Revision KIENZLE Wanduhr ca. 1921

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#1
Der Stromer

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Der Hersteller dieser Uhr war die Uhrenfabrik KIENZLE, Herstellungsdatum der Uhr ab 1921. Zu diesem Datum wurde die Marke von KIENZLE – geflügeltes Ziffernblatt – als Markenzeichen eingetragen. Amerikaner-Werk, Bim-Bam-Schlag auf 3 Tonstäbe.
3267-Firmen-Marke.JPG

Folgendes muss gemacht werden:
1.) Die Pendelaufhängung und Pendelfeder sind nicht in Ordnung. Pendelfeder „Eiert“ und muss ersetzt werden.
2.) Die gesamte Pendelaufhängung muss überarbeitet werden, denn sie klemmt an einigen Stellen.
3264-Schiefes-Pendel.JPG
3.) Das Werk muss komplett zerlegt und gründlich gereinigt werden.
4.) Beim Schlagwerk ist mindestens ein Lager eingelaufen und muss erneuert werden.
5.) Hin- und wieder rutscht die Schlagwerkfeder mit lautem Knall durch.

Also frisch ans Werk im wahrsten Sinn des Wortes!

Pendellins und Ziffernblatt mit der "gefürchteten" dünnen Versilberung:
3531-Ziffernblatt.JPG
3528-Pendellinse.JPG

Das Werk wird zerlegt und alle Teile im US-Bad gründlich gereinigt. Etwas problematisch, da das verwendete „Reinigungsmittelchen“, mit dem das Werk behandelt wurde, den Reinigungsversuchen partout widerstehen wollte. 3 Durchgänge, und der alte Schmodder war runter und ich konnte die Lager und Zapfen begutachten.
0003-Anker-im-Rost.JPG
Wie schon vorher bemerkt, 2 Lager mussten ersetzt werden.

Das Werk vorher
3533-Hintere-Platine.JPG
3532-Vorderseite.JPG
3527-Rostwerk.JPG

Jetzt kamen die Federhäuser an die Reihe, denn hier waren die Federn so verklebt, dass beim Ablaufen alle paar Stunden Schläge zu hören waren, die vom schlagartigen entspannen der Federumläufe her rührten. Nicht schön.
Die Federn waren einfach riesig! Die größte Hülse meines Federwinders reichte grade aus. Auch hier wieder alles, diesmal im Bezinbad, gereinigt und sauber abgewischt, bis nichts mehr von dem alten Fett übrig war. Die Zugfeder ließ sich dann auch problemlos wieder einwinden. Aber die Feder vom Schlagwerk (noch um einiges stärker) wollte nicht so, wie ich wohl wollte. Die Feder eingesetzt, vorsichtig die Kurbel gedreht und…. Peng – die Feder rutscht über die Niete. Also wieder raus mit der Feder und nachgeschaut: Der Federkopf, der eigentlich in das Federauge eingreifen soll, war an dieser Stelle schön rund bis auf den Grund vom Federhaus. Das konnte nicht funktionieren. Jetzt war eine Idee gefragt, ob ich das Problem ohne neue Niete lösen konnte. Da nach meiner Ansicht noch genügend „Fleisch“ an der Niete vorhanden war, um die Nute zur Aufnahme des Federauges wieder her zu stellen (Klingenstärke der Feder ist 0,7mm), suchte ich mir eine entsprechende Messerfeile aus meinem Sortiment und los ging’s mit dem Feilen. Nach einigen vielen Minuten passte dann die Nut wieder und endlich konnte auch diese Feder eingewunden werden. Für die, die es genau wissen möchten: Das Federauge war am Ende gerade und nicht rund wie die Niete. Die Nut, die ich feilte, war genau 0,7mm hoch und ca. 0,7mm tief. Das Federauge liegt fest an und klappert nicht. Es soll als für die nächsten Jahrzehnte halten.
Meine Theorie zu diesem Schaden: Durch das schlagartige entspannen der verklebten Feder war die Belastung an dieser Stelle zu groß und nach einigen Schlägen war die Nut abgeschert.

Der Rest ist dann schnell erzählt:
3566-Gereinigt.JPG
Räder gesetzt, Schlagwerk eingerichtet, Platine drauf, Probelauf für die Schlagwerk-Justage. Dann das Werk ins Gehäuse, Gehäuse senkrecht ausgerichtet und mit viel geduld den Abfall eingestellt. Der Gang war dann nur noch eine Frage von Tagen. Zuletzt beließ ich es bei einem Vorgang von 1 Minute in 24 Stunden, da sicher nach dem Transport nachgeregelt werden musste.

Und so sieht diese Uhr nach meiner „Kur“ jetzt aus:
3625-Fertig.JPG

Ps.: Das Gehäuse will der Besitzer selbst Aufarbeiten, ich habe nur die gebrochene Krone geleimt.
 
#2
Quickly

Quickly

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Servus Rolf-Dieter,
da warst du ja wieder sehr fleißig kurz vor Weihnachten! :-)

Respekt, sehr gut gemacht und wie immer ein toller Bericht.

Viele Grüße
Willi
 
#4
Uhr-Enkel

Uhr-Enkel

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Wieder mal ein schöner und informativer Arbeitsbericht, wenngleich ich das Holzgehäuse der Uhr als sehr plump empfinde.
 
#5
W

wwiegert

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Hallo,

ein schönes neues Jahr wünsche ich.

Das Gehäuse ist schlicht. Das fehlende Ornament habe ich immer noch nicht an die Krone geklebt. Mir gefällt die Uhr: Sie passt farblich und stilistisch genau zu den Möbeln meiner "Schwiegeroma", die meine Frau geerbt hat und die nun in meinem "Spielzimmer" stehen.

Ohne Aufziehen läuft die Uhr 13 Tage lang. Das Schlagwerk würde noch länger durchhalten. Alle Achtung, Rolf-Dieter, was Du daraus gemacht hast. Der Uhrenexperte, der meine Westminster-Vedette zwar nach der 3. Nachrevision zum Laufen gebracht hat, das Rumpeln aber nicht abstellen konnte, kann Dir das Wasser absolut nicht reichen.

Noch einmal ganz herzlichen Dank für die Arbeit und die Dokumentation.

Viele Grüße
Wilhelm
 
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