Revision Kieniniger und Obergfell (KUNDO) Jahresuhr Miniatur

Diskutiere Kieniniger und Obergfell (KUNDO) Jahresuhr Miniatur im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; :-D So, von mir mal wieder eine Jahresuhr:super: Hier geht es um eine KUNDO Miniatur Jahresuhr von ca. 1970. Das Uhrwerk hat die Marken...
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:-D So, von mir mal wieder eine Jahresuhr:super:

Hier geht es um eine KUNDO Miniatur Jahresuhr von ca. 1970.

Das Uhrwerk hat die Marken "KUNDO" (Kieninger und Obergfell), no (0) Jewels und "Made in west Germany".
Die Uhr habe ich im "Bundle" mit drei anderen Jahresuhren sehr günstig erstanden. Bei dieser Uhr war, wie erwartet, fast nichts in Ordnung und von "Läuft" oder so konnte keine Rede sein. Der Verkäufer hat aber schon vorher darauf hingewiesen, dass alle 3 Uhren wohl Probleme hätten...

0971-Problematisch.jpg

Na ja, angefangen vom Ölwechsel mit dem falschen Getriebeöl bis zum "fast Vernichten" des Drehpendel war hier alles zu finden. Aber von Vorn:
Das Drehpendel ist das originale nach dem Patent von Kieninger und Obergfell, ebenso wie die Pendelsicherung.
Die Pendelfeder war gerissen,

0972-Pendelfeder.jpg

machte aber nichts, da sie so wie so falsch war. Die Aufhängung wurde vom Vorbesitzer "modifiziert", zum Glück für mich aber ohne bleibende Schäden. Bei dem Patent KUNDO muss man wissen, dass die untere Pendelfedermontierung kein Einhängen wie üblich ermöglicht, sondern im Schaft des Drehpendel ein Loch für den Stift vorhanden ist. Dieser Stift wird dann durch eine Spiralfeder nach oben gedrückt. Wenn man dieses Prinzip nicht kennt, ist es sehr schwer, eine neue Pendelfeder zu montieren.
Also hier erstmal alles demontiert und dann in der unteren Montierung das Loch etwas aufgerieben, damit der Stift hier nicht, im Gegensatz zu den "normalen" Montierungen, klemmt. Dann die Basisplatte (Stuhl) richtig herum wieder auf die Säulen gesetzt.
Dann kam das Werk an die Reihe: Alles zerlegen und im US-Bad gereinigt.

0975-Falsches-Oel.jpg0977-Zerlegt.jpg

Anschließend die Teile Poliert und mit Zaponlack versiegelt, dann die Lager vorsichtig mit der Reibahle gereinigt. Es stellte sich heraus, dass das Sperrrad unter Karies litt.

20120623_0002-Sperrrad.jpg

Da hilft nur Eines, ersetzen. Die Klauen des Anker hatten auf den Hebeflächen Riefen und mussten Nachgeschliffen werden, dass Hemmrad konnte weiter verwendet werden, nur eine leichte Nacharbeitung der Zähne lies sich nicht umgehen.


20120623_0008-Hemmrad-und-Z.jpg20120623_0007-Ankerzapfen.jpg20120623_0006-Eingangsklaue.jpg20120623_0005-Ausgangsklaue.jpg

Auch die Gehäuseteile, die teilweise in einem sehr schlechten Zustand waren, wurden so aufgearbeitet und strahlen jetzt wieder im alten Glanz.

0979-Bodenplatte.jpg0971-Problematisch.jpg

Auch das Drehpendel musste "dran glauben", da es sehr unschön aussah. Bei der Demontage der Teile des Drehpendel fiel mir auf, dass alle Arme, auf denen die Kugelnsitzen, irgendwie verbogen waren. Sie saßen einfach zu nahe an der Halterung und bei drei Kugeln war das so extrem, dass diese schräg zur Mitte verbogen waren. Da hat also mal Jemand versucht, den Gang der Uhr mit "Gewalt und Spucke" zu verbiegen. Das hat einige Zeit gedauert, bis ich diese Messingteile wieder in die Reihe gebracht habe.

0979-Bodenplatte.jpg1003-Wo-rohe-Kraefte.jpg

Alle teile wieder zusammen Bauen war nun kein Hexenwerk mehr. Auch das Anpassen der richtigen Pendelfeder ging problemlos, obwohl man hier sehr aufpassen muss, dass die Feder nicht zu kurz wird, da sonst bestimmt das Drehpendel an der Pendelsicherung schleifen wird. 1/2 mm sollte hier schon Spielraum sein.
Das schöne Email-Ziffernblatt

0974-Schoenes-Gesicht.jpg

hat Arabische Stundenziffern. Unter der 12 steht die Marke "Kundo", und unter der 6 "Made in Germany" - siehe dazu auch meine Einleitung "Geschichte des Made in Germany".
Es gibt drei Stellschrauben zur Justage der Uhr, das Drehpendel kann mit der Patentsicherung arretiert werden.
Diese Uhr war in einem erbarmungswürdigen Zustand, aber alle Probleme konnte ich beheben. Damit hat sich der Aufwand doch gelohnt.

1488-Glaenzende-Erscheinung.jpg

Jetzt steht sie zusammen mit 3 weiteren "Schätzen" auf dem Regal. Und ich Glaube, die Uhr freut sich auch, dass sie wieder die Zeit zeigen darf, denn sie geht sehr genau.

1489-3-Schatz-1-KUNDO.jpg
 

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wafa

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Klasse Bericht ! :-D
Ich mag diese Drehpendeluhren, nur meist sind die ZB recht kitschig und die "Krone" oben drauf ist auch nicht mein Ding.
Die 2. von rechts, ja die wäre was :super:

Ich finde es ganz toll, daß Du Dir die Expertise angeeignet hast, diese kleinen Schätzchen zu retten.
Kein Vergleich mit den Quarz-Versionen, die man heute haufenweise trifft !!

LG
Walter
 
Der Stromer

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Na ja, Walter.
Das war halt der Geschmack der Zeit (der sich bei diesen Uhren aber über ca. 60 Jahre nicht geändert hat).
Mir gefallen diese Uhren ganz besonders, weil sie einfach etwas beruhigendes haben, mit ihren langsamen Bewegungen des Drehpendel. Und: Man hört sie nicht!

Die linke und die zweite von rechts sind übrigens Uhren mit einem Transistorwerk. Das Drehpendel wird über ein anderes Werk angetrieben. Also im Prinzip keine Jahresuhren, da Elektrisch. Aber mit Bim-Bam-Schlag und daher stehen sie noch bei mir. Der Rest meiner Uhrensammlung findest Du auf meiner HP!
 
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wafa

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Bin beeindrukt :super:

LG
Walter
 
Algol

Algol

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Sehr schön wiederhergerichtet. Immer wieder interessant zu sehen, wie solch eine Uhr zu neuen Leben erwacht.

Wie ist das mit dem Zaponieren..verwendest du den Sprühlack?..gibt es ja auch.Obwohl man sicher nach jedem Einsatz einen neuen Sprühkopf braucht.
Aber mit dem Pinsel ist ja bei größeren Flächen auch nicht gerade einfach,so schnell wie das zeug anzieht.

Gruss
 
alte Uhr

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Hallo Rolf-Dieter,

die Gute hast Du ja schön wieder hergerichtet. Man sieht immer
wieder das hier DER Spezialist in Sachen Jahresuhr am Werke ist.
:super:
Vielen Dank für's Zeigen. Und einfach toll wie Du immer das
Messing wieder zum Glänzen bringst und vor allem wieder
konservierst.

Viele Grüße
Helmuth
 
Der Stromer

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@Algol: Danke für das Lob. Hört man doch gerne und spornt an.
Zum Zaponlack: Ich verwende den mit den 4 roten Buchstaben zum Sprühen. Voraussetzung ist, dass auch vom Hersteller her die Lackkonservierung gemacht wurde (bei dieser KUNDO war das nicht der Fall, also auch keinen Lack drauf - nur Polierpaste, die einen Wachs beinhaltet und daher gut das Wiederanlaufen verhindert). Mit dem Pinsel habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Die Dinger Haaren alle! Sprühen ist besser. Aber vorher die Teile mit Nitroverdünnung fettfrei machen, sonst wird das nichts. Und dann ist weniger mehr. Nur Dünn aufgesprüht. Ps.: Nach den Sprühen die Dose auf den Kopf stellen und das Ventil leersprühen. Dann gehts auch beim nächsten Mal noch.

@Helmuth: Danke und siehe Oben!
 
Algol

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Löst den der Zapon eine vorhandene Lackkonservierung nicht an?(An einer Werksmäßig aufgebrachten Schutzschicht habe ich es noch nicht versucht)Bei Messingreifen und ähnlichen sachen war der Lack eh hinüber,also runter damit.)
Ging mir jedenfalls so, wenn mit dem Pinsel auf eine bereits lackierte Stelle kam.Das sieht natürlich garstig aus.Danach immer ein kurzer Hassanfall,das ganze wieder runter und nochmal. .Aber scheinbar passiert das beim Sprühen nicht,muss ich auch mal probieren.

Tauchen wäre ja auch eine möglichkeit,da find ich aber den Zapon hier(Zaponlack,Zapon, Schutzlack, Überzugslack, Imprägnierendoch preiswerter von der menge her. Einen unterschied zu dem mit dem 4 Roten Buchstaben kann ich da nicht feststellen.
Ps: gute Pinsel gibt es schon,auch ohne Haarausfall..aber die muss man auch gut pflegen,nicht nur des Preises willen.;-)

gruss
 
Alberich

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Hallo, Rolf-Dieter,

vielen Dank für Deinen interessanten und ausführlichen Reparaturbericht.

Ein Frage habe ich noch: Wie schleifst Du die Ankerflächen nach, und wie wird sichergestellt, daß der Winkel sich dabei nicht verändert, oder die Hebefläche "bauchig" wird?
und wie wird das Ankerrad nachgearbeitet?

Viele Grüße!

Matthias
 
Der Stromer

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@ ALGOL: Wichtigste ist, den alten Lack restlos zu entfernen. Entweder er verabschiedet sich bereit im warmen US-Bad und / oder mit Nitroverdünnung, die man ja sowieso zum Entfetten braucht (nach dem Polieren).

@ Matthias:

Hier sind die Utensilien, die ich dazu benutze, um die Hebeflächen bei einem Anker mit festen Paletten zu Polieren (nicht sehr professionell, aber für 1 - 2 Anker im Monat reicht das immer aus) :-).

Zuerst der kleine Schraubstock, möglichts einer mit parallel spannenden Backen wie meiner.
Dann eine Glasplatte (bei mir eine runde Scheibe aus einem Guckloch vom Uhrenkasten).
Polierpaste (natürlich ist Schleifpaste bei größeren Riefen besser).
Tesafilm.
1499-Hebeflaechen-Polieren.jpg

Zuerst wird auf die Backen des Schraubstockes ein Streifen Tesafilm geklebt.
Diesen dann in der Mitte der Backen aufschneiden.
Hier die Klaue im Ursprungszustand:
20120905_Ausgangszust.jpg

Den Anker lose so einspannen, dass die zu bearbeitende Hebefläche in etwas Parrallel zu den Backen liegt.
dann mit der Glasscheibe so auf das Ganze leicht drücken, dass die Hebefläche nun parallel zur Glasscheibe ist und plan auf den Backen liegt, mit der Lupe kontrollieren, ggf. korrigieren. Hier bitte sehr akkurat arbeiten, die Planstellung ist ganz wichtig!
20120905_Glasplatte.jpg


Fester Spannen und den Tesafilm von beiden Backen entfernen (der war dafür, dass die Hebefläche beim Einrichten etwas ÜBER den Backen steht).
20120905_Klaue-1.jpg

Jetzt GANZ Wenig Polierpaste auf die Glasscheibe und dann geht es rund.
20120905_Vorher.jpg

Das war es und hat bis jetzt ganz gut geklappt.

Hemmungsräder sind etwas aufwändiger und die mache ich nur "nach Gefühl" im Schraubstock mit Polierhölzchen (Sticks von der Currywurst oder so:D). Genau mitzählen, wieviele Striche man macht. Aber so bekommt man auch wieder gute Oberflächen und Zahnkanten hin.
 
Alberich

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Hallo Rolf-Dieter,

danke für Deine ausführliche Erklärung mit den vielen Bildern.

Ich hatte bei einigen meiner Großuhren ähnliche Fehlerbilder, habe das aber so belassen, aus Sorge, daß ich etwas "verschlimmbessere". Bei der nächsten Uhr wird das auch so probiert.


Biele Grüße!

Matthias
 
milo_1

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Rolf-Dieter,

schöner Bericht und wieder mal sehr ausführliche Antworten auf alle Fragen! Danke! :super: :super: :super:
 
Thema:

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