlasst, mich mal wieder mit dem Poljot 2612...
IWC Spitfire Ref. IW387902 in Bronze: Liebe Therapiegruppe, es war Ende der 90iger, als ich zum ersten Mal eine IWC in der Hand hatte. Ein Bekannter von meinem Vater hatte sich diesen...
Hakenhemmung - was stimmt hier beim Abfall nicht?: Hallo, Eine Wuba Warmink Kaminuhr (Hakenhemmung, Rechenschlagwerk) wurde gereinigt, wieder zusammengebaut, danach kurzer Probelauf, dann geölt...
Oben