Revision Kieninger & Obergfell electronic mit ATO-Werk

Diskutiere Kieninger & Obergfell electronic mit ATO-Werk im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Kieninger & Obergfell Electronic Baujahr ca. 1970 Ob ich diese Uhr wieder in Gang bringen könnte, war die Frage des Besitzers. Die Uhr hat...
Der Stromer

Der Stromer

Themenstarter
Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
1.747
Ort
92272 Hiltersdorf
Kieninger & Obergfell Electronic

Baujahr ca. 1970

Ob ich diese Uhr wieder in Gang bringen könnte, war die Frage des Besitzers. Die Uhr hat lange auf einem Dachboden gestanden, ohne dass sich Jemand um sie gekümmert hätte.

Das Gehäuse besteht aus Messing, die Scheiben sind Glas, der Werkhalter und das Werk sind ebenfalls aus Messing.

2272-Ziffernblatt.JPG

Das Prinzip dieser Uhr basiert auf dem ATO-Werk des Erfinders Léon Hatot. Uhren mit ATO-Werken wurden von vielen Herstellern in Lizenz hergestellt, Darunter Junghans, HAU, Haller & Benzing und so weiter.

Schaltung-Printseite.JPG
Schaltung-Bestueckungsseite.JPG
Schaltung-KUNDO-ATO.JPG

Das Prinzip ist so einfach wie genial: Das Pendel ist ein Radausschnitt, der in einer (oder zwei - das ist dann eine Blindspule) Spulen eintaucht, durch die in periodischen Zeitabständen ein elektrischer Strom fließt. Bei den ersten Uhren wurde dieser Stromstoß durch einen Schalter am Werk selbst geschaltet. Später, mit der Halbleitertechnik, wurden dann Transistoren, Widerstände und Kondensatoren als "Schalter" eingesetzt, wie bei dieser Uhr auch.

Die Ganggenauigkeit ist a.) Vom Zeitglied Kondensator und Widerstand abhängig (grobe Zeitvorgabe) und b.) wie bei den herkömmlichen Schwerkraft-Pendel, durch die Möglichkeit, das Pendelgewicht in der Höhe zu verändern (Feinabstimmung), abhängig.

Das Ziffernblatt ist fein versilbert mit Römischen Ziffern. Das Werk selbst ist recht einfach aufgebaut, 4 Räder und eine Sperrvorrichtung. Durch den Eingriff eines Hebels, der an der Pendelaufhängung sitzt, wird die Kraft des Pendel auf das Werk übertragen und die Sperrvorrichtung weiter geschaltet.

2272-Ziffernblatt.JPG

Diese Uhr muss relativ genau mit den 4 Stellschrauben, die sich am Boden der Uhr befinden, in die "Waage" gestellt werden, damit sie einwandfrei funktioniert. Das ist immer dann notwendig, wenn der Standort mal gewechselt wird. Zum Transport kann auch das Pendel angehoben und mit einer Schraube an der Rückseite des Werkträgers gesichert werden.

Das recht einfache Werk
2275-Werk-Vorderseite.JPG
2276-Sehr-einfach.JPG
2277-Pendelaufhaengung-und-.JPG

Pendelaufhängung und Mitnehmer
2274-Mitnehmer-am-Pendel.JPG

Bei dieser Uhr ist mal die spezielle Batterie (Diese sind leider nicht mehr zu bekommen) ausgelaufen. Zum Glück nur 3 Stellen am Messing, die aber durch Hausmittel (Scheuersand) ganz gut beseitigt werden konnten, in Mitleidenschaft gezogen. In diesem Zusammenhang wurden die Bodenplatten und die obere Platte des Gehäuses anschließen mit Zaponlack konserviert.

Für diese Uhren gibt es Batterie-Adapter, die es erlauben, zwei AA-Batterien (Parallel geschaltet) zum Betrieb zu verwenden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass diese Batterien immer BEIDE durch solche vom selben Hersteller ersetzt werden müssen, da die Batterien parallel geschaltet sind.

2287-Der-Adapter.JPG

Das Werk habe ich zerlegt und im US-Bad gereinigt, da Jemand hier mit etwas zu viel Öl mal versucht hat, die Uhr wieder in Gang zu setzen. Nach der Montage überprüfte ich noch das Zeitnormal mit meinem Messgerät. Der Kondensator und die Widerstände hatten alle noch die nötigen Werte, das Zeitnormal stimmte.


2282-Fertig.JPG

Ich hoffe, dass der Besitzer noch lange Jahre Freude an der Uhr, die er von seinem Onkel geerbt hat, haben wird.
 
R

Ramses300

Dabei seit
21.10.2012
Beiträge
163
Das ist jetzt die dritte Variante einer Schaltung für solche Uhren, die ich sehe.
Bei meiner ist das erheblich primitiver bewerkstelligt. Es gibt keinen Kondensator und nur einen Transistor.
Ich habe auch mal eine Schaltung mit nur einem Transistor und einem Kondensator gesehen.
Das Parallelschalten zweier Batterien ist m.E. keine so gute Lösung. Besser wäre in diesem Fall auf eine Babyzelle (C) auszuweichen.
Die Frage ist, ob diese Platz hätte.

Ich nehme an, es wurden Bananenbuchsen verwendet, weil diese außerdem eine Klemmvorrichtung für die Kabelenden besitzen.
 
Der Stromer

Der Stromer

Themenstarter
Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
1.747
Ort
92272 Hiltersdorf
;-)Ramses der 300ste hat es schon geschrieben. An den Batterien im Original waren Schraubklemmen. Und diese Buchsen haben auch die Möglichkeit, die Anschlussdrähte zu klemmen.:super:

@ Ramses, ja, diese Schaltung ist wohl eine von einigen. Die 1-Transistorschaltung braucht entweder einen mechanischen Schaltkontakt oder eine Erregerspule (Doppelspule oder so).

Baby-Zelle wäre mir auch sympathischer, aber für die fehlt meistens der Platz:shock:. Die Zwei AA in Paralleleschaltung geht aber ohne Probleme, solange man wirklich gleiche Batterien einsetzt, also aus einer neuen Packung. Dann gibt es keine Probleme damit.:-)
 
uri3047

uri3047

Dabei seit
09.01.2011
Beiträge
422
Ort
Fläming
Hallo Stromer ! wenn ich so Deine Beiträge lese.....mann Du hast ja mehr zu tun wie ein Fachmann....:oops: und was so alles über den Werktisch geht !!!!!!:super: oder arbeitest Du für den Uhrmacher Deines Vertrauens ?

gru? uri
 
Der Stromer

Der Stromer

Themenstarter
Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
1.747
Ort
92272 Hiltersdorf
Hallo Stromer ! wenn ich so Deine Beiträge lese.....mann Du hast ja mehr zu tun wie ein Fachmann....:oops: und was so alles über den Werktisch geht !!!!!!:super: oder arbeitest Du für den Uhrmacher Deines Vertrauens ?

gru? uri
:shock: Öh, nö, ich bin nur Rentner und habe zufällig viel Zeit für Zeit :D:D
 
Alberich

Alberich

Dabei seit
29.06.2011
Beiträge
577
Ort
Stuttgart
Hallo Rolf-Dieter,

danke für die Vorstellung dieser interessanten Uhrentechnik.


Viele Grüße!


Matthias
 
R

Ramses300

Dabei seit
21.10.2012
Beiträge
163
Die 1-Transistorschaltung braucht entweder einen mechanischen Schaltkontakt oder eine Erregerspule (Doppelspule oder so).
Das fällt mir jetzt erst auf!
Bei dieser Schaltung fungiert die eine Spule anscheinend als Sensor- und Betriebsspule?
 
Der Stromer

Der Stromer

Themenstarter
Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
1.747
Ort
92272 Hiltersdorf
Das fällt mir jetzt erst auf!
Bei dieser Schaltung fungiert die eine Spule anscheinend als Sensor- und Betriebsspule?
Nein. Der Transistor BC258A ist mit dem Spannungsteiler Widerstand 820KOhm, 1,5 MOhm und dem Kondensator 1,2µF das Zeitglied. Der Kondensator wird beim Durchschalten des zweiten Transistors BC168A entladen und gleichzeitig die Spule unter Strom gesetzt. Über den 820KOhm-Widerstand wird nun der Kondensator wieder langsam (relativ) aufgeladen, bis über den 30KOhm-Widerstand die Basis vom BC258A positiv wird und dieser Sperrt. Dadurch sperrt auch der BC168A, die Spule wird stromlos und der Kondensator gibt seine negative Ladung an die Basis des BC258A, dieser wird wieder leitend wird und so weiter. Der 100 KOhm Widerstand parallel zur Spule ist ein sog. "Löschwiderstand" um Spannungsspitzen der Spule beim Abschalten des Stromes (BC168A sperrt) zu kappen.

Bei dieser Schaltung kommt es wirklich nur auf die Zeitkonstante Widerstand und Kondensator an, die in einem Frequenzbereich liegen muss, die der Schwingungsdauer des Pendel entspricht. Muss nicht genau sein, da die Feinstellung hier über das Pendelgewicht selbst gemacht wird.
 
R

Ramses300

Dabei seit
21.10.2012
Beiträge
163
Bei dieser Schaltung kommt es wirklich nur auf die Zeitkonstante Widerstand und Kondensator an, die in einem Frequenzbereich liegen muss, die der Schwingungsdauer des Pendel entspricht. Muss nicht genau sein, da die Feinstellung hier über das Pendelgewicht selbst gemacht wird.
Das hätte ich mir so nicht ausgedacht! :)
 
Uhr-Enkel

Uhr-Enkel

Dabei seit
04.11.2009
Beiträge
15.781
Ort
Mordor am Niederrhein
Die Uhr finde ich sehr schön. Wieviel müßte man für dieses oder ein ähnliches Modell ausgeben? Leider habe ich keine Ahnung von Tischuhren und von 10 Euro bis 5stellig ist z. B. bei Ebay alles dabei.
 
R

Ramses300

Dabei seit
21.10.2012
Beiträge
163
Die Uhr würde ich in der Bucht zwischen 30 und 250 Euro einschätzen, wobei die beiden Enden schon sehr extrem wären.
Manche kaputte ATO Tischuhr bekommt man nicht für 30 Euro.
 
Uhr-Enkel

Uhr-Enkel

Dabei seit
04.11.2009
Beiträge
15.781
Ort
Mordor am Niederrhein
Danke für die Info. Vielleicht wäre eine schöne Tischuhr ein gelungener Abschluß einer Uhrensammlung.
 
Ruebekarl

Ruebekarl

Dabei seit
20.03.2010
Beiträge
4.739
Ort
Schweizer Bodenseeufer
Danke für die Info. Vielleicht wäre eine schöne Tischuhr ein gelungener Abschluß einer Uhrensammlung.
Da es die bekannte Exituhr ja nicht gibt also nie?

Dennoch, vom Design her eine wirklich schöne Uhr, da würde ich auch nicht nein sagen können. Aber zum Abschluss ist immer noch eine Atmos geplant ...
 
Thema:

Kieninger & Obergfell electronic mit ATO-Werk

Kieninger & Obergfell electronic mit ATO-Werk - Ähnliche Themen

  • Revision Kieninger & Obergfell Tischuhr, Elektronik mit EM1000, 6 Steine.

    Revision Kieninger & Obergfell Tischuhr, Elektronik mit EM1000, 6 Steine.: Diese Uhr (in diesem Gehäuse) fehlte noch in meiner kleinen KUNDO-Sammlung. Und wie es immer ist, wenn man etwas unbedingt haben will, so wird es...
  • Revision Eine XXL-Jahresuhr von Kieninger & Obergfell ca. 1911

    Revision Eine XXL-Jahresuhr von Kieninger & Obergfell ca. 1911: Sehr große Jahresuhr von Kieninger & Obergfell aus ca. 1911. Diese Uhr ist mir mal so vor ca. 5 Jahren „zugeflogen“. Ohne Glasdom und arg...
  • Kieninger & Obergfell (KUNDO) Magnetpendeluhr mit Werk EM1000

    Kieninger & Obergfell (KUNDO) Magnetpendeluhr mit Werk EM1000: KUNDO Magnetpendeluhr mit dem Werk EM1000 und mechanischen Kontakten, ca. 1950. So. Da habe ich also diese Uhr – Kieninger & Obergfell...
  • Revision Kieninger & Obergfell (KUNDO) Electronic ca. 1970 zum Leben erweckt!

    Revision Kieninger & Obergfell (KUNDO) Electronic ca. 1970 zum Leben erweckt!: Wieder so ein Fall: Könnten Sie mal.... Und dann mein Sprachfehler :shock: Also da kommt dann ein Karton an, mit einer Uhr drin. Der erste...
  • Jahresuhr aus ca. 1920 mit Kieninger & Obergfell-Werk aus 1912

    Jahresuhr aus ca. 1920 mit Kieninger & Obergfell-Werk aus 1912: Eine schöne Marriage! Jahresuhr aus ca. 1920 mit Kieninger & Obergfell-Werk aus 1912. Hier habe ich erst mal gestutzt: Ein Gehäusepodest, dass...
  • Ähnliche Themen

    Oben