KIENZLE - Weltzeituhr mit mechanischem Werk

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#1
Der Stromer

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Da hat mich doch Jemand gefragt, ob so eine Uhr auch eine Zeigerreibung hat und ob die bei seiner Uhr eventuell defekt sein Könnte!? Der Minutenzeiger hängt immer auf "Halb".
Meine Antwort war klar, natürlich hat auch diese Uhr eine Zeigerreibung. Ein paar Tage später war dann das gut Stück bei mir und ich habe einen Blick ins Werk geworfen:shock:. Ich hole mal ein wenig aus. Kienzle hat schon sehr früh begonnen, solche Uhren auf den Markt zu bringen. 1938 war es wohl, dass die erste "Weltzeituhr" mit 8-Tage Werk auf den Markt kam. Die Uhren waren (oder besser: sind) sehr groß für eine Tischuhr. Das Gehäuse hat ca. 25 cm Durchmesser und mit Sockel hat die Uhr wohl 30 cm Höhe. Damit diese recht flache Uhr nicht umfällt, hat sie ein entsprechendes Gewicht: 2,8 kg. Also, diese mechanischen Uhren wurden bis ca. 1945 hergestellt (wer hier genauere Daten hat, bitte schreiben! Ich bin für jeden Hinweis dankbar!!!:roll:) und die nächste Generation hatte dann schon das berühmt- berüchtigte Klappankerwerk von Kienzle, das 606.
Aber jetzt wieder zum Patienten:
100_5703.JPG

Wie geschrieben, mechanisches Werk 8 Tage. Offene Feder mit Gesperr, 4 Umgänge. Zeigerreibung natürlich vorhanden, aber eine Konstruktion, die ich (ich bin ja kein Uhrmacher) so noch nicht gesehen habe. Das Minutenrad war auf einem Rohr vernietet. Dieses Rohr - natürlich oben und unten gelagert - guckte ca. 1,5 mm über die beiden Platinen hinaus. In diesem Rohr steckte die Minutenwelle, die auch das Trieb für das Wechselrad trägt. Das Trieb diente auch gleich als Anschlag am "Minutenrohr". Am anderen Ende ging dann diese Welle aus dem Rohr heraus und da war wohl auch die - jetzt nicht mehr vorhandene - Zeigerreibung montiert. Diese musste aus einer Scheibe, einer Druckfeder und dem Zeigerstellknopf bestehen. Von diesen Teilen war nichts mehr vorhanden! Scheibe und Druckfeder kamen aus meinem Fundus, der Zeigerstellknopf musste aus einem vorhanden umgebaut werden. Dazu auch aus dem Fundus einen besonders langen Stellknopf heraus gesucht. Den dann aufgebohrt und ein 1,5 mm Gewinde (auf der Welle war auch so ein Gewinde) geschnitten und dann so angepasst, dass die Druckfeder genügend auf die Scheibe und damit auf das Minutenrohr drückt. Alles zusammengebaut und so hat dieses Werk auch wieder eine Zeigerreibung, die tatsächlich funktionierte. Der Stellknopf wurde dann noch mit Gewindekleber auf der Welle befestigt, damit dieses Malheur nicht wieder bei Rückwärts drehen der Zeiger passieren kann.

5704-Fertig.jpg

Dann wollte ich noch den Gang regulieren:hmm:. Aber leider hat meine historische Zeitwaage mit Röhren ihren Geist aufgegeben. So blieb also nur die Beobachtung und Zettelwirtschaft über mehrere Tage, aber letztendlich funktionierte dann alles zu meiner Zufriedenheit. Eine Weltzeituhr in diesen unruhigen Weltzeiten gerettet:prost:.

Ich hoffe, ich habe das Problem gut genug beschrieben um Eure Vorstellungskraft zu wecken. Bilder habe ich zwar gemacht, aber nur der PC weiß, wo in seinen magnetischen Eingeweiden die jetzt stecken:wand:
 
#2
Westminster

Westminster

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Danke für Deinen lesenswerten Bericht, ich dachte daß es diese Uhren erst seit den 50er Jahren gibt.
 
#3
Der Stromer

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Kienzle gab es, wie geschrieben, schon ab 1938. KUNDO aber erste ab ca. 1950. Die KUNDO sah von weitem der Kienzle zum verwechseln ähnlich, nur der Weltzeitziffernblattausschintt - tolle Wortschöpfung, gelle - ist bei KUNDO in der oberen Hälfte und bei Kienzle immer unten.
 
#4
Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

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Toller Bericht und eine tolle Uhr. In der Lehre graute mir immer davor.
 
#5
Der Stromer

Der Stromer

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:klatsch: Nur in der Lehre :ok:?
Diese Uhrwerke und in diesem Gehäuse, das hat schon was. Und erst das Werk zerlegen und dann die Feder wieder rein... :roll:
 
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KIENZLE - Weltzeituhr mit mechanischem Werk

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