Kienzle Kaliber 46 / 7 - eine "Revision"

Diskutiere Kienzle Kaliber 46 / 7 - eine "Revision" im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Servus aus Wien! Ich habe in diesem Forum schon so viel Hilfe und Beistand bekommen, dass ich nur demütig "Danke!" sagen kann. So viele...

gsl

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Servus aus Wien!

Ich habe in diesem Forum schon so viel Hilfe und Beistand bekommen, dass ich nur demütig "Danke!" sagen kann. So viele bereitwillge, schnelle und kompetente Ratschläge und geduldige Erklärungen, die ich nie in gleicher Münze zurückgeben kann. Nicht denen, die sie mir gegeben haben, denn einholen in der Expertise werde ich sie nie.
Was ich machen kann, wenn mich das Gefühl nur ein Schnorrer (Schmatotzer) hier zu sein, und ich rot werde und mich nicht mehr traue Fragen zu stellen und um Hilfe zu bitten, ist einen Beitrag zu leisten in Form eines Berichts über meine Erfahrungen bei der "Revision" eines Massenuhrwerks, das aber scheinbar ein Schattendasein führt und über das ich wenig an detaillierter Beschreibung und Anleitung finden konnte - und sie ist kein "klassisch" aufgebautes Kaliber sondern hat sogar einige Besonderheiten. Vielleicht hilft dieser Erfahrungsbericht eines Greenhorns einem nachkommenden Neuling, der mit so einem Kaliber konfrontiert ist, ein wenig weiter. Dies als Beitrag und Versuch mich für alles Gute hier zu revanchieren.

Warum ich Revision in Anführungszeichen setze? Weil mir bewusst ist, dass eine fachmännische Revision nicht "nur" Zerlegen, Reinigen und wieder Zusammensetzen ist, sondern die -eben- fachmännische Inspektion und gegebenenfalls Reparatur von kaputten und verschissenen Lagern und Zapfen und Federn, sowie ein vorsorgliches Ersetzen von Teilen, die mit erhöhter Wahrscheinlichkeit in Zukunft eingehen würden, so dass die Revision eine Störungsfreie Funktion der Uhr für die nächsten 10 oder mehr Jahre gewährleistet.
So eine Revision war und ist jenseits meiner Kompetenz und war somit nicht Gegenstand dieser "Revision". Ich habe es nicht einmal geschafft den Oszillator zu zerlegen, aber dazu später.


Zur Uhr: Ich habe diese Uhr vor etwa einem Monat auf dem Flohmarkt von 60 Euro auf 30 runtergehandelt. Vermutlich habe ich trotzdem zu viel bezahlt, aber es ist nicht leicht defunkte Uhren, die kein totaler Schrott sind, zu bekommen und dabei war auch eine Hülle (zwar in schlechtem Zustand), mit (ich glaube) Zelluloseglas, eine duplierte Kette und die Aussicht auf eine erfolgreiche Reparatur, wie mir schien, da die Feder ganz aufgezogen war, die Uhr aber nach weniger als einer halben Minute wieder stehen blieb. Das deutete darauf hin, dass die Uhr vermutlich nur verdreckt und verklebt war und eine Demontage und Komplettreinigung sie wieder zum Laufen bringen würden. Auch das Stellwerk hat funktioniert und sie schien in einem halbwegs vernünftigen Allgemeinzustand zu sein (kein Rost).

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Um es vorwegzunehmen, ich trage jetzt die Uhr, die seit 10 Tagen ununterbrochen läuft, an der Kette und habe sie auf <1 Minute pro Tag reguliert. Ohne Zeitwaage wird es dauern, falls ich sie überhaupt noch genauer hinbekomme, aber ich bin hoch zufrieden und freue mich sehr.

Die Uhr aufzumachen war die erste Hürde. Der hintere Deckel war (sanft) nicht aufzubekommen, so dass ich dachte, dass er viellecht geschraubt ist. Doch drehen ließ er sich auch nicht. Ein Thread hier, den ich leider nicht mehr finde, hat mir Mut gemacht sanfte Gewalt anzuwenden und sie aufzubekommen. Der Deckel der Uhr hat ganz klassisch zwischen 10 und 11 Uhr eine Kerbe, die jedoch nur geöffnet erkennbar ist. Und der Deckel sitzt sehr, sehr fest. Die Lünette im Übrigen auch.

quad1.jpg

Bei genauerer Betrachtung sah ich, dass das Plexiglas auch versuperklebert war und trotzdem nicht festsaß. Die Superkleberreste habe ich vom Glas nicht wegbekommen, aber das Glas zum Schluß mit 1:1 verdünntem Ponal Holzleim bombenfest und wieder vollständig entfernbar eingeklebt. Danke an dieser Stelle Ingo (@monozelle) für die Anregung und Tipps in einer Privatunterhaltung aus der ich zitiere:

monozelle schrieb:
Vorausgesetzt, das Glas passt, es lässt sich einsetzen und nicht mehr hin- und herschieben.

Du kannst es so machen mit dem Holzleim. Ich nehme den hundsgewöhnlichen Ponal, den du in jedem Baumarkt bekommst. Wenn du ihn aber unverdünnt nimmst, hast du das Risiko, dass er beim Einsetzen des Glases rausquillt und man die Reste mit einem Putzholz entfernen muss, weil das hässlich aussieht. Innen an der Lünette kommt man schwer ran und man läuft auch Gefahr, das gerade eingesetzte Glas wieder rauszudrücken. Außerdem hat er nach dem Trocknen eine gummiartige Konsistenz, da passiert es auch manchmal, dass man beim Entfernen des überschüssigen Klebers auch den Teil wieder mit rauszieht, der eigentlich bleiben soll.

Ich verdünne ihn deswegen mit ein wenig Wasser, so dass er besser fließt. Wasseranteil etwa 1:1 oder auch weniger. Brauchst ja nicht viel, eigentlich nur einen Tropfen.
Das hat den Vorteil, dass er sich mit Hilfe der Kapillarkräfte von selbst in die Rinne der Lünette zieht und sich dort gleichmäßig und sparsam verteilt. Dafür nehme ich mit einem Zahnstocher einen Tropfen auf oder ich nehme einen sehr feinen Pinsel, den ich hinterher gut ausspüle. Und hinterher sieht man nichts von der Aktion. 🙂

Die Demontage war recht einfach, bis auf die Besonderheiten, wegen der ich das hier schreibe und den Oszillator und den Winkelhebel. Als erstes habe ich die Feder abgelassen. Dafür muss man das Werk aus dem Gehäuse nehmen, die Kronewelle wieder einsetzen und bei etwa halb 9 Uhr, seitlich mit einem Stäbchen den Sperrfinger (gelber Pfeil) reindrücken und kontrolliert ablassen. Das geht bei der Uhr recht Problemlos.

kienzle6.jpgkienzle4a.jpg

Daraufhin habe ich die Unruhe und den Anker, die beide auf eigenen Kloben hängen, entfernt. Der Rest des Werkes ist unter einer großen Brücke/hinteren Platine.

kienzle4.jpgkienzle4a.jpg


Die Zeiger gehen gut runter jedoch ist das Ziffernblatt eigen befestigt (roter Pfeil). Es ist nicht standard mit gelöteten Stiften und Keilschrauben, sondern die Stifte sind am Ende eingekerbt und werden zum Befestigen gespreizt. Ich habe das erst nachdem ich die hintere Platine/Brücke abgenommen hatte so richtig gesehen und verstanden. Wenn man es kennt, kann man auch seitlich mit einer Spitzzange die Stifte zusammendrücken und das Ziffernblatt entfernen. Es geht sogar mit Vorsicht und einem Schraubenzieher sie von der Seite wieder zu spreizen, wenn man nur das ZB entferenen und wieder einsetzen will, ohne das ganze Werk zu zerlegen, aber es hilft wenn man es vorher mal "im Freien" gesehen hat.

Eine weitere Besonderheit ist, dass die Platine zweiteilig ist. D.h. es sind zwei Platten, die miteinander (übereinander) mit "Pfosten" verschraubt sind. Das sieht man im Bild oben links und rechts vom roten Pfeil. Der linke Pfosten mit dem "Ring" ist einer von vieren, die verschraubt die zweite Platte halten und auf der oberen Seite die hintere Platte/Brücke halten.
R0011755.JPG
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Noch eine Besonderheit ist der Aufbau des Federhauses. Dabei ist die Federwelle und das Sperrad ein Teil, und das Federhaus ist mit einem Bolzen an der Platine besfestigt. (Bilder unten)

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Jedoch mit dem Zerlegen der Unruhe habe ich so meine liebe Not gehabt, bzw. habe ich es gar nicht geschafft und das ist in diesem Thread beschrieben: Wie zerlege ich diesen Oszillator zum Reinigen?

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Den Winkelhebel, der auch mehrteilig ist, habe ich auch nicht zerlegen können und ihn im Ganzen gereinigt:

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Gereinigt habe ich mit Elma 1:9 im Ultraschall. Wem an der Leuchtmasse auf den Zeigern und dem Ziffernblatt was liegt, sollte das lassen. Diese Leuchtmasse hat sich schon bei kurzer Einwirkung völlig aufgelöst, als wäre sie aus Zucker. Ansonsten ist das Werk, das recht üpping eingefettet war schön sauber geworden. In Ermangelung von Suprol zum Spülen, habe ich alle Teile nach dem US Bad in Wasser gespült, anschließend in 96% Alkohol gelegt, um das meiste Wasser zu binden, und dann in Wundbenzin getaucht. Den Tipp hat mir der Verkäufer des Elma 1:9 gegeben. Er hat mir gesagt, dass sie das als er noch gelernt hat so gemacht haben. Benzin ist zwar nicht hygroskop wie Alkohol, aber es ist hydrophob und stößt Feuchtigkeit und das Restwasser vom Alkohol ab, das sich dann am Boden des Glases in einer Kugel (wie in der Schwerelosigkeit) sammelt. Die Teile sind nach dem Rausholen in Sekunden staubtrocken, da Wundbenzin extrem flüchtig (und brennbar) ist (also Vorsicht beim Hantieren). Darüberhinaus ist, wie @carondeb und @30 kHz unten kommentiert haben bei alten Uhren das Leuchtmaterial möglicherweise radioaktiv und sollte mit besonderer Vorsicht behandelt werden. Dasselbe gilt für Teile (Ankerpaletten), die mit Schellack eingeklebt sind der sich in Alkohol löst.

Allgemein möchte ich hier auch aus eigener Erfahrung berichten, dass man mit US aufpassen muss. Ich habe irgendwo gelesen, dass Uhrmacher wissen, welche Teile sie nicht in den US geben dürfen. Leider ist dort nicht gestanden welche das sind. Abgesehen von den mit Schellack geklebten Ankern meine ich, dass man besonders mit (altem) Plexiglas, bzw. Zelluloseglas sehr aufpassen muss, da es sofort matt und milchig wird. Außerdem erodieren Beschichtungen (dupliertes Silber und Gold sowie Chrom und ähnliches) schon nach kurzer Einwirkung (<3 Minuten)


Bei der Remontage habe ich mich schwer getan. Ich musste die Uhr, da sie immer wieder nach einigen Minuten stehen blieb, zum zweiten Mal aus dem Gehäuse nehmen und teilzerlegen. Das Problem war, dass die Brücke/hintere Platine an dem Pfosten, wo der Ankerkloben befestigt wird nicht ganz richtig "saß", Die Brücke klemmte ein wenig am Pfosten und war nicht völlig eben (ein kleiner Spalt, somit waren alle Achsen ein wenig schief). Erstaunlicherweise war es sehr leicht gewesen alle Zapfen sofort und richtig in die Lager zu bekommen, aber die Brücke selbst hat die Schwierigkeiten gemacht. Nachdem dieses Problem identifiziert und behoben war, ist die Uhr dann auch robust und auf <2Min/Tag genau gegangen. Das regulieren ohne Zeitwaage ist recht mühsam, da der Deckel so fest sitzt und es schwer ist sie jeden Tag aufzumachen und den Schieber nachzustellen. Daraus schließe ich, dass die Uhr schon so modern ist (ich tippe auf 1950er Jahre), dass "no user serviceable parts inside", schon vorausgesetzt wird, dass sie mit Zeitwaage reguliert wird und nicht vom Träger geöffnet werden soll.

R0011820.JPGR0011822.JPG
kienzle8.jpg kienzle7.jpg

Ich hoffe, dass dieser Photoerfahrungsbericht jemandem helfen können wird. Für Hinweise auf Fehler oder Verbesserungsvorschläge bin ich jederzeit dankbar. Am besten solange ich den Beitrag noch bearbeiten kann.

Schöne Grüße aus Wien
Michael
 
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carondeb

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Mein Senf:
Isopropanol und Schellack vertragen sich nicht gut, das kann bei längerer Einwirkung gelöst werden, wobei ich im US nur Elma verwende, die Spül-/Reingungsgänge danach mache ich nicht im US. Ins US gehört meines Forumswissens nach nicht: Feder(n), Zeiger, Zifferblätter, Plexis.
Leuchtmasse aus so alten Zeigern sind uU radioaktiv, da sollte man besondere Vorsicht walten lassen, manche Hobbyschrauber fassen solche Uhren nicht mal an, siehe Forumssuche. Zumindest kannst du sie jetzt neu mit Leuchtmasse belegen.
Vorsicht ist auch geboten, weil diese Uhr keine Stosssicherung hat und bei unvorsichtigem Tragen/Anstoßen ein Zapfenbruch dann schnell einen Totalschaden darstellen würde.
Glas klebe ich immer mit UHU endfest 2K-Kleber ein, das geht eigtl auch sehr gut und hält fix und fest, habe aber Leim auch schon ein paar Mal hier gelesen.
Hast du mit der großen Zange hoffentlich nicht das Zahnrad eingeklemmt, sondern als Unterlage zum Ausschlagen genommen? Der Unruhzapfen sieht auch noch recht schmutzig aus am Bild, oder war das vor der Reinigung?

Alles in allem eine schöne Uhr!
 

30 kHz

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Salve!
Sehr gut gemacht! Cum laude! Dein toller Bericht wird gewiß auch anderen helfen, das Werk in Angriff zu nehmen.

Einen Verbesserungsvorschlag trau ich mich, anzubringen: die Anschaffung einer Zeitwaage! Du wirst das Ding umarmen. Kein häufiges Öffnen des Gehäuses, nach wenigen Handgriffen wird das Werk optimal laufen.

Weiterhin fröhliches Schrauben!

Gruß Dirk

P.S. Schellack: in diesem Forum habe ich gelesen, daß man die Unruhe beruhigt über Nacht in BENZIN liegen lassen kann. Der Schellack löst sich nicht.

In alten Uhren wurde 226Ra (Radium) verwendet, einem Alpha-Strahler mit sehr langer Halbwertszeit. Alpha-Strahlen durchdringen kein Blatt Papier und auch die Haut nicht. ABER: Gefahr droht beim Inkorporieren (Einatmen, Verschlucken), da ihre Energie im Körper absorbiert wird. Die Jungs können ja nicht - wie Gamma-Strahlen - aus dem Körper heraus.

Ich gehe mal davon aus, daß Du die Spülbrühe nicht mit Whiskey versetzt und zur Krimistunde inkorporiert hast, sondern dem alten Chemikerspruch "mit viel Verdünnung" entsprechend entsorgt hast. Jetzt ist das Thema halt durch.
 
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carondeb

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die Anschaffung einer Zeitwaage! Du wirst das Ding umarmen.
100 % Zustimmung, das war eine meiner besten "Investitionen" (150,-), wobei bei so alten Werken quasi ohne Steine und mit Stiftanker wirds mit dem schönen Bild auf der Waage auch nicht immer was... zum Regulieren ber reichts in der Regel und für Armbanduhrenkontrolle nach Reinigung ist sie ohnehin unerlässlich!
 

gsl

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Hast du mit der großen Zange hoffentlich nicht das Zahnrad eingeklemmt, sondern als Unterlage zum Ausschlagen genommen?

Das ist ein großer Stellschlüssel, den ich benutze, um das Minutenrad (vorsichtig, zunächst mit dem Griff der Pinzette) rauszuschlagen, um das Minutenrad eben nicht einklemmen zu müssen :-)

Der Unruhzapfen sieht auch noch recht schmutzig aus am Bild, oder war das vor der Reinigung?

Ja, die Fotos (außer die bei der Remontage) sind vor der Reinigung gemacht.

Danke für die Tipps mit dem, was nicht in US soll. Ich habe bis Dato alles reingegeben. Manches eben sehr kurz, anderes länger. Den Rostklumpen, den ich als erstes zerlegt und wieder zusammengesetzt habe, (Wie bekomme ich diese Taschenuhr - Krone raus + Federhaus? ) wirklich fast eine Stunde lang (Immer wieder aufgedreht.)

Was Schellack betrifft, das liest man als erstes. Wie erkennt man schellackbefestigte Anker? Ich reinige alle Anker vorsichtshalber nur kurz (<= 10 Sek.) in Elma US, und dann Wasser und Benzin. Aber Elma enthält auch Isopropyl.

Ja, Zeitwaage. Ich mach' das erst seit sieben, acht Wochen. Hab von Null rauf eh schon eine Stange Geld für Werkzeug und Material ausgegeben. Was soll ich noch alles Kaufen? Naja bald ist Weihnachten oder so. Schauma mal. :-)
 

carondeb

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Wie erkennt man schellackbefestigte Anker?
Am dunkelbraunen Bommel an der Unterseite, wo die Paletten eingelackt sind. Bei Stiftankern gibts da eh nicht. Allerdings gabs auch schon Versuche, wie lange man in Iso reinigen muss, damit der lose wird, das hält schon auch einiges aus. Mir ist noch keine Palette rausgegangen, die nicht vorher schon lose war. Und da war sie schon im Elma heraußen. Zur Sicherheit kontrolliere ich und lacke bei Bedarf neu ein, erfordert aber ein bisschen Übung (wie so vieles in diesem Bereich).
 
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gsl

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Ich gehe mal davon aus, daß Du die Spülbrühe nicht mit Whiskey versetzt und zur Krimistunde inkorporiert hast, sondern dem alten Chemikerspruch "mit viel Verdünnung" entsprechend entsorgt hast. Jetzt ist das Thema halt durch.

Ja, ich habe die Waschbrühe weder großartig eingeatmet noch getrunken sondern die Abwasch runter und gut nachgespült. Danke für die Ausführung!
 

Matthias MUC

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Erst mal Respekt, nach sieben, acht Wochen sich mit Erfolg an solche Arbeiten zu wagen. Du gehösrt zur Liga der "Amateure" im alten Wortsinne = Liebhaber.
Ja, Zeitwaage. Ich mach' das erst seit sieben, acht Wochen. Hab von Null rauf eh schon eine Stange Geld für Werkzeug und Material ausgegeben. Was soll ich noch alles Kaufen? Naja bald ist Weihnachten oder so. Schauma mal. :-)
Ich hab zwar eine ganz gut ausgestattete Elektronikwerkstatt (ein Teil vom Job), aber an "Spezial"-Werkzeug für Uhren nur das, was zum schadlosen Öffnen und Batteriewechsel beim Werktagsuhrenfundus der erweiterten Familie reicht, selber momentan weder Nerv noch Wissen für solche Revisionen noch die passenden Übungsobjekte (und auch nicht den Nerv, gezielt solche zu suchen, wo es nicht schade drum wäre). Trotzdem hab ich mir eine günstige Zeitwaage (die übliche Weishi...) besorgt, damit ich bei meinen paar "Schätzchen" sehe, ob es ihnen gut geht und rechtzeitig mitbekomme, daß sie zum Uhrmacher möchten.

lG Matthias
 

gsl

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Servus Matthias!

Erst mal Respekt, nach sieben, acht Wochen sich mit Erfolg an solche Arbeiten zu wagen. Du gehösrt zur Liga der "Amateure" im alten Wortsinne = Liebhaber.

Ich hab zwar eine ganz gut ausgestattete Elektronikwerkstatt (ein Teil vom Job), aber an "Spezial"-Werkzeug für Uhren nur das, was zum schadlosen Öffnen und Batteriewechsel beim Werktagsuhrenfundus der erweiterten Familie reicht, [...] selber momentan weder Nerv noch Wissen für solche Revisionen noch die passenden Übungsobjekte (und auch nicht den Nerv, gezielt solche zu suchen, wo es nicht schade drum wäre).

Zuallererst danke für das Kompliment. Mir ist die "alte" Bedeutung von "Amateur" vertraut und ich verwende sie auch aktiv. Ich sehe mich aber auch immer in Erklärungsnot, dass ich nicht "Dilettant" meine.
Danach muss ich das alles ein wenig relativieren. Einerseits wäre ich garnirgends ohne den Fundus an Wissen, Erfahrung und Hilfe, die ich hier aus dem Vollen schöpfen durfte und zweitens, wie ich unlängst schon anderswo geschrieben habe, bin ich so unerfahren, dass mir "Gefahren" gar nicht bewusst sind und ich mich an Sachen wage, die jemand mit mehr Einblick vorsichtiger angehen würde. Und drittens, geht es um "nichts". Auf den Flohmarkt gehe ich sowieso gerne und oft. Da wird viel "Schrott" um 5-15 Euro verkauft, an dem sich gut üben lässt, ohne das es schad' drum wär'. Und von 5 solchen sind doch 2 dabei, die man wieder zum "humpeln" bringen kann und eine, die super wird.

Was Werkzeug betrifft, ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es aus meiner bescheidenen Erfahrung ist, einen Satz vernünftiger Uhrmacherschraubenzieher und eine gute Pinzette zu haben. Alles Andere kann man aus meiner Sicht improvisieren.
Natürlich wird mit entsprechendem Werkzeug alles leichter und die Gefahr was zu zerstören sinkt.

Trotzdem hab ich mir eine günstige Zeitwaage (die übliche Weishi...) besorgt, damit ich bei meinen paar "Schätzchen" sehe, ob es ihnen gut geht und rechtzeitig mitbekomme, daß sie zum Uhrmacher möchten.

I hear you! Danke.

Liebe Grüße
Michael
 

Matthias MUC

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Sogar "Dilettant" war mal so wie früher "Weib" nicht abwertend gemeint. Wortwörtlich heißt es ja wie der "Amateur" auch schlicht und einfach "Liebhaber". "Dilettant", "dilettantisch" ist heute leider Schimpfwort geworden, und auch der Amateur rutscht zunehmend in die Richtung.... :-(
 

gsl

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Nicht erst heute. Ich erinnere mich als Bub, sind schon 45 Jahre her, hat mir mein älterer Cousin eine humoristische WC-Tafel (die damals schon nicht erst von gestern war) gezeigt, auf der stand:

Auch bei diesem edlen Werk
Gibt es Dilettanten
Der Meister trifft in's Loch hinein
Der Tölpel auf die Kanten

Das hat sich in mein Gedächtnis geätzt und seither kann ich beim Dilettanten an nichts anderes denken :-)

Ob man Panta rhei denkt, oder Sic transit, Sprache verändert sich und die Bedeutung ist dem Wandel unterworfen. So wird heute kaum jemand mit dem Wort Idiot bezeichnet nicht beleidigt sein. Dabei heißt es doch bloß privat, nicht öffentlich engagiert. 3411587
 

Matthias MUC

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Ernsthaft, 2-Komponentenkleber UHU Endfest entfernen kein Problem? In welche Chemie legst Du das ein? Was möglich ist, das ist richtig heißmachen, dann wird das Zeug "weich", so daß man mit mäßiger Gewalt die Klebstelle auseinander bekommt, und danach hat man je nach Material immer noch viel Spaß, die Klebstelle sauber zu bekommen. Ich rede da von alten Erfahrungen mit Metall auf Metall, und ich glaube nicht, daß seitdem die UHUs die Rezeptur vom UHU plus wesentlich geändert haben. Bei einem Uhrglas würde ich mich das nicht trauen, das wäre mir zu irreversibel, hätte da berechtigte Angst, daß wenigstens ein Fügepartner beim Lösen nachher für den Müll ist. Das Ponalrezept klingt gut, und ich meine, Ankersteine etc. werden teil mit Schellack geklebt. Daß manche Klebstellen in Alkohol widerstandslos verswchwinden mag beim Reinigen lästig sein, aber für Reparaturen ist das vielleicht auch mal vorteilhaft. Die Füllersammler, die ihre 100jährigen Montblancs zerlegen, neue Korkkolben oder Tintensäcke einsetzen und die Dinger nachher wieder tintendicht zusammenbauen müssen, verwenden hierfür auch eher Schellack als "mildeste" Lösung.
 

gsl

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Ja, Zeitwaage. Ich mach' das erst seit sieben, acht Wochen. Hab von Null rauf eh schon eine Stange Geld für Werkzeug und Material ausgegeben. Was soll ich noch alles Kaufen? Naja bald ist Weihnachten oder so. Schauma mal. :-)

Naja, gestern ist sie gekommen, die Weishi 1000.

Meine ersten Erfahrungen:

Meine vom Uhrmacher restaurierte und letzten August vor der Auslieferung noch geprüfte Zenith liefert Bilderbuchmessungen. Also das Gerät dürfte in Ordnung sein.

Bei meinen "Schrottuhren" vom Flohmarkt, die ich "revisioniert" habe und die in der Praxis ganz brauchbar sind, liefert die Weishi völlig erratische Messungen. Alleine schon die Abweichung oszilliert bei einigen Uhren permanent um bis zu 90 Sekunden oder gar mehr. Und das nur in einer Lage. Andere Uhren kann sie gar nicht erfassen, oder stürzt nach ein Paar Sekunden ab und fängt von vorne an die Frequenz bestimmen zu wollen. Und das sind noch nicht die Zylinderhemmungen.

Außerdem, auch wenn ich verstehen lerne, was die Messungen bedeuten und welchen Fehler sie anzeigen, kann ich ja sowieso nichts dagegen tun. Die Uhr ist schon "revidiert" (auseinandergenommen, gereinigt, zusammengebaut und geölt) mehr kann ich als Dilettant sowieso nicht machen. Also wozu ein "Uhrenprüfgerät", wie es im Jendritzki steht...

Fazit: Uhren, die in allen Lagen robust laufen und die ich durch tragen und beobachten auf eine Abweichung von 3-4 Minuten pro Woche regulieren konnte, lassen sich mit der Zeitwaage gar nicht regulieren.

Bis Dato bin ich von der Weishi etwas frustriert, denn die Uhren, die bis jetzt "gut" waren, sind auf einmal "schlecht" geworden. :-(

Liebe Grüße und frohe Weihnachten
Michael
 

carondeb

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Das wird schon!
Nimm dir am besten eine Uhr, die VOR deiner Reinigung auf der Zeitwaage vernünftig ablesbar läuft, aber eben zB mit schwacher Amplitude. Dann kontrollierst du NACH der Reinigung, ob die Amplitude besser geworden ist, idealerweise Richtung 300 °. Nicht vergessen, den Hebewinkel korrekt einstellen, manche Werke weichen von den voreingestellten 52 ° ab.

Zylinderhemmungen kannst du wie hier schon erwähnt mit der Waage nicht messen und komplett erratische oder schneeflockige Bilder, die auch immer wieder auf den Startbildschirm zurückspringen lassen meist darauf schließen, dass irgendwelche Stör-/Streifgeräusche mit dabei sind, die vielleicht am Gang nicht die massive Auswirkung haben, aber auf der Zeitwaage zu keinem sinnvollen Bild führen. Dann musst du zB die Unruh(-spirale, -höhenluft, -reif) ins Auge fassen, ob da während des Schwingens auch wirklich nichts auch nur leichten Kontakt hat, wo keiner sein soll. Das ist manchmal schwierig zu sehen, aber erst wenn alle Störgeräusche weg sind, kann auch ein gutes Bild erscheinen. (Bei Stiftanker ohne Steine ist es leider trotzdem oft nicht so schön bzw ziemlich wackelig).
 

gsl

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Ja, diese Erfahrungen habe ich auch gemacht. Es ist gut zu hören, dass es eh normal ist. Danke!

Wie besstimme ich den Hebewinkel, bzw. wie weiß ich denn, ob er korrekt ist?

Liebe Grüße
Michael
 

30 kHz

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Ich hoffe, diese Liste anhängen zu dürfen. Die Quelle ist ja angegeben.

Gruß Dirk
 

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